Todsünde versus Tugend – Teil 4

Zorn/Wut/Rachsucht versus Geduld

Dann fange ich heute einfach mal mit der Geduld an. Meist muss immer alles so schnell und hoppla-di-hopp gehe. Da hat man gar keine Zeit, auch nur an Geduld zu denken. Und doch ist für so viele Dinge ein bisschen Geduld ganz hilfreich. Und dabei denke ich nicht nur daran, dass wir uns, wenn wir tatsächlich mal warten müssen, nicht so sehr aufregen, wenn wir uns ein wenig in Geduld hüllen. Sie kann uns helfen, ein paar Dinge gelassener auszuhalten.

Aber ist das wirklich die Art von Geduld, die hier als Gegensatz zu Zorn und Wut gemeint ist? Was stelle ich mir überhaupt als das Gegenteil von Zorn und Wut vor? Keine Wut, kein Zorn. Aber das hat für mich noch nichts mit Geduld zu tun. Vielleicht: was bräuchte ich, um nicht zornig oder wütend zu werden? Sicherlich in erster Linie Verständnis für die Situation oder die Person, wegen der ich zornig oder wütend werden würde. Vielleicht etwas Duldsamkeit, um diese Situation aushalten zu können? Aber das ist (aus meiner Sicht) eigentlich etwas anderes als das, was ich eben als Geduld beschrieben habe. Duldsamkeit, etwas ertragen zu können – na gut, auch das Warten ertragen zu können. Vielleicht aber ohne des Aspekt der Ausdauer, der Beharrlichkeit, die in der obigen Beschreibung enthalten ist.

Und wie duldsam sollte ich sein? Muss ich alles aushalten, alles ertragen? Solange es niemandem schadet, sollte man wohl in der Tat alles ertragen, alles erdulden. Kommt jemand zu Schaden, so sollte man sich wohl gut überlegen, ob man Partei ergreift und in welcher Art und Weise man das machen möchte bzw. kann. Dies dann auch umzusetzen erfordert sicher eine gewisse Portion Mut, vielleicht auch Aggression (im Sinne von Energetisierung), vielleicht auch etwas Zorn, um sich wirklich in Aktion zu bringen. Alle anderen Ausdrucksformen von Wut, Zorn und Rachsucht halte ich in keiner Weise für hilfreich. Einerseits verletzen sie Andere, andererseits verkleben sie einem das Gehirn so derartig, dass man nicht mehr denken und also auch nicht hilfreich handeln kann.

Fazit dieses Todsünde-Tugend-Paares: Geduld im Sinne von Duldsamkeit ist mit Sicherheit angebracht, solange niemand verletzt wird. Davon kann man also fast nicht zu viel haben. Zorn, Wut und Rachsucht helfen überhaupt nicht weiter, hindern uns eher. Ob man sie wirklich braucht, um sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen, ist fraglich. Man kann sicher aus einem verletzten Gerechtigkeitsempfinden heraus ausreichend Antrieb zum Handeln gewinnen.

Nun ist es wohl aber zu einfach, wenn man sagen würde, man dürfe keinen Zorn und keine Wut haben. Ich denke, dass Zorn und Wut immer ein Ausdruck dafür ist, dass alte Verletzungen in uns aktiviert werden. Und dagegen wollen wir uns wehren. Aber derjenige, der uns da gerade vermeintlich wütend gemacht hat, ist gar nicht derjenige, der schuldig ist oder den anzugreifen uns in unserer Verletztheit helfen würde. Hilfreich wäre vielleicht, einmal t-ie-ie-ie-f durchzuatmen und sich sehr genau zu überlegen, wo nun wirklich dieser Zorn und diese Wut herkommen, und sich dann diesen Ursachen zuzuwenden. Dann können wir heilen und brauchen Wut und Zorn nicht mehr.

Aber verbieten lassen sich Wut und Zorn nicht so einfach, weshalb ich es kritisch finde, sie als Todsünde zu bezeichnen. Das macht ein schlechtes Gewissen und bringt nicht ins eigene Handeln.

Wir sehen und auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Todsünde versus Tugend – Teil 3

Neid/Eifersucht versus Wohlwollen

Nun, das ist ein sehr kontroverses Thema, insbesondere, was die Eifersucht anbetrifft. Deswegen will ich die Eifersucht mal außen vor lassen. Vielleicht gibt es später mal einen eigenen Blog-Beitrag dazu.

Neid macht gelb oder grün. Und wer will schon gelb oder grün aussehen. Und hässlich macht Neid auch. Man kann es den Leuten meist schon vom Gesicht her ansehen, wenn sie neidisch sind. Sie spucken Gift und Galle und gönnen dem Anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Und meist geht es dabei gar nicht um wirklich existentielle Dinge. Aber es geht in der Regel darum, dass ein Anderer etwas hat, was man selbst so gern hätte, es aber nicht bekommt. Wenn man es wirklich wegen fehlender Fähigkeiten nicht bekommen kann, dann ist das natürlich tragisch. Aber ich denke, das sind eher die seltenen Fälle. Meist hat man nicht genug Mut, daran zu arbeiten, es zu bekommen, oder man versagt es sich aus irgendwelchen anderen Gründen. Aber man ist viel zu sehr in seinen Neid verstrickt, um das wirklich erkennen und etwas daran ändern zu können. Manchmal steigert es sich dann dahin, dass man dem Anderen das Haben dieser Sache verleiden möchte oder auch aktiv daran arbeitet, es ihm wegzunehmen.

Dann gibt es aus meiner Sicht eine abgemilderte Form von Neid, den ich manchmal produktiven Neid nennen. Das ist, wenn man bei jemandem etwas sieht, es gern haben möchte, aber davon, dass ein Anderer es hat, angeregt wird, daran zu arbeiten, es auch zu bekommen. Daran sehe ich eigentlich nichts Falsches.

Und wie sieht es mit dem Wohlwollen aus? Ich finde es eigentlich ganz gut, wenn jemand einem Anderen neidlos etwas gönnen und lassen kann. Meist ist das auch mit einer sehr angenehmen Grundstimmung verbunden. Kann man Wohlwollen auch übertreiben? Das sehe ich eigentlich nicht so wirklich. Höchstens, wenn Wohlwollen einen so passiv macht, dass man gar nicht mehr an der eigenen Entwicklung arbeitet.

Muss man nun zwischen Neid und Wohlwollen eine ebensolche Balance finden wie zwischen den letzten beiden besprochenen Sünde-Tugend-Paaren? Ich glaube nicht, dass man – bis auf einige Extremfälle – zu wohlwollend sein kann. Ein bisschen Neid kann manchmal anregend sein. Also wäre es wohl wichtig, hier ein gutes Maß an Neid zu finden, aber nicht im Ausgleich für Wohlwollen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Todsünde versus Tugend – Teil 2

Geiz/Habgier versus Mildtätigkeit

Geiz und Gier sind häufig benutzte Begriffe in unserer Gesellschaft. Sogar ein Werbespruch greift eines dieser Worte auf. Eine geile Todsünde? Grusel.

Vielleicht mögen Geiz und Gier auf den ersten Blick nicht zusammenhängen. Aber ich denke, sie liegen nicht weit auseinander und haben die selbe „Wurzel“, gehen dann aber in verschiedene Richtungen. Geiz will nicht abgeben – Gier will immer mehr haben. Deshalb werde ich im Folgenden nicht zwischen diesen beiden Begriffen trennen.

Jedes Land hat wohl so seine Landstriche, deren Bewohner wegen allzu großer Sparsamkeit verspottet werden. Wann wird Sparsamkeit zu Geiz? Sicher ist die Grenze mal wieder fließend, was die ganze Sache ja nicht unbedingt vereinfacht. Aber einen halbwegs sicheren Schnitt kann man wohl legen, wenn man überlegt, ob diese Sparsamkeit ein Gebot wenig vorhandener Mittel ist oder dazu dient, den Haufen der Besitztümer nicht kleiner – besser noch immer größer – werden zu lassen.

Tja, wo es die eine Seite gibt, da gibt es meist auch die andere. Und zumindest was Sünde und Tugend angeht, soll wohl die Mildtätigkeit das Gegenteil von Geiz und Habgier sein. Für mich gibt es hinsichtlich der Mildtätigkeit zwei wichtige Aspekte. Der eine ist, ob man aus reinem Herzen mildtätig ist. Natürlich ist es für die Empfänger der Mildtätigkeit auf der materiellen Ebene ohne Belang, ob gern oder mit einer abweichenden Absicht gegeben wird. Aber auf der menschlichen Ebene werden es die Empfänger schon merken, ob man gern gegeben hat oder nicht. Und auch für einen selbst wird man mehr Positives für sich zurückbehalten, wenn man gern gegeben hat – aus dem einzigen Grund, wirklich helfen zu wollen. Der andere Aspekt ist, dass man, meiner Meinung nach, auch die Mildtätigkeit übertreiben kann. Das ist spätestens dann der Fall, wenn man sich selbst oder seine nächsten Verwandten/Freunde durch die Mildtätigkeit Fremden gegenüber schadet. Eine möglichst realistische Selbstwahrnehmung könnte dem vorbeugen.

Und damit wären wir eigentlich schon wieder beim Fazit: eine gute Balance wäre nicht verkehrt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Todsünde versus Tugend – Teil 1

Hochmut/Stolz/Übermut versus Demut

Zwei Enden einer Skala, die ausdrückt, wie wir uns gegenüber anderen Menschen positionieren. In welchem Maße achten wir sie? Und wie stellen wir uns selbst gegenüber anderen Menschen dar. Müssen wir immer besser sein als alle anderen?

Da stand doch vor Äonen von Jahren in meinem Poesie-Album(*) folgendes:

Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein;
und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

In wessen Interesse ist so ein Spruch wohl? Sicher ist es nicht nötig und auch nicht „sittsam“, sich ständig in den Mittelpunkt zu drängeln und andere zur Seite zu schuben. Aber als genauso wenig „sittsam“ erachte ich es, wenn man sich ständig herumschubsen lässt. Die Achtung vor anderen Menschen schließt meiner Meinung nach auch die Achtung vor sich selbst ein. Wenn man sich selbst achten kann, dann braucht man keine Bewunderer von außen, dann sind Stolz und Hochmut gar nicht nötig. Was sagt es also über uns aus, wenn wir stolz und hochmütig sind?

Ein wenig anders sehe ich das mit dem Übermut. Klar: „Übermut tut selten gut!“ So höre ich noch die warnenden Stimmen aus vorvergangenen Zeiten. Mal ein bisschen über die Stränge schlagen. Mal ein bisschen was Neues ausprobieren. Sich mal ein bisschen mehr Spaß und Vergnügen gönnen als gewöhnlich. Vorzugsweise in einem geschützten Rahmen. Das kann sehr anregend und beflügelnd sein. Solange man danach wieder zurück in die Realität findet, kann ich daran nichts Anstößiges finden.

Und Demut? Sollen wir demütig sein? Hier kommt es sicher etwas darauf an, was man unter Demut versteht. In unserem Alltag gibt es – meiner Meinung nach – eine ziemlich negative Beimischung zum Begriff Demut. Meist stellt man sich einen kriechenden, schleimigen Speichellecker darunter vor. Nun, das ist sicher im Zusammenhang von Todsünden und Tugenden nicht mit Demut gemeint. Gemeint ist hier eine Dankbarkeit und eine Wertschätzung dem allgemeinen Sein gegenüber gemeint. Auch dafür gibt es verschiedene Begriffe – dem Schöpfer gegenüber, Gott gegenüber… Auf den Alltag bezogen bedeutet es für mich, dankbar zu sein für alles, was mich umgibt, für alles, was ich habe. Das schließt ganz allgemein das Leben ein, MD, meinen Sohn, Verwandte, Freunde, Bekannte, aber auch das tägliche Essen, den relativen Frieden, den wir in unserer Region genießen dürfen. Und es schließt natürlich auch den Blog und Euch, die Bloggergemeinschaft, mit ein. Ja, ich bin dankbar für alles. Alles ist wert zu sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir zu einem angemessen Maß an Hochmut/Stolz versus Demut finden können. Es ist eine Herausforderung für jeden neuen Tag.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

(*) Was ist/war ein Poesie-Album? Es war ein Notizbuch mit weißen Seiten, meist mit einem schönen Umschlag. Man ließ hier diejenigen eintragen, an die man sich gern erinnern wollte. Wer etwas hineinschrieb versuchte, einen Spruch oder ein Gedicht zu finden, das zum Besitzer des Buches passte bzw. etwas enthielt, das man dem Besitzer mit auf den Weg geben wollte. Diese Poesie-Alben waren ein kleiner Schatz, man hielt sie sehr in ehren. So wurden sie beispielsweise noch einmal zusätzlich eingeschlagen, damit der schöne Umschlag nicht kaputt ging. Ging ein Poesie-Album verloren, ging damit buchstäblich eine kleine Welt verloren. In abgewandelter Form sollen wohl die Bücher „Alle meine Schulfreunde“ diese Poesie-Alben fortsetzen.

Beginnende Fastenzeit

Heute ist Aschermittwoch. Und hier sagt man: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Für Andere beginnt an diesem Tag eine wichtige Zeit: die Fastenzeit bis Ostern.

Nun heißt das nicht automatisch, dass man bis Ostern nichts mehr essen dürfte. Einige Leute versuchen, den Konsum bestimmter Dinge einzuschränken. Andere nehmen sich vor, über bestimmte Dinge in besonderer Art nachzudenken. Für dieses Jahr möchte ich die Sonntage bis Ostern dafür nutzen, um über die Todsünden und die dazu jeweils gegenteiligen Tugenden nachzudenken. Was bedeuten sie? Warum wurden sie in damaligen Zeiten als Todsünden und Tugenden verkündet? Ist es auch heute noch sinnvoll, sie als Todsünden und Tugenden zu betrachten? Was ist ein gutes Verhältnis zwischen dem Ausmaß der Todsünde und dem Ausmaß der entsprechenden Tugend und wie kann man es erreichen?

Ich bin gespannt, was sich da wohl zeigen will.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine