​(Un-)Sinn(s)-Sprüche und -Fragen

Viele Gaststätten- und Hotelbetreiber sind so nett, ihre Wäsche, ihr Besteck etc. mit ihrem Namen und ihrer Adresse zu versehen. Dann weiß man hinterher wenigstens, wo man das Zeug geklaut hat.

Da war mal ein Kollege. Wenn man bei ihm zu Hause um einen Löffel für den Kaffee oder Tee bat, kam zuerst die Frage, von welcher Fluggesellschaft er denn sein solle. ***ohne Kommentar***

Auf meiner Sommerwanderung bekam man von vielen Unterkunftsbetreibern ganz offiziell ein kleines Handtuch geschenkt mit dem Namenszug der Unterkunft. Schöne Andenken, die ich gern um die Insel getragen habe 🙂 Hier die Sammlung der Handtücher/Tücher, die ich nicht benutzt habe. Einige hatte ich direkt als Schweißtücher eingesetzt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Shikoku – Nachlese #9

Das Symbol der Schildkröte

Die Schildkröte war mir auf der Reise in verschiedenster Form begegnet. Besonders auffallend waren natürlich die beiden Schildkröten in den Tempeln (22. Tag und 25. Tag). Aber auch lebende Exemplare in Gewässern oder als Haustiere gehalten und vielerlei Souvenirs in Form von Schildkröten habe ich gesehen. Das legte die Vermutung nahe, dass Schildkröten in Japan und/oder im Buddhismus eine besondere Bedeutung haben.

Mit Hilfe der Japanisch-Lehrerin und des Internets ließ sich Folgendes herausfinden:

In China und Japan wird die Schildkröte mit Weisheit und Glück assoziiert.

In China ist die Schildkröte auch ein Symbol für Fruchtbarkeit, Gesundheit und Vitalität. Wenn man in China eine Schildkröte im Traum sieht, so symbolisiert sie die Schöpfung.

In Japan steht die zusätzlich auch für ein langes Leben. Sowohl der Gott der Weisheit und des Glücks (Fukurokuju) als auch der Gott der Langlebigkeit und des Glücks in alten Tagen (Jurojin) werden von einer Schildkröte begleitet.

Mongolen und Inder interpretieren den Panzer der Schildkröte als den Weltenberg, den die Schildkröte trägt. Für sie, wie auch für die Chinesen bedeutet die Schildkröte auch Unsterblichkeit.

Häufig findet sich die Schildkröte gemeinsam mit einem Kranich und Bambus. Diese drei zusammen symbolisieren die Insel der Unsterblichen/Unsterblichkeit (hôrai). Den Kranich als Symbol für ein langes Leben kennen Viele sicherlich durch Hiroshima und Nagasaki, wo das Falten von 1000 Kranichen bedeutete, dass man nicht an der Strahlenkrankheit erkranken/sterben würde.

Da es ja auch im Buddhismus um Unsterblichkeit und den Eingang ins Nirwana geht, ist es also nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit Tempeln auch immer wieder Schildkrötenfiguren auftauchen.

Hier eine Säule aus 13 Steinschildkröten.

Aber auch Kraniche werden figürlich dargestellt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Shikoku – Nachlese #8

Tengu – Der rote Typ mit der langen Nase

Einige von Euch erinnern sich sicherlich noch, dass ich von einem roten Typen mit einer langen Nase geschrieben hatte und nicht so recht wusste, was er zu bedeuten hat. Falls Ihr nachlesen wollt –> hier. In den Kommentaren hatten wir ein wenig herumgerätselt, waren aber zu keinem Schluss gekommen. Nun habe ich mich ein wenig kundig gemacht und habe auch fundierte Hilfe von der Japanisch-Lehrerin (herzlichen Dank) bekommen. Der Rest stammt dann aus Wikipedia.

Auf jeden Fall hat der Typ einen Namen: Tengu (chinesisch: Himmelshund; japanisch: Himmelsfuchs) und ist sogar in meinem Wörterbuch zu finden. Die Schriftzeichen sind unten auf dem zweiten Bild zu sehen. Er gehört zum Volksglauben, lebt in den Bergen (laut Wikipedia haben die Berge ihre „eigenen“ Tengu) und ist ein Kobold oder Waldgeist. Seine Wurzeln hat er in  buddhistischen, shinoistischen und auch alten daoistischen Vorstellungen. Dann muss ich mich also auch nicht wundern, eine solche Figur in einem buddhistischen Tempel zu finden.

Im Volksglauben ist Tengu eine Gestalt, die Unfug treibt und allerlei Streiche spielt. Auch sexuelle Anspielungen hinsichtlich der langen Nase fehlen nicht. Man kann ihn in Märchen finden. Im Theater gibt es entsprechende Figuren. Und natürlich hat Tengu in entsprechender Gestalt auch Eingang in Mangas gefunden.

Aber erst in der frühen Neuzeit bekam Tengu sein eher humoristisches Gewand. Davor waren sie gefürchtet, weil sie Besessenheit auslösten, Mönche und Kinder attackierten und entführten und sowohl aggressiv als auch waffengewandt waren.

Hier noch ein paar weitere Bilder von Tengu’s, die mir sehr gefallen haben.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Shikoku – Nachlese #7

Der Kreislauf des Lebens in Bildern

Viele Tempel sind Aufbewahrungsstätten für Kunstschätze – würde ich zumindest aus meinem laienhaften Verständnis heraus sagen. Einige der Tempel hatten regelrechte Sammlungen von Schätzen, meist Kalligrafien oder andere Bilder. In einem Tempel gab es ein ganz breites Bild, das den Kreislauf des Lebens darstellte. Es hat mich sehr beeindruckt. Deshalb möchte ich es Euch heute vorstellen, auch wenn die Fotos wegen der vielen Spiegelungen in den Vitrinengläsern nicht wirklich toll geworden sind.

Es beginnt damit, dass eine junge Frau ein Kind bekommt.

Das Kind wächst zu einem jungen, schönen Mann heran.

Er wird älter und älter.

Und irgendwann liegt er tot da und beginnt zu verwesen.

Tiere kommen und führen ihren Teil dieses Menschen in die Natur zurück…

…bis nur noch das Skelett daliegt, das zu Staub zerfällt.

Und übrig bleibt die Natur und maximal ein Stein zur Erinnerung.

Alle Bilder zeigen dieselbe Stelle in der Natur. Auch die Gebährende scheint an genau dieser Stelle ihr Kind zur Welt zu bringen. Das hat für mich dieses kreislaufartige besonders deutlich gemacht.

Bessere Fotos wären natürlich toll gewesen, aber bestimmt kann man sich auch so ganz gut vorstellen, was ausgedrückt werden soll.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Shikoku – Nachlese #6

Heute geht es also weiter mit dem Vergleich von Jakobsweg und Shikoku 88. Diesmal aus Sicht der Pilgerin.

Platt gesagt gibt es zwei wesentliche Unterschiede: Die Jakobswege sind christliche Wege und führen von einem Anfangspunkt A zum Endpunkt Santiago wogegen Shikoku 88 ein buddhistischer Weg ist, der „ewig“ im Kreis führt. Es gibt aber auch ein paar feinere Unterschiede.

Der Jakobsweg als Pilgerweg

Ursprünglich hatten die Pilger auf dem Jakobsweg ähnliche Kleidung an. Davon ist auf dem heutigen Jakobsweg kaum noch etwas zu sehen Geblieben ist am ehesten der Wanderstab, der aber bei vielen durch Trecking-/Wanderstöcke ersetzt wurde. Hin und wieder sieht man jemanden mit einer Kalebasse (einem mittelalterlichen Trinkgefäß aus einem Kürbis). Das vordringliche Ziel einer Pilgerung auf dem Jakobsweg ist, Santiago und dort die Gebeine des Jakobus zu erreichen. Kommt man in Santiago an, sind alle Sünden getilgt. Was unterwegs passiert, ist dafür mehr oder weniger unbedeutend. Ob man nun in Kirchen und/oder Gottesdienste geht oder nicht ob man unterwegs betet oder nicht, ist egal. Viele Kirchen sind ohnehin geschlossen. Einen Stempel, der als Nachweis der Anwesenheit dient, gibt es nahezu überall – je näher man Santiago desto desto „überaller“.

Shikoku 88 als Pilgerweg

Auf Shikoku 88 hat sich die traditionelle Kleidung der Pilger erhalten. Sie gehen in weißen Sachen, haben einen runden Strohhut auf und einen Stab, der Kobo Daishi repräsentiert in der Hand. Ich hatte ihn dann durch einen zweiten Trecking-/Wanderstock ergänzt. Man geht von Tempel zu Tempel, betet zu den Göttern dieses Tempel und bekommt als Nachweis dafür, dass die Mönche des Tempels diese Gebete weiterleiten werden, eine Kalligrafie in ein Buch. Die Bewegung ist also verzahnt mit den Ritualen in den Tempeln. Natürlich steht niemand da und kontrolliert, ob man wirklich gebetet hat, aber das muss dann jede/r für sich entscheiden.

Und wie ging es mir nun damit?

Dadurch, dass auf Shikoku 88 die Rituale und die Bewegung derart miteinander verzahnt waren, war für mich das spirituelle Erleben eindrucksvoller, tiefgreifender als auf den Jakobswegen, obwohl ich auch auf den Jakobswegen in jede (offene) Kirche gehe und an den Pilgergottesdiensten teilnehme, wenn es denn in dem Ort welche gibt. Außerdem liegt mir das Kreisförmige deutlich näher als das Gehen von A nach B. Es wirkte auf mich kontinuierlicher, ein wenig wie der Hinweis, dass eben auch unser Leben in Kreisen verläuft. Immer, wenn ich am Ende eines Jakobsweges in Santiago angekommen war, dachte ich so: ‚Und? Was jetzt? Das Leben geht doch weiter und ist hier nicht einfach zu Ende.‘ Meist habe ich dann für mich selbst etwas ergänzt, um doch noch zu einem geschlossenen Kreis zu kommen – z. B. eine Runde nach Finisterra, Muxia und zurück nach Santiago oder wie 2011 zurück zum Startort Irun. Eigentlich habe ich erst in diesem Jahr auf Shikoku begriffen, was ich da eigentlich gemacht habe und warum es mich immer drängt, einen Kreis zu schließen.

Wo ist das spirituelle „Resultat“ besser?

Eigentlich ist die Frage ja nicht ganz fair gestellt, weil ich denke, dass man hier nicht von einem besser oder schlechter sprechen kann. Alle Wege, die ich als Pilgerin gegangen bin, also auf denen ich versucht habe, mich mit meiner Innenwelt zu befassen und ein Stück näher an mich heranzurücken, haben mich diesbezüglich weitergebracht – nur eben auf unterschiedliche Art und Weise. Die Jakobswege erlauben es aufgrund ihrer einfach zu gehenden Wege, in eine Art Trance zu kommen. Diese Zustände sind äußerst interessant und aufschlussreich. Das war auf Shikoku nicht möglich. Hier musste man, insbesondere auf den Pilgerkill-Strecken absolut achtsam sein – eine gute Übung, im Hier und Jetzt zu bleiben. Auch dies war eine sehr aufschlussreiche Erfahrung für mich. Nicht zuletzt würde ich noch die viele und harte Einsamkeit auf Shikoku erwähnen. Die findet man so wohl zu keiner Jahreszeit auf dem Jakosbweg und wohl auch nur im Sommer auf Shikoku. Aber dies war wohl auf dieser Pilgerung für mich der ergiebigste Antrieb für spirituelle Entwicklung.

Und das Fazit?

Als Pilger kann man mehr oder weniger überall unterwegs sein. Schön ist es, einen traditionellen Pilgerweg zu finden – möglichst auch einen, der der eigenen religiösen Grundrichtung entspricht, weil man dann passendere Anregungen für seine Entwicklung findet. Aber auch ein normaler Wanderweg kann ausreichend sein. Ich würde aber denken, dass man reichlich 10 Tage, besser um die 3 Wochen unterwegs sein sollte, da es eine Weile dauert, bis man „auf dem Weg“ angekommen ist.

Endfazit

Das Wichtigste ist, dass man sich auf den Weg begibt – alles Andere findet sich dann.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Shikoku – Nachlese #5

Heute geht es also weiter mit dem Vergleich von Jakobsweg und Shikoku 88. Diesmal aus Sicht der Wandererin.

Der Jakobsweg für Wanderer/innen

Eigentlich gibt es ja nicht DEN Jakobsweg. Der Weg von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago ist wohl der „üblichste“ Weg, der camino frances. Man kann aber auch von Irun nach Santiago den camino del norte entlanggehen, wobei es auch hier verschiedene Möglichkeiten der Weggestaltung gibt. Auch von Sevilla (via de la plata), Valencia (camino de levante), Porto (camino portugues)… kann man nach Santiago aufbrechen. Viele Franzosen starten in Le-Puy-en-Velay (via podiensis). 2012 bin ich von zu Hause gestartet und über Le-Puy-en-Velay und Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago gelaufen. Am bisher anspruchsvollsten für eine Wandererin fand ich den camino del norte. Es waren viele Berge zu bezwingen. Anspruchsvoll hinsichtlich der Länge war natürlich der Weg von 2012. Dieser Weg stellte auch hitzetechnisch zweimal ziemliche Ansprüche. Diese wurden allerdings durch die via de la plata deutlich übertroffen, die von Anfang bis kurz vor Santiago eine Heitzschlacht par excellence war. Wenn es um die Schönheit der Wege geht, so muss ich sagen, dass mir das Stück hinter Le-Puy-en-Velay – das Aubrac – am besten gefallen hat, dicht gefolgt von den Blicken auf das Meer auf dem camino del norte.

Shikoku 88 für Wanderer/innen

Und wie ist das mit Shikoku 88? Im Grunde gibt es eigentlich nur einen Weg, um von Tempel zu Tempel zu kommen. Es gibt immer mal wieder Alternativen, man kann sich natürlich auch seinen eigenen Weg suchen, aber im Grunde würde ich sagen, dass es einen „Standardweg“ gibt. Einige der Auf- und Abstiege waren ziemlich herausfordernd, sodass ich hin und wieder ein wenig fluchte. Die Berge waren alle sehr bewaldet, sodass man von oben nicht wirklich einen weiten Blick nach unten hatte. Das ist bei den meisten Bergen auf den Jakobswegen anders. Ich bevorzuge eigentlich die weiten Blicke, weil man dabei eben wirklich ein Gefühl von Raum und Weite bekommt. Die Wegstücke, die an der Küste von Shikoku entlangführten, fand ich wunderschön. Und da sie deutlich länger und abwechslungsreicher waren als die auf dem camino del norte, würde ich Shikoku 88 deutlich den Vorzug geben. Auf Shikoku gibt es viel Grün, sehr viel Grün. Das vermisst man manchmal auf dem Jakobsweg, insbesondere auf dem camino frances. Auch hier würde ich eigentlich Shikoku 88 den Vorzug geben. Wettertechnisch muss man vielleicht ein wenig differenzieren. Ich war dort im Sommer, wo eigentlich Regenzeit ist und es bekanntlich sehr heiß und schwül ist. Und zumindest letzteres war es die ganze Zeit, nachdem nach ca. 2-3 Wochen der Regen fast ganz aufgehört hatte. Dieses Wetter war deutlich anstrengender als das heißeste Wetter, dass ich jemals auf einem Jakobsweg hatte. Ich glaube, diesbezüglich müsste der Jakobsweg den Vorzug bekommen.

Gibt es nun ein Fazit?

Wenn ich wählen dürfte, dann hätte ich gern einen Weg, der sich aus Teilen von Aubrac und Südküste Shikoku 88 zusammensetzt. Der Rest ist eigentlich (fast) egal 😉

Und nächsten Mittwoch gibt es den Vergleich aus Sicht der Pilgerin.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Shikoku – Nachlese #4

Mimeisoo hatte ja schon während der Reise gefragt, ob mir die 88-Tempel-Tour oder der Camino besser gefallen hätte. Ich habe damals auf die Nachlese vertröstet und will nun mein Versprechen einlösen – wahrscheinlich in zwei oder gar drei Teilen.

Die erste Frage, die damit im Zusammenhang steht, ist: Wandern oder Pilgern?

Spätestens seit dem Camino von 2012 gibt es diese Frage in meinem Kopf. Einer der Pilgerführer war zwar nicht explizit als solcher ausgeschrieben, aber wenn im Titel „Jakobsweg“ steht, erwarte ich eigentlich einen Pilgerführer. Es war dann aber ein Wanderführer. Als ich also nach diesem Buch gelaufen bin, hatte ich erst diffuse Störgefühle, bis mir klar wurde, dass sich das Buch an Wanderer und nicht an Pilger richtet. Womit sich die Frage stellt, was eigentlich der Unterschied sein soll.

Vorweg: Wandern und Pilgern sind gleichermaßen gut. Das Folgende ist also nicht als Bewertung zu verstehen. Und: Es gibt natürlich auch mehr oder weniger starke Überschneidungen je nach individueller Ausrichtung und Präferenz. Deswegen schreibe ich einfach mal von mir, wie es mir geht, wenn ich (vorrangig) wandere bzw. wenn ich (vorrangig) pilgere.

Beim Wandern geht es für mich vorrangig (!) darum, ein körperliches Ziel zu erreichen. Das kann sein, dass ich eine bestimmte km-Anzahl schaffen möchte, dass ich einen bestimmten Berg besteigen möchte, dass ich eine bestimmte Anzahl Höhenmeter überwinden möchte. Dazu wähle ich dann bewusst Strecken aus, die das ermöglichen. Hinterher klopfe ich mir dann metaphorisch auf die Schultern, dass ich das geschafft habe, und schmeichle so meinem Ego 😉 Und so ist Wandern für mich häufig eine Art körperlicher Vorbereitung auf die Pilgertouren. Manchmal möchte ich wandernd eine bestimmte Sehenswürdigkeit erreichen und sie mir anschauen.

Beim Pilgern geht es für mich vorrangig (!) darum, durch die eher gleichmäßige Bewegung den Kopf frei zu bekommen, um so näher an mein Inneres zu kommen, bestimmte persönliche Fragestellungen zu klären. Je einfacher der Weg ist, desto eher komme ich in den entsprechenden Geh-Rhythmus, damit der (mein) Kopf frei werden kann. Anstrengende Bergtouren, bei denen man auf jeden Schritt acht geben muss, oder herausfordernde Untergründe sind da für mich eher kontraproduktiv. Am Ende gibt es dann auch keine Abrechnung, wie viele km es waren oder wie viele Höhenmeter überwunden wurden – jedenfalls sind diese Zahlen keine Indikatoren für den Erfolg des Pilgerns. Sehenswürdigkeiten und leckere Einkehrmöglichkeiten sind nicht vordergründig, obwohl sinnvolles Essen schon wichtig sind, um körperlich bei Kräften zu bleiben.

Und so spürt man dann auf den Jakobswegen relativ deutlich, wer als Wanderer und wer als Pilger unterwegs ist. Beide Gruppen haben einfach unterschiedliche Bedürfnisse. Die Wanderer wollen an den Abenden eher lustig feiern und über ihre erreichten Leistungen erzählen können. Viele Pilger suchen eher ruhige Fleckchen oder Gleichgesinnte, mit denen sie sich über ihre Erfahrungen, nicht aber über die Leistungen austauschen wollen. Aber insbesondere der Hauptweg in Spanien bietet inzwischen so viele unterschiedliche Unterkünfte an – da muss man einfach nur schauen, dass man das auswählt, was gerade zu einem passt.

In der nächsten Nachlese geht es dann um eine Gegenüberstellung von Jakobsweg(en) und Shikoku 88. Ggf. werden es zwei – einmal als Wanderweg und einmal als Pilgerweg. Mal sehen…

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine