Rezension: Leben ist, was jetzt passiert

Leben ist, was jetzt passiert – Das Geheimnis der Achtsamkeit

  • Thich Nhat Hanh, aus dem Englischen von Jochen Lehner
  • Lotos, 16. April 2018
  • Gebundene Ausgabe, 240 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-778-78276-7

Inhalt

Tich Nhat Hanh ist einer der einflussreichsten und bedeutendsten Lehrer und Verbreiter des Buddhismus in der „westlichen Welt“. Er hat den Gedanken der Achtsamkeit hier populär gemacht.

In diesem Buch stellt er 7 Themen vor, auf die wir uns bei unseren Achtsamkeitsübungen konzentrieren sollten: Leerheit, Zeichenlosigkeit und Absichtslosigkeit sowie Unbeständigkeit, Nicht-Begehren, Loslassen und Nirvana. Jedem dieser 7 Themen ist ein Kapitel gewidmet. Die meisten Kapitel enthalten eine Atemübung, mit der man sich auf das gerade behandelte Thema konzentrieren kann.

Die Texte sind eingängig und gut lesbar geschrieben. Es wird ein eher sachlicher Schreibstil verwendet. Beispiele kommen nur weniger vor. Das Vorwort erläutert, dass die Texte den Vorlesungen nachempfunden sind, die Tich Nhat Hanh bei den von ihm geleiteten Retreats gehalten hat.

Subjektive Eindrücke

Das Buch ist sehr strukturiert aufgebaut. Man kann es kapitelweise bearbeiten und sich mit den Übungen Schritt für Schritt vertraut machen. Es übermittelt viel Wissenswertes über die 7 genannten Themen.

Hin und wieder hätte ich mir doch das eine oder andere Beispiel mehr gewünscht. Der Inhalt hätte für mich dann vielleicht an persönlichem Bezug gewonnen. So spricht es mich zwar auf der Sachebene an und gefällt mir da sehr gut, erreicht mich aber nicht wirklich innerlich. Möglicherweise war das aber auch nicht beabsichtigt. Vermutlich soll man sich selbst durch die Übungen berühren, was durchaus sinnvoll ist.

Fazit

Fans von Thich Nhat Hanh und diejenigen, die noch nicht viel über Achtsamkeit gelesen haben, werden dieses Buch sicherlich mit Freude und Wissenszugewinn lesen.

Ich danke dem Verlag für dieses interessante Rezensionsexemplar.

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Rezension: Papst Franziskus und die Kirche von morgen

Papst Franziskus und die Kirche von morgen – Revolution im Zeichen des Evangeliums

  • Kardinal Ó. R. Maradiaga, aus dem Italienischen von Elisabeth Liebl
  • Gütersloher Verlagshaus, 26. März 2018
  • Gebundene Ausgabe, 144 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-579-08708-5

Inhalt

Das Buch erscheint in Form eines Interviews von Kardinal Ó. R. Maradiaga. Wer ihn hier interviewt, wird aber nicht klar.

In dem Gespräch erfahren wir im ersten Teil viel über den Werdegang von Kardinal Ó. R. Maradiaga. Einen wichtigen Teil seines Lebens macht die Arbeit für Papst Franziskus aus, die ebenfalls im Interview herausgearbeitet wird. Nahtlos führt das Gespräch über zur Arbeit von Papst Franziskus, durch die er zum Ausdruck bringen möchte, wie er Kirche sieht und sie gelebt wissen möchte. Laut Aussage von Kardinal Ó. R. Maradiaga möchte Papst Franziskus eher durch Vorbild wirken als durch viele Verordnungen. Und das gelingt ihm wohl bisher gut.

Subjektive Eindrücke

Ich lese immer wieder gern von Menschen, wie sie sich entwickeln, warum sie welche Entscheidungen für sich und ihr Leben treffen. In diesem Sinne war es ein interessantes Buch für mich. Ich konnte auch viel über die interne Arbeitsweise im Vatikan erfahren und dass auch da natürlich nicht alles ohne Machtgerangel, Neid und Missgunst abgeht.

Die Gestaltung des Buches als Interview hat mir nicht so gut gefallen. Und das lag nicht nur daran, dass man nicht erfährt, wer hier interviewt. Durch den Frage-Antwort-Stil hatte ich das Gefühl, dass viele Zusammenhänge nicht klargemacht werden konnten, weil sie weder in die eine noch in die folgende Frage gepasst haben. In meiner Vorstellung wäre das in einem „Fließtext“ besser möglich gewesen.

Fazit

Wer ein wenig mehr von Leben und Wirken von Papst Franziskus lesen bzw. erfahren möchte, der kann getrost zu diesem Buch greifen.

Ich danke dem Verlag für dieses lehrreiche Rezensionsexemplar.

Rezension: Nordkorea

Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates

  • Rüdiger Frank
  • Pantheon Verlag, 16. Januar 2017, 4. Auflage
  • Taschenbuch, 464 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-570-55293-3

Inhalt

Rüdiger Frank gilt als einer der wenigen Experten, die fundierte Kenntnisse von Nordkorea haben, die auf eigenem Erleben beruhen. Zudem ist er in der ehemaligen DDR aufgewachsen, was ihm bei der Interpretation und Erklärung von Sachverhalten im Zusammenhang mit Nordkorea behilflich ist.

Mit diesem Buch gibt uns Rüdiger Frank einen sehr umfassenden Einblick in Nordkorea. Er beginnt mit Traditionen und dem Ursprung, der/die Korea und die koreanische Kultur begründen. Sehr ausführlich widmet er sich dann der in Nordkorea herrschenden Ideologie, wobei er gleichzeitig auch Unterschiede zu anderen (überwiegend ehemaligen) sozialistischen Ländern aufzeigt. Die zwei folgenden Kapitel befassen sich mit der Politik und der Wirtschaft in Nordkorea. Diese bereiten das Verständnis der im nächsten Kapitel behandelten Reformen bzw. Reformansätze vor. Gewissermaßen als Teil oder auch als mögliche Anstöße für Reformen setzt sich Rüdiger Frank dann mit den Sonderwirtschaftszonen auseinander. Es folgt ein kulturelles Intermezzo, in dem Herr Frank die Großveranstaltung „Arirang“ vorstellt. Er nimmt uns gleichsam mit auf eine solche Veranstaltung und erläutert Inhalt und Bühnenbild der einzelnen Szenen. Einen wichtigen Teil des Buches nehmen Überlegungen zu einer möglichen Wiedervereinigung Koreas ein. Insbesondere in diesem Kapitel finden sich viele Vergleiche mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Da die erste Auflage des Buches bereits 2014 erschien, fasst Rüdiger Frank in einem Nachwort wichtige Entwicklungen Nordkoreas zwischen 2014 und 2016 zusammen.

Der Text ist flüssig geschrieben. Es wird nicht bewertet, sondern vielmehr werden verschiedene Interpretationsmöglichkeiten von Ereignissen nebeneinander gestellt. Der häufige Rückgriff auf Erfahrungen aus seinem Leben in der DDR reichert das Buch an.

Subjektive Eindrücke

Ich habe durch das Lesen dieses Buches sehr viel über Nordkorea gelernt. Mir hat besonders gut gefallen, dass hier nicht eine festgesetzte Meinung wiedergegeben wird, sondern dass Ereignisse vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit und aus der Perspektive der verschiedenen Beteiligten diskutiert werden.

Vergleiche mit den ehemaligen Ostblockländern, insbesondere der DDR anzustellen, ist sicherlich für viele, die diese Zeit nicht selbst dort erlebt haben, hilfreich sein, um die dargestellten Ereignisse in einen breiteren Rahmen einzuordnen. Da ich selbst in der DDR aufgewachsen bin, wäre das für mich nicht überall nötig gewesen. Das Buch hätte an einigen Stellen für mich etwas gestraffter sein können. Nichtsdestoweniger waren auch diese Ansichten für mich sehr interessant, auch wenn ich nicht alle Erinnerungen immer genauso teile und ich manches eben nicht in einem Buch über Nordkorea erwartet hätte.

Das mindert aber in keiner Weise meine Freude darüber, dass es dieses Buch gibt, mit dessen Hilfe man sich einen guten Einblick in das nordkoreanische System erarbeiten kann.

Fazit

Ein Buch mit Seltenheitswert, das einem Nordkorea näher bringt und dabei ganz auf Populismus und Effekthascherei verzichtet. Eine unbedingte Leseempfehlung.

Ergänzend bietet das Buch „Unterwegs in Nordkorea“ (Rezension hier) Einblicke in Nordkorea als Reiseland.

Ich danke dem Verlag für dieses äußerst interessante Rezensionsexemplar.

Rezension: Der dunkle Wald

Der dunkle Wald

  • Cixin Liu, aus dem Chinesischen von Karin Betz
  • Heyne Verlag, 12. März 2018
  • Broschiert, 816 Seiten
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-453-31765-9

Inhalt

Dies ist der zweite Teil einer Trilogie, die mit „Die drei Sonnen“ (Rezension hier) begann.

Die Flotte der Trisolaner ist auf dem Weg zur Erde und wird in 400 Jahren auf die Erde treffen. Doch alles, was die Menschen schreiben oder sprechen wird den Trisolanern bekannt. Deswegen bestimmt man 4 Menschen, die sich jeweils eine eigene Strategie ausdenken sollen, um der Gefahr der anrückenden Flotte zu begegnen. Sie dürfen alle Mittel in Anspruch nehmen, die sie wollen, und nennen sich die Wandschauer. Nach einer Weile lassen sich zwei von ihnen in den Kälteschlaf versetzen und wachen 200 Jahre später auf.

Die Welt hat sich gravierend geändert. Die Menschheit glaubt an einen Sieg, sodass die Wandschauer in Vergessenheit geraten sind. Aber es kommt alles anders und einer der Wandschauer muss nun doch zusehen, seiner Aufgabe gerecht zu werden, um die Erde zu retten.

Auch dieser Teil ist gut lesbar geschrieben. Die Geschichte entwickelt sich manchmal etwas langsam, bleibt aber doch spannend. Es gibt viele Erzählstränge, die miteinander verquickt sind.

Man muss nicht unbedingt den ersten Teil kennen, um diesen Teil zu verstehen, auch wenn hin und wieder auf ein Detail des ersten Bandes hingewiesen wird.

Subjektive Eindrücke

Ich habe es genossen, dieses Buch zu lesen, und freue mich schon auf den dritten Teil.

Auch wenn dieses Buch ein ganz schön umfangreiches Werk ist und ich mich manchmal gefragt habe, ob wirklich alles in diesem Detail nötig wäre, so könnte ich nicht sagen, dass ich wirklich etwas streichen wollte.

Hin und wieder fiel es mir schwer, allen verästelten und miteinander verwickelten Erzählsträngen zu folgen, weil ich die viele chinesischen Namen einfach nicht gewohnt bin. Vielleicht kann es hilfreich sein, sich beim Lesen eine kleine Spickliste zu erstellen 😉

Fazit

Wer den ersten Teil gelesen hat, der muss wohl ganz einfach diesen zweiten Teil lesen. Ein wunderbares Weltraumgeschehen mit vielen soziologischen und gesellschaftlichen Komponenten.

Ich danke dem Verlag für dieses spannende und interessante Rezensionsexemplar.

Rezension: Schwarze Magnolie

Schwarze Magnolie – Wie ich aus Nordkorea entkam – Ein Bericht aus der Hölle

  • Hyeonseo Lee mit David John, aus dem Englischen von Elisabeth Schmalen, Merle Teager und Katharina Uhlig
  • Heyne Verlag, 10. Juli 2017
  • Taschenbuch, 416 Seiten
  • 9,99 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-453-60433-9

Inhalt

Eine junge Frau berichtet von ihrem Leben. Es war kein einfaches, kein normales Leben in unserem Sinne.

In Nordkorea geboren und aufgewachsen, waren für sie die nordkoreanischen Verhältnisse normal. Sie hatte Glück, denn sie wuchs in bessergestellten Verhältnissen auf. Die Eltern hatten genug Geld, um die notwendigen Bestechungsgelder zu bezahlen, um einigermaßen von den Verfolgungen des Systems verschont zu bleiben.

Und doch zieht es die Autorin kurz vor ihrem 18. Geburtstag in das Nachbarland China, das von ihrem Wohn- und Geburtsort aus ständig über den Fluss hinweg zu sehen ist. Ihrem Drang gibt sie nach und findet sich so bei Verwandten in China wieder, bis ihr klar wird, dass sie nicht mehr zurück kann. Ab nun muss sie sich als Illegale in China durchschlagen, bis es ihr gelingt, einen gültigen Pass einer Chinesin zu kaufen und damit nach Seoul zu reisen, um dort Asyl zu beantragen. Dazu braucht sie fast 10 Jahre, in denen sie oft kurz vor der Entdeckung steht.

Nachdem sie eine Weile in Südkorea gelebt hat, möchte sie nun auch gern ihren Bruder und ihre Mutter aus Nordkorea holen.

Der Anfang des Buches geht langsam voran. Es liest sich wie die Geschichte eines beinahe normalen Lebens. Je länger die Zeit der Autorin in China dauert, desto größer wird der Handlungsdruck und die Geschichte nimmt Fahrt auf. Besonders spannend ist der Versuch beschrieben, die Mutter und den Bruder aus Nordkorea zu holen.

Subjektive Eindrücke

Das ist ein sehr beeindruckendes Buch. Hin und wieder fragt man sich zwar, wieso die Autorin sich manche Sachen nicht im Vorfeld besser überlegt hat. Aber wenn man die Umstände und die ihr zur Verfügung stehenden Mittel bedenkt, kann man es ihr nicht wirklich verübeln. Klar wird auch, dass an manchen Stellen einfach auch Glück nötig ist/war, um ihre Flucht erfolgreich werden zu lassen.

Besonders beeindruckend fand ich, dass es in dem Buch auch darum ging, welche Gewissensentscheidungen zu treffen waren. Nimmt man für die eigene Freiheit die Trennung von Familienmitgliedern auf sich? Darf man die zurückgebliebene Familie durch die eigene Flucht in Gefahr bringen? Thematisiert wird auch, dass das Einleben in der neuen Welt gar nicht einfach ist. Es prallen sozusagen Welten aufeinander. Plötzlich soll sich die Autorin im Land der „Feinde“ ein neues Zuhause aufbauen. Es wird klar, dass es schwer ist, sein eigenes Land einzuschätzen, wenn man nichts weiter kennt als sein eigenes Land. Da ist es für die Machthaber leicht, Vorurteile aufzubauen.

Sicherlich muss man beim Lesen immer daran denken, dass die Autorin in direkter Nähe zur chinesischen Grenze lebte und aus einer Familie stammte, die über verhältnismäßig viele Geldmittel verfügte. Vermutlich ist es nur eine sehr kleine Gruppe von Menschen, die überhaupt Bedingungen hat, die eine Flucht erfolgreich erscheinen lassen.

Die Autorin berichtet von Menschen, die aus Eigennutz das Schicksal der Flüchtlinge ausnutzen, aber im Notfall einfach verschwinden. Demgegenüber stehen die Menschen, die ihr vorbehalt- und bedingungslos helfen. Das hat mich sehr berührt.

Fazit

Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte – nicht nur, um einen kleinen Einblick in das Leben von Nordkorea zu bekommen.

Ich danke dem Verlag für dieses beeindruckende und bewegende Rezensionsexemplar.

Rezension: Radikal digital

Radikal digital – weil der Mensch den Unterschied macht

  • Reinhard K. Sprenger
  • Deutsche Verlags-Anstalt, 12. März 2018
  • Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
  • 25,00 € (D), 25,60 € (A)
  • ISBN 978-3-421-04809-7

Inhalt

Als profilierter Managementberater hat Reinhard Sprenger in diesem Buch 111 Tipps für Führungskräfte zusammengestellt, die ihnen helfen sollen, ihr Unternehmen so umzugestalten, damit es mit dem digitalen Wandel schritthalten kann.

Die 111 Tipps sind in drei Gruppen aufgeteilt, die der Autor die 3 Ks nennt. Ausgehend vom Slogan der „Wiedereinführung des Menschen in die Unternehmen“ sind das (die 3 Ks) Kunden, Kooperation und Kreativität.

Jeder Tipp erstreckt sich über eine bis maximal drei Seiten, ist also für sich genommen schnell gelesen. Man muss nicht einen Tipp nach dem anderen lesen, um sie alle verstehen zu können. Die Texte sind gut lesbar geschrieben und enthalten immer wieder auch Fallbeispiele, Hinweise auf wissenschaftliche Untersuchungen und gelegentlich eigene „Stories“ des Autors.

In einem kleinen Abspann gibt Herr Sprenger einen Ausblick und setzt sich mit der Frage nach durch die Digitalisierung vernichtete und neu geschaffene Arbeitsplätzen auseinander.

Das Buch wird durch die 111 Tipps durchaus seinem Titel (Anspruch?) gerecht.

Subjektive Eindrücke

Natürlich bin ich kein Manager und damit eigentlich nicht die Zielgruppe dieses Buches. Aber mich interessiert schon, was hinsichtlich der Digitalisierung z. B. in den Unternehmen so abgeht. Da alle Tipps erläutert und begründet werden, erfährt man durchaus Vieles von Abläufen, Chancen, Risiken, Wirkungsketten etc. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Gefallen hat mir an dem Buch darüber hinaus, dass es aus meiner Sicht relativ sachlich, ohne Bewertungen/Be-/Verurteilungen geschrieben ist. Es bleibt dem/r Leser/in vorbehalten seine/ihre Erkenntnisse und die für ihn/sie nötigen Schlüsse zu ziehen.

Fazit

Ein lesenswertes Buch nicht nur für Manager, da viel Wissenswertes über die Vorgänge des Digitalisierungsprozesses in einfachen Worten dargestellt ist.

Ich danke dem Verlag für dieses aufschlussreiche und gut zu lesende Rezensionsexemplar.

Rezension: Kalte Kindheit

Kalte Kindheit – Wie wir trotz unemotionaler Eltern Wärme im Leben finden

  • Lindsay C. Gibson, aus dem Englischen von Elisabeth Liebl
  • Kailash, 19. März 2018
  • Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
  • 21,00 € (D), 21,60 € (A)
  • ISBN 978-3-424-63157-9

Inhalt

Grundthese des Buches ist, dass Kinder eine kalte Kindheit erleben, wenn ihre Eltern (emotional) unreif sind. Lindsay Gibson bearbeitet dieses Thema in 10 Kapiteln. Die ersten vier Kapitel behandeln, die unreifen Eltern und ihren Einfluss auf die Kinder. In einem Kapitel zeigt sie, wie Kinder auf unreife Eltern reagieren. Lindsay Gibson argumentiert, dass es zwei grundsätzliche Reaktionsarten gibt: einige werden zu Internalisierern, andere zu Externalisierern. Den Internalisierern widmet sie das sechste Kapitel. Externalisierer erhalten kein separates Kapitel. Im siebten Kapitel geht es darum herauszufinden, wann man wie und warum in alte Verhaltensmuster verfällt. Es schließt sich ein Kapitel an, das zeigen soll, wie man (als Erwachsene/r?) mit seinen unreifen Eltern umgehen kann. In Kapitel neun geht es noch einmal um die Betroffenen selbst mit einem Appell, sich selbst zu erkennen und alles Andere fallen zu lassen. Das letzte Kapitel zeigt auf, wie man einen reifen Menschen erkennen kann, um mit einem solchen eine Partnerschaft einzugehen.

Das Buch ist interessant geschrieben. Es enthält viele Fallbeispiele aus der Praxis der Autorin. An einigen Stellen gibt es Übungen, um das Gesagte für sich selbst umsetzen zu können. Außerdem stellt das Buch einige Checklisten bereit, mit Hilfe derer man über Ja/Nein-Entscheidungen feststellen kann, ob die Eltern unreif waren, ob jemand eher Internalisierer oder Externalisierer ist und ob man es mit einer reifen Persönlichkeit zu tun hat.

Subjektive Eindrücke

Das Buch behandelt mit Sicherheit ein sehr wichtiges Thema. Und als Betroffene/r wird man sicherlich in der Lage sein, sich das eine oder andere herauszupicken.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es systematischere Aufbereitung des Stoffes, für mich das Erfassen des Wesentlichen vereinfacht hätte. An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass es eine Mischung ist und nicht ganz klar ist, ob jetzt von den Eltern die Rede ist oder von den Betroffenen, von den noch jungen Kindern oder den inzwischen erwachsenen Kindern.

Vermisst habe ich definitiv, wie es denn nun den Betroffenen als Erwachsenen geht. Das wurde zwar recht deutlich hinsichtlich ihrer Beziehung zu den Eltern dargelegt, aber das Leben besteht ja nicht nur aus dem Verhältnis zu den Eltern. Derartige Einschränkungen wirken sich doch immer auf alle Lebensbereiche aus. Vielleicht hätte der Titel herausstellen können, dass dies der eigentliche Fokus des Buches ist. Dann hätte ich vielleicht eine angemessenere Erwartungshaltung gehabt.

Die Beispiele sind interessant und bieten gute Einblicke in die Gefühlswelt der Betroffenen, aber nicht immer war mir der Zusammenhang zu dem gerade Beschriebenen klar.

Ob Ja/Nein-Checklisten wirklich haltbare Resultate hervorbringen, kann sicherlich hinterfragt werden. Andererseits weisen sie auf wichtige Punkte hin, die in diesem Zusammenhang relevant sein könnten.

Fazit

Aus meiner Sicht bietet das Buch zwei Dinge: die Möglichkeit zu erkennen, ob man selbst mit unreifen Eltern aufgewachsen ist, und eine Auseinandersetzung damit, wie ich nun als Erwachsene mit diesen Eltern umgehen kann. Wirkliche Hinweise für die Aufarbeitung einer derartigen Vergangenheit liefert das Buch (meiner Meinung nach!) nicht.

Ich danke dem Verlag für dieses trotz allem interessante Rezensionsexemplar.