Tagesgedanken

Gedanken zum Buch „Der starke Sozialstaat“ (Rezension hier)

Ich habe schon zwei Punkte betrachtet, die mich ganz schön zur Weißglut gebracht haben (den ersten gibt es hier, den zweiten hier).

Heute möchte ich etwas ansprechen, das mich zumindest nachdenklich gestimmt hat.

Ist die Gesellschaft zuständig dafür, für den Unterhalt aller Kinder zu sorgen?

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn Eltern – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu versorgen, dann ist es unser aller Aufgabe, für diese Kinder (mindestens finanziell/materiell) aufzukommen.

Aber muss die Gesellschaft für ALLE Kinder aufkommen? Ich würde mich hier tatsächlich fragen, wieso? Kann das Argument der Gerechtigkeit hier ausreichend sein? Sind nicht die Menschen, die (zu) wenig für ihre Arbeit verdienen, nicht ohnehin schon benachteiligt, sodass ein Kindergeld nur an diejenigen, die es wirklich brauchen, eher eine Annäherung an Gerechtigkeit denen gegenüber ist, die ausreichend für ihre Arbeit verdienen? Behalten Ausgleichszahlungen an alle Kinder diese Ungerechtigkeit nicht eher aufrecht?

Ein zweiter Aspekt, der mir hierbei durch den Kopf geht, ist, dass es ja heutzutage in erster Linie eine eigene Entscheidung ist, Kinder zu bekommen. Da fällt es mir schwer anzuerkennen, dass man sich für ein Kind entscheidet und dann schreit, dass aber bitte der Staat dafür aufzukommen hat. Immer ausgenommen natürlich Notsituationen, die eintreten, oder Menschen, die ohnehin viel zu wenig für ihre Arbeit verdienen. Kindern soll es gut gehen. Ohne Wenn und Aber. Aber solange die Eltern dafür sorgen können, sollten die auch tun sollen.

Bleibt vielleicht der Aspekt, dass die Kinder unsere Zukunft gestalten. Aber wollen wir unsere Kinder wirklich als Werkzeuge für unser künftiges Leben betrachten und verrechnen? Hier ließe sich sicherlich noch vieles mehr diskutieren und anmerken. Vielleicht in einem nächsten Beitrag.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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23 Gedanken zu “Tagesgedanken

  1. „Aber muss die Gesellschaft für ALLE Kinder aufkommen?“

    Ja, das muss sie.
    Vielleicht mit der Einschränkung, dass sie das für die Kinder wohlhabender Eltern möglicherweise in etwas geringerem Umfang tun könnte, und für die Kinder weniger wohlhabender Eltern etwas mehr tun sollte.

    Beispielsweise über den Kinderfreibetrag – eine staatliche Leistung, die bei Menschen mit geringem Einkommen (Hartz IV – Mindestlohn) nicht ankommt, von wohlhabenderen Eltern aber komplett ausgeschöpft werden kann und deren Steuerlast mindert.

    Ansonsten finde ich es durchaus richtig, dass der Staat, also die Allgemeinheit – wir alle, uns an den Kosten der Kinderaufzucht beteiligen, beispielweise über die Finanzierung von Schulen, Unis, Kitas, Freizeitangeboten usw.
    Denn würden wir das nicht, entstände die nächste soziale Schieflage, weil die Bildungs-Chancen vor allem der Kinder finanzschwacher Eltern noch schlechter würden, als sie es ohnehin schon sind. Was die Spanne zwischen Arm und Reich auf Dauer noch vergrössern würde.
    Bildung sollte für alle zugänglich sein. Kostenfrei – genau so wie – damit zusammenhängend – der Zugang zum Internet, zu Bibliotheken und Museen, sofern sich damit Bildungschancen und die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe erhöhen….

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    • Oh ja, natürlich. In diesem Sinne bin ich vollkommen bei Dir. Da würde ich gern auch die Angebote erweitert und deutlich (qualitativ) verbessert sehen wollen. Ich würde da sogar dafür plädieren, dass Kinder selbst frei entscheiden können, welche Zusatzangebote sie in Anspruch nehmen wollen, und nicht für alles und jedes eine Unterschrift der Eltern brauchen.
      Ich kam da wohl zu sehr von dem Buch, in dem es um den Lebensunterhalt ging. Und wenn Eltern für den aufkommen können, dann sollen sie das – meiner Meinung nach – auch tun.
      Und in Ergänzung zu Deinen sehr wichtigen Forderungen würde ich dann auch dafür plädieren, dass man weitere Bildungsangebote, die man ggf. von einem privaten Markt in Anspruch nimmt, dann auch nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können. Wenn es ausreichend viele und gute staatliche, kostenlose Angebote gibt, sollten die anderen nicht zusätzlich noch unterstützt werden. Das führt nur zu weiterer (Ab-)spaltung.

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      • Genau so meinte ich das…
        Wenn es ein ausreichend gute und qualitativ hochwertiges öffentlich finanziertes und kostenfreies Angebot gibt, könnten Subventionen für private Bildungsangebote auch entfallen. Genau wie die steuerliche Absetzbarkeit, die ohnehin nur wieder denen nutzt, die sich sowas oleisten können.
        Stattdessen sollten die freiwerdenden Gelder sinnvollerweise zur besseren Finanzierung der staatlichen (aus öffentlicher Hand finanzierten) Angebote einsetzten…

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  2. Eine Gesellschaft kann doch nur überleben, indem von „unten“ Menschen nachwachsen oder von „außen“ hinzukommen. Wenn also eine Gesellschaft fortbestehen will, muss sie wohl das ein oder andere (oder beides) fördern. Und wenn Menschen sogar Kinder in die Welt setzen, dann muss man ihnen keinen Orden dafür an die Brust heften oder viele Geldscheine zustecken. Es würde schon reichen, wenn man das Kinderhaben vereinfacht. Und das ist eben nicht nur Geld.

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    • Ja, ganz häufig sind es „logistische“ Probleme, mit denen man zu kämpfen hat, wenn man versucht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Da ist sicherlich noch viel möglich. Und es würde wohl auch dazu führen, dass wir innerhalb der Berufe eher zu einer Geschlechterparität finden.
      In dem Buch ging es halt um das reine Überleben, die Existenz. Und ja, Kinder sollen (mindestens) materiell ein gutes Auskommen haben. Aber wenn Eltern das leisten können, dann sollen sie das auch leisten sollen.

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  3. …vor über 20 jahren musste ich in D Sozialhilfe beantragen, Kindergeld und Unterhalt wurden mir als Einkommen angerechnet, so dass dieses Geld nicht ausschließlich meinem Kind zur verfügung stand…
    …auf meine Frage hin, ob das nicht Unrecht sei, denn Millionärskinder bekämen auch Kindergeld, was ihnen mit der Begründung gegeben wird, das Geld sei für das Kind…
    …antwortete die Bearbeiterin auf dem Amt, das sehe sie auch als Unrecht, aber ich würde eine Klage mit allem, was damit zusammen hängt, sicher nur schwer durchstehen, womit sie Recht hatte…usw.
    …ich finde generell die soziale Ungleichheit ein Problem, das nur wirklungsvoll gelöst würde, wenn man an die Wurzel ginge…aber, ist das überhaupt gewollt? (…die „Oberen“ ziehen schließlich Energie daraus, dass es die Unteren gibt…)
    …und wenn ja, würde es sehr lange dauern eine Gesellschaft zu schaffen, in denen jeder seinem Wesen entsprechend glücklich und geachtet leben kann, es wäre ein lohnendswertes Ziel, ich glaube aber, wir sind auf Erden, um zu lernen, uns als Mensch und Seele zu vervollkommnen…und dazu gehören Herausforderungen…(das würde ein Buch werden, wenn ich jetzt noch weiter schriebe…)

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  4. Also, um es kurz zu machen: Natürlich soll und muss die Gesellschaft für alle Kinder gleichermaßen aufkommen. Alles andere wäre ein Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgeseztes und der ist schon irgendwie wichtig.
    Und Kinder kosten nun mal Geld. Bis zu 130.000 Euro pro Kind bis zum 18. Lebensjahr, hat das Statistische Bundesamt mal ausgerechnet. Dem gegenüber steht im gleichen Zeitraum ein Kindergeldbezug für das erste Kind von 44.064,00 Euro. Mit anderen Worten: Auch die Reichen haben durch das Kind finanzielle EInbußen (den Freibetrag jetzt mal außen vor gelassen), dass sie diese unter Umständen besser kompensieren können als Geringverdiener, tut hierbei aber gar nichts zu Sache.
    Indem man Reichen das Kindergeld streichen würde, schafft man meines Erachtens zwei Effekte: Zum einen macht man damit aus einer vermeintlichen Ungleichbehandlung für die einen eine tatsächliche Ungleichbehandlung für die anderen, zum anderen könnten sich zukünftig dann besserverdienende Paare doch wieder verstärkt gänzlich dagegen entscheiden, Kinder zu bekommen. Das wiederum ist nicht nur für die Bevölkerungsentwicklung ungünstig, sondern eben auch, weil Kinder von Besserverdienenden zukünfig eben auch mit höherer Wahrscheinlichkeit Besserverdienende werden und somit viel Steuern zahlen werden.
    Es hat also schon Gründe, warum der Staat am Kindergeld für alle festhält.
    Und ich finde auch nicht, dass der Bezug von Kindergeld etwas damit zu tun hat, dass man danach schreit, dass der Staat sich zukünftig um die Kinder zu kümmern habe, sondern dass der Bezug von Kindergeld nichts anderes als die Inanspruchnahme mir zustehender Rechte darstellt. Da sind wir dann wieder bei Artikel 3 GG. 🙂

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    • Ich denke nicht, dass die Sorge des Staates für die Kinder aus Artikel 3 GG hergeleitet werden kann.
      Die Kinder haben ein Recht auf angemessenen Lebensunterhalt, wie jeder Mensch. Die Frage ist, wer dafür aufzukommen hat. Und da sehe ich bei Kindern eben zuerst die Eltern in der Pflicht – so wie ja zahlungskräftige Kinder auch für ihre Eltern aufzukommen haben, bevor der Staat übernimmt. Erst wenn die Eltern dieser Pflicht nicht mehr nachkommen können, dann hat der Staat einzuspringen. Nun ja, das ist jedenfalls meine Haltung dazu. Und dann wiederhole ich das gern nochmal aus einem anderen Kommentar an jemand Anderen: wie diese Haltung dann konkret umgesetzt wird/werden kann, hängt sicherlich immer von der jeweiligen Situation ab.
      Kindergeld, um Menschen anzuhalten, mehr Kinder zu bekommen, dürfte man zumindest in Zeiten, wo andere im Bevölkerungswachstum ein Problem sehen, mal hinterfragen dürfen.
      Akademiker anzuhalten, mehr Kinder zu kriegen, damit wir auch später noch viele Akademiker haben, das finde ich nun aber wirklich eine Zementierung von Unrecht. Sollten wir nicht lieber schauen, dass auch Kinder aus nicht-Akademiker-Haushalten die gleichen Chancen bekommen, Akademiker zu werden? Da wären wir dann bei dem, was wir ja schon diskutiert haben: nämlich die Bedingungen für Familien mit Kindern ganz allgemein zu verbessern.
      Dass es die derzeitigen Eltern als Benachteiligung empfinden und meinen, man würde ihnen etwas wegnehmen, wenn es Kindergeld nur noch gibt, wenn man wirklich nicht den Lebensunterhalt der Kinder bestreiten kann, das kann ich gut nachempfinden. Das würde dann für mich aber ein Aspekt sein, der hineinspielt in die Frage, wie kann ich meine Haltung umsetzen.
      Und noch ein Punkt, der dann aber noch emotionaler aufgeladen ist als die vorherigen: Wenn wir Kinder bekommen, damit sie in Zukunft eine bestimmte Funktion erfüllen und nicht, weil sie für uns zu einem erfüllten, glücklichen Leben dazugehören, welchen Wert hat das Ganze dann noch? Knechten wir sie dann nicht von vornherein?

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      • Ich fange der Einfachheit halber mal von vorne an. 🙂

        Zugegeben, aus meiner Formulierung ließe sich entnehmen, dass ich dem § 3 die Sorge des Staates für die Kinder entnehme. Das meinte ich aber weniger, das wichtige in dem Satz ist „für alle Kinder gleichermaßen“. Ich meinte, dass sich aus dem § 3 ableiten lässt, dass wenn ein Anspruch auf Kindergeld besteht, dieser eben auch für alle Eltern besteht, unabhängig von deren Einkommen. Nimmt man den Reichen das Kindergeld weg, verstößt man gegen das „vor dem Gesetz gleich“.

        Mit dem Kindergeld werden auch sicherlich keine Menschen „angehalten“, Kinder zu bekommen, aber es dient dazu, ein wenig der finanziellen Belastung, die ein Kind verursacht, abzumildern. Und dieser Aspekt wird sicherlich für viele bei der Familienplanung eine Rolle spielen. Darüber hinaus ist unsere Politik, um ehrlich zu sein, schon kinderfeindlich genug, insofern wäre der bessere Ansatz vielleicht, darüber nachzudenken, wie man hier etwas verbessern, Bezüge und Angebote erweitern könnte, anstatt anderen etwas wegzunehmen!?

        Was das Bevölkerungswachstum angeht, so tragen wir in Mitteleuropa dazu relativ wenig bei. Die Bevölkerungszahl in Deutschland lag in den letzten 30 Jahren konstant immer so zwischen 80 und 83 Millionen Menschen. Wenn in dieser Situation weniger Kinder geboren werden, dann überaltert die Gesellschaft, mit all den damit zusammenhängenden Folgen, beispielsweise für die Rentenkasse oder das Gesundheitssystem. Eigentlich erleben wir genau diese Entwicklung seit geraumer Zeit. Insofern ist es natürlich wichtig, dass Geburtenzahlen nicht einbrechen, nur weil man Leistungen streicht.

        Was die Akademiker-Situation angeht, so bin ich absolut bei dir. Man könnte hier so einiges tun, um Ungleichheiten für finanziell schwächer Gestellte zu verbessern, da ist noch viel Luft nach oben. Aber auch das erreicht man doch nicht, indem man den Akademikern etwas wegnimmt. Im Idealfall sollte man erreichen, dass sich die Situation für die Akademiker nicht ändert und für die finanziell schwächer gestellten verbessert, dann haben alle etwas davon.

        Von meinen Ausführungen abzuleiten, dass ich Unrecht zementieren wolle, ist gelinde gesagt, eine Fehlinterpretation, nebenbei bemerkt.

        Was die Haltung angeht, so könnte man die Streichung von Kindergeld für bestimmte Gruppen nicht nur als Benachteiligung empfinden, es IST eine. Das würde gegen jegliche Gleichheitsgrundsätze verstoßen, selbst wenn die Reichen in der Lage wären, ohne Kindergeld über die Runden zu kommen.

        Was den letzten emotional aufgeladenen Punkt angeht, so hat doch auch da wieder das eine nichts mit dem anderen zu tun. Wenn ich etwas gesamtgesellschaftlich, also ohne Fokus auf das Individuum, betrachte, dann sind die Kinder von heute für mich natürlich die Steuerzahler, Arbeitnehmer aber auch Gestalter unseres Landes von morgen. Aber wer sagt denn, dass man nicht eine solche „Funktion“ haben kann, und trotzdem ein glückliches, erfülltes Leben führen kann!? Ich bin beispielsweise einerseits Arbeitnehmer und Steuerzahler mittleren Alters, andererseits zumeist auch recht glücklich und zufrieden. Das widerspricht sich nicht, es ist bloß eine Frage der Betrachtungsweise, bei der ich entweder das große Ganze oder aber die Einzelperson im Blick habe.

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      • Okay, ich mache es kurz.
        Ich sagte nicht, dass DU da was zementierst, sondern dass diese Maßnahme zementieren würde.
        Was mir ansonsten in Deinem Kommentar auffällt, dass es immer darum geht, jemandem etwas wegzunehmen. Das ist die allgemeine Diskussion, wenn es um eine Änderung von Maßnahmen geht, und bringt nicht weiter. Nebenbei: das Geld steht, wenn, den Kindern zu, nicht den Erwachsenen.
        Letztes hierzu: Wenn wir es schaffen würden, mit den Folgen der „Überalterung“ umzugehen, hätten wir das einmal geklärt und müssten nicht immer wieder neu damit kämpfen. Auch ein Grund mal darüber nachzudenken, ob nicht andere Wege auch sinnvoll sein könnten.

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