Buckingham, Clifton: Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!

Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt! – Das Gallup-Prinzip für individuelle Entwicklung und erfolgreiche Führung

  • Marcus Buckingham, Donald O. Clifton; aus dem Englischen von Volkhard Matyssek
  • Campus Verlag, 8. September 2016, 5., aktualisierte Auflage
  • Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
  • 24,95 € (D)
  • ISBN 978-3-593-50252-6

Inhalt

Etwa seit der 1980er Jahre befasst sich das Gallup-Instituts mit der Frage, was Menschen in ihrem Beruf gut macht. Wann können sie das Beste erreichen und dabei auch noch mit sich selbst im Einklang stehen. Im Laufe der Jahre haben sie über 80.000 Menschen interviewt und daraus dann insgesamt 34 Themen zusammengestellt, in denen man stark, im Sinne von talentiert sein kann. Diese Talente sind bei jedem/r unterschiedlich stark ausgeprägt. Das Buch geht nun von der Prämisse aus, dass es deutlich sinnvoller und zielführender ist, diese Themen, in denen die Talente besonders stark ausgeprägt sind, weiter zu verfolgen. Auf die schwächer ausgeprägten Talente sollte man sich nur dann konzentrieren, wenn sie einen bei der Umsetzung der eigentlichen Stärken behindern. Diese Gedanken legen die Autoren nun in diesem Buch dar. Dass es bereits in der 5. Auflage erschienen ist, zeigt – aus meiner Sicht -, dass dies immer noch ein wichtiges Thema ist.

Nach einer kurzen Einführung, in der die Autoren ihren Ansatz und ihr Vorgehen kurz erläutern, geht es im ersten Teil des Buches um Stärken – Was sind Stärken? Warum soll man Stärken stärken? Diese Darstellungen werden durch etliche überzeugende Beispiele verdeutlicht. Der Zweite Teil des Buches befasst sich mit dem StrengthsFinder, der auf den Forschungsergebnissen des Gallup-Instituts beruht. Die Anwendung des Tests wird erläutert und die 34 Talentthemen werden erläutert. Den dritten Teil des Buches sollte man erst lesen, wenn man den StrengthsFinder selbst ausgefüllt hat. Hier werden nun Fragen beantwortet, die sich nach dem Erhalt der Ergebnisse stellen können. Es geht aber auch darum, wie man nun das Beste aus den Stärken machen kann, wie man sie managen kann. Das letzte Kapitel dieses Teils und damit des Buches dreht sich darum, wie ein Unternehmen stärkenorientiert aufgebaut werden kann.

Am Ende des Buches gibt es ein vier-seitiges Register, aber leider keine Hinweise zum weiteren Lesen. Der Link auf den StrengthsFinder steht im Text des Buches, ein persönlicher Code auf der letzten inneren Umschlagseite.

Subjektive Eindrücke

Den Ansatz, sich eher auf seine Stärken zu konzentrieren, als sich permanent von seinen Schwächen deprimieren zu lassen, finde ich toll. Er stimmt optimistisch und macht auf mich einen deutlich humaneren Eindruck als immer nur bekrittelt zu werden und doch nie das „Klassenziel“ zu erreichen.

Das Buch ist sinnvoll und logisch aufgebaut. Man kann gut folgen, wozu auch die vielen Beispiele aus der Praxis der Autoren beitragen. Einige Stellen sind etwas langweilig, wenn man sie wie einen Fließtext liest, aber diese sind eher zum Nachschlagen gedacht, wenn man dann also weiß, welche die eigenen Stärken sind. Ich habe trotzdem auch die Beschreibungen der anderen Stärken gelesen, weil es mich einfach interessiert hat.

Den StrengthsFinder sollte man – meiner Meinung nach – nur machen, wenn man ausreichend Ruhe dafür hat. Man muss reichlich 170 Paare von Eigenschaften oder Verhaltensweisen danach beurteilen, welche am ehesten auf einen Selbst zutreffen. Dazu hat man jeweils 20 s Zeit, damit man intuitiv antwortet und nicht nachdenkt. Das Ergebnis gibt es gleich danach. Man erfährt die fünf stärksten Stärken. Will man mehr wissen, muss man sich den Rest kostenpflichtig freischalten lassen. Der Code im Buch ist auch nur ein einziges Mal nutzbar. Das fand ich ein bisschen schade.

Die Ausführungen dazu, wie man ein stärkenorientiertes Unternehmen aufbaut, fand ich ebenfalls sehr interessant. Ich hätte mir aber noch mehr dazu gewünscht, wie ich nun das Wissen über meine Stärken in Eigenregie für mein persönliches Leben nutzen bzw. umsetzen kann.

Die Webseite, auf der auch der StrengthsFinder zu finden ist, bietet viele nützliche Informationen. Man kann dort – wenn ich das richtig gesehen habe – fast alles finden, was es auch im Buch gibt. Für mich ist aber ein Buch eine schöne Zusammenstellung, sodass ich nicht wie wild herumklicken und mir alles selbst zusammensuchen muss.

Fazit

Auch wenn es die meisten Informationen zum StrengthsFinder auf der entsprechenden Internetseite gibt, ist dieses Buch mit Sicherheit eine sinnvolle und hilfreiche Zusammenstellung all dessen, was man rund um Stärken und deren Nutzung wissen sollte und könnte.

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Hofert: Mindshift

Mindshift – Mach dich fit für die Arbeitswelt von morgen

  • Svenja Hofert
  • Campus Verlag, 5. März 2019
  • Broschiert, 312 Seiten
  • 19,95 € (D)
  • ISBN 978-3-593-50985-3

Inhalt

Die Grundlage von Frau Hoferts Argumentation ist die These, dass sich die zukünftige Arbeitswelt von der derzeitigen stark unterscheiden wird und wir uns deswegen diesen Veränderungen anzupassen haben, um auch weiterhin effektiv und effizient funktionieren zu können. Dazu stellt sie 22 sogenannte Mindshifts vor, die uns dabei helfen sollen, bestimmte, zum Teil eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen abzulegen bzw. durch neue zu ersetzen.

Jedes Mindshift beginnt mit einem kurzen Überblick darüber, worum es in diesem Mindshift geht, was sich tatsächlich ändern soll und was diese Veränderung einem bringen kann. Danach gibt es grundlegende Erläuterungen zu diesem Mindshift. Dabei werden u. a. die zugrundeliegenden Theorien in unterschiedlicher Breite angeschnitten. Etwa nach der ersten Hälfte des Buches flicht Frau Hofert in die Mindshifts Beispiele aus ihrer eigenen Praxis ein. Der zweite Teil jedes Mindshifts ist eher praxisorientiert. Es gibt Empfehlungen, was man im Rahmen von 5 Minuten für diesen Mindshift tun kann, wie man sich im Laufe von 6 Wochen mit diesem Mindshift befassen kann und wie man in einer Gruppe an diesem Mindshift arbeiten kann. Gruppe meint dabei insbesondere in der ersten Hälfte des Buches eine Gruppe von Freunden/Bekannten, wogegen in der zweiten Hälfte des Buches eher Gruppen von KollegInnen gemeint sind, die sich dann mit dem Mindshift aus Sicht der Arbeitsgruppe befassen.

Am Ende gibt es eine Seite mit Literaturhinweisen. Viele im Text genannten Theorien, Modelle oder auch Autoren bleiben hier unerwähnt.

Subjektive Eindrücke

Die Mindshifts sind sinnvoll und hilfreich und ebenso beschrieben. Die „Übungen“ geben Anregung, selbst aktiv zu werden. Neu ist sicherlich, sie in einem Buch zu versammeln. Die Mindshifts an sich sind durchaus aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung bekannt. Zum Teil haben sie lange zurückreichende Wurzeln. Immer aber sind und waren sie darauf ausgerichtet, dass Menschen sich mit dem, was und wie sie etwas tun, glücklicher, zufriedener, mehr mit sich selbst im Einklang stehend empfinden können. Hier steht nun im Focus, wie diese Mindshifts als Werkzeug benutzt werden können, um als Arbeitskraft auch in Zukunft sinnvoll einsetzbar zu sein.

Wenn man von dieser Rahmung des Buches abstrahieren kann, findet man hier sicherlich viele gute Anregungen, um authentischer und mit sich selbst zufriedener zu leben – ganz privat, aber natürlich AUCH im Arbeitskontext.

Fazit

Das Buch enthält 22 Mindshifts zur Persönlichkeitsentwicklung für zukünftige Arbeitsfähigkeit. Mehr persönliche Zufriedenheit könnte durchaus eine akzeptable „Nebenwirkung“ sein 😉

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Renz-Polster: Erziehung prägt Gesinnung

Erziehung prägt Gesinnung – Wie der weltweite Rechtsrutsch entstehen konnte – und wie wir ihn aufhalten können

  • Herbert Renz-Polster
  • Kösel-Verlag, 25. März 2019
  • Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-466-31116-3

Inhalt

Viele von uns sind schockiert über den wieder erstarkenden Rechtsradikalismus in der Welt und in Deutschland. Wir sind aber auch ratlos, woher das rührt und was wir dagegen tun können.

Die These des Buches ist, dass die Sozialisation in der frühen Kindheit prägt, wie wir dem Leben gegenüberstehen, und dass das auch unsere Haltung im Erwachsenenleben prägt. Wir lernen entweder, dass das Leben Gutes für uns bereithält, wenn wir in positiver sozialer Bindung, gefördert und nicht unter Druck und Zwang gesetzt aufwachsen können. Anderenfalls stehen wir dem Leben eher skeptisch gegenüber oder erwarten gar nur das Schlechte von ihm. Entsprechend agieren und reagieren wir. Wir werden entweder die Sandkastenmobber oder die guten/wahren Freunde. Immer bezogen auf eine allgemeine Gruppe – Einzelschicksale können natürlich auch anders verlaufen

Dieser These geht Herr Renz-Polster von verschiedenen Standpunkten aus nach. Er zeigt, dass autoritäre Erziehung keine Frage von Reichtum oder Armut ist. Er zeigt, dass autoritäre Erziehung keine Frage von Bildung ist. Er zeigt aber insbesondere auch, dass es eben insbesondere diese kindliche Prägung ist, die autoritäre Persönlichkeiten hervorbringt und dass andere Einflüsse höchstens wenig bis gar keinen Anteil daran haben. Dazu zieht er durch die Welt und schaut sich die allgemein üblichen Kindheitsbiografien an und vergleicht sie miteinander.

Er legt aber auch dar, dass die Kindheiten in Deutschland verhältnismäßig unautoritär und das in zunehmendem Maße verlaufen. Herr Renz-Polster zeigt auch, dass wir zwar im Moment einen Aufmerksamkeits-Boom für Radikalismus in Deutschland erleben, aber insgesamt die Trend weg von Autoritarismus und Radikalismus geht.

Jede Argumentation stützt Herr Renz-Polster auf verlässliche Studien. Er führt dazu auch verschiedene Autoritarismus-Forscher an. Entsprechend umfassen die Literatur- und Quellenhinweise am Ende des Buches 42 Seiten.

Subjektive Eindrücke

Ich bin tief beeindruckt von dem Buch – und auch betroffen. Insbesondere die Beschreibung dessen, was Kinder in verschiedenen Regionen der Welt durchmachen müssen, hat mich ziemlich stark bewegt. An der Stelle vielleicht ein kleines Achtung an alle, die selbst unter Gewalt zu leiden hatten.

Der Schreibstil von Herrn Renz-Polster gefällt mir sehr gut. Er braucht keine wissenschaftlichen, hochtrabenden oder unverständlichen Begriffe. Im Gegenteil, er findet sprechende und – aus meiner Sicht – passende Metaphern oder Bilder. Seine Argumentation stützt er nicht nur mit wissenschaftlichen belegen, sondern auch mit eingängigen aktuellen/praktischen Beispielen, die überraschen und überzeugen.

Das Buch macht Mut, was die Situation in Deutschland angeht – ganz im Gegenteil zu dem, was man hinsichtlich der lauten und z. T. lauter werdenden Stimmen erwarten würde. Aber es lässt auch sehr frustriert und pessimistisch hinsichtlich einiger anderer, sehr großer Länder dieser Welt zurück.

Letztlich das Kredo, wie wir den Autoritarismus und Radikalismus überwinden können: Gebt den Kindern – insbesondere den ganz Kleinen – was sie von Natur aus brauchen: Liebe, Geborgenheit, Anregung und Freiraum sich zu dem zu entwickeln, was in ihnen angelegt ist.

Fazit

Bitte, bitte, bitte unbedingt lesen – vor allem angehende Eltern oder Eltern kleiner Kinder, aber auch ErzieherInnen in KiTas, Schulen und sonstigen Einrichtungen. Auch wenn es schwer ist und die Ressourcen nicht zu reichen scheinen – es ist/wird das Fundament einer lebenswerten Zukunft.

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Schmidt-Leukel: Wahrheit in Vielfalt

Wahrheit in Vielfalt – Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie

  • Perry Schmidt-Leukel, aus dem Englischen von Monika Ottermann
  • Gütersloher Verlagshaus, 22. April 2019
  • Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
  • 36,00 € (D), 37,10 € (A)
  • ISBN 978-3-579-08249-3

Inhalt

Das Buch versucht zu klären, warum und wie die Religionen in Dialog treten können, um grundlegende Gemeinsamkeiten, die überwiegend durch unterschiedliche Benennung verborgen sind, zu erkennen, diese anzuerkennen und zu einer gegenseitigen Wertschätzung zu kommen, um weitere Religionskriege zu verhindern.

Im ersten Kapitel erläutert Herr Schmidt-Leukel, warum er religiösen Pluralismus für nötig und für möglich hält und wie er ihn von Naturalismus, Inklusivismus und Exklusivismus entscheidet. Dann untersucht er getrennt für das Christentum, das Judentum, den Islam, den Hinduismus, den Buddhismus und die chinesischen Religionen, ob und welche pluralistischen Elemente sie enthalten.

Den zweiten Teil des Buches leitet Herr Schmidt-Leukel ein, indem er zeigt, wie man nun von pluralistischen Ansätzen innerhalb einer Religion zur interreligiösen Theologie finden kann, für die er Prinzipien und Methoden zusammenstellt. Anschließend nimmt er immer jeweils zwei Religionen und untersucht, inwieweit sich deren Glaubensgrundsätze miteinander und durcheinander erklären lassen und ob sich die jeweils andere Religion darin wiederfinden kann. So geht es um die Bedeutung des Sohnes, des Propheten und von Buddha.

Ähnlich untersucht Herr Schmidt-Leukel die Bedeutung der Schöpfungstheorien miteinander und durcheinander zu erklären.

Am Schluss des Buches stellt Herr Schmidt-Leukel seine grundsätzliche Auffassung religiöser Vielfalt vor. Diese erklärt er mit der Theorie der Fraktale des Mathematikers Benoît Mandelbaum von 1975.

34 Seiten Literaturnachweise sowie 7 Seiten Namensregister geben einen kleinen Hinweis darauf, welch umfangreiches Wissen in diesem Buch steckt.

Subjektive Eindrücke

Wie oft hatte ich mich nicht schon gefragt, warum sich die Religionen eigentlich so bekriegen, wieso es Religionskriege gab und gibt, wieso man Menschen anderer oder keiner Glaubensrichtungen derart verfolgen muss. Die Geschichte ist voll von widerwärtigen Beispielen. So kam das Buch gerade recht und ich flog förmlich darauf.

Die Argumentationen und Erläuterungen haben mich von der Detailliertheit und dem schier unermesslichen Wissen her tief beeindruckt. Nicht immer habe ich alles verstanden, weil Herr Schmidt-Leukel doch eher in der Sprache seiner Wissenschaft und mit religiöse geprägten Begriffen hantiert, die mir nicht geläufig sind – vermutlich, weil ich eben nicht mit einem bestimmten Glaubenssystem aufgewachsen bin.

So habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich das Buch eher an sehr fachlich Interessierte mit einer großen Portion Vorwissen richtet als an die „breite interessierte Masse“. Schade eigentlich. Denn wie sollten sich die vielen guten Ideen für einen Dialog zwischen den Religionen verbreiten und möglichst großflächig Fuß fassen, wenn nicht über die Menschen, die den entsprechenden Religionen angehören.

Ja, ich bin beeindruckt von den Ideen und Möglichkeiten, die das Buch erläutert und eröffnet. Und hoffe sehr, dass sie den Kontext der Wissenschaft, der Universitäten und Vorlesungen verlassen und bis zu den Menschen, die täglich Religion leben, vordringen können.

Fazit

Ein Buch voller brillanter Argumentation, umfangreichen Wissens, sehr begrüßenswerter Entwicklungsrichtungen – nur manchmal für den nicht so tiefgründig mit der Materien Vertrauten etwas schwierig zu verstehen.

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Hümmler: Verschwörungsmythen

Verschwörungsmythen – Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden

  • Holm Gero Hümmler
  • Hirzel, S., Verlag, 29. März 2019
  • Taschenbuch, 223 Seiten (eBook gelesen)
  • 19,80 € (D)
  • ISBN 978-3-777-62780-9

Inhalt

Fake news, Schönredereien, Verschwörungen, halbe Wahrheiten, reine Fakten – was kann, soll, darf, muss man (noch) glauben?

Herr Hümmler versucht mit seinem Buch, einige der wichtigsten und/oder bekanntesten Verschwörungstheorien Schritt für Schritt zu durchleuchten Dabei geht es nach einem gut nachvollziehbaren Schema vor und erläutert erst Argumente dafür und dagegen, untersucht deren Plausibilität und hinterfragt die Sinnhaftigkeit des Ziels der jeweiligen Theorie. Auch setzt er sich mit der Frage auseinander, ob eine derartige Verschwörung umsetzbar und/oder geheimhaltbar gewesen wäre. Für die wissenschaftlichen Argumente gibt es Hinweise, wie man sie selbst mit einfachen Mitteln und ohne Wissenschaftlicher der jeweiligen Disziplin sein zu müssen, plausibel nachprüfen kann. Dabei greift Herr Hümmler solche „Theorien“ auf wie die nicht stattgefundene Mondlandung, Hitlers high-technische Überlegenheit, die bewusste Generierung von Erdbeben, die Frage, ob die Erde hohl oder eine Scheibe ist, etc.

Ein einführendes Kapitel befasst sich kurz mit günstigen Entstehungsbedingungen für Verschwörungstheorien. Ein abschließendes Kapitel gibt einen Überblick darüber, wie man selbst vorgehen kann, um sich mit möglichen Verschwörungstheorien weitestgehend objektiv auseinanderzusetzen.

Subjektive Eindrücke

Ich habe das Buch mit viel Genuss gelesen. Einige der behandelten Verschwörungstheorien kannte ich noch nicht. Immer fand ich die Auseinandersetzung mit den pro und contra sehr interessant. Dabei habe ich viele interessante Dinge gelernt.

Das einführende und das abschließende Kapitel waren besonders hilfreich, da sie unabhängig von konkreten Theorien Hinweise für die eigene Auseinandersetzung mit anderen Verschwörungstheorien bietet. Allerdings hätte ich mir beide Kapitel deutlich ausführlicher gewünscht. Vieles war – für meinen Geschmack – nur angerissen. Gerade die Frage nach den Entstehungsbedingungen finde ich äußerst wichtig, weil hier vielleicht auch Möglichkeiten liegen könnten, das Entstehen neuer Verschwörungstheorien zu verhindern.

Fazit

Ein sehr spannendes und für alle, die es wollen, ein durchaus lehrreiches Buch. Oder ist es nur eine Verschwörung, um uns mit tiefgründigem Denken von banalen Dingen abzuhalten 😉

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Schnabl: Meine Suche nach dem Nichts

Meine Suche nach dem Nichts – Wie ich tausend Kilometer auf dem japanischen Jakobsweg lief und was ich dabei fand

  • Lena Schnabl
  • Goldmann Verlag, 20. Mai 2019
  • Broschiert, 416 Seiten
  • 14,00 € (D)
  • ISBN 978-3-442-15980-2

Inhalt

Lena Schnabl hat u. a. Japanologie studiert. Als Journalistin ist sie weltweit unterwegs, dabei eben sehr viel in Japan. Allerdings scheint ihr Körper mit ihrer Lebensgeschwindigkeit nicht recht mithalten zu können, sodass sie schwer erkrankt. Um sich Zeit zu nehmen, die Botschaft der Krankheit zu verstehen, wieder mit ihrem Körper ins Reine zu kommen und auch wieder Kräfte und Stabilität zu erlangen, macht sie sich auf nach Japan. Diesmal weniger, um für einen Auftrag zu recherchieren, als vielmehr, um auf Shikoku den Weg der 88 Temple zu gehen – und dabei natürlich ihrem geliebten Japan nah zu sein.

Der Zeithorizont des Buches beginnt also deutlich vor der eigentlichen Wanderung. Und auch wenn die Wanderung Hauptinhalt des Buches ist, so springt Lena Schnabl immer mal wieder zurück in Erinnerungen oder macht Sprünge in die japanische Kultur und Tradition ganz allgemein. Zu fast allen Tempeln erzählt sie eine überlieferte Geschichte. Aber sie stellt auch ihre eigene Wandlung, ihre eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse immer wieder dar. Damit ist das Buch nicht nur die Beschreibung einer Pilgerreise, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Vergangenheit, Gegenwart und auch Andeutungen auf eine Zukunft.

Subjektive Eindrücke

Da ich 2017 selbst den Weg gegangen bin, konnte ich an diesem Buch einfach nicht vorbei. Ich habe es genossen – vom Anfang bis zum Ende. Es wurden so viele Erinnerungen wachgerufen.

Und auch wenn Pilgern sehr individuell ist und Lena Schnabel vollkommen andere Erfahrungen gemacht hat als ich, so gibt es doch unzählige Parallelen. Das festzustellen war gleichermaßen spannend wie überraschend. Ich fühlte mich von Lena Schnabel eingeladen und mitgenommen, mit ihr diesen Weg zu gehen, mit ihr zu leiden, mich mit ihr zu freuen. Und dabei eben auch zu erleben, dass andere Menschen mit ganz anderen Dingen auf solchen Wegen zu kämpfen haben als ich. Natürlich ist das auf der gedanklichen Ebene klar, hier wurde es aber ein stückweit emotional nachvollziehbar.

In seltenen Fällen habe ich einige Sachverhalte etwas anders in Erinnerung. Aber schließlich ist Jena Schnabel Journalistin und weiß, wie man recherchiert. Also ist das für mich Anregung, selbst noch einmal gut nachzuschauen und meine Erinnerungen kritisch zu hinterfragen.

Fazit

Wer Reisebeschreibungen und ferne Länder mit sehr anderen Kulturen mag, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

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Schüle: In der Kampfzone

In der Kampfzone – Deutschland zwischen Panik, Größenwahn und Selbstverzwergung

  • Christian Schüle
  • Penguin Verlag, 25. März 2019
  • Gebundene Ausgabe, 304 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-328-60080-0

Inhalt

Eigentlich sagt der Untertitel alles. Christian Schüle setzt sich mit der psychologischen, philosophischen, politischen… Situation Deutschlands auseinander. Dabei zeigt er auf, welche Entwicklungen zum derzeitigen Zustand geführt haben und wie wir wieder herausfinden könnten.

Nach einem „Prolog“ folgt eine grundlegende Bestandsaufnahme im Kapitel „In der Kampfzone“. Danach widmet sich Christian Schüle getrennt 4 Narrativen (laut Wikipedia ist ein Narrativ „eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird“), die in Deutschland die Weltsicht prägen: Aufstieg, Angst, Schuld, Opfer. Im letzten Kapitel versucht er, Auswege „In die Freiheit“ aufzuzeigen.

Subjektive Eindrücke

Die meisten Menschen machen sich wohl ihre Gedanken über Deutschland, vor allem, weil immer wieder die Katastrophe, andererseits aber auch Deutschlands Stärke diskutiert werden. Wie ist das nun wirklich, fragt man sich dann doch irgendwann. Deshalb wollte ich unbedingt dieses Buch lesen. Und ich bin absolut fasziniert davon.

Christina Schüle schreibt sehr offen, ja nahezu schonungslos. Trotzdem bewertet er nicht oder schiebt „jemandem“ Schuld in die Schuhe oder polarisiert. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Über die Maßen beeindruckt hat mich der Schreibstil. Die Art des Untertitels gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf. Herr Schüle verwendet immer wieder Aufzählungen – Aufzählungen von Adjektiven, Aufzählungen von Substantiven, teilweise das Gleicher ausdrückend, teilweise Gegenteiliges ausdrückend, manchmal aber auch mit jedem neuen Wort drängender oder lockerer werdend. Ich habe in diesem Buch Worte gesehen, die ich schon lange nicht mehr gehört oder gelesen hatte. Das war eine erfrischende Wohltat, auch wenn es am Beginn etwas anstrengend war, da ich aus den vielen letzten Büchern, die ich gelesen hatte, einen eher „flachen“, einfachen Schreibstil gewohnt war. Aber ich habe mich sehr gern ganz schnell umgewöhnt 🙂 Ja, ich möchte auch so farbenfreudig, eindringlich und interessant schreiben können.

Fazit

Aktuelle und hochinteressante Zusammenhänge, brillant in Text gesetzt. Jede/r, den/die Deutschland am Herzen liegt, wird seine/ihre wahre Freude an diesem Buch haben.

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