Wieviel Reglement ist nötig/sinnvoll?

Ich bin gerade ein bisschen sauer auf „meine“ Sprachlern-App.

Schon vor einer Weile hatten sie angekündigt, dass sie alles ganz neu und toll und nach wissenschaftlichsten Erkenntnissen machen wollen. Sie wollten im Lernpfad stärker zwischen verschiedenen Arten des Übens (Lektionen wie bisher, Wiederholungen, Lesen) mischen. Man sollte sich dann nur noch von Übung zu Übung bewegen können. Es hörte sich an, wie diese Pfade in online-Spielen wie Candyland oder so. Bisher konnte man zwischen den Lektionen wechseln und somit ein wenig die Themen bestimmen, die man gerade üben wollte. Außerdem konnte man selbst bestimmen, ob man etwas lesen oder etwas wiederholen möchte. Das hatte durchaus auch seine Grenzen, weil man innerhalb einer Übungsart durchaus erst vorangehende Übungen absolviert haben musste, ehe neue freigeschaltet wurden. Aber es gab doch eine Menge an Flexibilität. Das sollte nun also alles wegfallen. Ich war nicht begeistert.

Der November fing an und nichts tat sich. Hatten sie etwa ihr Vorhaben aufgegeben?

Leider nicht. Gestern war es nun soweit. Ab jetzt geht es nur noch in einer streng geregelten Bahn voran ohne eigenen Einfluss, ohne Rücksicht darauf, ob ich vielleicht gerade Lust habe, ein anderes Thema anzuschauen.

Ich kann durchaus verstehen, dass die Wissenschaft den optimalen Weg unter optimalen Bedingungen ermitteln kann. Aber gilt der dann wirklich auch für jede/n oder ist das dann wieder so ein „normalerweise“ guter Weg und alle müssen jetzt „App-normal“ werden? Und wie sieht es mit meiner momentanen Befindlichkeit aus? Hat die nicht auch Einfluss darauf, ob und wie ich gut lerne? Die Psychologie kennt da so Begriffe wie Autonomie, Kontrollbedürfnis, Selbstwirksamkeitserwartung etc.

Ich kann nun auch nicht mehr so richtig sehen, wie viel noch vor mir lieg und wie viel ich schon erledigt habe. So kann ich mir auch gar keine Ziele setzen, bis wann ich was geschafft haben möchte, was mich dann doch auch motiviert, dieses Ziel zu erreichen. Und auch die Rückmeldung über den Fortschritt fällt für meine Augen nicht so klar aus wie bisher. Ehrlich gesagt fühle ich mich ein wenig ausgeliefert. Für mich sind das keine guten Lernbedingungen. Ich muss also neue Wege finden, wie ich meinen aktuellen Stand und das Kommende sehen und mich somit motivieren kann.

Ich bin also noch nicht davon überzeugt, dass mir dieses totale Umkrempeln wirklich hilft, und hoffe, dass mich der aktuelle Frust nicht zu sehr vom Weiterlernen abhält…

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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6 Gedanken zu “Wieviel Reglement ist nötig/sinnvoll?

  1. Ich benutze, glaube ich, dieselbe SprachlernApp. Wir haben ein Familienabo, bei uns sind also alle Erwachsenen und die Kinder mit dabei – das motiviert dann natürlich auch ein wenig gegenseitig.
    Die Flexibilität betreffend, finde ich die Umstellung nicht ganz so schlimm. Zum einen habe ich gleich mehrere Sprachen in Arbeit – einige lerne ich neu, andere wiederhole ich. Somit habe ich auch mit diesem vorgegebenem Pfad genug Spielraum das zu machen, was ich machen will. Und dann kann ich ja in den Lektionen auch zurückgehen und wiederholen oder diese Sprech- oder Hörübungen machen.
    Sehr ärgerlich finde ich, dass die App mit der Umstellung offenkundig die Lernenden dazu verführen will, für „echtes“ Geld sogenannte „Gems“ zu kaufen, indem sie jetzt auch innerhalb der Lektionen dieses Tempotraining anbietet, das eigentlich, wenn man einkalkuliert, dass man sich auf der kleinen Handytastatur ja auch mal vertippt, einfach nicht zu schaffen ist und nur mit zusätzlich „gekaufter“ Zeit zu schaffen ist. Zum Glück muss man diese Aufgaben nicht schaffen, um voranzukommen und ich ignoriere sie weitgehend.
    Nun, sehen wir mal, wie es weiter geht. Unser Abo läuft noch bis zum Frühjahr und dann werden wir sehen. Ich fände es schade, die App aufzugeben, weil hier gegen einen geringen Preis eine ganze Menge Sprachen gelernt werden kann und ich persönlich finde das total spannend und mag es, auch über den sprachlichen Tellerrand zu schauen.
    Viel Spaß beim Sprachelernen.
    Liebe Grüße
    Ines

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    • Ja, es hört sich ganz danach an als würden wir dieselbe App benutzen 🙂
      Diese Schnellübungen habe ich noch nie gemacht. Und im neuen System sind sie mir bisher auch noch nichts angeboten worden. Ich hoffe, das bleibt so. Ist nicht so ganz meine Spielfreude.
      Nein, aufgeben möchte ich sie nicht. Ich bin eh so ein drill&practice-Typ und dafür ist sie ja im Grunde wir geschaffen. Außerdem finde ich den Ansatz schon schön, auch kostenloses Lernen zu ermöglichen, auch wenn man dann nicht so schnell vorankommt bzw. mehr üben muss, um neue Herzen zu bekommen. Schon aus diesem Grund würde ich das Abo weiterlaufen lassen…
      Als ich mit der App angefangen habe, hatte ich auch schnell mehr Sprachen in der Mache. Aber im Moment möchte ich schnell für die nächste Sommerwanderung in Französisch fit werden. Ich hatte mir halt in gewisser Weise einen „Zeitplan“ gemacht. Den „finde“ ich nun nicht wirklich wieder. Aber ich kriege mich schon wieder ein.
      Aber außer Japanisch möchte ich dann im Moment nichts weiter neben Französisch machen. Danach könnte ich es mir aber wieder vorstellen.
      Russisch hatte ich ja zum Spaß mal angefangen, aber eben ganz von vorn. Das war dann aber schnell langweilig und brachte mich auch nicht voran. Vielleicht muss ich nochmal einsteigen und dann diesen Einstiegstest machen. Ich denke, mit Sprachen kann man sich ein Leben lang befassen.
      Ich finde es toll, eine Gleichgesinnte gefunden zu haben 🙂 🙂 🙂
      Hab ein schönes Wochenende

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    • Keine Ahnung, was hier old oder new school ist. Ich glaube, es würde mir schwer fallen, eine Sprache, die ich noch gar nicht kenne, mit dieser (!) App zu lernen. Vermutlich brauche ich wohl ein Grundlevel. Dann passt das mit dem Üben, Üben, Üben ja auch. Für mich ersetzt die App im Wesentlichen diese Grammatikübungsbücher und ein wenig die Vokabellern-Apps. Ich sehe sie eigentlich auch eher als Begleitung. Aber es ist für mich bequem, mal eben eine Übung zu machen. Vermutlich würde ich nicht so viel üben, wenn es diese App nicht gäbe.
      Koreanisch hatte ich mal von Null mit der App angefangen. Das klappte (für mich) auch nicht so recht.
      Macht Euch ein gemütliches Wochenende.

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  2. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, Italienisch mittels einer Sprach-App zu lernen. Das hat mir gar nichts gebracht, weil ein Präsenzunterricht in meinen Augen weitaus sinnvoller ist. Außerdem ist da auch ein klein wenig Protest mit eingeflossen: Die Italiener:Innen haben eine rechte Regierung gewählt. Bei aller Liebe, so lange die im Amt ist, fahre ich ohnehin nicht mehr ins Land, in dem die Zitronen blühen.

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    • Deinen Protest kann ich gut nachvollziehen. Irgendwie bin ich froh, dass ich den Franziskusweg noch vor Corona gegangen bin. Es wäre schön, ihn noch einmal zu gehen. Aber im Moment möchte ich das auch nicht.
      Was den Präsenzunterricht angeht – ja, der hat schon seine Vorzüge. Aber für mich passt das mit der App ganz gut, zumindest wenn es um Grammatik und Vokabeln geht.

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