von Humboldt: Die Russland-Expedition

Die Russland-Expedition – Von der Newa bis zum Altai

  • Alexander von Humboldt, herausgegeben von Oliver Lubrich
  • C.H.Beck, 25. Januar 2019
  • Taschenbuch, 220 Seiten
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-406-73378-9

Inhalt

Bei diesem Buch handelt es sich um die Zusammenstellung von originalen Dokumenten – einerseits Briefen, die Humboldt auf seiner Reise geschrieben hat, andererseits eine Art Reisetagebuch von Gustav Rose (ein Reisebegleiter Humboldts).

Im ersten Teil der Briefe und des Tagebuches geht es noch überwiegend um organisatorische Dinge, wo Geld herkam, mit wem man sich traf, ob die Ausrüstung hält, wie die Wege und das Wetter sind etc. Zunehmend berichtet Rose aber auch über Erlebnisse, anfangs eher über Eindrücke der Städte und Ortschaften, dann aber auch über die konkreten Begegnungen mit den Menschen. Humboldt bleibt bei seinen eher sachlichen Darstellungen. In vielen Briefen äußerst er wieder und wieder seine Dankbarkeit gegenüber seinen Geldgebern und Unterstützern. In der Korrespondenz mit seinem Bruder geht es darum, ihm in der Zeit eines individuellen Verlusts trotz der Entfernung zur Seite zu stehen.

In einem Nachwort erklärt Karl Schlögel, warum die Dokumente diese entsprechenden Themen behandelten und stellt Humboldts Reise in den politischen Kontext des damaligen Russlands und der damaligen Verbindungen zwischen Russland und Deutschland und zeigt auch auf, unter welchen Restriktionen Forscher damals (insbesondere eben Humboldt) Gelder erhielten und Forschung betreiben konnten bzw. mussten.

Subjektive Eindrücke

Ich fand es sehr interessant, nahezu Originaldokumente zu lesen. Hin und wieder war es etwas anstrengend sich an die andere Rechtschreibung zu gewöhnen, aber das haben dann eben Originaldokumente so an sich. Für mich auch interessant, wie zu Humboldts Zeiten Forschung betrieben wurde und wie die Sicht auf die Dinge und die Welt diese Art der Forschung geprägt haben könnte.

Beim Lesen war ich etwas enttäuscht, nicht mehr von „Land und Leuten“ zu erfahren. Das wurde gegen Ende hin in den Aufzeichnungen von Rose besser. Manchmal habe ich auch innerlich nahezu gestöhnt: ‚Man, der quatscht ja nur vom Geld und buckelt vor den Leuten.‘ Das wurde dann aber durch das Nachwort mehr als aufgelöst und nun kann ich gut mit dem Leben, was ich in diesem Buch gelesen habe – ich habe mehr gelesen als nur eine Reisebeschreibung durch Russland.

Die Frage wäre vielleicht, ob man das Nachwort also lieber vorher lesen sollte. Ich hatte es nun einmal hinterher gelesen. So konnte ich „am eigenen Leib“ spüren, wie sich die damalige Situation tatsächlich in den Aufzeichnungen und Briefen widerspiegelt. Das fand ich sehr faszinieren. Hätte ich das Vorwort vorher gelesen, hätte ich meine „Beobachtungen“ vielleicht auf das gelesene Nachwort geschoben.

Fazit

Ein interessanter Eindruck vom damaligen Russland aber auch von Möglichkeiten und Zwängen von Forschung und Wissenschaft der damaligen Zeit.

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Idriz: Der Koran und die Frauen

Der Koran und die Frauen Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam

  • Benjamin Idriz
  • Gütersloher Verlagshaus, 22. April 2019
  • Gebundene Ausgabe, 192 Seiten (eBook gelesen)
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-579-01463-0

Inhalt

Wir meinen zu wissen und handeln danach. Aber das Wissen baut auf dem auf, was wir hören, was andere sagen und verfestigt sich somit. Und so hat sich der Islam als frauenfeindlich in vielen unserer Köpfe festgesetzt. Ist dem so?

Benjamin Idriz bereitet in seinem Buch auf, wie die Frau im Koran dargestellt wird. Dazu geht er in die Zeit zurück, bevor der Koran aufgeschrieben wurde, und beschreibt die damaligen Zustände als ungerecht und frauenentwürdigend. In seiner Darstellung versuchte der Koran mit vielen seiner Regeln die Frauen den Männern gleichzustellen und sie zu schützen. Er stellt dann diese Regelungen den Darlegungen im alten und neuen Testament gegenüber und scheint zu dem Schluss zu kommen, dass der Koran frauenfreundlicher ist als die Bibel. Immer wieder argumentiert Herr Idriz auch mit dem tatsächlichen Verhalten des Propheten Mohammed allgemein im Befolgen der Regeln des Korans, aber auch in seinem Verhalten Frauen, insbesondere seinen eigenen Frauen gegenüber. Dabei erläutert Herr Idriz auch, wie sich Frauen in Moschee verhalten sollen bzw. dürfen, ob sie an bestimmten Tagen und/oder Orten ein Betverbot haben oder nicht, und auch, welche Kleidungsvorschriften es in der Tat gibt und warum es diese gibt.

Immer wieder streut Herr Idriz ein, wie er es in seiner Gemeinde hält, und gibt am Ende Hinweise für muslimische Frauen in Deutschland, die heiraten oder sich scheiden lassen wollen.

Am Ende des Buches gibt es eine lange Literaturliste.

Subjektive Eindrücke

Natürlich war/bin auch ich voll von von außen geprägten Bildern über den Islam. Aus eigener Anschauung kannte ich den Islam nur aus dem Straßenbild. Etliche unserer Kunden sind Muslime, aber das macht sie zu keinen anderen Kunden als alle Kunden. Deshalb war es für mich wichtig, mal etwas in die Welt des Islams einzutauchen, und habe viel dabei gelernt.

Sehr gut gefallen hat mir, dass das Buch damit beginnt, wo eigentlich die Regeln herkommen, warum sie so und nicht andres aufgestellt wurden – also dass sie in ihren geschichtlichen Kontext gestellt wurden.

Herr Idriz erwähnt auch an einigen Stellen, dass es verschiedene Auslegungen des Korans gibt – naja, die gibt es ja der Bibel auch. Das war auch interessant für mich. Hier hätte ich mich aber über eine tiefere Beschäftigung mit der Frage gewünscht, warum es zu diesen extremen Interpretationen kam und warum es doch noch immer viele Strömungen gibt, die an diesen Interpretationen festhalten und deren Umsetzung von ihren Mitgliedern fordern.

Fazit

Ein aufschlussreiches Buch, das hoffentlich hilft, über vorgefertigtes Wissen nachzudenken.

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Tallis: Der unheilbare Romantiker

Der unheilbare Romantiker und andere Geschichten aus der Psychotherapie

  • Frank Tallis, aus dem Englischen von Liselotte Prugger
  • btb Verlag, 10. Juni 2019
  • Taschenbuch, 320 Seiten
  • 10,00 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-442-71822-1

Inhalt

Liebe ist ein zentrales Thema unseres Lebens. Und natürlich der dazu gehörende Sex. Aber da kann gewaltig etwas schief laufen, wenn aufgrund unguter Prägungen, eines Zuviels oder Zuwenig bestimmter Botenstoffe im Gehirn etc. Neigungen stärker ausgeprägt sind als es dem eigenen Leben gut tut. Darüber berichtet Herr Tallis in 12 Kapiteln. Dabei stellt jedes Kapitel ein spezifisches Problem vor.

In der Regel erzählt Herr Tallis die Geschichte eines/r (fiktiven) PatientIn, wie diese/r sich warum im Rahmen der Therapie entwickelt, wie es zu dem Problem gekommen ist und wie die Aussichten auf Besserung aussehen. Dabei bedeutet Besserung für Herrn Tallis immer, dass der/die PatientIn (wieder?) besser mit seinem/ihren Leben zurechtkommt. In die Geschichten streut Herr Tallis immer wieder auch Erläuterungen, den psychischen, aber auch den physiologischen Hintergrund, soziale Verknüpfungen.

So erfährt man über Geschichten jede Menge Wissenswertes über die praktische Liebe, aber auch über ihre seelischen und körperlichen Hintergründe.

Subjektive Eindrücke

Die Mischung aus Geschichten und „Wissenschaft“ gefiel mir sehr gut. Es las sich abwechslungsreich und man blieb interessiert beim Lesen.

Besonders gefallen hat mir die sehr wertschätzende Art von Herrn Tallis, seine Geschichten zu erzählen und die Belange seiner PatientInnen wiederzugeben. Nie arteten die Beschreibungen in Voyeurismus aus oder gruben kriminalistisch im Inneren der PatientInnen. Wichtig war für mich auch, dass es nie eine Bewertung im Sinne von falsch, unnormal, abartig gab etc. Die Menschen der Geschichten gingen anders mit Liebe um als die meisten Menschen. Aber solange sie damit gut und glücklich leben können, stellt das für Herrn Tallis kein Problem dar.

An vielen Stellen kann man auch sehr gut das Mitgefühl spüren, dass Herr Tallis für seine PatientInnen verspürt. Auch das thematisiert er in seinem Buch, weil sich ein Zuviel an Mitgefühl auch negativ auf eine Therapie auswirken kann.

Sollte ich mal eine Therapie brauchen, hätte ich bei einem Menschen, wie mir Herr Tallis durch sein Buch begegnete, bestimmt ein gutes Gefühl.

Fazit

Liebe ist toll, aber es kann auch einiges schief gehen. Ob und wie man damit umgehen kann, zeigt dieses Buch anhand einfühlsam und wertschätzender Geschichten.

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Hüther: Würde

Würde – Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft

  • Gerald Hüther
  • Pantheon Verlag, 2. Auflage, 27. Mai 2019
  • Broschiert, 192 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-570-55393-0

Inhalt

Persönliche Erlebnisse gaben den Ausschlag für Herrn Hüther dieses Buch über Würde zu schreiben. Er nähert sich dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Aus der Darstellung einiger würdeloser, menschen- und naturverachtender Situationen heraus motiviert Herr Hüther, dass wir uns mit dem Thema Würde auseinandersetzen müssen. Er steigt dann mit einem Überblick darüber, wie sich die inhaltliche Bedeutung von Würde über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Dann begibt er sich auf sein angestammtes Gebiet und beleuchtet, wie Würde in unserem Gehirn verankert ist, wie bzw. warum wir Würde empfinden (könn(t)en) und wie sich ein Bewusstsein für die eigene Würde entwickeln kann.

Solange es sich um die Prozesse im Gehirn handelt, bleiben die Ausführungen des Buches noch sehr auf die einzelne Person bezogen. Das ändert sich hiernach, denn Herr Hüther befasst sich dann damit, wie wir als „Außenstehende“ erkennen können, ob sich jemand seiner/ihrer Würde bewusst ist, wie die Interaktionen mit solchen Menschen verlaufen, wie sich die Beziehungen mit solchen Personen gestalten können und welche (meist positiven) Auswirkungen das auf unsere Gesellschaft, auf unser Zusammenleben haben wird.

Auf ein paar wenigen Seiten geht Herr Hüther darauf ein, was ein Leben in/mit Würde mit einem Sterben in/mit Würde zu tun hat.

Subjektive Eindrücke

Aus meiner Sicht ist das ein sehr wichtiges Buch. Gerade die vielen Beispiele am Anfang des Textes zeigen, wie oft wir uns – zum Teil auch unbewusst – würdelos gegenüber anderen, aber auch gegenüber uns selbst verhalten. In diesem Sinne hat das Buch einige Fragen für mich beantwortet.

Allerdings muss ich gestehen, dass die Fragen, die das Buch aufgeworfen hat, deutlich mehr und vielfältiger sind als die, die es beantworten konnte. Besonders schmerzlich gefehlt hat mir eine einigermaßen klar umrissene Aussage dazu, was Würde denn nun eigentlich ist. Ja, man hat irgendein Verständnis davon, aber wenn man sich darüber austauschen will, dann fühlt sich ein bloß vages Verständnis für mich als zu wenig an. Hat es etwas mit Selbstbewusst sein, mit Selbstliebe, mit Selbstachtung, mit menschlicher Wertschätzung zu tun? Wenn ja, inwieweit, wenn nicht, inwieweit nicht. Auch Abgrenzungen können helfen, einen Begriff klarer zu fassen.

Leider gibt es keine Quellenangaben und auch keine weiterführenden Lesetipps.

Fazit

Ein Buch, das wichtig in unserer heutigen Zeit ist, viele Fragen beantwortet, aber auch viele Fragen offen lässt.

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Baxter: obelisk

obelisk

  • Stephen Baxter, aus dem Englischen von Peter Robert
  • Heyne Verlag, Deutsche Erstausgabe, 11. März 2019
  • Taschenbuch, 512 Seiten
  • 10,00 € (D), 11,30 € (A)
  • ISBN 978-3-453-31945-5

Inhalt

In diesem Buch sind 17 Geschichte von Stephen Baxter zusammengestellt. Sie sind unterteilt in Geschichten, die einen Zusammenhang zum PROXIMA-Zyklus haben, Geschichten, die andere Vergangenheiten, die andere Gegenwarten und solche, die andere Zukünfte beschreiben.

Die Geschichten decken eine breite Palette von Fähigkeiten von Stephen Baxter ab. Die Charaktere sind logisch und glaubhaft gezeichnet und entwickeln sich im Rahmen der Möglichkeiten der kurzen Geschichten. In fast allen Geschichten findet sich die Auseinandersetzung mit moralischen Fragestellungen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben.

Subjektive Eindrücke

Besonders fasziniert haben mich die Geschichten zu anderen Vergangenheiten. Sie waren zwar weit genug weg vom wirklichen Hergang der Historien, aber doch noch nah genug dran, dass man einen Bezug herstellen konnte. Das verlieh diesen Geschichten eine sehr interessante Note.

Die Geschichten zum PROXIMA-Zyklus waren eine nette Ergänzung zu dem, was in den PROXIMA-Büchern so passiert.

Die anderen Zukünfte mochte ich, weil sie zum Teil bis weit in die Vergangenheit zurückreichten und damit eine fast unendliche Zeitdimension eröffneten. Andere Geschichten zu anderen Zukünften zeigten, wie die Menschheit versuchen könnte, aus dem selbstverschuldeten Umweltschlamassel herauszukommen. Ob das wirklich „andere Zukünfte“ wären oder ab davon nicht doch eine zumindest in ähnlicher Weise eintreten könnte.

Insgesamt finde ich es immer wieder schön zu erleben, dass ScienceFiction eben nicht nur Sternenkrieg sein muss.

Fazit

Für alle Stephen-Baxter-Fans sicherlich ein lesenswerter Leckerbissen.

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Taylor: Alle diese Welten

Alle diese Welten

  • Dennis E. Taylor, aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter
  • Heyne Verlag, Deutsche Erstausgabe, 10. Juni 2019
  • Taschennbuch, 384 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-453-31932-5

Inhalt

Das ist der dritte Teil von Taylor’s Trilogie über das Bob-Universum, wobei Bob ein in eine KI geladener Mensch ist (war?), der sich verselbstständige und irgendwann lerne, weitere KIs zu schaffen und sich als Kopie dort hinein zu laden. Außerdem machte sich Bob bzw. machten sich die Bobs mobil und stellten sich die Aufgabe, die Menschheit zu retten, da sie die Erde zunehmend unbewohnbar machten und seit dem zweiten Teil auch die Gefahr bestand, dass sie von einer Alien-Rasse bei deren Suche nach Rohstoff sozusagen als Kollateralschaden ausgelöscht werden.

Auf der Suche nach neuen Lebensräumen für die Menschheit stoßen die Bobs auf verschiedene, unterschiedlich weit entwickelte Zivilisationen, denen sie ebenfalls helfen, sich möglichst schnell weiterzuentwickeln. Auch für diese Zivilisationen sehen sich die Bobs in der Pflicht, sie vor den aggressiven bzw. wenig empathischen Aliens zu beschützen.

Die Bobs finden auch bewohnbare, aber noch unbewohnte Planeten, auf denen sie dann Teile der Menschheit ansiedeln. Sie helfen den Menschen, dort Fuß zu fassen, und müssen natürlich auch diese Gebiete vor der ressourcengierigen Alienrasse beschützen.

Viel Arbeit für die Bobs, auch wenn sie immer mehr werden.

Dieser Teil beginnt damit, dass die Fortschritte der einzelnen Welten (der Neubesiedlungen sowie auch der gefundenen Zivilisationen) gezeigt werden und wie sich der jeweilige Bob selbst mit entwickelt. Es werden moralische Fragen aufgeworfen, wie z. B. ob die Bobs verpflichtet sind, die Menschheit und die gefundenen Zivilisationen zu retten oder ob sie ihren eigenen Wünschen und Interessen nachgehen dürfen. Dürfen sie sich mit den „echten“ Menschen mischen? In Androidenkörpern ist das kein Problem, aber ist es ethisch vertretbar? Zunehmend sind die Bobs auch damit konfrontiert, dass die Menschen, mit denen sie gearbeitet haben, die zu ihren Freunden und vielleicht auch zu einer Art Familie geworden sind, sterben. Aber die Bobs werden immer weiter und weiter leben.

Die auf dem Rückentext des Buches angekündigte Auseinandersetzung mit der Alienrasse findet statt, im überwiegenden Teil des Buches allerdings eher in Form von Gedankenspielen und vorbereitenden Aktionen. Erst ab ca. Seite 300 kommt es wirklich zum Kampf, der aber nach etwa 50 Seiten entschieden ist. Die restlichen Seiten ziehen für die wichtigsten Bobs eine Art Resüme und zeigen, wie es in der nun bestehenden Situation in den verschiedenen Siedlungsgebieten und für die Bobs weitergehen kann.

Subjektive Eindrücke

Wenn man die ersten beiden Bücher gelesen hat, dann kann man wohl an dem dritten Buch nicht vorbei. Allerdings bin ich nicht schlüssig, ob man den dritten Teil lesen kann, ohne die ersten beiden gelesen zu haben. Man wird doch recht schnell an die verschiedenen Orten geworfen, die schon für eine/n „kundige/n“ Leser/in nicht immer leicht auseinanderzuhalten sind. Es tauchen auch Phänomene auf, die man aus den ersten beiden Büchern kennt, die aber hier nicht wirklich eingeführt werden. Da ich aber die ersten beiden Bücher kannte, war das für mich kein größeres Problem.

Gut fand ich, dass es tatsächlich in Ansätzen um die Andersartigkeit der Bobs ging und wie sie damit umgehen – untereinander, aber auch in der Zusammenarbeit mit den Menschen bzw. den gefunden Zivilisationen. Es werden menschliche Aspekte angeschnitten, aber auch rechtliche und ethisch-moralische. Hier hätte das Buch für meinen Geschmack deutlich tiefer gehen können.

Dass die eigentliche Konfrontation mit der Alienrasse auf 50 Seiten beschränkt bleibt und nicht weiter in die Tiefe geht, störte mich nicht weiter. Wer aber Fan von Sternenkriegen ist, der würde wohl davon enttäuscht sein.

Vor den knapp 400 Seiten muss man sich nicht fürchten. Einerseits ist die Schrift verhältnismäßig groß und andererseits liest sich der Text flüssig und entspannt.

Fazit

Ein schönes Ende der Bob-Trilogie. Wer die ersten beiden Bücher kennt, sollte an diesem nicht vorbei gehen. Sternenkriegerfans werden mit diesem Buch aber nicht auf ihre Kosten kommen.

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Geißler: Die Uhr kann gehen

Die Uhr kann gehen – Das Ende der Gehorsamkeitskultur

  • Karlheinz A. Geißler
  • Hirzel, S., Verlag, 27. Mai 2019
  • Gebundene Ausgabe, 195 Seiten (eBook gelesen)
  • 19,80 € (D)
  • ISBN 978-3-777-62780-9

Inhalt

Allerorten kann man beobachten, dass Uhren abgebaut werden. Immer weniger Menschen tragen eine Armbanduhr. Sie schauen einfach ins Handy, wenn sie die Uhrzeit brauchen. Das ist aber nicht alles. Herr Geißler argumentiert, dass wir die Uhrzeit eigentlich nicht mehr brauchen. Ja, dass wir uns aus den Zwängen, die uns die Uhr auferlegt hat, befreien sollen und müssen und eigentlich schon aktiv dabei sind, es zu tun.

Im langen ersten Teil des Buches beschreibt Herr Geißler seine Beobachtungen zum Verschwinden von Uhren und Uhrzeit aus verschiedensten Blickwinkeln und gibt auch einen kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung von Uhr und Uhrzeit. Der zweite Teil des Buches befasst sich knapp mit der Frage, wie der Kuckuck in die Uhr kam, warum es gerade ein Kuckuck war und was eine symbolische Bedeutung davon sein könnte. Das letzte Kapitel geht dann darauf ein, wie die Uhrzeit uns – insbesondere die Deutschen – auf Pünktlichkeit und, ja, auch auf Gehorsamkeit getrimmt hat. Herr Geißler argumentiert in diesem Teil auch, dass Pünktlich nicht mehr angesagt ist, dass man die Dinge dann tun soll, wenn es sich richtig anfühlt, also zur rechten Zeit und nicht zur richtigen Zeit.

Immer wieder benutzt Herr Geißler Künstler (Sänger, Schriftsteller) und zum Teil Philosophen für seine Argumentation.

Subjektive Eindrücke

Ich muss gestehen, dass mir das Lesen dieses Buches schwer gefallen ist. Das lag sicherlich nicht am Thema, denn ich fand es schon spannende zu sehen, wie sich das Festlegen einer getakteten Zeit auf das gesellschaftliche Leben auswirken kann, wie wir heute mit einer solchen linear strukturierten Zeit (noch) umgehen können und wo es uns vielleicht in Zukunft hinbringen kann.

Was mir Schwierigkeiten bereitete, war eher der Schreibstil. Er ist sehr blumig, voller Metaphern und Andeutungen. Eigentlich mag ich das sehr – allerdings eher in Romanen. In einem Sachbuch hat mich das eher immer wieder vom Thema abgelenkt und ich musste mich immer wieder ermahnen, konzentriert weiterzulesen. Auch hatte ich im ersten Teil des Buches immer wieder Schwierigkeiten zu sehen, was die eigentliche Zielrichtung des Buches sein sollte. Möglicherweise hatte ich da den Untertitel zu sehr im Kopf, der aber eigentlich erst auf den letzten Seiten des Buches Thema war.

Gerade dieser letzte Teil hatte aber mein Interesse geweckt – wie sieht es in der heutigen Gesellschaft mit dem Umgang mit Zeit aus? Was bedeutet es für das Zusammenleben und -arbeiten, wenn niemand mehr Verabredungen für verabredet hält und auch kurzfristig, weil er/sie meint, etwas Wichtigeres, Sinnvolleres zu tun zu haben, absagt? Was macht das mit uns, mit unseren Beziehungen und mit unserem Lebens- und Arbeitsstil.

Auch wenn ich viel über die Geschichte von Uhren, den aktuellen Prozess des Verschwindens von Uhren und über Kuckucksuhren erfahren habe, so kam mir der mit dem Untertitel versprochene Part deutlich zu kurz.

Fazit

Wie Uhren uns disziplinierten, wie sie jetzt verschwinden und wie sich das Verständnis von Pünktlichkeit ändert – das kann man in diesem Buch erfahren.

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