Camino 2016 – Nachlese #2 – Der Start

Wie versprochen, geht es mit einer losen Sammlung von Erlebnissen und Eindrücken in einer Art Nachlesen weiter. Die Fotos sind beschriftet und sortiert. Ich werde jedes Mal zu einem anderen Thema ein paar heraussuchen und hier vorstellen. Sollte sich das eine oder andere Bild hineinschmuggeln, das ich schon bei den Tagesberichten eingestellt hatte, dann bitte ich um Entschuldigung. Heute zum Thema, wie die Reise startete.

Der Start

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Den kennt Ihr ja schon. Summasummarum wog er etwa 11 kg ohne Wasser und Essen. Das ist eigentlich viel zu viel. Dabei hatte ich eigentlich das Gefühl, nichts wirklich Überflüssiges dabei gehabt zu haben. Okay, bis auf das Zelt vielleicht. Das wog zusammen mit der Isomatte 2 kg. Da ich aber mit dem Gewicht auf dem Rücken keine Probleme habe, besteht kein Leidensdruck, daran etwas zu ändern :-(.

In diesen altehrwürdigen Mauern durfte ich in einer Jugendherberge übernachten und vorher noch kurz einen Blick über Carcassonne erhaschen.

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Und an diesem Wegweiser ging es dann endlich richtig los 🙂

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Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 7. (letztes) Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 7. und damit letzte Fazit: eine neue Prioritätenliste

Eigentlich ist es ja nicht wirklich ein Fazit. Es ist etwas, das ich eigentlich gegen Ende jedes Weges mache: Mit den neuen, revidierten oder wiederentdeckten Erfahrungen überlege ich, welche Dinge mir weiterhin wichtig sind und ob die Reihenfolge der Wichtigkeit noch stimmt oder nicht.

Eines habe ich ganz deutlich gespürt: Dieses Studium muss endlich zu einem Ende kommen. Es hat begonnen, recht anstrengend zu sein. Es hat viel Zeit gekostet, die für andere Dinge nicht zur Verfügung stand. So langsam spüre ich das in negativer Weise. Inzwischen ist ja „nur noch“ eine Klausur offen. Darüber bin ich sehr froh. Wenn ich jetzt noch die Bachelorarbeit zu schreiben hätte, weiß ich nicht, ob ich mich zu diesem Kraftakt noch aufraffen könnte. Also Prio 1: Studium zu Ende machen.

Die Arbeit hat bei mir schon einen großen Stellenwert. Die meisten Dinge machen mir Spaß und ich habe viel Freiraum in der Entscheidung, wann und was ich mache. Hin und wieder neige ich da aber zu Übertreibungen. Gerade, wenn man einen Arbeitsplatz zu Hause hat, ist es hin und wieder schwierig, Privates und Arbeit zu trennen. Prio 2: Arbeit von 150% auf 120% herunterfahren.

Prio 1 und Prio 2 sind eigentlich Vorbereitungen dafür, dass ich die Dinge, die mir (außerhalb der Arbeit) Spaß machen, intensiver betreiben kann. Das sind eigentlich vier Dinge, die ich nicht weiter in eine Reihenfolge bringen möchte: laufen, schreiben und lesen (hierzu gehört auf jeden Fall auch das Bloggen), basteln und Farben, Spiritualität. Damit hätten wir dann Prio 3: den schönen Dingen in angemessener Ausgewogenheit mehr Zeit einräumen.

Inzwischen habe ich es auch geschafft, die Foto-Dateien so zu beschriften, dass sie in der richtigen, zeitlichen Reihenfolge erscheinen. In den nächsten Tagen werde ich darangehen, ein paar nach thematischen Schwerpunkten herauszusuchen. Dann wird es ein paar „Nachlesen“ zum Weg geben. Ich hoffe, ich nerve niemanden, aber irgendwie tut es mir einfach gut, mich in verschiedenen Perspektiven mit dem diesjährigen Weg zu befassen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 6. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 6. Fazit: Die allumfassende Liebe hat eine andere Qualität als die Liebe in einer Partnerschaft. Sie zu erleben hat meine Einstellung zum Zölibat stark verändert.

Über dieses Fazit zu schreiben, fällt mir besonders schwer, weil ich befürchte, zu viele Missverständnisse heraufzubeschwören. Vielleicht habe ich es deswegen so weit nach hinten geschoben. Dieses Risiko werde ich nun aber eingehen und hoffe, dass sich Missverständnisse ggf. über Kommentare ausräumen lassen.

Ich habe ja schon ein paarmal darüber geschrieben, dass ich durch das gleichmäßige Gehen und die teilweise recht eintönige Landschaft in leichte tranceähnliche Zustände geraten bin. Hin und wieder konnte ich dabei eine Verbundenheit mit allem und jedem erleben, wie ich es noch nie zuvor gespürt habe. Diese Verbundenheit war auch mit einem Gefühl der Liebe für alle und alles verbunden. Eine Liebe, die ganz anders war als die Liebe zu einer einzelnen Person, also in meinem Falle zu MD. Diese Liebe ist zeitlos. Sie fragt nicht nach gestern oder morgen, sondern lebt ausschließlich in diesem Moment. Sie fragt auch nicht nach jung oder alt, nach Mann, Frau oder Kind. Sie ist zustandslos und fragt nicht nach bisher Erhaltenem oder in Zukunft als Gegenleistung zu Erhaltenes. Im Zustand dieser Liebe ist alles einfach ganz klar und eindeutig. Man weiß ganz einfach, was richtigerweise gerade jetzt zu tun ist, und tut es dann auch, z. B. jemandem Wasser anbieten, jemanden ansprechen, jemandem ein Lächeln schenken. Es ist einfach faszinierend. Ich nenne das die allumfassende Liebe, weil ich diesen Begriff schon öfter gelesen bzw. gehört habe und mich das Gefühl stark an das erinnerte, was ich gelesen bzw. was wir diskutiert hatten.

Dieser Zustand der allumfassenden Liebe ist zutiefst befriedigend. Gewisse andere Bedürfnisse treten völlig in den Hintergrund bzw. verschwinden ganz – keine Sorge, sie kommen später wieder ;-).

Manchmal habe ich Berichte von Leuten über ihre Gottesbegegnungen gehört. Das, was dort erzählt wird, ähnelt für mein Verständnis stark dem, was ich jetzt hier aus meiner Sicht als die allumfassende Liebe beschrieben habe. Als mir das aber klar wurde, da kamen dann auch Gedanken an das Zölibat auf. Diese wurden zusätzlich gestützt durch einige Dinge, die ich nach meiner Wanderung in verschiedenen Büchern gelesen habe. Ich versuche mal, das zu erklären.

Eine Aussage in den Büchern war, dass man zölibatär leben müsse, um diesen Zustand spüren zu können. Da ich ja ohne MD unterwegs war, habe ich sozusagen selbst gewählt und ganz selbstverständlich zölibatär gelebt. Auch die katholische Kirche fordert ja das Zölibat von ihren Pfarrern. Bisher habe ich das immer für widernatürlich empfunden. Jetzt kann ich aber verstehen, wo diese Forderung nach dem Zölibat herkommt. Da ja aber die Pfarrer die Verbindung zu Gott halten sollen und somit eigentlich ganz oft im Zustand der allumfassenden Liebe sein müssten, würden diese körperlichen Bedürfnisse dann aber auch nicht mehr auftreten, sodass ein zölibatäres Leben dann eigentlich eine normale Folge und kein verordneter Zwang mehr sein müsste. Dass aber doch einige Pfarrer sexuellen Beziehungen (manchmal ja auch recht gewalttätigen) nachgehen, wäre dann eher ein Zeichen dafür, dass sie eben nicht ausreichend mit Gott in Verbindung stehen.

Ich hoffe, ich bin jetzt mit meiner krausen Weltsicht niemandem auf die Füße getreten. Jede/r kann, soll, darf, muss seine Spiritualität so leben, dass sie ihm/ihr hilft, seine/ihre Lebensfragen zu beantworten. Dabei können dann verschiedene, ja sogar widersprüchliche Antworten zustande kommen.

Für mich waren es tiefgreifende Erlebnisse, die meine Sicht über meinen Platz in dieser Welt stark beeinflusst haben. Ich möchte sie nicht missen und bin äußerst dankbar dafür, dass ich das spüren durfte.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 5. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 5. Fazit: Wer sein Herz öffnet, kann verletzt werden. Aber es deshalb zu verschließen, ist keine Lösung.

Der erste Teil des Fazits ist eigentlich kein Fazit dieses Weges. Das war mir durchaus aus vielen verschiedenen Ereignissen heraus wohl bekannt. Wie es genau zum zweiten Teil des Fazits kam, kann ich gar nicht sagen. Wenn man da so vor sich hin wandert, dann denkt man so über alles Mögliche und Unmögliche nach, man spielt verschiedene Arten des Umgehens mit Problemen oder Fragestellungen durch. Dabei muss es dann wohl passiert sein.

Natürlich tut jede Verletzung weh, weshalb man natürlicherweise bestrebt ist, Verletzungen zu vermeiden. Man kann sich aber niemals komplett vor Verletzungen schützen. Bleibt also die Frage, wie man damit umgeht. Jede Verletzung braucht wohl ihre ganz eigene Umgehensweise. Was aber allen erfolgreichen Heilversuchen gemein ist, dass man dadurch lernt, dass man mit den Verletzungen umgehen kann, dass man hinterher eine stärkere Basis hat, um mit neuen Verletzungen umzugehen. Nicht zu vergessen, was den Verletzungen vorausgegangen ist – häufig sind es ja sehr schöne Erlebnisse, sonst wäre man ja nicht so verletzt. Auch diese haben die eigene Basis gestärkt. Wenn wir nun wegen möglichen Verletzungen unser Herz verschließen würden, dann würden wir uns auch diesen stärkenden Entwicklungen und vielem Genuss verschließen.

Zusammengefasst: Verletzungen sind nichts Schönes, aber das Umgehen damit stärkt uns und lässt uns mit kommenden Verletzungen besser umgehen. Also: Herz auf! Genießen, was das Herz zu bieten hat! Vertrauen darauf, dass wir Verletzungen heilen und gestärkt daraus hervorgehen!

Herz auf, genießen und heilen!

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 4. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 4. Fazit: Jeder Weg tut mir gut.

Vielleicht ist das jetzt nicht DIE Erkenntnis, aber für mich ist sie trotzdem wichtig. Schließlich ist es ein Hinweis darauf, was ich versuchen sollte, mir öfter zu ermöglichen. Im letzten Jahr war ich nicht wandernd unterwegs und habe das dann auch an einer Art überschüssigen Energie, einer inneren Unruhe und Angespanntheit gemerkt.

Die Frage ist natürlich, WAS mir daran gut tut.

Durch den überwiegend gleichen Rhythmus der Schritte und die zum Teil sehr gleiche Landschaft gerate ich hin und wieder in einer Art Trance, zumindest aber in eine Meditation. Dabei kann der Geist wirklich entspannen, ausruhen, zur Stille kommen. Das zieht sich bis in den Brustraum, bis zum Herz und macht es auf und empfänglich. Das wäre so der „spirituelle“ Anteil am gut-Tun.

Aber es tut auch körperlich gut. Beim Wandern verbrennt man natürlich etliche Kalorien – ganz nebenbei. Und auch wenn man mehr isst als gewöhnlich, hat man die Chance abzunehmen, was letztlich auch eine Art Reinigung des Körpers von innen ist. Die viele frische Luft (zumindest wenn man nicht gerade an den Straßen entlanggehen muss), durchflutet die Lungen und macht sie frei und weit. Die Muskeln werden stärker. Ich fühle mich erfrischt und voller neuem Tatendrang.

Wenn ich mir meine Wege so „ansehe“, dann würde ich sagen, dass diese Effekte zwar mit der Zeit immer wieder ein Stückchen nachlassen, aber nie ganz zurückgehen. Ich fange also jeden neuen Weg auf einem „höheren Niveau“ an. Im Moment bin ich noch ganz voll von diesem Guten des Weges.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 3. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 3. Fazit: Die Interaktion mit Anderen ist wie ein Spiegel, in dem Du Dich selbst erkennen kannst.

Plötzlich, in der Interaktion mit Anderen, erwiesen sich Verhaltensweisen, auf die MD zu Hause wohl schon vorbereitet ist und entsprechend „angemessen“ reagieren kann, als nicht zielführend. Vielleicht können es die folgenden zwei Beispiele ein wenig verständlicher machen als dieser krause Satz.

Meist bin ich bemüht, meinem Gegenüber nicht meinen Willen aufzudrängen. Deshalb lasse ich oft den Anderen entscheiden und schließe mich an. Naja, mit MD ist es ja meist wirklich irrelevant, was wir gemeinsam machen – Hauptsache wir machen etwas zusammen. Wenn ich nun aber auf dem Weg mit anderen Menschen ähnlich agierte, also die Anderen entscheiden ließ, dann war das Ergebnis, insbesondere bei Pilgern, die ähnlich gestrickt waren, zum Teil echt desaströs. Es entschied dann eben niemand. Z. B. wurde auf einer Etappe nicht entscheiden, wann/wo wir Pause machten, sodass wir den ganzen Tag durchliefen. Schon irre, oder? Also sollte ich doch stärker zum Ausdruck bringen, was ich will. Aber ich möchte auch niemandem meinen Willen aufdrücken – ??? :-(.

Häufig passiert es, dass MD meine Witze nicht versteht. Er meint immer, dass ich sie auf völlig ernsthafte Art und Weise vorbringe. Ich meine natürlich, dass ich es deutlich zum Ausdruck bringe, dass es ein Witz ist. Aber dem ist wohl doch nicht so. Wenn es um eine ganz offensichtliche Sache geht, z. B. ob man nach 10-15 km Wandern mal irgendwo etwas essen oder trinken geht, und der Andere fragt danach, dann ist es für mich so offensichtlich, dass man danach nicht fragen muss, dass ich dann eben eigentlich mit ironischer Meinung „nein“ sage. Tja, wenn der Andere das dann eben so ernst nimmt, wie ich es offensichtlich doch sage, dann führt das eben wieder dazu, dass es weder zu essen noch zu trinken gibt. Ich muss also üben, den ironischen Unterton deutlicher zum Ausdruck bringen.

Naja, und solcher Ereignisse gab es eben einige. Das war wirklich sehr interessant.

Was ich meine, daraus gelernt zu haben, ist Folgendes: Wenn Dinge, die ich tue, nicht nur mit einer Person (z. B. MD) zu Schwierigkeiten führt, sondern auch mit Anderen, dann muss es wohl an MEINEM Verhalten liegen. Ergo: Veränderung ist von Nöten. Natürlich muss ich das mit MD besprechen, sonst versucht er weiterhin, ausgleichend zu reagieren, und dann geht alles wieder nach hinten los ;-). Bin gespannt, ob es uns gelingen wird und zu einer reibungsfreieren Kommunikation beitragen kann :-).

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – 2. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 2. Fazit: Gehen in den Schuhen des Anderen.

Eigentlich ist es ein indianisches Sprichwort – oder eher eine indianische Aufforderung: „Gehe erst ein paar Tage in den Mokkasins des Anderen, ehe Du Dir über ihn eine Meinung bildest“ – naja, so vom Sinn her zumindest.

Auf dem Weg hatte ich viele Gelegenheiten, das zu üben, und bin auch oft in meinen Beobachtungen korrigiert worden. Ich habe die entlastende Wirkung dieses Vorgehens erfahren können. Hier zu Hause versuche ich nun, dies immer wieder anzuwenden.

Wie funktioniert das und warum entlastet es?

Die Grundüberzeugung, zu der ich durch das Üben gekommen bin, ist, dass im Normalfall niemand absichtlich jemandem schaden will. Meistens agieren/reagieren die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und im Rahmen dessen, was sie für sich als hilfreich, notwendig und machbar erkennen. Die meisten Dinge sind einfach zu komplex, um das gesamte Umfeld in die Betrachtung einzubeziehen, sodass eben eher wenig darüber nachgedacht wird, was die eigenen Aktionen für Andere für Konsequenzen haben. Das mag man nun als egoistisch und asozial verurteilen. Ich denke aber, dass eine komplette „Umfeldanalyse“ einfach unsere menschlichen Kapazitäten übersteigt.

Wenn man aber davon ausgeht, dass im Normalfall niemand jemand Anderem bewusst und explizit schaden will, so kann man nun überlegen, aus welchen Zwängen und Notwendigkeiten jemand so agiert hat, wie er agiert hat. Man entwickelt ein gewisses Verständnis dafür und ist eher in der Lage ungewollte Nebeneffekte zu verzeihen. Außerdem muss man sich nicht permanent selbst angegriffen fühlen, was das Ärgerpotenzial senkt und einen selbst ausgeglichener und ruhiger macht. Für mich ist das ein sehr gutes Gefühl, weshalb ich dieses Vorgehen gern mehr und mehr in meinen Alltag einbauen möchte – was zugegebenermaßen nicht immer gleich gut klappt 😉

Nur zur Sicherheit: Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Menschen anderen Menschen bewusst und vorsätzlich Schaden zufügen wollen. Man kann dann zwar auch überlegen, aus welchen Rahmenbedingungen heraus dieser Mensch genau dies tut, aber es würde jetzt bei mir nicht zu einer Entspannung der Situation beitragen. Aber ich wage zu behaupten, dass das eher seltene Fälle sind.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Reim‘ Dich oder ich fress Dich

Eigentlich ist es eine kleine „Nachlese“ zu meiner Wanderung. Petra hatte in einem Kommentar gesagt, dass sie es toll fände, dass ich auch noch Zeit für Fotos hätte. Im Grunde ist das richtig. Aber ich möchte ja schon auch schöne Momente festhalten. Andererseits gibt es gegen Ende einer Etappe immer häufiger Situationen, in denen man froh ist, dass man mal für ein Momentchen stehenbleiben kann. Das habe ich dann mal in einen Rein gebracht ;-).

Was macht der Wandersmann,

wenn er nicht mehr weiter kann?

Nimmt die Kamera, na klar,

erzählt zu Haus‘, wie schön es war.

Wir sehen uns auf dem Weg. 

Let’s go! 

Belana Hermine 

Camino 2016 – Nix Wanderschuhe an den Nagel

Nein, geht gar nicht. Sie sind mal wieder im Laden zur Reklamation.

Irgendwie scheint seit dem letzten Kauf von Wanderschuhen (2014) ein Wurm drinzustecken.

Damals hatte sich das Innenfutter der Schuhe, von den Zehen angefangen, aufgerollt. Davon bekam ich an ganz ungewöhnlichen Stellen Blasen. Zu Hause fragte ich im Laden, ob das normal wäre. Nein, war es nicht. Also bekam ich neue Schuhe, die ich aber sofort mitnehmen sollte, obwohl ich wusste, dass ich neue Schuhe frühesten im kommenden Sommer (2015) brauchen würde. Aber okay.

Nun standen diese Schuhe also und warteten auf ihren Einsatz. Der kam dann erst in diesem Sommer. Interessanterweise sind die Sohlen gar nicht so sehr abgelaufen. Dafür hatten sich die großen Zehen durchs Innenfutter gebohrt. Profil noch okay, aber Oberteil kaputt? Das kann doch nicht normal sein. Das meinte dann der Herr im Laden auch. Nun werden die Schuhe also wieder an den Hersteller geschickt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Es ist sicher kein großes Problem, immer wieder ein neues Paar Schuhe zu bekommen. Aber ich muss zugestehen, dass sich mein Vertrauen in diese Schuhe nun doch langsam erschöpft. Allerdings – wenn ich dann reinschlüpfe, ist alles so bequem, dass ich am liebsten gleich loslaufen möchte.

Nun, ich werde berichten, wie sich die „Schuh-Story“ entwickelt ;-).

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Camino 2016 – Nachlese #1 – Tierische Erlebnisse

Wie versprochen, fange ich mit einer losen Sammlung von Erlebnissen und Eindrücken in einer Art Nachlesen an. Zum Teil gab es ja auch den Wunsch von einigen von Euch dazu, z. B. ob ich Erlebnisse mit Tieren gehabt hätte.

Tierische Erlebnisse

Dieses Mal hatte ich in der Tat viele Begegnungen mit Tieren. Okay, mal wieder eine Einschränkung: Hunden bin ich auf den bisherigen Wegen en mass begegnet (mein Angstthema), wogegen sich diese Begegnungen diesmal deutlich in Grenzen hielten. Die allermeisten Hunde waren hinter Zäunen oder angeleint. Einige lagen schlafend am Wegrand, nur einer lag mal mitten auf dem Weg, interessierte sich aber gar nicht für mich – bloß gut ;-). Auf einem Teil des Weges gab es ungeheuer viele Katzen. Ansonsten gab es hin und wieder mal eine Katze. Aber Hunde und Katzen sind wohl nicht so interessant, weil sie ja doch eher zu unserem täglichen Leben gehören.

Interessanter waren da schon Kühen und Schafe. An die Schafherde und die Kuh, die mal mitten auf dem Weg lag, erinnert Ihr Euch sicher noch. Eine andere Kuh schien mir eher ein wenig verwirrt zu sein. Sie kam mir auf dem Weg entgegen. Als sie vorbei war, war ich froh, dass sie vorbei war. Aber eine Weile später sah ich sie auf der anderen Seite der Schlucht auf dem Weg in meine Richtung gehen. Sie muss also wirklich eine Brücke gefunden haben, um diese Schlucht zu überwinden. Aber dieser Richtungswechsel?

Ein Foto von dem Igel, dem ich begegnet war, hatte ich ja schon eingestellt. Allerdings konnte ich es nicht lassen und musste ihm unbedingt über die Stacheln streicheln. Ich MUSSTE wissen, wie das ist. Nun, der arme Kerl fühlte sich natürlich sofort angegriffen und richtete die Stacheln auf. Das geschah mit einem hörbaren Rauschen. Es tat mir sehr leid und ich habe ihn dann auch gleich in Ruhe gelassen.

Ansonsten konnte ich viele Greifvögel beim Jagen beobachten. Einmal hat einer sogar etwas gefangen. Allerdings war es so schwer, dass er Mühe hatte, wieder wegzufliegen. Man konnte den Krafteinsatz beim Flügelschlagen tatsächlich erkennen. Entsprechend der vielen Greifvögel gab es natürlich auch viele Federn zu finden – hin und wieder in recht mysteriös erscheinenden Zufällen und an unerwarteten Plätzen. Es sind zum Teil wunderschöne Federn.

Libellen und Schmetterlinge habe ich auch viele gesehen. Beide mag ich sehr, sehr gern. Sie strahlen eine solche Leichtigkeit aus. Auch ihre Farben finde ich sehr anregend. Besonders viele Schmetterlinge gab es hinter dem Cruz de ferro. Es wird gesagt, dass Schmetterlinge dort auftauchen, wo es gute Energien gibt. Da man ja am Cruz de ferro viele Sorgen und Probleme ablegt, wäre es also nicht allzu verwunderlich, dass es danach sooo, sooo viele Schmetterlinge gab.

Leider bin ich auch vielen toten Tieren begegnet: riesengroße Krähen (größer als ich sie von zu Hause kenne), ein Igel, ein Marder, ein Fuchs, viele kleine Vögel – manche noch sehr frisch, andere ziemlich am Verwesen, wieder andere sehr vertrocknet.

Von lästigen, kleinen Plagegeistern bin ich leider nicht ganz verschont geblieben. Diesmal waren es glücklicherweise keine Bettwanzen. Normalerweise wandere ich immer in einer langen Hose und einem langärmligen Hemd. Aber am Nachmittag gehe ich dann doch kurz bekleidet durch die Gegend. Einmal war diese Gegend ein kleiner Fluss, der mir sehr gefallen hat. Ich musste durch hohes Gras gehen. Außerdem habe ich die Angewohnheit, mit den Händen durch höher stehende Gräser zu streichen. Und so kam es, wie es kommen musste. Grasmilbenstiche. Oh, das juckt so fürchterlich und scheint nie, nie, nie wieder aufzuhören. Inzwischen ist aber alles wieder gut. Dies war auch das einzige „unangenehme“ tierische Zusammentreffen.

Für all diejenigen, die es etwas spiritueller mögen: Habt Ihr schonmal einem Hund länger tief in die Augen geschaut? Es fühlt sich echt an, wie es Coelho in seinem Buch „Auf dem Jakobsweg“ beschreibt. Irre.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine