Nachdenken über den Tod #7

Was liegt heute, am Ostersonntag näher, als sich darüber Gedanken zu machen, was nach dem Tod passiert. Gibt es ein „Danach“? Für welchen Teil von uns gibt es ein „Danach“?

Für mich ist es eigentlich recht unstrittig, dass es für den Körper in dem Sinne kein „Danach“ geben wird. Er wird entweder verwesen, wenn er beerdigt wird, oder als Staub enden, wenn er verbrannt wird. Auf jeden Fall wird er als Futter für so manches Getier dienen und damit eigentlich doch wieder in einen Lebenskreislauf eintreten – nur eben in anderer Form.

Bleibt die Frage nach unserem Bewusstsein, der Seele, der geistigen Essenz – welchen Ausdruck man auch immer dafür verwenden möchte.

Die eher wissenschaftlich orientierte Sicht

Thich Nhat Hanh, ein vietnamesischer Zen-Lehrer, hat mal gesagt, dass eine Flamme nicht stirbt. Sie zieht sich nur zurück, um sich bei günstigen Gelegenheiten wieder zu zeigen. So ähnlich könnte man sich das bei geistigen Qualitäten vorstellen. Und in der Tat kennt die Wissenschaft hier den Begriff der Emergenz (Wikipedia: „Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente“). Wenn in unserem Gehirn entsprechend hohe Hirnströme zu verzeichnen sind, dann können wir die Welt bewusst wahrnehmen – wir sind bei Bewusstsein. Sind die Hirnströme zu niedrig, schlafen wir oder wir liegen tatsächlich im Koma – sind also nicht bei Bewusstsein.

Wenn nun die materielle Basis für das Bewusstsein verfällt und dann nicht mehr existiert, dann wird auch in dieses Gehirn kein Bewusstsein mehr zurückfinden können. Es wird möglicherweise an eine andere Stelle „ziehen“, wo es wieder gute Bedingungen für sein Erscheinen findet.

Der Weg durch die Hölle zum Licht

Viele Religionen und Glaubensrichtungen kennen einen Weg, den die Seele nach dem Tod der körperlichen Hülle gehen muss. Da wird von der Hölle gesprochen oder Regionen, in denen Dämonen und sonstige schreckliche Gestalten ihr Unwesen treiben, was zum Teil als Strafe für im Leben begangenes Unrecht verstanden wird. Je nach Religion/Glaubensrichtung bleibt man dort stecken, verirrt sich in diesen unwirtlichen Regionen oder schafft den Weg ins Licht.

Einige Nahtod-Erlebnisse berichten davon, dass das ganze Leben an einem vorbeiziehen würde. Es scheint also ein Art „Abrechnung“ mit dem gelebten Leben zu gehen. Alles, was offen ist, wird einem hier noch einmal präsentiert – Schuld, die nicht vergeben ist, ungeklärte Streitigkeiten, nicht wahrgenommene Chancen etc. Also, das stelle ich mir schon höllisch vor und ist ja dann tatsächlich wie eine Strafe für das, was man in seinem Leben Unrechtes getan hat. Und wenn es mir nicht gelingt, damit meinen Frieden zu machen, dann werde ich in dieser „Abrechnungsschleife“ steckenbleiben. Am besten also, man versucht diese Dinge schon zu Lebzeiten zu klären.

Mein Fazit

Mein Fazit ist ein wenig meine (!) Antwort auf die Frage, ob das Leben mehr Sinn hat, wenn wir uns des Todes bewusst sind. Ich denke, wenn wir uns wirklich und wahrhaftig bewusst sind, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und wir irgendwann unsere körperliche Existenz verlassen müssen, dann wird man das, was man derzeit hat und erlebt, viel bewusster wahrnehmen. Es könnte schließlich das letzte Mal sein, dass man es erfahren darf. Jeder Augenblick wird dann kostbar. Man möchte keinen mehr in taubem Dümpel verschwenden.

In diesem Sinne verstehe ich auch die Aussage, man müsse sterben, um zu leben. Erst wenn ich mir des Todes ganz bewusst bin, wenn ich mir klar bin, was Sterben bedeutet, werde ich das Leben in seiner Gänze wertschätzen können. Und hierhin gehört sicher auch der Spruch, dass man so leben solle, als wäre es der letzte Tag.

Eine sehr optimistische Ergänzung dazu habe ich letztens gelesen: Lebe so, als wäre es Dein letzter Tag, und lerne so, als hätte Du das ganze Leben noch vor Dir 🙂

Ende

Damit schließe ich die Reihe „Nachdenken über den Tod“ ab. Ein großer Dank geht an Euch, dass Ihr mich durch diese Gedanken begleitet habt. Danke auch für Eure vielen Diskussionen, die anregend waren, neue Denkanstöße gaben, aber auch – wie für Diskussionen wünschenswert – hin und wieder kontrovers waren.

Auch wenn ich vorerst nicht weiter darüber schreiben werde, so werde ich mich doch sicherlich weiter mit dem Thema „Tod“ befassen. Ich bin überzeugt, dass sich manche Einstellung dazu über die Zeit ändern wird. Und ich hoffe, dass ich bereit sein werde, wenn es für mich soweit sein wird.

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Nachdenken über den Tod #6

Heute soll es um den „juristischen“ Teil gehen – eigentlich um das, was man vor seinem Tode schon geregelt haben sollte. (Achtung: Dies ist keine Rechtsberatung!)

Testament

Die Familie mag zu Lebzeiten noch so lieb und nett sein, wenn es ans Verteilen der Hinterlassenschaften geht, bricht doch allzu häufig ein grausamer Krieg aus. Möchte man das verhindert und einigermaßen sicher sein, dass diejenigen, die etwas Bestimmtes bekommen sollen, es auch bekommen, dann wäre ein Testament anzuraten.

Für Verheiratete gibt es eine Art „Standardtestament“ – das sogenannte Berliner Testament. Wenn einer der beiden stirbt, bekommt erstmal der Partner alles. Erwachsene Kinder können, wenn sie es unbedingt darauf anlegen, ihren Pflichtteil einklagen. Dann kann aber festgelegt werden, dass sie aus dem weiteren Erbe ausgeschlossen werden.

Für den Fall, dass beide Partner gleichzeitig sterben und es auch keine Kinder gibt, die erben könnten, kann man einen sogenannten Schlusserben einsetzen. Das kann ein Verein sein. Hierzu gibt es dicke Bücher, die entsprechende Vereine auflisten und kurz vorstelle. Wird kein Schlusserbe eingesetzt, fällt alles dem Staat zu.

Vorsorgevollmacht

Für den Fall, dass man selbst nicht mehr über die Dinge des täglichen Lebens entscheiden kann, kann man im Vorfeld eine oder mehrere Personen bestimmen, die dann für einen diese Entscheidungen treffen können. Anderenfalls wird über ein entsprechendes Gericht eine Person bestimmt. Ob man mit dieser dann immer so einverstanden wäre, kann man nicht wissen. Es gibt allerdings ein paar Entscheidungen, die auch die bevollmächtigte Person erst nach Bestätigung durch ebendieses Gericht entscheiden kann bzw. für die diese Person die Bestätigung dieses Gerichts braucht. Da es dabei meist um lebensdringliche Entscheidungen geht, werden diese Beschlüsse wohl relativ schnell gefällt.

Die Übertragung der Vorsorgevollmacht kann man bei einem Notar hinterlegen. Er behält auch die entsprechenden Dokumente, die die zur Vorsorge bevollmächtigte Person im Falle eines Falles dort abholen kann. Man sollte sie nicht im Vorfeld den Personen in die Hand geben, da diese sich bei Vorlage des Dokuments darauf berufen kann, dass die Berechtigung besteht. Es wird also bei Vorlage des Dokuments nicht geprüft, ob die Vorsorge wirklich erforderlich ist.

Ehepartner werden sich meist gegenseitig für einen ersten Schritt zur Vorsorge bevollmächtigen. Da beide aber in der Regel in einem ähnlichen Alter sind und anzunehmen ist, dass sie mehr oder weniger gleichzeitig ein Versorgungsfall werden, wäre es gut, dafür gleich eine weitere zur Vorsorge bevollmächtigte Person einzusetzen. Meist werden das die Kinder sein.

Patientenverfügung

Aus meiner ganz laienhaften Sicht ist die Patientenverfügung eine Art spezieller Vorsorgevollmacht, die sich ausschließlich darauf bezieht, Entscheidungen hinsichtlich medizinischer Maßnahmen zu treffen. Man kann hier festlegen, welche lebensverlängernden Maßnahmen man gern hätte oder eben auch nicht, ob man zum Sterben noch einmal nach Hause gebracht werden möchte, etc.

Bei schwerwiegenden Entscheidungen wird wohl auch der Vorsorgebevollmächtigte hinzugezogen, der dann im eigenen Sinne entscheiden SOLL. Das heißt also auch, dass derjenige, wenn er der Meinung ist, dass man selbst anders entschieden hätte, auch gegen die Patientenverfügung entscheiden kann.

Es ist sicherlich immer schwierig, die Entscheidung für oder gegen die Abschaltung lebenserhaltender Maßnahmen zu treffen. Wenn aber ein solches Dokument vorliegt und man klar zum Ausdruck gebracht hat, was man möchte, kann es den dann für die Entscheidung zuständigen Personen etwas einfacher gemacht bzw. ihnen eine gewisse moralische Last genommen werden.

Auch hierfür gibt es inzwischen Musterlisten, die rechtlich haltbar sind. Man kann hier die Dinge auswählen, zu denen man steht, oder eben auch Dinge ablehnen.

Von einigen Leuten, die in medizinischen Berufen arbeiten, habe ich gehört, dass es auch für Ärzte und Pflegepersonal hilfreich ist, wenn es eine Patientenverfügung gibt.

Und dann?

Sicherlich ist es gut, diejenigen, die die Vorsorgevollmacht übertragen bekommen soll, darüber zu informieren. Sicher ist es auch hilfreich, wenn die Angehörigen wissen, was es an Unterlagen und Festlegungen gibt. Wir haben mit unserem Sohn auch über die Patientenverfügung gesprochen. Klar, er wollte nicht unbedingt viel davon hören. Aber im Endeffekt war es bestimmt für uns alle gut, dass wir es gemacht und auch mit unserem Sohn darüber diskutiert haben. So weiß er, was wir gern möchten und kommt hoffentlich nicht in Gewissensnöte, wenn ein solcher Fall eintreten sollte.

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Nachdenken über den Tod #5

Letzte Woche ging es darum, wie man mit dem eigenen Tod umgeht, bzw. wie man seinen eigenen Tod sieht. Heute geht es um die andere Blickrichtung: Wie sehe ich den Tod Anderer bzw. was passiert mit mir, wenn Andere sterben? Auch hier gibt es wieder eine Reihe Teilfragen.

Trifft der Tod die Angehörigen überraschend? Was passiert mit denen, die zurückbleiben?

Vermutlich wird in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle der Tod die Angehörigen überraschen. Aber nicht, weil er sich nicht beispielsweise durch Krankheit oder Schwäche angekündigt hätte, sondern vielmehr deswegen, weil wir einfach nicht wahrhaben wollen, dass jemand, der uns nahe steht stirbt.

Mein Vater war die letzten Tage in einer Klinik. Es ging ihm zusehends schlechter und die Ärzte signalisierten auch, dass das wohl so bis zum Ende gehen würde. Und doch war seine Lebensgefährtin bis zu seinem letzten Atemzug der Überzeugung (der Hoffnung?) ihn wieder mit nach Hause nehmen zu können.

Natürlich sterben manche Menschen auch ohne für uns erkennbare Anzeichen. Dann sind wir natürlich überrascht. Wir haben das Gefühl, dass wir uns nicht verabschieden konnten, und fühlen uns um diesen Abschied betrogen. Und wir fühlen uns um die gemeinsame Zeit betrogen, die wir meinten, noch zu haben.

Wenn aber Angehörigen schwer krank sind, Schmerzen haben, aus unserer Sicht unendlich leiden, dann mischt sich unter unsere Trauer auch eine gewisse Art der Erleichterung. Dann sind wir auch nicht überrascht, weil wir eigentlich Tag für Tag damit gerechnet haben. Und wir werden unseren Frieden mit diesem Menschen gemacht haben.

Was aber möglicherweise an jedem Tod eines Angehörigen oder Freundes am überraschendsten ist, ist wohl, dass wir plötzlich wieder an unsere eigene Sterblichkeit erinnert werden.

Trauern oder nicht trauern?

Trauern scheint eine soziale Konvention und kulturabhängig zu sein. In unserer Kultur wird erwartet, dass sich Menschen schwarz kleiden, dass sie ein Trauerjahr einhalten etc. Tun sie das nicht, sind Außenstehende irritiert oder werfen den Hinterbliebenen ungenügende Liebe zum Verstorbenen vor.

Trauer und zu trauern hat aber auch ganz menschliche, psychologische Hintergründe. So gibt es Untersuchungen, da sagen, dass es etwa ein Jahr dauert, bis man sich wirklich innerlich von einem engen Menschen verabschiedet hat und wieder frei für neue enge Beziehungen ist.

Hin und wieder fragt ja jemand, wieso man trauern würde, wo doch der Verstorbene nun im Himmel oder einem ähnlichen Nachlebenszustand ist. Ich glaube, man trauert nicht, weil man denkt, dass es dem Anderen nach dem Tod schlecht geht. Meiner Meinung nach trauern wir eher um uns selbst, dass wir etwas verloren haben, was wir gern wieder hätten. Zwar reden wir davon, dass wir um den Toten trauern, aber vielleicht sollte es eher heißen, dass wir wegen des Toten um uns selbst trauern.

Wie kann ich mich auf den Tod Anderer vorbereiten?

Diese Frage impliziert ja eigentlich schon, dass ich denke, dass man sich auf den Tod Anderer vorbereiten kann – zumindest in bestimmten Grenzen. Ein ganz wichtiger Punkt dabei wäre für mich, sich mit den Menschen, die einem lieb und wichtig sind, zu versöhnen. Selbst wenn man sich sehr mag, begeht man Fehler. Dafür kann man um Verzeihung bitten und man kann dem Anderen verzeihen.

Wenn ein Mensch „im Streben liegt“, kann man versuchen, sich bewusst von ihm zu verabschieden. Manchen Menschen fällt es schwer loszulassen und zu gehen, weil sie denken, sie müssten sich noch um die Hinterbleibenden kümmern. Das könnten die erwachsenen Kinder ansprechen und erklären, dass sie sich ausreichend selbst um sich und ihre Kinder kümmern können. Sie können dem Sterbenden vermitteln, dass es okay ist, wenn er geht.

Und nicht zuletzt ist aus meiner Sicht, eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod wohl auch eine gute Vorbereitung darauf, dass ein naher Angehöriger stirbt.

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Nachdenken über den Tod #4

Heute soll es um ein paar Fragen über den Umgang mit dem eigenen Tod gehen. Natürlich kann das nur ein derzeitiger Stand der Überlegungen sein. Das wird sich sicherlich im Laufe des Lebens, insbesondere, wenn es einschneidende Erlebnisse gibt, ändern. Trotzdem halte ich es für sinnvoll, sich zu überlegen, wie man zu diesen Fragen steht.

Wie möchte ich sterben?

Es ist natürlich klar, dass man sich nicht aussuchen kann, wie man sterben möchte, und keiner will wohl Schmerzen leiden, bevor er stirbt. So wäre es mir auch am liebsten, wenn am Abend ins Bett gehe und morgens nicht wieder aufstehe.

Wenn in Todesanzeigen steht „mitten aus dem Leben gerissen“, so hat das normalerweise einen bedauernden Unterton, weil man davon ausgeht, dass der/diejenige noch lange Jahre hätte leben können. Aber eigentlich stelle ich es mir für mich nicht als das Allerschlechteste vor, bis zum Ende körperlich und geistig fit und aktiv zu sein und in diesem Sinne „mitten aus dem Leben“ gerissen zu werden.

Sollte es sich allerdings abzeichnen, dass ich sterben werde, dann wäre es mir lieb, wenn ich mich noch von den wichtigsten Personen in der körperlichen Realität verabschieden könnte, wenn ich ihnen sagen könnte, dass das so okay ist und sie nicht zu lange trauern, sondern lieber ihr eigenes Leben feiern sollen.

Wie möchte ich beerdigt werden?

Dies ist schon eher ein Punkt, den man beeinflussen kann. Man muss es halt rechtzeitig mit seinen Lieben besprechen bzw. irgendwo schriftlich festhalten. Inzwischen bieten wohl auch eine Beerdigungsinstitute an, dass man schon zu Lebzeiten alles vertraglich regelt und sogar bezahlt.

Nun, soweit will ich (derzeit?) vielleicht noch nicht gehen. Eigentlich hoffe ich, dass es bis zu meinem Tod auch in Deutschland möglich sein wird, die Asche nach der Verbrennung mit nach Hause zu nehmen. Und dann würde ich gern an einem für mich wichtigen Wander-/Pilgerpunkt verstreut werden. Derzeit wäre das für mich das Kap Finsterra. Aber ich habe ja noch einige Wanderungen vor 😉

Sollte das mit der Asche nicht möglich sein, dann möchte ich gern in einem Friedwald in einer kompostierbaren Urne am Fuße eines schönen, starken Baumes beerdigt werden.

Okay, okay, alles sehr egoistisch. Es bleibt nichts für die Angehörigen, kein Ort, an den sie gehen können. Aber sie wissen es schon jetzt, können sich darauf einstellen und, wenn sie es möchten/brauchen, sich einen eigenen Ort schaffen. Das würde ich aber gern in die Verantwortung eines jeden selbst legen.

Kann man sich bzw. Wie kann ich mich auf meinen Tod vorbereiten?

Meine Vorbereitung besteht eigentlich darin, mir Gedanken darüber zu machen, was Sterben für mich bedeutet, welche Vorstellungen ich darüber habe, was nach dem Sterben passiert, was es bedeutet, tot zu sein.

Oftmals wird berichtet, dass viele Leute im Sterbeprozess bedauern, im Leben etwas verpasst zu haben, Fehler gemacht zu haben, sich bei anderen Menschen nicht entschuldigt, anderen Menschen nicht vergeben zu haben. Ich denke, dass das etwas ist, das man durchaus vermeiden, zumindest verringern kann.

Man kann zu Lebzeiten versuchen, Dinge zu „richten“.

Sind Fehler, die man gemacht hat, nur Fehler, weil man sie aus der aktuellen Sicht heraus als Fehler betrachtet? Wenn man wirklich meint, einen Fehler gemacht zu haben, dann kann man schon jetzt versuchen, den Betroffenen um Verzeihung zu bitten, sich mit ihm auszusöhnen, ggf. Wiedergutmachung zu leisten.

Etwas anders liegt es wohl mit den sogenannten verpassten Chancen oder dem Unerledigten. Sind verpasste Chancen wirklich verpasste Chancen? Wer sagt, dass es gute Auswirkungen gehabt hätte, wenn wir ihnen nachgegangen wären? Hat das, was wir stattdessen gemacht habe, nicht auch positive Effekte gehabt? Und Unerledigtes? Wir werden nie ALLES nur erdenklich Mögliche in einem Leben tun können. Also packen wir doch das an, was uns am Wichtigsten ist, und dann das nächst-Wichtige und so weiter. Vielleicht können wir dann am Ende eher auf das blicken, was wir getan haben und nicht auf das, was wir nicht getan haben.

Trifft der Tod den Sterbenden überraschend?

Meine Vorstellung ist, dass sich der Tod ankündigt. Naja, vielleicht nicht gerade, dass da irgendwann der schwarze Mann mit der Sense vor einem steht und sagt, dass er übermorgen wiederkommt. Aber ich bin überzeugt, dass man, wenn man gut auf sich achtet, spürt, dass das Sterben begonnen hat.

Ich habe das bei meinen Großeltern mütterlicherseits erlebt. Mein Großvater hatte eine schwere Darmerkrankung und danach eigentlich nur noch den Wunsch, 80 Jahre alt zu werden. Das wurde er in einem Februar. In den Sommerferien, in denen die ganzen Enkel normalerweise für ein paar Tage in die Ferien zu meinen Großeltern kamen, rief er jeden einzelnen zu sich und gab ihm ein kleines, sehr individuelles Abschiedsgeschenk. Im Oktober starb er. Meine Großmutter lebte noch viele Jahre. Aber irgendwann fing sie an, das Haus auszuräumen bzw. Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, wegzuschmeißen. Als sie so einigermaßen damit fertig war, starb sie.

Wahrscheinlich hätten beide auf die Frage, warum sie dies tun, nicht geantwortet, weil sie bald sterben würden. Aber es war wohl doch ein innerer Drang dahinter.

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Nachdenken über den Tod #3

Meine bisherigen Konfrontationen mit dem Tod

Letzten Sonntag gab es ja etliche Diskussionen darum, was der Tod nun eigentlich ist. Vielleicht kann man als „vorläufige Arbeitsdefinition“ festhalten, dass es u. a. darum geht, dass der körperliche Teil eines Menschen stirbt, also nicht mehr lebt und damit sein materielles Ende erlebt.

Diesen Übergang vom lebenden materiellen Körper zum toten erleben verschiedene Menschen bei Anderen unterschiedlich und lernen daraus unterschiedliche Dinge. Das hängt sicher auch vom Alter der jeweiligen Person ab, die dieses Erleben hat. Da ich in ganz unterschiedlichen Lebensphasen wichtige Menschen verloren habe und mich dies auf jeweils eigene Art geprägt hat, möchte ich heute einige Eckpunkte von 3 der wichtigsten dieser Ereignisse vorstellen.

Mein Opi

Als ich 4 war, gingen meine Omi, mein Opi und ich mit dem Schlitten zum Einkaufen. Unterwegs brach mein Opi zusammen und saß nun auf dem festgetretenen Schnee auf dem Fußweg. Natürlich habe ich nicht viel verstanden. Laut der Erzählungen habe ich wohl immer wieder gesagt: „Opi, steh auf. Opi, steh doch auf.“ Wahrscheinlich kann ich mich wegen der wiederholten Erzählungen recht genau daran erinnern.

Das Nächste, an das ich mich erinnere, ist, dass ich bei den Nachbarn meiner Omi bin. Sicherlich sollte sie den Rücken freigehalten bekommen. Naja, was kann man mit einer 4-Jährigen schon anfangen? Die Nachbarn mussten mich natürlich irgendwie beschäftigen. Sie wollten mir beweisen, dass Eier, je länger man sie kocht, umso weicher werden, nachdem sie zwischendurch mal hart waren. Und so kochten wir Eier und kochten und kochten. Am Ende bekam ich ein weiches Ei präsentiert. Aber geglaubt habe ich es nicht. Ich wusste einfach, dass Eier nicht wieder weich werden.

Tja, und dann tauchte mein Opi nie wieder auf. Zurück blieb durchaus gespürt ein Verlust, obwohl ich mit dem Konzept „Tod“ nichts anfangen konnte. Und es blieb ein Gefühl, veralbert worden zu sein. Ist der Tod eine Veralberung?

Meine Mutter

Als ich 11 war, kam meine Mutter bei einem Busunfall in der damaligen Sowjetunion ums Leben. Sie war dort mit meinem Vater und meiner Schwester zur Jugendweihereise für meine Schwester. Ich blieb zu Hause und meine Omi passte auf mich auf.

Irgendwann war meine Omi unüblich häufig am Telefonieren. Ich spürte eine irgendwie ungut geladene Atmosphäre. Dann ertappte ich meine Omi dabei, wie sie mir Beruhigungsmittel meiner Mutter in die Milch mischen wollte. Sie lösten sich halt nicht auf, weswegen es auffiel.

Irgendwann kamen zwei oder drei fremde Leute. Auch unsere Nachbarin kam rüber. Wir saßen alle im Wohnzimmer. Einer der fremden Menschen erzählte, dass meine Mutter tot wäre. Natürlich wusste ich zu der Zeit schon, was tot-Sein bedeutet, aber so als abstrakten Satz konnte ich das nicht begreifen. Da kann ja jeder kommen und etwas erzählen. Da ich aber wusste, dass man weint, wenn jemand gestorben ist, heulte ich also sicherheitshalber mal los.

Unsere Nachbarin fragte mich, ob wir uns eine Spritze geben lassen wollten, damit wir schlafen können. Oft wird ja Tod so erklärt, dass man da schlafen würde. Aber wieso sollte ich mich jetzt umbringen lassen, weil meine Mutter tot war? Ich war vollkommen verwirrt. Als Alternative bot unsere Nachbarin den Wald an. Eine wirklich gute Idee.

Tja, und auch hier blieb dieses Gefühl, dass mit dem Tod Vertuschendes, Verwirrendes, ja sogar Gefährliches zusammenhängt. Und wenn ein Mensch einfach nicht wiederkommt, so ohne Abschied geht, dann hat es auch etwas sehr Irreales. Noch viele Jahre danach hatte ich immer mal wieder das Gefühl, meine Mutter auf der Straße gehen zu sehen.

Mein Vater

Als mein Vater sehr krank und abzusehen war, dass er bald sterben würde, hatte ich schon eine Weile an der spirituellen Ausbildung teilgenommen und konnte/wollte einiges davon anwenden.

Er war in der letzten Zeit seines Lebens nicht mehr wirklich richtig ansprechbar. Wahrscheinlich nahm er wahr, dass jemand mit ihm redete, aber er reagierte nicht mehr bezugnehmend darauf. Gespräche waren also eigentlich gar nicht mehr möglich.

Bei meinem letzten Besuch bei ihm, wollte ich ihm eigentlich irgendwie vermitteln, dass es okay für uns alle wäre, wenn er sterben würde, dass er sich keine Sorgen machen muss, weil wir ja alle erwachsen und versorgt sind. Aber wie? Wie auch immer ich darauf gekommen bin, jedenfalls habe ich ihm ganz lange und intensiv in die Augen geschaut. Er scheint gespürt zu haben, dass hier etwas Besonderes passiert, denn normalerweise konnte er sich nicht mehr lange auf eine Sache konzentrieren. Hier schon. Wir schauten uns recht lange in die Augen. bis gefühlt irgendetwas „einrastete“. Es war eine Verbindung ganz besonderer Art entstanden. Es brauchte keine Worte mehr, um zu übermitteln, was ich sagen wollte, und um zu spüren, dass es angekommen war.

Wenige Zeit später starb mein Vater. Wir waren gerade in Frankreich. Für ca. 15 Minuten war meine Uhr stehen geblieben. Etwa eine halbe Stunde später bekam ich eine SMS. Ich musste gar nicht drauf schauen, um zu wissen, was drin stand.

Es war der 14.7. – Nationalfeiertag in Frankreich. In den meisten größeren Orten gibt es ein Feuerwerk – auch dort, wo wir gerade waren. Zuerst fand ich es ein bisschen makaber, dass ich mir an diesem Tag ein Feuerwerk anschaute. Aber dann, als die vielen kleinen Lichtpünktchen vom Himmel regneten, hatte ich das Gefühl, dass er nun nach Hause gegangen, dass er angekommen, dass er in Ruhe war. So hatte ich noch nie Abschied von jemandem genommen – und es war gut so.

Ja, auch dies irgendwie irreal, aber nicht verwirrend oder unangenehm, sondern eher klärend, behutsam, getragen. Ich verspüre eine gewisse Art der Aussöhnung mit dem Tod.

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Nachdenken über den Tod #2

Heute also ein paar grundlegende Gedanken darüber, was der Tod überhaupt sein könnte, wie Tod und Sterben zusammenhängen könnten und warum Tod möglicherweise ein solches Tabu-Thema ist.

Vielleicht sollte ich noch vorausschicken, dass das alles nur die Gedanken sind, die ich mir so mache. Weder will ich sagen, dass sie absolut richtig sind, noch will ich sagen, dass nicht auch andere Gedanken richtig sein können. Außerdem scheinen meine Gedanken noch im Fluss zu sein, noch ein wenig unfertig. Und wer weiß, ob nicht das, was das Leben noch so bringt, nicht ein radikales Umdenken bewirkt. Es ist also mehr oder weniger ein aktueller Schnappschuss.

Was ist der Tod?

Wie die meisten wohl wissen, bin ich atheistisch aufgewachsen. Da hieß es ganz einfach, der Tod ist das Ende des Lebens. Danach kommt nichts. Dann ist alles aus und vorbei. Punkt. Eine ziemlich traurig stimmende Vorstellung. Sie beruht wohl im Wesentlichen darauf, dass davon ausgegangen wird, dass der Mensch ausschließlich ein körperliches Wesen ist. Gedanken, die Platz für eine Seele (welcher Art auch immer) lassen, scheinen da weniger traurig zu sein.

Gleich scheint beiden Vorstellungen aber zu sein, dass der Tod den körperlichen Teil des Menschen betrifft. Und da gibt es mehr oder weniger „genaue Definitionen“, was es bedeutet, tot zu sein. Es gibt keine Energieflüsse mehr im Gehirn, was an einer entsprechenden Linie der Hirnstrommessung erkennbar ist. Das ist der sogenannte Hirntod. Die Organe können darüber hinaus noch funktionieren. Erst wenn sie nicht mehr arbeiten und die Zellen beginnen, sich zu zersetzen, wird auch vom biologischen Tod gesprochen. Soweit der Tod des Körpers. Und wie ist das nun mit der Seele, dem Bewusstsein, dem Selbst, dem Ich etc.? Dazu kommen wir an einem späteren Sonntag.

Wie hängen Tod und Sterben zusammen?

Also würde ich sagen, dass der Tod ein Zustand des noch existierenden oder schon zersetzten Körpers ist, den die heutige Wissenschaft an angeblich objektiv feststellbaren Merkmalen festmacht. Über den Tod der Seele, des Bewusstseins, des Selbst, des Ichs etc. wird dabei nicht gesprochen.

Den Prozess, der zum Tod führt, würde ich dann als Sterben bezeichnen. Dabei kann dieser Prozess sehr kurz sein, aber eben auch ziemlich lange dauern. Wenn es ein Prozess ist, muss er irgendwann anfangen. Wann beginnt dieses Sterben? Manch einer meint, er beginnt bereits mit der Befruchtung, weil immer irgendwelche Körperzellen absterben und somit den Körper dem Zustand des Todes näher bringen. Aus meiner (derzeitigen) Sicht würde ich etwas pragmatischer sagen, dass der Prozess des Sterbens dann anfängt, wenn der Körper wirkliche (ziemlich subjektiv und wage) altersbedingte Ausfallerscheinungen zeigt und/oder wenn diejenige Person keinen Willen mehr zum Weiterleben hat. Der erste Aspekt ist eigentlich unumkehrbar und eindeutig auf die Körperlichkeit bezogen. Der Wille zum Leben kann durchaus auch wieder zurückkommen. Meiner Meinung nach hat er eher etwas mit der Seele, dem Bewusstsein, dem Selbst, dem Ich etc. zu tun. Wenn ich auch nicht glaube, dass die Seele… den Prozess des Sterbens aufhalten kann, so bin ich doch der Überzeugung, dass sie ihn verzögern kann.

Warum ist Tod ein Tabu-Thema?

Soweit ist das Ganze ja eher ein sehr „sachlicher Vorgang“. Warum aber haben wir dann so viel Angst davor? Vor etlicher Zeit hatte ich dazu mal einen Beitrag (Angst vor dem Tod) verfasst. Ich denke, die Angst vor dem Eintreten des Zustands „Tod“ hat damit zu tun, dass wir uns nicht vorstellen können, wie es ist, wenn wir tot sind. Der Vergleich mit einem traumlosen Schlaf ist wenig überzeugend, da wir aus einem Schlaf ja (normalerweise) wieder in dieser Realität aufwachen, aus dem Tod aber eben gerade nicht. Etwas, das wir nicht kennen, macht uns eben Angst, solange, bis wir die Erfahrung des Sterbens/des Todes gemacht haben. Aber dann gibt es (zumindest) für unseren Körper kein zurück mehr.

Und in unserer Gesellschaft hat man eben keine Angst zu haben, wenn, dann spricht man nicht darüber. Auch der Drang, nur jung und schön zu sein und daneben nichts Anderes zuzulassen, mag dazu führen, dass nicht über Tod und Sterben (und Krankheit) gesprochen wird. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht. Aber die Angst ist trotzdem da und wird vielleicht sogar noch größer.

Zum Sterben und was danach passieren könnte, gibt es inzwischen viele Publikationen rund um todesnahe oder todesähnliche Erlebnisse. Daraus ziehen viele eine Art Beruhigung, weil es für sie eben eine Erfahrung darüber ist, wie Sterben bzw. wie tot zu sein ist. Auch Vorstellungen darüber, dass es ein Leben (z. B. der Seele) nach dem Tod gibt, scheinen auf viele eine Beruhigung auszuüben. Doch darüber gibt es an einem späteren Sonntag noch etwas mehr.

Teil 1

Wir sehen uns auf dem Weg.
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Nachdenken über den Tod #1

Die Fastenzeit ab Aschermittwoch bis Ostersonntag ist für mich immer eine Zeit, mich mit einer bestimmten Thematik auseinanderzusetzen. Für dieses Jahr habe ich mich für das Thema „Tod“ entschieden.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe.

1) In der spirituellen Ausbildung der letzten zwei Jahre wurde dieses Thema immer wieder aufgegriffen, sodass ich mir eine gewisse Vorstellung und eine eigene Haltung dazu erarbeiten konnte. Viele Gespräche mit den Mitlernenden haben dies unterstützt.

2) Ich liebe die Abenteuer und Herausforderungen des Lebens. Das letzte Abenteuer dieses Lebens wird die Konfrontation mit dem Tod sein. Auf jedes Abenteuer sollte man sich gut vorbereiten, so auch auf dieses letzte. Einiges dazu haben wir auf der formell-rechtlichen Ebene in den letzten Monaten gemeinsam mit MD getan.

Dieses „Schreibprojekt“ sehe ich derzeit als ein Experiment an. Ich habe zwar eine Vorstellung, über welche Aspekte ich schreibend nachdenken möchte (wie möchte ich sterben, wie möchte ich beerdigt werden, Testament / Vorsorgevollmacht / Patientenverfügung, Umgang mit dem Tod, Todessehnsüchte), bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich das alles gut umgesetzt und auf die noch verbleibenden Sonntage verteilt bekomme. Mehr als Bemühen kann ich also an dieser Stelle nicht versprechen. Lehrreich wird es für mich trotzdem – auf die eine oder andere Art.

Was haltet Ihr von diesem Experiment? Gibt es aus Eurer Sicht Aspekte, die besonders betrachtet werden sollten?

Wir sehen uns auf dem Weg.
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