Wandern 2021 – Nachtrag #5

Wie nachhaltig sind meine Wanderungen eigentlich?

Kann man heute überhaupt (noch?) nachhaltig reisen? Das ist sicherlich eine recht schwierige und auch emotional sehr aufgeladene Frage.

Ich finde das Reisen mit dem Ziel, wirklich Land und Leute kennenzulernen, neuen Kulturen zu begegnen und sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen, sehr, sehr wichtig. Ich meine, dass solche Reisen ein wichtiges Annäherungs- und damit Befriedungspotenzial haben. Und deshalb möchte ich die Frage mal etwas anders stellen: wie kann man eine Reise so gestalten, dass man den Fußabdruck dadurch möglichst klein hält. Wichtige Punkte sind da einmal die An- und Abreise, dann die Unterkunft und nicht zuletzt die Art der Aktivitäten vor Ort.

An- und Abreise

Will man wirklich andere Kulturen kennenlernen, dann reicht es nicht, einfach mal beim Nachbarn vorbeizuschauen. Und dann wird eine An-/Abreise zu Fuß oder mit dem Fahrrad schon etwas mühselig. Aber es muss ja nicht gleich ein Flieger sein, wenn man sich in Europa umschaut. Das Zugnetz ist recht gut ausgebaut. Es gibt diverse Ticketangebote zum Herumfahren in Europa. Und wenn es schon das Auto sein muss, kann man ja überlegen, ob man Mitfahrgelegenheiten nutzt. Das alles braucht sicher ein bisschen mehr Vorbereitungsaufwand, aber das könnte es uns doch wert sein. Grenzüberschreitende Zugtickets sind teilweise noch etwas „schwierig“ zu bekommen. Man braucht dann oft noch einen Drucker vor Ort. Aber auch das kriegt man irgendwie gelöst. Bei festen An- und Abreisedaten kann man eh alles von zu Hause aus erledigen.

Ich mag das Reisen im Zug recht gern – okay, Corona mal außen vor gelassen. Es gibt mir auf dem Hinweg die Möglichkeit, schrittweise runterzukommen und mich auf den Urlaub einzustellen. Und zurück habe ich im Zug die Chance, wieder aus meinem Urlaub aufzutauchen und werde nicht aus einem Flugzeug heraus in den Alltag geschmissen.

Unterkünfte

Hier hat man sicherlich viel Gestaltungsspielraum. Wenn man sich einige Tage in derselben Unterkunft aufhält, muss man nicht jeden Tag die Bettwäsche und Handtücher tauschen lassen. Ich habe sogar einige Unterkünfte gesehen, die dafür einen kleinen Bonus berechnen. Man kann sicherlich schauen, wie umweltverträglich die Unterkunft selbst aufgestellt ist. In diesem Sinne sind manchmal große Hotelanlagen besser als ihr Ruf, weil sie einfach durch die Masse deutlich effizienter agieren können als sehr kleine Unterkünfte. Als Etappenwanderer schläft man in Hütten und Herbergen in der Regel im eigenen Schlafsack und benutzt das eigene Handtuch. Nur leider habe ich das in diesem Jahr nicht gemacht 😦 Diesbezüglich war ich in der Tat in diesem Jahr eine Umweltsau. Da ich fast jeden Tag in einer anderen Unterkunft geschlafen habe – und es waren dann eben keine Herbergen oder Hütten – habe ich fast jeden Tag neue Bettwäsche und neue Handtücher verbraucht. Auch aus diesem Grund möchte ich eine so organisierte Reise eigentlich nicht noch einmal machen. Oder ich muss mir etwas zum Ausgleich dieser Sauerei einfallen lassen.

Aktivitäten vor Ort

Hierzu kann man sicherlich lange schwadronieren. Das will ich aber gar nicht tun. Ich bleibe da einfach mal bei dem, was ich so gemacht habe. Das tägliche Wandern dürfte umwelttechnisch grundsätzlich okay sein. Ich bin auf den Wegen geblieben, habe meinen Müll wieder zurückgetragen… Soweit es ging habe ich öffentliche Verkehrsmittel genutzt, wenn ich mal fahren musste. Allerdings habe ich in einigen Unterkünften auch die Sauna genutzt, wenn sie angeboten wurde. Ich habe sie aber nur mitbenutzt und nicht extra für mich anschalten lassen.

Fazit

Verbesserungspotenzial gibt es immer. Ganz weglassen möchte ich das Reisen nicht, weil ich es für sehr wichtig für mitmenschliches Kennenlernen halte. Aber es gibt Möglichkeiten, den Fußabdruck dabei zu begrenzen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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8 Gedanken zu “Wandern 2021 – Nachtrag #5

  1. Ich möchte auch nicht auf ´s Reisen verzichten. Flugreisen machen wir ja eh kaum (ein einziger Flug gemeinsam und ich bin einmal mit meiner Mutter nach Kairo geflogen in den letzten 15 Jahre). Wir reisen allerdings tatsächlich am liebsten mit dem Auto, aber das ist auch ein Stück weit Martins Behinderung geschuldet. Ausserdem sind wir so flexibel in der Auswahl der Ziele und bei spontanen Änderungen.
    Wenn ich im Hotel übernachte, benutze ich sowohl Handtücher als auch Bettwäsche so lange ich das auch Zuhause tue. Da nehme ich ja auch nicht jeden Tag neue Handtücher.
    Nachhaltiger geht sicherlich immer, aber ich halte unsere Art des Reisens für vertretbar, zumal wir ja auch nicht fünfmal im Jahr verreisen.

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    • Ah, genau, die Häufigkeit ist noch ein wichtiger Punkt, den ich völlig vergessen hatte. Nachhaltiger ist es natürlich einmal eine (zeitlich) längere Tour zu machen als immer wieder mal für zwei oder drei Tage weit weg zu fahren.
      Wie sind denn Deine Erfahrungen mit den Handtüchern im Hotel? Da stehen zwar immer die Schilder, dass die Handtücher nicht ausgetauscht werden, wenn man sie auf den Haken hängt. Aber bisher hatte ich, glaube ich, nur einen Fall, bei dem das wirklich so gehandhabt wurde.
      Dass Ihr mehr mit dem Auto fahrt, ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Aber es gibt viele Menschen, für die es eigentlich kaum einen Grund gäbe, die 500 m zum nächsten Supermarkt mit dem Auto zu fahren Ihr fahrt ja nicht Auto aus Bequemlichkeit.

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  2. Ich will und werde weiter reisen, aber wie du schon schreibst, es kommt darauf an, wie man da hin kommt, was man da so tu und wie oft man die Tasche packt. Aber noch ein anderer Gedanke: „Heute“, muss man sich Reisen „leisten“ können und meint damit eigentlich das Budget in Form von Geld. Vielleicht kann man das ja weiterdenken. Wer im Jahr CO2-arm lebt, kann sich vielleicht auch mal eine Reise etwas weiter weg „leisten“ ohne gleich vor Flugscham im Boden zu versinken.

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    • In manchen ScienceFiction-Stories gibt es Punkte oder was auch immer, die man zum Reisen oder für Transport einsetzen kann. Da sind wir dann schon fast bei dem, was Du schreibst. Man braucht natürlich das Geld, aber man braucht auch das „CO2-Kontingent“. Ein Kabarettist meinte mal, dass die Ökos (von damals) zwar mit dem Rad überall hinfahren, aber sie eigentlich für ihre Flugreise nach Neuseeland ein Jahr mit einem 80-Tonner auf Arbeit fahren könnten. Hat ja schon ein Körnchen Wahrheit. Aber schämen oder ein schlechtes Gewissen sollte man nicht haben. Dann verdirbt man sich ja den ganzen Urlaub. Und dann kann man auch gleich zu Hause bleiben. Wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, dann kann man auch dazu stehen. So in etwas drückte es auch Katarina Schickling in einem ihrer Öko-Bücher aus.
      Ich denke, Umweltbewusstsein ist eine Haltung, die sich zwar grundsätzlich an unseren Handlungen ablesen lässt, aber nicht durch eine einzige Handlung definiert wird. Wir sind immer noch Menschen. Und Leben bedeutet eben auch, sich zu bewegen, zu lernen, Menschen zu begegnen…

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      • Bin vollkommen bei Dir. Reisen heißt ja nicht nur mit dem e-Book am Strand zu liegen, sondern in Kulturen eintauchen, Menschen treffen und auch wahrnehmen, wie sie da leben. So kann ein Patenkind-Besuch in einem Indischem Slum vielleicht CO2-mäßig sub-optimal sein, aber es macht etwas mit einem zu Hause … und mit den Kindern auch. Ich würd‘ ja gern mal wieder, aber aktuell irgendwie undenkbar 😦

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      • Nachhaltigkeit ist ja nicht nur ökologisch bestimmt. Auch soziale Nachhaltigkeit ist wichtig. Und Patenkinder sind – meiner Meinung nach – ein wichtiger Punkt für soziale Nachhaltigkeit. Du sagst es, es macht etwas mit einem selbst, aber auch mit den eigenen Kindern und auch mit den Menschen in dem Land. Also noch ein Grund weniger, sich dann wegen dieser Flugreise zu schämen…
        Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du sie (?) bald wieder mal besuchen kannst.

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      • Das ist toll. Da kann man fast sagen: gerade zur rechten Zeit. Vermutlich könnt Ihr aber im Moment wenigstens elektronisch ein wenig in Kontakt bleiben. Das ist noch alles aber besser als nichts.

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