​(Un-)Sinn(s)-Sprüche und -Fragen

Wenn jemand weder mit noch ohne Menschen leben/auskommen/glücklich werden kann, was bleibt ihm dann noch für eine Wahl?

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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— DU —

— DU —

In allen Gesichtern
strahlt mir Dein Gesicht.

In allen Stimmen
singt mir Deine Stimme.

In allen Augen
leuchten mir Deine Augen.

In allen Lippen
lächeln mir Deine Lippen.

In allen Herzen
schlägt mir Dein Herz.

In allen Händen
streicheln mich Deine Hände.

In allen Umarmungen
wärmen mich Deine Umarmungen.

In allen Küssen
schmecke ich Deine Küsse.

Überall. Alles.
— DU —

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Für immer

Für immer

Ein Meer aus Tränen
Flutwelle um Flutwelle
bricht sich am steinigen Strand

Stürmische See
aufgewühlter Schlamm
verwischt die klare Sicht

Kreischende Möven
irritierte Fischschwärme
finden kein Ziel

Ruhe, Klarheit, Licht
verloren
Für immer?
Für immer!

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 13

Die Aufgabe

Gegeben waren vier verschiedene äußerst alltägliche Situationen. Zu einer davon sollte man sich eine nette Geschichte ausdenken. Ziel war zu zeigen, dass Geschichten sprichwörtlich auf der Straße liegen.

Was fiel mir schwer?

Eigentlich hatte ich keine Schwierigkeiten damit, mir zu den Situationen Geschichten einfallen zu lassen. Aber welcher Einfall würde sich am besten eignen? Hier hatte ich also eher die Qual der Wahl, weshalb für mich die Aufgabenstellung an sich nicht so sehr sinnvoll war. Aber es war wieder eine Möglichkeit, ein bisschen zu schreiben und das Geschriebene bewertet zu bekommen.

Was habe ich gelernt?

Zwei Kritikpunkte gab es. Einerseits bin ich mal wieder nicht klar bei einer Person als der Hauptperson geblieben. Bei einer Kurzgeschichte darf es wohl keinen Wechsel der Hauptperson geben. Außerdem habe ich mich an einer Stelle zu sehr ausgebreitet, sodass es dann an einer anderen Stelle, an der es hilfreicher gewesen wäre, nicht ausführlich genug wurde.

Das Ergebnis

Bin gespannt, ob Ihr diese Punkte auch entdecken könnt und was Ihr grundsätzlich so zu dieser Geschichte sagt.

Der Silvesterknaller

Grit sinkt in Michaels Arme. In einem langen innigen Kuss sind sie endlich wieder vereint.

Im Sommer hatten Grit und Michael gemeinsam ihr Abitur gemacht. Michael hatte danach angefangen, auf dem Hof seines Vaters zu arbeiten. Grit zog in eine entfernte Stadt, um dort zu studieren. Schon immer war sie mit ihrer Lernfreude und ihrer nachfragenden Neugier ein Dorn im Auge von Michaels Eltern gewesen. Sie wollten sie nicht auf dem Hof sehen, schon gar nicht als seine Freundin, geschweige denn als seine Frau.

Michael kannte nichts Anderes als den Hof seiner Eltern. Hier war er aufgewachsen, hier würde er arbeiten und hier würde er sterben. Ein nettes Mädel zu lieben, war schon okay, aber sie musste zum Hof passen. Das war er seinen Eltern schuldig. Und nun hatte er sich unsterblich in Grit verliebt. Sie wollte Agraringenieurin werden. Also würde sie sich in den Ställen nützlichen machen können. Michael wollte sie heiraten und mit ihr den Hof übernehmen.

„Die kann doch ‘ne Kuh nicht von ‘nem Schwein unterscheiden“, wetterte sein Vater.

„Die kann doch nur ‘nen Bleistift halten und zerbricht schon, wenn sie nur ‘ne Mistgabel ansieht. Nee, nee, anfassen muss sie schon können“, wehrte seine Mutter ab.

„Ich liebe sie. Sie wird sich anders für den Hof nützlich machen. Vielleicht besser verkaufen können? Abrechnungen?“, versuchte Michael seine Eltern umzustimmen.

„Ach, machen wir es dir jetzt nicht Recht? Muss Fräulein Ich-weiß-alles-besser kommen und uns sagen, wie wir den Hof zu führen haben? Pass auf, dass du mit Madame Ich-rühr‘-keinen-Dreck-an nicht irgendwann auf ‘nem Misthaufen landest.“ Sein Vater hatte sich in Rage geredet und lachte gehässig.

„Wenn die ‘nen saubereren Kerl findet, lässt sie dich doch sowieso fallen wie ‘ne madige Pflaume. Sowas darf dir keine Frau antun“, kam Michaels Mutter mit der Beschützerrolle.

„Auf unseren Hof kommt sie jedenfalls nicht“, setzte sein Vater energisch den Schlusspunkt unter die Diskussion.

Solange sie gemeinsam zur Schule gingen, konnten Grit und Michael ihre Liebe unentdeckt ausleben. Sie sahen sich täglich, machten gemeinsam Hausaufgaben, verbrachten zusammen die Nachmittage und so manches heimliche Schäferstündchen.

Seit Grit in der Stadt war, konnten sie sich nicht mehr treffen. Sie konnten sich nicht schreiben, weder klassisch noch elektronisch. Michaels Eltern überwachten alles, auch das Handy ihres Sohnes.

Heute hat er sie endlich wieder. Für diesen einen Silvesterabend ist sie sein. Was danach käme, würde sich schon zeigen. Aber da ist etwas in Grits auftreten, das Michael beunruhigt.

„Michael“, beginnt Grit, „ich muss dir unbedingt etwas erzählen.“

„Hat doch Zeit bis morgen. Gib mir noch ‘nen Kuss, Süße.“

„Nein, lass das. Bitte. Erst muss ich es dir erzählen.“

Michael grummelt unzufrieden.

„Ich habe dich so sehr vermisst – die ganze Zeit über.“

„Ich dich doch auch, meine Hübsche.“

„Und ich war so einsam. Die neue Stadt. Die Uni. Es war alles so einschüchternd. Ich brauchte unbedingt jemanden zum Reden.“

Michael rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er ahnt Unheil.

„Naja, und dann war da dieser Typ. So ganz wie du. Und ich musste immer nur an dich denken. Immerzu.“ Grit wird ganz leise und findet nur noch schwer die richtigen Worte. „Und dann waren wir an Thanksgiving aus. Da gab es auch eine Weinprobe. Naja, es war eben Thanksgiving. Aber ich liebe nur dich.“

Wut beginnt, in Michael zu brodeln. Sie schießt ihm aus allen Poren.

Grit stehen Tränen in den Augen. „Und dann ist es einfach passiert. Bitte, bitte vergib mir.“

Michaels Wut flammt auf und greift nach Grit. Er springt auf und schlägt ihr hart ins Gesicht.

„Also hatten meine Eltern doch Recht. Bloß gut, dass ich das noch rechtzeitig herausgefunden habe. Und dich wollte ich auf unseren Hof holen? Niemals. Billige Hure.“

Der Schall der Ohrfeige und das Poltern des umstürzenden Stuhls gehen im Böllern der Mitternachtsraketen unter. Völlig außer sich vor Empörung über diese Erniedrigung stampft Michael davon, walzt sich einen Weg durch die feiernden Menschen und verschwindet in der Dunkelheit. Inmitten dieser fröhlich feiernden und voller Hoffnung auf das neue Jahr schauenden Menge bricht für Grit die Welt zusammen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Frühling am Rhein

Als ich gestern Morgen noch im Dunkeln auf Arbeit gegangen bin, haben mich die Vögel erstmals in diesem Jahr mit frühlingshaftem Gezwitscher erfreut. Das hört sich tatsächlich anders an als ihr Gesang im Winter. Das hat mich zu diesem Elfchen inspiriert:

Elfchen

Frühling
Vögel zwitschern
Knospen grünen zart
eine leichte Brise weht
Erwachen

Und es hat mich dazu animiert, beim heutigen Spaziergang ein wenig Ausschau zu halten, ob es nicht schon Anzeichen für den Frühling gibt. Und ja, es gibt sie.

Ein weniger schönes Frühlingszeichen am Rhein ist leider das Hochwasser. Friederike war da sehr großzügig. Das Stopp-Schild, das Ihr nun schon zweimal gesehen habt, ist im Moment untergegangen. An der hinteren Säule schaut nur noch ein kleiner Rand heraus. Auch der Fährverkehr ist eingestellt.

Hier werden Keller von Häusern in Rheinnähe ausgepumpt. Da es „nur“ Grundwasser ist, bleibt diesen Leuten, der große Schlammdreck erspart. Trotzdem möchte ich nicht mit ihnen tauschen.

Aber das Hochwasser geht langsam zurück. Und dort, wo der Boden wieder ausreichend trocken ist, wagen sich ein paar Schneeglöckchen hervor (in der Mitte des Bildes).

Die ersten Vögel scheinen geschlüpft zu sein. Zumindest interpretiere ich diesen Fund so.

Vielleicht nicht unbedingt nur ein Frühlingszeichen, aber doch etwas ganz Zartes und Wunderschönes: eine leichte Feder mit feinen Wassertröpfchen 🙂

Und so ist wie immer Schönes und weniger Schönes nah beieinander. Ich wünsche Euch, dass bei Eurem Sonntag das Schöne überwogen hat.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine