29. Halbzeittag

29 Tage Wandern/Pilgern liegen nun hinter mir – 29 liegen noch vor mir. Reichlich 800 km bin ich gegangen, 43 der 88 offiziellen Haupt- und 6 der 20 offiziellen Nebentempel habe ich mir angeschaut und jede Menge anderer schöner Dinge habe ich gesehen und erlebt. Trotzdem schaue ich voller Neugier auf die noch vor mir liegenden Tage, km, Tempel und Erlebnisse.

Heute möchte ich Euch kurz die 3 für mich derzeitig wichtigsten Zeichen vorstellen. 

Das Pilgerwegzeichen. Oft sieht es so aus, erscheint aber in vielen Variationen. Manchmal gibt es auch Steinsäulen – manche ganz alt, manche ganz neu. Eine Zusammenstellung gibt es als Nachtrag nach meiner Rückkehr. 

Dieses Zeichen hier verweist einerseits auf Futter und Getränke. Aber da gibt es viele weitere Möglichkeiten. Wichtigst: Hier gibt es freies (auch zeitlich nicht limitiertes) Internet meist recht ansehnlicher Geschwindigkeit. Die meisten Blogbeiträge versehe ich hier mit den geplanten Bildern und lade sie dann hoch.

Auch dieses hier sehr wichtig: hier gibt’s mit der Visa-Karte Geld ohne Gebühren der japanischen Seite. Geld bekomme ich sonst mit meiner Übersee-Karte nur noch bei der Post, dann aber mit einer zusätzlichen Gebühr. Und Geld braucht man hier tatsächlich in bar. Bisher konnte ich erst eine einzige Unterkunft mit der Karte bezahlen. Aber mit ein bisschen Aufpassen klappt das schon. Ansonsten gibt es in diesem Laden natürlich auch Futter und in der Regel gutes Internet. Allerdings gab es schon lange keine mehr 😦

Heute gibt es keine Blumen, sondern diese Pflanze, deren Früchte doch wirklich zum Reinbeißen verleiten. Aber Rot ist in der Natur ja sehr oft ein Achtungszeichen. Also habe ich das mit dem Reinbeißen lieber gelassen und mich rein optisch an ihnen erfreut.

Last but not least: der Baum des Tages – dieser aber ganz ohne Zeichen 😉

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine 

28. Lauftag

Na, klar – jeder Tag ist im Grunde ein Lauftag. Also Laufen im Sinne von Gehen, nicht von Rennen. Aber da hier so einiges läuft, wollte ich darauf mal die Aufmerksamkeit richten.

Natürlich laufe ich. Schritt für Schritt, Meter für Meter, Tempel für Tempel. Heute waren es zwei offizielle Tempel (Nr. 41 und 42), ein offizieller Nebentempel (Nr. 6) und ein paar inoffizielle Nebentempel. Interessanterweise gab es einen wirklich schönen Tempel mit tollem Altar, der im Buch nur eine kleine Markierung hatte, in der Liste gar nicht auftauchte, aber sogar eine Kalligrafie malte. Also, ich verstehe das ganze System einfach nicht. Muss ich ja vielleicht auch nicht.

Hinsichtlich des Plans läuft auch alles gut. Ein bisschen habe ich „Vorsprung“, aber das kann sich schnell ändern, wenn ich in die Berge komme.

Ansonsten läuft der Schweiß – und zwar nicht zu knapp. Ich dachte ja, dass ich eigentlich noch nie so geschwitzt habe. Aber dann ist mir eingefallen, dass wir in der spirituellen Ausbildung ja mal eine Schwitzhütte gemacht haben. Da habe ich auch so geschwitzt. Die Klamotten sind klatschnass. Der Scheiß läuft die Hose hinunter, sodass es aussieht als hätte ich Kontinenzprobleme. Ja, der Schweiß läuft bis in die Schuhe rein, sodass ich auch ohne Regen nasse Füße habe. Voll der Wahnsinn. Eine äußerst interessante Erfahrung. 

Als Blumengruß gibt es heute eine paar rote Rosen.

Und auch der Baum des Tages ist in rötlichem Grundton gehalten.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine 

George: Wort für Wort

„Wort für Wort oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben“
Elizabeth George
Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2004, 4. Auflage

Die Idee, die Entstehung eines Romans in Form eines Tagebuches festzuhalten, ist nett. Einige Ausschnitte aus diesem Tagebuch leiten die einzelnen Kapitel dieses Buches ein und stimmen damit auf das Grundthema des jeweiligen Kapitels ein.

Einige wenige Erklärungen setzen sich mit dem Thema auseinander. Dann werden aus verschiedenen Büchern Beispiele zum Thema gezeigt. Für mich waren es allerdings zu viele Beispiele aus zu vielen unterschiedlichen Büchern. Ich konnte weder dem Inhalt der Bücher folgen noch konnte ich erkennen, wie die gewählten Beispiele das Thema demonstrieren sollten. Das fand ich sehr schade.

Trotzdem kann man an der Abfolge des Buches erkennen, welche Prozesse beim Schreiben eines Romans auszuführen sind. Eine Zusammenfassung dieser Arbeitsschritte am Ende hilft, einen groben Überblick zu erhalten bzw. zu bekommen.

Wir sehen und auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

27. Entscheidungstag

Ach, wie ich Wortspiele liebe 😉

Einerseits waren etliche Entscheidungen hinsichtlich des Weges zu treffen. An einer Stelle gab es 3 Möglichkeiten. Man konnte einen Weg gehen, der aber nur für „experienced hiker“ ausgeschrieben war. Wenn ich da an die Pilgerkill-Stellen denke, die nicht so gekennzeichnet waren, dann möchte ich nicht wissen, wie es dort aussieht. Außerdem sollte es über fast 30 km kein Wasser geben. Wegen der Auf- und Abstiege sollte man 9-10 Stunden planen. Bei der derzeitigen Hitze wären da um die 5 Liter mindestens fällig. Die zweite Möglichkeit führte auf der Schnellstraße an der Küste entlang. Hm, irgendwie ist so viel Schnellstraße auch nicht erstrebenswert. Als Möglichkeit 3 durch drn Wald und über einen Pass.

Schwitz, stöhn, schnauf. Ich hatte definitiv zu wenig Wasser dabei. Die Anstrengung tat das Ihrige. Und so hatte ich schon leicht andere Wahrnehmungen. Eigentlich nicht verkehrt, wäre nur besser, wenn man dabei nicht allein wäre. Tja, und so war wirklich ein wenig fraglich, ob ich das hinkriege. Aber Schritt für Schritt, Schnauf für Stöhn kommt man dann doch voran. Und dann sieht man sowas… 

Da ist dann plötzlich alles vergessen und alles nur noch schön.

Die nächste Entscheidung stand an, als es darum ging, für einen weiteren inoffiziellen Nebentempel 5 Zusatz-km auf sich zu nehmen. Mir ging es inzwischen wieder gut. Also los. An einem Haus kümmerte sich eine Frau gerade um ihre Wäsche. Ich grüßte wie immer freundlich und zurückhaltend, lächelte mein schönstes Lächeln und verbeugte mich. Sie meinte, dass es ja ziemlich heiß wäre. Und als ich gerade meinen Satz zusammengebastelt hatte, um nach Wasser zu fragen, fragte sie, ob ich gern ein Eis wollte. Nee, echt jetzt? Ehe ich antworten konnte, war sie schon weg und kam in der Tat mit einem kleinen Stieleis (Schoko mit Schokoladenüberzug – voll meins) und einem Energy Jelley zurück. Ich war wirklich echt berührt. Unglaublich!!! Das Jelley war eine interessante Erfahrung hinsichtlich Geschmack und Konsistenz.

Tja, und da Entscheidungstag ist, muss ich ja zugeben, dass ich heute wackle. Wenn ich das mit dem Wasser und dem Essen nicht sinnvoll in den Griff kriege, fliege ich demnächst wohl raus. Aber für heute: „Glück gehabt!“ Und hier ist das Foto – die Pilgerin im Grünen. 

Da das mit dem Internet fast ausschließlich in Läden von Lawson, FamilyMart und Seven/Eleven klappt, ich aber morgen wegen einer langen Strecke (Schwierigkeiten mit den Unterkünften) habe, kann ich nicht so lange Pausen machen und viele Bilder hochladen. Aber einen Baum des Tages soll es doch geben: angeschlagen und doch kraftvoll und aufrecht.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine