Geben und Nehmen #2

(Meine) Anlässe, um über das Thema nachzudenken

Obwohl wir eigentlich permanent mit dem Thema „Geben und Nehmen“ konfrontiert sind, ist es doch nicht immer sehr präsent. Es gab und gibt für mich aber doch deutliche Punkte, an denen dieses Thema für mich sehr relevant wurde bzw. wird.

Geburt unseres Sohnes

Das erste Mal, dass ich bewusst über das Thema nachdachte, war nach der Geburt unseres Sohnes. Zu der Zeit studierte ich. Der „Kindsvater“ studierte an einem anderen Ort. Eine Oma gab es nicht, der Opa lebte weit weg – ebenso die Schwiegergroßeltern. So war ich also ziemlich auf mich gestellt und nahm jede Hilfe sehr dankbar an. Doch es kam der Punkt, an dem ich ein schlechtes Gewissen bekam, weil ich einfach nichts zurückgeben konnte. Irgendwie war ich ausreichend mit dem Überleben des Kleinen und meines eigenen beschäftigt. Da ging mir auf, dass das wohl aber keine so ungewöhnliche Situation ist. Wenn unser Sohn mal Vater werden wird, dann werde ich auch helfen, wo ich kann, und wohl keine Gegenleistung bekommen (und erwarten). Hier wird wohl das Geben und Nehmen von einer Generation auf die nächste „verschoben“. Was die eine Generation von der Vorgeneration bekommen hat, gibt sie weiter an die Generation, die nach ihr kommt. Ja, damit konnte ich wieder leben.

Der Film „Das Glücksprinzip“

Das gleiche Prinzip begegnete mir Jahre später in dem Film „Das Glücksprinzip“. Hier wird das Ganze noch etwas verstärkt. Jeder, der etwas erhält, soll es an fünf andere Menschen weitergeben. Mit nur ganz wenig Mathematik kann man sich ausrechnen, dass alles irgendwann zu einem zurückkommt. Aber darum ging es in dem Film gar nicht. Das Wichtigste war wohl, etwas Positives in die Welt zu setzen – und mit nur wenigen „Regeln“ wird es sich fortsetzen und vermehren.

Geben und Nehmen und die Liebe

Hin und wieder werde ich in Paargespräche verwickelt, in denen es um das Thema geht. Über allem schwebt dann damokles-schwert-artig der Ruf nach der „bedingungslosen Liebe“. Ja, ein heeres Ziel – aber ist es realistisch? Bis zu einem bestimmten Punkt ist in einer Paarbeziehung sicherlich die bedingungslose Liebe möglich. Aber warum lebt man denn in einer Partnerschaft? Da hat wohl jeder ein paar Vorstellungen. Solange diese Wünsche/Bedürfnisse erfüllt sind, wird es sich wie bedingungslose Liebe anfühlen. Bleiben aber Anforderungen unerfüllt, wird es wohl schwierig. Wenn wir es aber schaffen, dazu zu stehen, dass es eben doch nicht ganz absolut die bedingungslose Liebe gibt, dann werden wir auch in der Lage sein, die gegenseitigen Bedürfnisse anzusprechen, auszuhandeln und eine Erfüllung dafür zu finden.

Schenken

Einen letzten Punkt möchte ich anführen – das Schenken, vor allem zu den ritualisierten Gelegenheiten wie Weihnachten und Geburtstag. Hier stehe ich immer vor dem Dilemma, dass ich zwar einerseits sehr gern schenke, wenn mir etwas einfällt, von dem ich meine, dass es dem Anderen Freude bereiten könnte. Aber das Ganze wir direkt überlagert von den Gedanken daran, ob es auch ausreichend ist, ob es nicht zu aufdringlich ist, ob es nicht zu viel ist. Und dann sinkt meine Freude am Schenken direkt ein wenig ab. Schade eigentlich.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Geben und Nehmen #1

Einleitung

Immer wieder werde ich mit dem Thema „Geben und Nehmen“ konfrontiert. Mal nehme ich und frage mich, ob ich zu viel nehme, ob ich nehmen darf, ob mir das zusteht. Mal gebe ich und frage mich, kann ich aus reinem Herzen geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Oftmals werde ich in Gespräche verwickelt, in denen es um angemessenes Geben und Nehmen geht – manchmal sind das auch „Streitgespräche“ von Paaren.

Deshalb bin ich mal in mich gegangen und habe überlegt, welche Aspekte es für mich rund um dieses Thema gibt. Und siehe da, da ist doch einiges zusammengekommen, das ich gern in ein paar Blogbeiträgen betrachten möchte. Es werden (mit diesem) insgesamt 5 Beiträge werden, damit jeder nicht zu lang wird und auch noch gelesen werden kann.

Im zweiten Beitrag werde ich die Anlässe zusammenstellen, in denen das Thema für mich bisher sehr relevant geworden ist.

Der dritte Beitrag wird sich mit der evolutionären bzw. sozialen Funktion von Geben und Nehmen befassen. Also, warum geben und nehmen wir, warum wollen wir geben, wenn wir genommen haben etc.

In den letzten beiden Beiträgen werde ich zwei Selbstversuche im bedingungslosen Geben vorstellen und ein bisschen hinterfragen, wie erfolgreich sie waren bzw. warum sie oder warum sie nicht erfolgreich waren.

Ganz aktuell

Vermutlich tue ich mich etwas schwer mit dem Nehmen (Fragen siehe oben). Auf der diesjährigen Pilgerreise ist es aber Tradition, dass die Menschen den Pilgern Geschenke geben – o-settai. Die Idee dahinter ist, dass der Pilger mit Kobo Daishi, dem buddhistischen Mönch, auf den der Weg zurückgeht, pilgert. Und was man dem Pilger gibt, gibt man Kobo Daishi. Ein o-settai darf man nicht ablehnen. Das einzige, das man zurückgibt, ist ein Namensschild – eine Art Visitenkarte. Das wird wohl ein hartes Training, anzunehmen ohne zurückzugeben – oh, oh.

Wie immer: Wenn Ihr Anregungen oder besondere Wünsche „zum Thema“ habt, gebt mir bitte kurz Bescheid.

Wir sehen und auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine