Vaughn: Die Astronautin

Die Astronautin – In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten

  • S. K. Vaughn, aus dem Englischen von Thomas Bauer
  • Goldmann Verlag, 15. Juli 2019
  • Broschiert, 544 Seiten (eBook gelesen)
  • 16,00 € (D)
  • ISBN 978-3-442-20572-1

Inhalt

May Knox erwacht auf der Krankenstation des Raumschiffs, auf dem sie als Kommandeurin mit einer vielköpfigen Crew vom Jupiter-Mond Europa nach Hause zurückkehren wollte. Das ist alles, an was sie sich noch erinnern kann. Nichts funktioniert mehr auf diesem Raumschiff. Die künstliche Intelligenz, mit der sie sich mit der Zeit anfreundet und der sie den Namen ihrer Mutter gibt, hat auf keine Schiffssysteme Zugriff. Lange bleibt unklar, ob überhaupt noch jemand der Crew an Bord ist.

Alles, was May versucht, um die Lage zu verbessern, gelingt ihr nur in allerletzter Minute, bis sie begreift, dass da Mächte im Spiel sind, die sie nicht beeinflussen kann.

Ob und wie sie nach Hause zurückkommt, bleibt bis zum Schluss ungewiss, weil jeder Rettungsversuch buchstäblich erst in allerletzer Minute gelingt, wenn er nicht gar vereitelt wird von allzu menschlichen Emotionen wie Liebe, Eifersucht, Macht-, Geltungs- und Vergeltungsgier.

Subjektive Eindrücke

Drei Erzählstränge sind ineinander verwoben: die Situation auf Mays Raumschiff und im Flugleitzentrum, Begebenheiten aus der Kindheit der Hauptakteure und die Zeit der Vorbereitung auf die Mission. Hier entwickelt sich der Zündstoff für die eigentliche Handlung.

Die aktuell laufende Geschichte geht rasant von statten. Bei allem, was May versucht, kommt etwas dazwischen. Schnell und immer schneller muss sie agieren. Dabei ist sie selbst eine eher instabile Persönlichkeit, die immer wieder ausrastet und dadurch die Situationen manchmal noch verschlimmert. Somit wird Spannung aufgebaut und bis zum Ende gehalten. Allerdings kommt eben IMMER etwas dazwischen, was in dieser Regelmäßigkeit dann doch wieder ein wenig langweilig wirkte.

Inwieweit die Charaktere wirklich glaubhaft sind, mag ich gar nicht wirklich beurteilen. Würde man eine so labile Persönlichkeit als die May beschrieben wird, wirklich ins All schicken? Werden nicht selbst „einfache“ Piloten auf psychische Stabilität, Charakterstärke und ruhige und besonnene Reaktionen getestet?

Die Beschreibungen der Raumschiffe, der Ausrüstungen und der künstlichen Intelligenz (insbesondere ihrer Entwicklung) fand ich sehr interessant und reizvoll. Allerdings kamen mir gegen Ende auch hier ein wenig Zweifel, ob ein sehr eng gebautes Raumschiff, das lediglich Schlafkojen für die Besatzung bereitstellt, wirklich über das am Ende benötigte und plötzlich verfügbare Equipment verfügt.

Aber solche Grübeleien kommen mir eh immer erst hinterher. Beim Lesen hat mich das nicht zu sehr gestört und ich konnte das Buch in wesentlichen Teilen genießen. Und ja, es ist in dem Sinne spannend, dass ich dann doch mal zwischendurch nach dem Ende schielen musste (Hinweis: ich halte nicht zu viel Spannung aus, um in Ruhe weiterlesen zu können).

Fazit

Eine interessante Geschichte voller menschlicher Zwistigkeiten und mit vielen netten technischen Spielereien.

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Conefrey: Frauen gehören nach oben

„Frauen gehören nach oben – Die geheimen Ticks und Tricks reisender Frauen und Abenteuererinnen“
Mick Coenfrey
Piper Verlag GmbH, München, 2010

Ein faszinierendes Buch – kurzweilig, interessant, zu Weilen spaßig, auf jeden Fall aufschlussreich.

Das Buch ist in 5 Themenbereiche gegliedert. So geht es darum, wie man überhaupt zum Reisen kommt, aus welchen Gründen man reist, wohin man reist, mit wem man reist und sie man mit den Abenteuern, die man so erlebt, umgehen kann. In jedem Bereich wird das Herangehen von Frauen und Männern verglichen und teilweise nach den Gebieten des Reisens (Länder erkunden, Berge besteigen, Ozeane überqueren, die Pole erreichen) unterteilt. Es werden wichtige Vertreterinnen vorgestellt und mit ihren ähnlichsten männlichen Counterparts verglichen.

Zahlreiche Illustrationen unterstreichen die Sachverhalte, unterstützen aber auch den leichten, spielerischen Charakter des Buches.

Ja, es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf Reisen, aber es gibt auch Beispiele von Frauen, die eher dem männlichen Vorgehen, und Männer, die eher dem weiblichen Vorgehen zugerechnet werden müssten. Wie immer: keine Regel ohne Ausnahme.

Ich kann dieses Buch wärmsten zum Lesen empfehlen. Ich habe Bekannte darin gefunden, aber auch über Unbekannte etwas gelernt. Und hin und wieder habe ich mich auch selbst in dem einen oder anderen Aspekt erkennen können. Es stellt eine gewisse Verbundenheit her 🙂

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Bauer: Fremdes Japan

„Fremdes Japan – Wie ich versuchte, die 88 Tempel zu erobern, und mich dabei in Japan verlor“
Thomas Bauer
MANA-Verlag, 2017

Im Frühjahr 2015 reist Thomas Bauer nach Japan, um Land und Leute kennenzulernen und seine stereotypen Bilder über Japan zu überprüfen. Nach einiger Zeit in den Großstädten Japans, geht er auf Shikoku den 88-Tempel-Weg. Diesen Teil seiner Japanreise beschreibt Thomas Bauer in diesem Buch.

Natürlich musste ich das Buch unbedingt lesen, weil ich diesen Weg gelaufen war. Es ist für mich immer sehr interessant zu erfahren, welche Erlebnisse Andere auf diesem Weg hatten, wie es ihnen ergangen ist, wie der Weg sie beeinflusst hat.

Über den eigentlichen Weg und das Gehen erfahren wir zwar einiges, aber gemessen am gesamte Buch eher wenig. Das war für mich schade.

Aber es gibt jede Menge Informationen über Japan: die Geschichte, Lebensgewohnheiten von Menschen auf Shikoku, noch mehr Geschichte und viele Geschichten, die das Lebensgefühl der Japaner ausdrücken. Zum Teil verknüpft Thomas Bauer dieser Erzählungen mit seinen Eindrücken vom Weg, was sehr erhellend ist. In diesem Sinne war ich dann doch auch wieder sehr versöhnt.

Den Abschluss des Buches bilden ein paar wenige organisatorische Hinweise für die Pilgerschaft auf Shikoku. Hierzu würde ich aber sagen, dass man sich diesbezüglich doch anderweitig schlau machen sollte. Die Hinweise sind aus meiner Sicht deutlich zu knapp und stimmen teilweise nicht mit meinen Erfahrungen überein.

Insgesamt habe ich das Buch aber mit sehr viel Freude und mit viel Erinnerung gelesen. Es hat in mir den Wunsch bestärkt, diesen Weg irgendwann noch einmal zugehen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Lembke: Verzockte Zukunft

Verzockte Zukunft – Wie wir das Potenzial der jungen Generation verspielen

  • Gerald Lembke
  • Beltz, 9. April 2019
  • Broschiert, 224 Seiten (eBook gelesen)
  • 18,95 € (D)
  • ISBN 978-3-407-86557-1

Inhalt

Wer kennt nicht die Klagen über die heutige Jugend, die sich nicht konzentrieren kann, nicht weiß, was sie will, nur am Smartphone rumhängt etc. etc. Diese Beobachtungen hatte auch Herr Lembke in seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor gemacht. Und so war er drauf und dran, einen Verriss auf die heutige Jugend zu schreiben. Doch bei seinen Recherchen dazu wurde ihm bewusst, dass das ja auch alles Ursachen hat, die nicht allein in den Jugendlichen – ja, die nicht einmal vornehmlich in den Jugendlichen – zu suchen und zu finden sind. Und so wurde es ein Buch, das die Defizite in dem, wie unsere Kinder und Jugendlichen aufwachsen, erzogen und gebildet werden, detailliert beleuchtet, versucht, Ursachen aufzudecken und Wege zu zeigen, wie diese beseitigt werden können.

Herr Lembke beginnt mit einer Betrachtung des aktuellen Zustands. Was sind die Probleme? Ist die junge Generation fit für die Zukunft? In welcher Hinsicht ja, in welcher Hinsicht nicht?

Danach beleuchtet Herr Lembke die Institutionen, die die Kinder und Jugendlichen nacheinander und zum Teil parallel durchlaufen, daraufhin, wie sie auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördernd oder eben auch nicht einwirken. So geht es in einem Kapitel um die Familien, in einem um die Schule, in einem um die Universitäten und in einem um Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Dass er den Ausbildungsbereich außen vor lässt, erklärt Herr Lembke am Anfang des Buches. Spoiler-Anfang: Als Hauptursache arbeitet Herr Lembke unser übersteigertes Streben nach Effizienz, Abrechenbarkeit und Vergleichbarkeit heraus. Spoiler-Ende

Im abschließenden Kapitel schaut sich Herr Lembke diese Bereiche noch einmal daraufhin an, was dort geändert werden kann und muss, um den Kindern und Jugendlichen eine ihnen angemessene Entwicklung zu ermöglichen und eine hilfreiche Bildung zukommen zu lassen.

Subjektive Eindrücke

Ein erschütterndes Buch. Und in der dargestellten Härte lässt es wenig Hoffnung auf Besserung. Mehr Menschlichkeit wäre eine Lösung, aber die wird allerorten eingefordert und eher selten umgesetzt.

Trotzdem habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Viele der von Herrn Lembke beschriebenen Problemkreise hat sicher jede/r von uns schon beobachten können. Und auch in meinem beruflichen Umfeld sind wir damit konfrontiert. Mögliche Ursachen dafür so pointiert herausgearbeitet zu sehen, was schon sehr erhellend.

Ich hätte mir ein hoffnungsvolleres Ende gewünscht. Aber vielleicht ist gerade dieses Erschrecken nötig, um endlich zu einem gesellschaftlichen Handeln zu finden.

Fazit

Ich hoffe, dass dieses Buch alle aufrüttelt, das, was in ihrem Einflussbereich möglich ist, zu tun, um unseren Kindern und Jugendlichen ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen.

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Martel: Schiffbruch mit Tiger

„Schiffbruch mit Tiger“
Yann Martel
S. Fischer Verlag; Frankfurt am Main, 2. Auflage, 2003

Ein wirklich herzallerliebstes Buch.

Mr. Patel ist – 16-jährig – der einzige (menschliche) Überlebende eines Schiffsunglücks. Auf einer Rettungsinsel treibt er über das Meer. Aber als wäre das nicht schon schlimm genug, muss er sich diese Rettungsinsel mit einem Tiger teilen.

Nun ist wohl jedem klar, dass sich ein Tiger letztlich doch auf einen Menschen stürzen würde, wenn er nichts anderes zu fressen finden würde. Aber wo soll das auf einer Rettungsinsel herkommen?

Glücklicherweise ist Mr. Patel als Sohn eines Zoobesitzers in engem Kontakt mit Tieren groß geworden und weiß jede Menge über deren Gewohnheiten. So hat er eine Vorstellung davon, wie er den Tiger zähmen kann. Aber ganz nebenbei muss er sich auch um sein eigenes Überleben kümmern.

Sehr einfühlsam und sehr detailliert beschreibt Yann Martel, wie es Mr. Patel auf seiner Reise geht, welche Fragen und Probleme er zu lösen, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hat. Letztlich wird klar, dass es zwei Dinge gibt, die Mr. Patel am Leben erhalten: der Kontakt zu „seinem“ Tiger und sein Glaube an Gott (er gehört drei verschiedenen Religionen an, was ihm als Kind große Schwierigkeiten eingebracht hatte).

Hin und wieder fand ich die Erzählart ein wenig ausschweifend. Unendlich scheinende Listen von z. B. Tieren im Zoo, Fischen im Meer etc. empfand ich hin und wieder als ermüdend. Da wäre mir ein schnelleres Voranschreiten der Geschichte lieber gewesen. Aber es unterstützte natürlich auch das Gefühl diese ewig langen Reise auf dem Meer, von der Mr. Patel auch nicht wusste, ob sie je enden würde.

Vielleicht wundert sich jetzt der/die eine oder andere, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn es passt in der Tat wenig zu meinen sonstigen Lesegenüssen. In einem Buch über eine Wanderung auf Shikoku wurde auf das Buch verwiesen, da Mr. Patel am Ende auf Japaner trifft, die vom Eigner des Schiffes, auf dem Mr. Patel verunglückt war, gesandt waren. Dieser Teil war aber eher kurz und hat mir nicht das gebracht, was eigentlich erhofft hatte. Trotzdem habe ich es nicht bereut, das Buch gelesen haben.

Jeder, der gefühlvolle Geschichten, insbesondere auch mit Tieren, mag, sollte mal einen Blick in dieses Buch werfen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Kracht, Nickel: Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal

„Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal“
Christian Kracht, Eckhart Nickel
Piper Verlag GmbH, München 2009

Zwei Schriftsteller und Journalisten sind also solche von Berufs wegen in Nepal. Wenn ich es richtig verstanden habe, leben sie die ganze Zeit über in einem Hotel. Mit diesem Blick berichten sie von ihrer Zeit.

Ich konnte leider wenig Struktur in dem Buch erkennen. Sehr häufig schreiben die beiden Autoren, wie irgendwelche (berühmten/bekannten?) Ausländer in Nepal waren und wie sie dort aufgenommen wurden. Ein paar Begegnungen der Autoren mit Einwohnern beziehen sich auf ihre Mitarbeiter, die sie bei der Arbeit unterstützten. Mir wird dabei nicht klar, inwieweit ich nun über wirkliches Leben in Nepal lesen kann oder nur ein paar Eindrücke von Ausländern/Fremden erzählt bekomme.

Das Buch hat mich nicht mit mehr Wissen oder Einblicken in Nepal versorgt. Ich habe nicht einmal etwas über die etwas längerfristige Geschichte erfahren. Ein paar aktuelle Geschehnisse aus der Zeit, in der die beiden in Nepal waren, flossen mit ein. Diese konnte ich aber aufgrund der fehlenden Kontextinformationen leider nicht einordnen.

Ich würde dieses Buch nicht wieder lesen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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de Cesco: Fern von Tibet

„Fern von Tibet“
Federica de Cesco
Patmos Verlag GmbH & Co. KG, Düsseldorf, 2002

Es geht um eine 15-Jährige Tibeterin, die als kleines Baby bei der Flucht von Tibet ihre Eltern verloren hat und dann vom Schweizerischen Roten Kreuz in die Schweiz gebracht und dort von einem Schweizer Ehepaar adoptiert wurde. Ihre neuen Eltern hielten sie von ihrer ursprünglichen Kultur fern, weil sie sie nicht in Verwirrung stürzen wollten.

In der Pubertät kommt es zur Scheidung der Eltern und in den Wirren der Auseinandersetzungen gerät sie an eine tibetische Familie, die sie nun in ihre Ursprungskultur einführt. Sie verliebt sich in einen der Söhne der Familie, der ihr seine Fluchtgeschichte erzählt.

Wie wahr die Geschichte ist, kann ich nicht beurteilen. Aber man erfährt viel über tibetische Kultur und wie Tibeter in ihrem Exil außerhalb von Dharamsala (tibetische Exil-Stadt in Indien) leben. Ich hatte schon einiges über die Härten der Flucht der Tibeter über den Himalaja nach Indien oder Nepal gelesen oder gehört, diese Geschichte zeigte es aber noch einmal in viel brutalerer Härte.

Es ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, auch wenn die Geschichte an sich ein paar Ungereimtheiten enthält.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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