Düssler: Hör auf, Dich fertigzumachen!

Hör auf, Dich fertigzumachen! – Wie wir dauerhaft zu einem positiven Selbstwert finden

  • Burkhard Düssler
  • Kailash, 11. Juni 2018
  • Broschiert, 272 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,540 € (A)
  • ISBN 978-3-424-63158-6

Inhalt

Herr Düssler stellt einen Weg vor, wie man mit inneren Aufpasser in Frieden leben kann. Dazu identifiziert er im ersten Kapitel diesen inneren Aufpasser als einen kindlichen Anteil in uns, der uns vor Gefahren bewahren will, die aus unserer Kinderzeit stammen, für die wir damals keine anderen Umgangsmöglichkeiten hatten, die für uns heute aber keine Gefahr mehr darstellen. Außerdem legt er dar, dass dieser innere Aufpasser eine sehr eingeschränkte, verallgemeinernde Sicht auf die Dinge hat. Wie wir mit diesem inneren Aufpasser reden können, wird in diesem Zusammenhang erläutert. Im zweiten Kapitel schlägt Herr Düssler vor, dass wir uns eine Freundin bzw. einen Freund vorstellen, der haargenau so wie wir selbst sind, und dass wir uns überlegen sollen, was wir diesem Freund/dieser Freundin in unserer Situation raten würden. Dies würde uns ebenfalls helfen, eine realistischere Sicht auf die Dinge zu kommen. Zu diesen beiden behandelten Schwerpunkten gibt Herr Düssler in Kapitel drei acht Fallbeispiele. In Kapitel vier kommt eine weitere Figur hinzu: das innere Kind. Wir sollen herausfinden, was es möchte, sollen es in den Arm nehmen und es trösten. Das würde uns helfen, unsere Bedürfnisse herauszufinden und uns gegen den inneren Aufpasser stärken. Kapitel fünf legt abschließend dar, dass wir den inneren Aufpasser als Wachstumschance begreifen könnten.

Diverse Checklisten und Listen mit Fragen und guten Worten sind am Ende des Buches zum Schnellzugriff bereitgestellt. Ansonsten werden sie an den Stellen im Text aufgeführt, zu denen sie inhaltlich gehören.

Der Text ist gut lesbar geschrieben und nicht mit Fremdwörtern überfrachtet. Den Anweisungen und Erläuterungen kann man gut folgen. Die acht Fallbeispiele verdeutlichen die Methode.

Subjektive Eindrücke

Wie Herr Düssler darlegt, wendet er diese Methode in seiner Praxis an. Wenn sie nicht funktionieren würde, würde er wohl nicht davon berichten. Allerdings scheint aus meiner Sicht die Methode darauf zu beruhen, dass man sich in erster Linie „gut zuredet“, dass man einen Realitätscheck macht, dass man über alles gut nachdenkt und über die richtigen Gedanken zu einem angemessenen Denken und Fühlen gelangt. Kurzfristig hilft mir das hin und wieder. Aber langfristig ist das für mich keine funktionierende Vorgehensweise.

Die Fallbeispiele waren von den jeweiligen Kernproblemen her interessant. Die „Behandlung“ folgte aber nahezu einem ritualisierten Fragenkatalog.

Unabhängig davon ist es sicherlich nicht verkehrt, sich über verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit schwierigen Situationen auseinander zu setzen. Nur so kann man das finden, was für einen selbst hilfreich ist.

Fazit

Wer sich mit einem inneren Aufpasser herumschlägt, sollte zu dem Buch greifen und schauen, ob er hier nicht Anregungen findet, mit ihm/ihr umzugehen.

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Schulz: Zukunftsmedizin

Zukunftsmedizin – Wie das Silicon Valley Krankheiten besiegen und unser Leben verlängern will

  • Thomas Schulz
  • Deutsche Verlags-Anstalt, 29. Mai 2018
  • Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-421-04811-0

Inhalt

Ausgehend vom den Statement, dass das Neue am derzeitigen Fortschritt ist, dass verschiedene Fachgebiete sich zusammenschließen und vermittelt durch enorme Rechenkapazitäten der Zugriff zu Informationen und Daten immer einfacher wird, stellt Herr Schulz zuerst einzelne Fachgebiete vor und erläutert, welche Entwicklungen sie in der letzten Zeit mitgemacht haben. Dabei geht es um die digitale Biologie, die Maschinen-Medizin und die IT-Unternehmen.

Gewissermaßen in einem zweiten Teil des Buches stellt Herr Schulz verschiedene Medizinrichtungen vor, die aufgrund der neuen Entwicklungen und Möglichkeiten viel Auftrieb gewonnen haben. Dabei geht es um die Genetik, den Kampf gegen Krebs, die synthetische Biologie, die Verlängerung des Lebens bzw. die Unsterblichkeit sowie um den digitalen Patienten.

Abschließend stellt Herr Schulz vor, wie er die Medizin im Jahr 2030 sieht und wie Deutschland hinsichtlich dieser Entwicklungen steht.

Auf klare, sachliche, aber nicht theoretisierende Art gelingt es Herrn Schulz, ein breit angelegtes Wissen zu vermitteln. Eine Prise Humor fehlt dabei auch nicht, sodass das Lesen des Buches nicht nur für den Geist eine Freude ist.

Subjektive Eindrücke

Ich bin absolut fasziniert von diesem Buch. Die Erläuterung der Zusammenführung der verschiedenen Fachgebiete mit Unterstützung durch ständig steigende Rechenpower hat für mich noch einmal die Tragweite der derzeitigen Entwicklungen sehr plastisch gemacht.

Hin und wieder streut Herr Schulz auch mal eine halb-provokante Frage ein. Aber eigentlich möchte man diese, wenn man gerade von den vielen Möglichkeiten liest, eigentlich gar nicht hören. Andererseits sind einige Entwicklungen – zumindest mit etwas Abstand und etwas weniger Euphorie betrachtet – zumindest wert, hinterfragt zu werden. Überhaupt scheinen mir Fragen wie: Wohin wollen wir eigentlich? Wollen wir das ethisch vertreten? Für wen sind diese Neuerungen? etc. deutlich an Brisanz und Wichtigkeit gewonnen zu haben. Ich würde mir ein Buch wünschen, was genau diese Fragen vorbehaltlos und ergebnisoffen ins Zentrum seines Inhalts rückt.

Fazit

Wer eine Idee für sein nächstes Milliardengeschäft sucht, lese dieses Buch.
Wer sich vom Fortschritt faszinieren möchte, lese dieses Buch.
Wer sich mal so richtig gruseln möchte, lese dieses Buch.
Wer Anregungen zum Nachdenken bekommen möchte, lese dieses Buch.
Wer sich mal wieder so richtig runterziehen lassen möchte, lese dieses Buch.
Wer einen Push für seine optimistische Weltsicht sucht, lese dieses Buch.

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Ajahn Brahm: Wie hilft der Bär beim Glücklichsein?

Wie hilft der Bär beim Glücklichsein? – Fragen und Antworten für den buddhistischen Weg zu einem achtsamen und erfüllten Leben

  • Ajahn Brahm
  • Lotos, 29.5.2018, 2. Auflage
  • Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-778-78278-1

Inhalt

Das Buch ist eine Sammlung von Fragen, die Teilnehmende an Retreats an Ajahn Brahm gestellt haben, zusammen mit den Antworten, die er darauf gegeben hat. Damit erfüllt das Buch haargenau den Untertitel.

Ajahn Brahms beantwortet die Fragen nicht nur auf der sachlichen Ebene, sondern flicht immer wieder auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen wie auch nette Geschichten und hin und wieder auch einen Witz ein. Dabei drückt er sich so aus, dass sich eigentlich jede/r angesprochen fühlen kann.

Die Fragen decken ein breites Themenspektrum ab: rund um die Inhalte des Buddhismus, Meditationspraxis, Erlebnisse/Eindrücke beim Meditieren, der Tod etc.

Und natürlich wird auch gezeigt, wie der Bär beim Glücklichsein hilft. Das wird hier aber nicht verraten 😉

Subjektive Eindrücke

Ich mag Ajahn Brahms Schreibstil sehr – einfach und leicht, dabei unaufdringlich und doch anrührend.

Wer schon viele Bücher von Ajahn Brahms gelesen hat, wird einige der Geschichten wiedererkennen. Es waren aber wirklich nur ein paar wenige, sodass ich das nicht als störend oder nervend empfand.

Das Coverbild finde ich sehr berührend – ein Bär, der tief versunken einem Schmetterling nachläuft und/oder an Blumen schnuppert. Allerliebst 🙂

Ob man mit diesem Buch Buddhismus, Meditieren, Achtsamkeit lernen kann, würde ich eher bezweifeln. Aber das war wohl auch nicht Anliegen des Buches. Aber wenn man sich grundsätzlich auskennt, neue Anregungen erhalten oder der einen oder anderen Frage noch einmal tiefgründiger nachgehen möchte, dann ist das genau das richtige Buch. Es inspiriert, sich auf dem eigenen Pfad weiterzuentwickeln.

Fazit

Offene Fragen für die eigene buddhistische Praxis? Dann ist hier mit Sicherheit Anregung für mögliche Antworten zu finden.

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Cymes: Kleinhirn an Großhirn

Kleinhirn an Großhirn – Alles über unsere Denkfabrik und wie wir sie am Laufen halten

  • Michel Cymes, aus dem Französischen von Elisabeth Liebl
  • Goldmann Verlag, 21. Mai 2018
  • Broschiert, 288 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-442-22236-0

Inhalt

Eingeteilt in vier Kapitel erteilt Herr Cymes Ratschläge, wie man das Gehirn gesund halten kann. Dabei geht es um gute Ernährung, positive Gewohnheiten, das Gehirn als Gedächtnis und das nachlassende Gehirn.

Die Ratschläge basieren überwiegend auf Studien, die Herr Cymes ansatzweise vorstellt. Dabei geht es nicht in erster Linie um eine wissenschaftliche Darstellung, sondern um einen laxen Plauderton, damit „Otto Normalverbraucher“ sich bereitwillig die Ratschläge anhört und möglichst auch motiviert ist, diese umzusetzen, was völlig okay ist.

In seltenen Fällen geht es um eine Erläuterung, in welcher Weise das Befolgen der Ratschläge dem Gehirn hilft.

Subjektive Eindrücke

„Yet another book“ über gesunde Lebensführung – diesmal eben mit der Begründung, dass es gut fürs Gehirn ist. Und wer will das schon nicht gesund erhalten? Ja, das Buch entspricht dem Untertitel „wie wir sie [die Denkfabrik] am Laufen halten“. Dem ersten Teil des Untertitels „Alles über unsere Denkfabrik“ kommt das Buch allerdings nur in seltenen Ausnahmen nach. In diesem Sinne war für mich das Buch wirklich eine Enttäuschung.

Andererseits habe ich den lockeren Schreibstil und die humoristischen Einlagen beim Lesen durchaus genossen.

Eine zu wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema braucht man nicht zu fürchten. Selbst die Studien, die angeführt werden, werden nur ganz knapp und zusammengerafft dargestellt, sodass sie manchmal nicht mal mehr so recht zum Text passen wollen, obwohl die ursprüngliche Studie das durchaus hergegeben hätte (z. B. Nonnen-Studie, S. 247/248).

Fazit

Wer sich auf humoristische Weise für eine gesunde Lebensweise motivieren lassen und hin und wieder erfahren möchte, inwieweit das auch gut für unser Gehirn ist, dem kann ich das Buch empfehlen. Um etwas über die Wirkungsweise des Gehirns und die daraus abgeleiteten Unterstützungsmaßnahmen erfahren möchte, der müsste sich doch ein anderes Buch suchen.

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Dittmar: Der emotionale Rucksack

Der emotionale Rucksack – Wie wir mit ungesunden Gefühlen ausräumen

  • Vivian Dittman
  • Kailash, 14. Mai 2018
  • Broschiert, 288 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-424-63153-1

Inhalt

Der Rucksack steht als Metapher für all die Gefühle, die wir, wann auch immer, aufgrund fehlender Ressourcen (äußerer wie auch innerer) nicht auflösen konnten. Dabei geht es nicht nur um Gefühle aus der Kindheit, die wir vielleicht nicht aufarbeiten konnten, weil wir keine entsprechend unterstützende Umgebung hatten, sondern auch um die Gefühle, die wir als Erwachsene zum Beispiel deshalb nicht auflösen konnten, weil gerade zu viel Stress hatten oder zu viele andere, ebenfalls belastende Ereignisse gleichzeitig stattfanden.

Zuerst legt Frau Dittmar dar, was sie unter dem „emotionalen Rucksack“ versteht, wie er sich im aktuellen Leben bemerkbar machen kann und dies auch immer wieder tut, und welche Ursachen sie für die Entstehung, aber auch den Erhalt des „emotionalen Rucksacks“ sieht. Der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit Möglichkeiten, wie man mit dem „emotionalen Rucksack“ umgehen kann, sodass er möglichst wenig im täglichen Leben stört. Es geht aber darum, wie man ihn Stück für Stück bearbeiten und damit seine Last etwas leichter (er)-tragbar machen kann. Das letzte Kapitel diskutiert Hinweise, wie es gelingen kann, den „emotionalen Rucksack“ nicht permanent neu zu füllen und ihn nicht immer stärker zu stopfen. Am Ende des Buches finden sich Checklisten und Arbeitsmittel.

Ein eigenes Beispiel von Frau Dittmar begleitet nahezu das gesamt Buch. Einige wenige andere Beispiele werden hin und wieder ergänzt.

Der Text ist flüssig lesbar geschrieben. Man kann ihm leicht folgen und wird durch Überleitungen immer wieder animiert weiterzulesen. Die bereitgestellten Übungen und Materialien sollen helfen, das Gelesene einzuüben und in den Alltag einzubauen.

Subjektive Eindrücke

Dieses Buch hat mich auf verschiedenen Ebenen fasziniert. Es hat mich insbesondere auch deswegen angesprochen, weil ich mich selbst schon lange daran versuche, die Altlasten zu bearbeiten und nun Viele meiner Erfahrungen hierin bestätigt, komprimiert und systematisch aufgearbeitet gefunden habe.

Die Übungen und Checklisten halte ich für hilfreich, um sich dem Thema zu nähern und es für sich selbst umzusetzen.

Allerdings hätte ich mir mehr Beispiele gewünscht. Das eigene Beispiel der Autorin, das sie als Einstieg ins Buch benutzt und auf das sie dann immer wieder zurückkommt, ist sehr eingänglich. Für mein Empfinden wird es aber durch den permanenten Rückgriff daraus etwas überstrapaziert. Mir hätten hier mehrere verschiedene Beispiele sicherlich mehr Anregung liefern können.

Fazit

Wer sich ernsthaft mit dem befassen will, was er an emotionaler Last mit sich herumschleppt, der sollte es mit diesem Buch versuchen.

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de Rivière: Mein Huren-Manifest

Mein Huren-Manifest – Inside Sex-Business

  • Undine de Rivière
  • Heyne Verlag, 14. Mai 2018
  • Broschiert, 272 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-453-60472-8

Inhalt

Undine de Rivière ist Sex-Arbeiterin und engagiert sich auf verschiedenen Wegen für die Rechte aller in ihrer Branche Arbeitenden. Mit diesem Buch stellt sie Organisationskonzepte der Sex-Arbeiter_innen vor, erläutert, wie verschiedene gesetzliche Regelungen eher zu einer Verschärfung der Lage im Sex-Business führen, und lässt Kolleg_innen und Kund-innen zu Wort kommen, die aus ihrer Sicht ihre Wahrnehmungen der Branche darstellen.

Ein großer Teil des Buches ist dem Problem gewidmet, dass Sex-Arbeit tabuisiert wird, dass es stigmatisiert wird, dass die dort Arbeitenden als Opfer dargestellt werden, die gerettet werden müssen. Frau de Rivière macht sehr deutlich, dass dieses Vorgehen eher dazu führt, Macht über die Sex-Arbeiter_innen auszuüben, bis dahingehend, dass sie in der Ausübung ihres Berufes derartig behindert werden, dass sie ihn teilweise gar nicht mehr ausführen können und die entsprechenden Arbeiter_innen ohne Brot und Lohn stehen lässt.

Frau Rivière macht immer wieder deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Sex-Arbeiter_innen sich dieses Betätigungsfeld sehr bewusst und eigenständig ausgesucht hat, dass es ein Job wie jeder Andere ist, der mal mehr oder mal weniger Spaß macht, den manche auch ergreifen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen (was ja anderen Berufen nicht unähnlich ist). Sie erläutert auch, was die Herausforderungen in diesem Job sind und woraus sie in ihrem Beruf ihre Befriedigung bezieht.

Subjektive Eindrücke

Für mich war das ein faszinierend aufklärendes Buch. Bisher hatte ich so gut wie kein Wissen und schon gar keine Berührung mit der Sex-Branche. Und auch wenn für mich eine Arbeit in diesem Beruf nicht in Frage käme, so kann ich doch nach dem Lesen des Buches nachvollziehen, was den Beruf ausmacht und dass eine Stigmatisierung, Kriminalisierung und Verfolgung ins Gegenteil verschlägt, die Sex-Arbeiter_innen zu Opfern abstempelt, um ihnen dann, getarnt als Rettungs- oder Schutzmaßnahmen, eine Weiterarbeit in ihrem Beruf zu verunmöglichen.

Das Buch ist äußerst interessant geschrieben. Einige Wortschöpfungen (z. B. empathiefrei) passen in ihrem ironischen Unterton bestens zur Gesamtanlage des Buches.

Wie immer haben mich die Lebensberichte derer, die in dem Buch zu Wort kamen, besonders interessiert.

Fazit

Ein wunderbares, aufklärerisches, aufrüttelndes Buch, das man gelesen haben sollte, bevor man mit seiner Meinung in irgendwelche populistischen Hörner stößt.

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Ihr Scheinheiligen!

Ihr Scheinheiligen! – Doppelmoral und falsche Toleranz – die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen

  • Tuba Sarica
  • Heyne Verlag, 14. Mai 2018
  • Broschiert, 224 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-453-60473-5

Inhalt

Tuba Sarica erzählt ihr leben und wie ihr Loslösungsprozess von den Eltern und auch der sie umgebenden Gemeinschaft erfolgte, welche Schwierigkeiten sie dabei hatte und welche noch immer bestehen.

Sie wurde in eine deutschtürkische Gemeinschaft hineingeboren, die sie in ihrem Buch als Parallelwelt bezeichnet. Sie kontrastiert diese Parallelwelt mit der ihr bekannten Gemeinschaft deutscher Menschen und legt dar, dass aus ihrer Sicht die Deutschtürken nicht zu einer wirklichen Integration bereits sind, die Deutschen andererseits dies tolerieren. Die Gefahren, die sie darin sieht, erläutert Frau Sarica.

Subjektive Eindrücke

Lebensgeschichten zu lesen ist für mich immer wieder sehr interessant. Besonders wertvoll ist es für zu erfahren, warum Menschen wie agieren. Frau Sarica erzählt ihre Lebensgeschichte interessant und kurzweilig und erklärt auch, warum sie wie agiert/reagiert. Der Covertext spricht von „kritisieren“ – teilweise habe ich es als ein „ins Gericht Gehen“, als eine Abrechnung empfunden. Leider erfährt der Leser auch nicht, warum sich die deutschtürkische Gemeinschaft in diese Richtung entwickelt hat. Das empfinde ich als großes Manko dieses Buches.

Das Buch ist angetreten, um für die Austragung von Konflikten und eine wirkliche Integration der Deutschtürken einzutreten. Aber wie kann ich Konflikte lösen, wenn ich die Verhaltensweisen einer Gruppe von Menschen ablehne, ohne mir darüber klarzuwerden, warum diese Menschen gerade so agieren.

Allerdings erfährt man viel Interessantes über die Lebensweise der bzw. in der deutschtürkischen Gemeinschaft, ihre Riten und Traditionen. Das war für mich ein sehr wichtiger Inhalt des Buches.

Fazit

Wer gern über Lebenswege von Menschen liest oder wer über die deutschtürkischen Gemeinschaften etwas mehr erfahren möchte, der ist mit diesem Buch gut beraten. Ob das Buch allerdings den gestellten Anspruch erfüllen kann, bleibt für mich allerdings offen.

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