Tagesgedanken

Wer ist schuld an dieser zweiten Welle?

Ich würde mal ganz platt sagen: „Niemand.“

Und es hilft auch nicht, diejenigen Wissenschaftler/innen, die begründet aus vorliegenden Daten auf das Auftauchen einer zweiten Welle geschlossen haben, zu diffamieren oder ihnen gar ans Leben gehen zu wollen. Da hilft es auch nicht, die Gebäude der Institution, die mit der Veröffentlichung der Datenlage versucht, Unterstützung zu leisten, anzuzünden.

Das ist das ganz normale Verhalten eines Virus. Es versucht, sich zu erhalten. Und das geht am besten durch Vermehrung und Verbreitung. Eigentlich nichts Neues. Nur wenn man eben die Existenz eines solchen Virus verleugnet oder (um es positiver auszudrücken) die Augen davor verschließt, muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende von einer zweiten Welle überrascht wird.

Und auch die Versuche, denen, die in den Urlaub gefahren sind oder mal eine Familienfeier machen, Vorwürfe zu machen und sie als Sündenböcke hinzustellen, hilft uns gerade nicht weiter.

Und deshalb ist eigentlich die Frage wirklich blöd gestellt.

Schauen wir doch mal andersherum.

Ist es nicht eher anerkennenswert, dass Menschen nicht in den Urlaub gefahren sind, um die Verbreitung einzudämmen? Dass Menschen in Ferienwohnungen oder autarken Wohnwagen Urlaub gemacht haben, um die Verbreitung einzudämmen? Dass Menschen Maske tragen, um die Verbreitung einzudämmen? Dass Menschen Abstand halten, um die Verbreitung einzudämmen? Dass Menschen nur noch wenige Großeinkäufe machen – ja, und dabei auch etwas Clopapier hamstern – statt täglich im Supermarkt herumzuscharwenzeln, um die Verbreitung einzudämmen?

Man stelle sich nur mal vor, wo wir wären, wenn diese Menschen alle Vorsicht in den Wind geschrieben und Urlaub und Alltag wie immer gemacht hätten?

Niemand ist schuld. Aber viele haben dazu beigetragen, dass es noch nicht schlimmer ist, als es im Moment ist. Macht weiter so, verliert nicht den Mut, weil es ein paar nicht auf die Reihe kriegen, sich rücksichtsvoll und mitmenschlich zu benehmen. In erster Linie kommt es auf den eigenen Beitrag an.

Bleibt gesund und in anständig abständigem Kontakt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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22 Gedanken zu “Tagesgedanken

    • Natürlich würden wir jetzt besser dastehen, wenn wir den LockDown vom Frühjahr ganz einfach nicht aufgehoben hätten oder früher in einen LockDown gegangen wären. Auch dafür gibt es wissenschaftliche Nachweise.
      Aber selbst wenn wir einfach nur so vor uns hingelebt hätten, wäre es zu einer zweiten Welle gekommen. Wie stark, steht natürlich zu fragen.
      Ich denke halt nur, dass die allermeisten Menschen versucht haben, etwas beizutragen, damit die Ausbreitung eingedämmt wird. Wie viele sind eben doch zu Hause geblieben oder haben eine Art von Urlaub gemacht, den sie sonst so nicht gemacht haben? Das ist für mich durchaus ein Beitrag, vielleicht ein kleiner. Aber es ist einer. Und das sollten wir wertschätzen und uns nicht gegenseitig verdammen. Wir könnten eben auch deutlich schlimmer dastehen. Auch das ist wissenschaftlich untermauerbar.

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  1. In erste Linie kommt es auf den eigenen Beitrag an…
    Sehr richtig.!

    Und klar auch, dass Schuldzuweisungen wenig hilfreich sind, wie eigentlich immer, wenn mit dem Finger auf vermeintliche Verursacher gezeigt wird.
    Denn das ändert nichts daran, dass das Kind schon im Brunnen liegt und hindert nur, es in gemeinschaftlicher Anstrengung wieder herauszuholen.

    Und genau darauf kommt es doch jetzt an.
    Vielleicht nicht ganz so hoch gestochen formuliert, wie Frau Merkel es funktioniert hat als „Nationale Anstrengung“, sondern jeder für sich – mit dem, was er dazu beitragen kann
    Und so, wie Du es schon beispielhaft beschrieben hast.

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar. Der Typo kommt auf meine Liste der Versprecher/Verschreiber 😉
      Ja, Schuldzuweisungen spalten nur noch mehr. Dabei brauchen wir Zusammenhalt, gegenseitiges Vertrauen und eben auch Nachsicht und gegenseitiges Verzeihen. Wir sind Menschen. Und als solche haben wir unsere Bedürfnisse, die wir nach bestem Wissen und Gewissen versuchen zu befriedigen. Und häufig genug ist es dann immer wieder eine Abwägung von Möglichkeiten, Chancen und Risiken. Wer kann wohl von sich behaupten, da immer und in allen Fällen die einzig richtige Entscheidung zu treffen, zumal es diese ja sowieso nicht gibt.
      Aber ich denke mal, dass auch diese Schuldzuweisungen eine Art Mechanismus ist, um mit den eigenen Ängsten und Unzufriedenheiten mit nötigen Einschränkungen umzugehen – vielleicht auch, um sich mal wieder besser zu fühlen als der Rest der Welt…
      Ich hoffe, Du kannst Dich nicht nur behütet fühlen, sondern bist es auch und bleibst gesund.

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      • Danke für Deine guten Wünsche, die ich – wie immer – gut gebrauchen kann 🙂
        Ja, mit den Schuldzuweisungen ist das so eine Sache, über die ich schon länger nachdenke.
        Denn selbst, wenn es jemanden gibt, der – nicht nur bezogen auf Corona – eine Panne, ein MIssgechick oder gar etwas bewusst Angerichtetes zu verantworten hat, so macht es dennoch keinen Sinn, darauf unkonstruktiv herumzureiten
        Schon gar nicht, bevor die Sache wieder gerade gerückt ist, weil man damit viel zu viel Energie und auch Zeit verschwendet…..
        Ausserdem ist es auch ein guter Weg des Verzeihenkönnens, mit dem „Schuldigen“ zusammen eine Lösung zu suchen, ohne dass dabei jemand das Gesicht verlieren muss.
        Ein Weg, der zumindest im direkten Dialog meisst gut funktioniert , weil so die Geschichte schneller ausgestanden ist und kein bleibendes „Gefälle“ entsteht, bei dem einer immer mit dem schlechten Gefühl übrig bleibt, etwas „gut machen zu müssen“.
        Wobei ich gerade keine Vorstellung habe, wie sich diese Überlegung gegenüber einer anonymen Gruppe („die da“ sind Schuld) umsetzen liesse….

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      • Danke für Deine vielen schönen Gedanken zum Thema Schuld und Schuldaufarbeitung.
        Ja, ich bin eigentlich auch immer dafür, erstmal das Chaos wieder zu richten. Und dann kann man sich ja mal ganz neutral fragen, wieso es überhaupt zu dem Chaos kam und welche Maßnahmen man ergreifen könnte, damit sowas in Zukunft nicht wieder passiert. Und wenn man mal genau hinschaut, findet man doch meistens, dass jede/r zumindest einen kleinen Anteil trägt.
        Was die Versöhnung anonymer Gruppen angeht, so gibt es da aus der Psychologie ein paar Studien, wie das gehen kann. Es ist aber nicht einfach, weil doch etliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Willy Brandts Kniefall von Warschau war nach dieser „Theorie“ so eine umgesetzte Möglichkeit der Versöhnung. Erste Voraussetzung: Ernsthafte, authentische, glaubwürdige Anerkennung der eigenen Schuld. Naja, da sind wir wieder beim Thema. Wer will schon schuld sein…
        Alles ziemlich verknotet und komplex, aber durchaus wert, darüber nachzudenken.

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      • Hab schon. Nicht ganz so positiv wie Du, aber man lernt ja nicht aus.
        Du hast das sehr gut ausgedrückt und es ist natürlich die richtige, vernünftige, eben positive Betrachtungsweise.
        Aber ein bisschen aufregen tue ich mich trotzdem….

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      • Keine Sorge, ich rege mich auch auf. Das ist wohl recht natürlich. Ist halt immer die Frage, wohin man seinen Ärger, seine Wut, seinen Groll trägt. Ich würde das ungern nach außen schleppen. Deshalb versuche ich es dann hin und wieder mit Reframing oder vielleicht auch einfach mit ein bisschen Mitgefühl. Ich mache sicherlich auch nicht immer als richtig – aus der Sicht anderer Menschen. Und dann möchte ich von ihnen auch nicht zur Hölle verdammt werden.

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  2. Als jemand, die tagtäglich beruflich mit Corona zu tun hat, die bereits einen Todesfall im Bekanntenkreis hatte, fällt es mir sehr schwer nicht wütend zu sein. Mir geht es nicht um Schuldzuweisungen, aber der Egoismus vieler macht mir schwer zu schaffen. Genauso wie diejenigen, die irgendwelchen Schwurblern hinterher rennen, Auch heute gab es wieder diese unsäglichen Querdenker-Demos und mich macht das schlicht wütend. Eben weil sich die meisten an die Beschränkungen halten, viele unendlich leiden und trotzdem solidarisch sind.

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    • Liebe Frau Momo, danke für Deinen offenen Kommentar. Ja, der Umgang mit der eigenen Wut, dem eigenen Nicht-Verstehen-Können von so viel Egoismus, von so viel fehlender Mitmenschlichkeit, das ist schon ein schwieriges Thema.
      Hinsichtlich von Todes- oder Krankheitsfällen in der Familie oder unter Freunden bin ich noch nicht betroffen, aber meine Arbeit ist online deutlich schwieriger, deutlich weniger befriedigend und dabei deutlich aufwendiger als wenn man sich treffen dürfte. Und der nicht gemachte Urlaub macht sich auch nicht gerade hilfreich bemerkbar. Ja, da fragt man sich manchmal schon, wieso man das tut und wieso man das jetzt trotzdem aushalten muss. Da gibt es eigentlich nur eine Antwort. Weil wir es für das Richtige halten. Und das Richtige zu tun hilft unserem Seelenfrieden und hält uns lebendig.
      Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt, diese schwere Zeit und diese harte Arbeit für Dich und für uns alle gut zu bewältigen.
      Bleibe gesund und behütet, wie „Der Wilhelm“ immer sagt.

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      • Ich frage mich nicht, warum ich mich an die Vorgaben halte…. wie Du sagst, ich tue es, weil ich es für richtig halte, weil ich mich und meine Mitmenschen schützen will. Meine Mutter ist fast 80, mein Mann chronisch krank und ich selber habe ich nicht viel zuzusetzen. Wütend macht es mich auch, weil ich im Job viel mit Krankenhausseelsorge zu tun habe und täglich vieles aus den Krankenhäusern höre und auch sehe. Die Menschen dort arbeiten bis zum Umfallen und Menschen dort sterben einsam und alleine, weil zeitweise nicht mal mehr die Seelsorger*innen zu ihnen gelassen wurden.
        Mit mehr Solidarität und weniger Egoismus kämen wir besser da durch. Fängt bei Masken an und hört beim Klopapier nicht auf. Sorge macht mir auch die Situation obdachloser Menschen. Ich bin da schon lange immer mal wieder ehrenamtlich aktiv und mir tut es jetzt schon leid, dass unser Weihnachten in der Obdachlosentagsstätte wohl ausfallen wird.
        Bleib Du auch gesund, wir müssen alle auf uns aufpassen, physisch wie pschychisch

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      • Ja, ich finde auch die mangelnde Solidarität und den starken Egoismus sehr bedenklich. Allerdings denke ich auch, dass wir mit einer stärker strategischen Ausrichtung der Maßnahmen auch ein Stück weiter kämen. Man mag noch argumentieren, dass es uns im Frühjahr überrascht hat. Aber jetzt sollten wir genug gelernt haben, um Alten, Kranken und Sterbenden eine gute Versorgung zukommen zu lassen und auch Obdachlose nicht ihrem Schicksal zu überlassen.
        Und auch wenn ich mir wegen der Solidarität und dem Egoismus Sorgen mache, so muss ich doch sagen, dass ich von unseren Klienten doch auch sehr hoffnungsvolle Signale diesbezüglich bekomme. Vielen von ihnen ist bewusst, dass sie ihre Familien gefährden könnten und verhalten sich entsprechend. Ja, es gibt viele schreckliche Beispiele, aber es gibt auch Grund zur Hoffnung.
        Du hast völlig recht – wir müssen gut auf uns alle aufpassen, physisch und psychisch. Bei besteht gerade etwas mehr psychischer Bedarf… Aber das kriegen wir schon in den Griff.
        Ich wünsche Dir einen schönen Abend und dann eine gute neue Woche

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  3. Ich denke wir sind manchmal schon so fixiert auf das was nicht gut läuft und sehen das Gute nicht mehr. Bin prinzipiell ein positiv denkender Mensch, aber gestehe, dass mich manchmal auch der Ärger über den existierenden Egoismus packt, u.a. weil ich in meinem Beruf viel Leid im Zusammenhang mit dem Virus sehe, Deine Worte bewegen mein Denken wieder Richtung Positiv und gemeinsam werden wir das schaffen.
    Viele Grüße, Brigitte

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    • Naja, immer schaffe ich das auch nicht. Aber hin und wieder kann es helfen, für eine Weile wieder etwas positiver in die Welt zu schauen. Und wenn es Dir auch ein bisschen geholfen hat, dann hat es sich mehr als gelohnt, den Beitrag zu schreiben.
      Hab ein schönes Wochenende

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