Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 17

Die Aufgabe

Gegeben war eine Zeitungsmeldung. Karl Hackett wurde verurteilt, weil er durch wiederholte Anrufe bei den Rettungskräften versucht hatte, das Zugunglück von Paddington zu nutzen, um sich eine neue Identität zuzulegen. Nun sollte man daraus eine größere Geschichte machen, diese aber nur in Form eines Handlungsexposés darstellen und dann eine Szene daraus ausarbeiten.

Was fiel mir schwer?

Zuerst habe ich mich mal über das Zugunglück von Paddington informiert. Das liegt ja inzwischen schon fast ewig zurück.

Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie man so etwas nutzen kann, um sich eine neue Identität zuzulegen. Wie sollte das durch mehrfaches Anrufen bei den Rettungskräften funktionieren? Also habe ich mich erstmal umgesehen, wie Andere vor mir diese Aufgabe gelöst hatten. Das gab mir zumindest einen Einblick, wie das gehen könnte.

Eine Idee, wie die größere Geschichte aussehen könnte, hatte ich auch recht schnell. Das grenzte aber schon fast an einen Entwicklungsroman. Dafür auf einer Seite die Handlung zu skizzieren fiel mir dann doch äußerst schwer. Aber irgendwie habe ich es dann eben zusammengequetscht.

Was habe ich gelernt?

Naja, ob ich jetzt wirklich zu neuen Erkenntnissen gekommen bin, weiß ich nicht. Immer wieder habe ich ein Problem damit, dass ich mich recht kurz fassen muss, um mit der Längenvorgabe zurecht zu kommen. Und dann gibt es als Korrekturhinweis, dass ich das ruhig alles viel weiter ausbauen könnte. Ja, würde ich ja auch, wenn ich mehr Platz hätte. Aber gut, das setze ich einfach auf meine interne Liste, um es zu berücksichtigen, wenn ich ohne Längenbegrenzung schreiben kann.

Das Ergebnis

Hier nun also eine Zusammenfassung der Geschichte, ein paar Hintergrundinformationen, die so überhaupt nicht mehr in das Exposé passen wollten, das Handlungsexposé sowie eine ausgestaltete Szene. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Hackett entkommt sich nicht

Zusammenfassung

Karl Hackett ist unzufrieden mit sich selbst und hofft, durch den Wechsel seiner Identität auch seine Persönlichkeit zu wechseln, um am Ende festzustellen, dass er doch derselbe geblieben ist.

Hintergrund

Hackett, geboren 1964, wächst in einer kalten, gewalttätigen, aber vom Perfektionismus getriebenen Familie als Einzelkind auf. In Folge dessen ist sein Selbstwertgefühl wenig ausgeprägt und er zeigt suizidale Neigungen.

Seit seiner Kindheit hat Hackett einen imaginären Freund, mit dem er seine Welt teilt. Als Erwachsener gestaltet Hackett diesen imaginären Freund als die Person aus, die er gern sein möchte, von der er aber sicher ist, dass er sie niemals sein wird. Er gibt ihr den Namen Walter Stone.

Handlungsexposé

1) Hacketts Leben I – Erzählung: zurückgezogen in einem Vorort Londons, Grafiker in einem kleinen Londoner Grafikbüro, Arbeitsweg per U-Bahn über Paddington-Station

2) Hacketts Leben II – Erzählung mit szenischen Elementen und Rückblicken: Neigung zu Grafik seit der Schule, fälscht z. B. Unterschriften, um schlechte Noten nicht zu Hause zeigen zu müssen, erstellt für Stone Ausweispapiere, lässt ihn als Mitinhaber in sein Konto eintragen, hinterlegt Testament zu Stones Gunsten in seiner Schreibtischschublade

3) Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: seit Pubertät in psychotherapeutischer Behandlung bei Frau Lovelly, auch Walter Stone wird besprochen

4) U-Bahn – Szene: Weg zu Arbeit, Suizidwunsch, Unglück an der Paddington-Station stoppt U-Bahn-Verkehr, Hackett verurteilt sich, dann kommt ihm die Idee, sich als Opfer der Katastrophe auszugeben und Walter Stone zu werden

5) Telefonate – Erzählung: ruft in der Firma und mehrfach bei Behörden an, bis die Hackett für tot erklären

6) Telefonat mit Frau Lovelly – Szene: ohne Namensangabe, um Frau Lovelly von Hacketts Tod zu informieren, Lovelly erkennt Stimme, konfrontiert Hackett und besteht auf sein Erscheinen zur nächsten Stunde

7) in der Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: weiterhin die bekannten Probleme mit seiner Umwelt, durch den neuen Namen kein anderer Mensch geworden

8) im Polizeirevier – Erzählung: Hackett stellt sich, wegen seines psychischen Zustands und Selbstanzeige Freiheitsstrafe von 5 Jahren auf Bewährung, zusätzliche Auflage, weiterhin die psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen

Ausgestaltung der 4. Szene – in der U-Bahn

Der Wetterbericht für den 5. Oktober 1999 prophezeit sonniges Wetter. Doch diese Aussicht vermag nicht, Hackett aufzuheitern. Er war schon mit schwarzen Gedanken aufgewacht. Jetzt schleppt er sich wie gewohnt um 8:00 zur U-Bahn-Station, um zur Arbeit zu fahren. Im Stationsgebäude wird es noch dunkler und dumpfer in und um ihn herum. Da ist die lange Treppe nach unten, tiefer und tiefer in die Finsternis. Links – tapp, rechts – tapp. So schiebt er sich ohne bewusste Wahrnehmung hinunter zum Gleis. Die vielen Menschen, die dort auf die U-Bahn warten, setzen ihn unter Druck. Er fühlt sich beobachtet, bewertet, gerichtet. Sie alle scheinen ihm glücklich, erfolgreich und motiviert – genau wie Walter. Warum ist ihm das nicht vergönnt? Warum kann er nicht Walter sein?

Hackett ist in der trüben Schwärze seiner Gedanken gefangen. ‚Also ist dies der Tag, der früher oder später kommen musste‘, geht es ihm durch den Kopf. ‚Heute werde ich Anna Karenina folgen. Gleich kommt mein Zug. Dann bin ich erlöst. Erlöst. Für immer…‘

Hacketts Gesichtsfeld verengt sich. Er sieht nur noch das Gleis, auf dem gleich der Zug einfahren wird. In allen Details schwebt die Kupplung zwischen zwei Waggons, auf die er sich werfen wird, vor ihm.

Eine Bahnsteigdurchsage reißt ihn aus seinen apokalyptischen Gedanken. „Bis auf weiteres ist der Zugverkehr wegen eines Unfalls an der Paddington-Station eingestellt.“

„Neeein!“, bricht es schrill aus Hackett heraus. Er taumelt zu einem der Sitzplätze am Bahnsteig, fällt mehr, als dass er sich setzt, findet aber keinen Halt.

Während Hackett auf seinem Sitz hängt, sprechen sich erste Informationen zur Zugkatastrophe herum. So viele Tote.

„Geht es Ihnen gut, Sir?“, fragt ihn ein besorgter Mitreisender.

„Ja, ja“, bringt Hackett mit Mühen hervor.

Er verflucht sich. Wieso wollte ihm nicht einmal dieser letzte Schritt gelingen? In seinem Magen ballt sich eine Hasskugel zusammen, die er gegen sich abfeuert. Er ist so klein, so nutzlos, so widerlich, so unfähig. Warum ist er hier und nicht in dem verunglückten Zug? Warum lebt er und ist nicht tot wie so viele Andere?

Ja, warum eigentlich nicht? War das ein Wink des Schicksals? Die Hasskugel aus seinem Magen rast in sein Gehirn und löst dort einige Gedankengänge aus. Hackett wird es fast schwindlig davon. ‚Was, wenn ich doch in dem Zug gestorben wäre? Was, wenn statt meiner Walter zum Leben erwacht?‘

Eine Idee wächst in Hackett heran und nimmt ihn vollständig gefangen. Das Blut schießt ihm wie neues Leben ins Gesicht. Er ist völlig elektrisiert, springt von seinem Platz auf und rennt leichten Fußes aus der U-Bahn-Station.

„Geht es Ihnen wirklich gut, Sir?“, fragt der besorgte Mitreisende noch einmal nach.

„Ja, ganz blendend. Wie neu geboren“, ruft Hackett ihm über die Schulter hinweg zu.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 16

Die Aufgabe

Es sollte schlicht und ergreifend ein Kurzkrimi (125 Zeilen, das sind 7500 Zeichen) geschrieben werden. Nun sind Krimis nicht gerade mein bevorzugtes Genres. Aber was muss, das muss – und hier musste ich eben durch.

Das Thema war frei. Es war auch nicht festgelegt, welche Art von Verbrechen man aufklären sollte. Einzige Forderung war, dass es entweder die Sicht des Täters oder die Sicht des Aufklärenden sein sollte.

Was fiel mir schwer?

In den Unterlagen gab es ganz viele Hinweise, wie ein Krimi zu schreiben sei. Die bezogen sich aber überwiegend auf „richtige“ Krimis, also ganze Romane, und fielen für mich aus.

Da ich die Sicht des Aufklärers gewählt hatte, konnte ich den Tathergang nicht beschreiben. Wie konnte also mein Ermittler von der Tat erfahren haben? Auch durfte ich – da es ein Kurzkrimi werden sollte, nicht die Perspektiven wechseln. Irgendwie fehlte mir immer diese zweite Sicht – ganz unabhängig davon, ob ich nun aus Sicht des Ermittlers oder des Täters berichtete. Für mein Empfinden lebt so ein Krimi doch sehr davon, was in den Köpfen der Hauptpersonen vor sich geht. Da könnte man so schöne Widersprüchlichkeiten konstruieren.

Was habe ich gelernt?

Ich hatte also alle Übungen aus den Unterlagen gemacht und auch eine Idee, wie das Ganze ablaufen soll. Aber ich konnte einfach nicht anfangen, die Geschichte zu schreiben. Ich fühlte mich von all diesem „Wissen“ völlig blockiert. Also habe ich alles erstmal angefangen, so ganz frei nach Schnauze zu schreiben. Da stand dann wenigstens das Grundgerüst und ich hatte etwas, womit ich arbeiten konnte.

In einem zweiten Schritt habe ich dieses Grundgerüst zu einer annehmbar lesbaren Geschichten umgestrickt. Sie war aber etwa doppelt so lang wie sie sein durfte. Also ging es in einem dritten Schritt darum, soweit zu kürzen, dass die Geschichte noch verständlich und nachvollziehbar blieb, aber doch auf den gegebenen Platz passte. Vielleicht habe ich ja zu viel gekürzt. Aber ich musste das Ganze dann einfach losschicken. Ich fühlte mich von der ganzen Sache schon regelrecht verfolgt.

Wichtigste Erkenntnis aus diesem ganzen Prozess ist wohl, dass ein zu stures Befolgen von (gut gemeinten) Ratschlägen auch hemmen kann, und dass man auch mal einfach so etwas runterschreiben kann, wenn man es denn hinterher weiter bearbeitet.

Das Ergebnis

Und hier das Ergebnis nach kleinen Änderungen aufgrund der Hinweise der Korrektur. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Du wirst nie vergessen

Mit kühnem Schwung schmiss mir mein Chef eine Akte auf den Schreibtisch: „Hier, für dich, Mike. Kam grad rein. Kindesentführung mit Lösegeldforderung. Maria Meier. Ein Baby, vier Wochen alt. Vom Vater gemeldet. Morgen soll Übergabe sein. Ich verlasse mich auf dich. Du bist mein bester Mann.“ Mit diesen Worten war er wieder zur Tür hinaus, die mit einem lauten „Klapp“ ins Schloss fiel.

Ich nahm mir zuerst die Akte vor. Laut Aussage der Mutter hatte sie im Wald geschlafen. Als sie aufwachte, war das Kind aus dem Kinderwagen verschwunden. Vermisstenanzeige. Keine verwertbaren Spuren für eine DNA-Analyse. Unregelmäßige Abdrücke im Waldboden, vermutlich hinkende Person. Schuhgröße etwa 45-47, circa 90-100 Kilo schwer. Sicher ein großer Mann. Die Mutter ist Lehrerin, mit dem Kindsvater verheiratet, der eine eigene Firma hat und wegen finanzieller Probleme ein paar Mitarbeiter entließ.

Das Erpresserschreiben fiel mir auf den Schoß. Es war kunstvoll gestaltet, wie eine Urkunde aus Schulzeiten. „Du wirst nie vergessen!“, stand darauf. Ein ehemaliger Schüler? Der folgende Text erklärte den Rest. 500.000 Euro Lösegeldforderung. Rückgabe des Kindes dort, wo es entführt wurde. Die übliche Warnung, nicht die Polizei einzuschalten. Der Vater hatte uns trotzdem informiert. Wieso? Das wollte ich die Eltern direkt fragen.

Herr Meier öffnete. Er war groß und stämmig, aber höflich, fast kalt. Hinkte er ein wenig oder sah ich jetzt schon Gespenster? Seine Frau saß klein, zusammengesunken und weinend am rechten Ende des Sofas, er setzte sich ans linke Ende. Mir bat er einen Stuhl an.

Ich ließ mir schildern, was vorgefallen war. Dann fragte ich gerade heraus: „Herr Meier, wie geht es eigentlich Ihrer Firma?“

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er richtete den Körper etwas auf. „Was hat das denn mit dem Fall zu tun?“

Ich bemühte mich, den inneren Aufruhr zu unterdrücken und meinen Verdacht nicht etwa durch einen kalten Klang der Stimme zu verraten. „Vielleicht will der Täter an das Geld Ihrer Firma?“

„Im Moment ist die Auftragslage nicht so gut. Ein paar Mitarbeiter musste ich entlassen. Sie denken doch nicht etwa, dass ich es war? Es ist meine Tochter!“

Jetzt saß er kerzengerade auf dem Sofa. Ich sah, wie seine Halsmuskeln zuckten und dann verspannt erstarrten.

„Und warum sind Sie zur Polizei gegangen, obwohl der Erpresser Sie explizit davor warnte?“

„Na, hören Sie mal. Sieht man doch in jedem Film, dass es so oder so schief geht. Dann schon lieber unter Polizeiaufsicht.“

War der Mann wirklich so naiv? Mir stieg etwas heiß die Kehle herauf. Jetzt nur nicht ausrasten.

„Lassen Sie uns kurz die morgige Übergabe besprechen. Sie, Frau Meier, gehen zur vereinbarten Zeit zu der Stelle, wo Sie im Wald geschlafen hatten, und haben eine Reisetasche dabei, die aussieht, als wäre das Geld darin. Kollegen werden das Gelände sichern. Ich werde ebenfalls vor Ort sein.“

Frau Meier nickte. Sie saß jetzt ein wenig weicher in ihrer Sofaecke und weinte nicht mehr. Zum Abschied warf mir Herr Meier einen kalten, vernichtenden Blick zu.

Am nächsten Tag hockte ich unweit der Übergabestelle in einem versteckt stehenden Streifenwagen. Die Zeit tröpfelte vor sich hin. Mein Herz schlug mit jedem Tropfen schneller. Meine Hände wurden feucht und kühl. Wäre ich Raucher, hätte ich mir jetzt eine angesteckt.

Frau Meier tauchte absolut pünktlich auf. Der Entführer war nicht zu sehen. Da hörte ich einen spitzen Schrei. Ich stürzte aus dem Wagen und sah Frau Meier schlaff am Boden kauern. Sie presste etwas an ihr Gesicht. Ihr herzzerreißendes Wimmern schnürte mir die Kehle zu. Vorsichtig legte ich den Arm um ihre Schultern und spürte, wie ein neuer Schmerzensschauer sie schüttelte.

„Frau Meier. – Frau Meier, hören Sie mich?“

Zaghaft nickte sie, als hätte sie Sorge, etwas könne zerbrechen, wenn sie sich zu heftig bewegte. Behutsam griff ich nach ihrer Hand. Sie hielt eine Babysocke fest, in der eine Art Zeugnisrolle steckte. Wieso hatten die Kollegen das übersehen?

„Frau Meier, sollen wir die Rolle aufmachen?“

Die gleiche Handschrift: „Du wirst nie vergessen!“ Dieselben Worte wie beim ersten Mal. Darunter stand: „Du solltest die Polizei raushalten. Alles ist deine Schuld.“ Eine Zeugnisrolle? Doch ein Schüler?

Die Beamten brachten Frau Meier nach Hause. Ich kehrte in mein Büro zurück. In meinem Magen zog sich etwas zusammen. Momentan konnte ich nur die Entlassenen aus Herrn Meiers Firma interviewen. Sonst hatte ich keine Ideen mehr. Es gab keine weiteren Hinweise, keine neuen Forderungen, keine Erkenntnisse der Spurensicherung. Ob wohl irgendwann ein unbekanntes Kind auftauchen würde? Oder… Bloß nicht daran denken.

Die Interviews erbrachten nichts Neues, aber nach zwei Tagen lag ein Zettel auf meinem Schreibtisch. Jemand hatte in der Babyklappe des nahe gelegenen Klosters ein schwerkrankes Kind abgegeben. An der rechten großen Zehe hing ein Schild: „Maria Meier“. Das erinnerte sofort an ein Leichenschauhaus. Wie pervers war dieser Typ nur? Vermutlich hatte er Maria abgegeben, weil sie so krank war. Die Schwestern hatten das Baby umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Ich traf mich mit der Oberin des Klosters. Vielleicht ließ sich etwas über die Person herausfinden, die Maria abgegeben hatte. Die Oberin empfing mich herzlich, aber zurückhaltend.

„Hatten Sie Dienst, als Maria abgegeben wurde?“, fragte ich.

„Nein, Schwester Sophie.“

„Ich würde mich gern allein mit ihr unterhalten. Vielleicht kann sie uns den Täter beschreiben.“

„Alle Schwestern sind angehalten, diese Dinge äußerst diskret zu behandeln. Aber ich werde sie rufen lassen.“

Schwester Sophie wirkte aufgeweckt und wissbegierig und platzte direkt heraus: „Bitte, bitte, erzählen Sie es bloß nicht der Oberin. Ich weiß, es ist Sünde, wenn man neugierig ist. Aber der Herr gab mir ein Zeichen. Oh, ich habe gesündigt. Ich muss es beichten.“

„Ich werde dafür sorgen, dass Ihre Oberin nichts hiervon erfährt. Bitte sagen Sie mir, was passiert ist.“

Schwester Sophie holte tief Luft. Ich beobachtete, wie sie ihre Augen nach oben drehte, als würde sie auf ein Zeichen ihres Gottes warten. Nach einem weiteren tiefen Atemzug feuerte es aus ihr heraus: „Ich habe ein Foto mit meinem Handy gemacht.“

Dann plumpste sie erschöpft und zugleich erleichtert auf einen Stuhl: „Wenn der Herr mich dafür bestrafen will, dann werde ich das akzeptieren. Ich musste es einfach tun.“

Ich brauchte jetzt ebenfalls einen Stuhl. „Haben Sie das Foto noch?“

Sie schickte es mir per E-Mail.

Mit dem Foto in der Tasche suchte ich noch einmal Familie Meier auf.

„Meiner Frau geht es nicht gut und wir wollen gleich wieder ins Krankenhaus zu Maria“, brummte Herr Meier statt einer Begrüßung.

„Ich habe nur eine ganz kurze Frage. Frau Meier, bitte schauen Sie sich das Foto an und sagen Sie mir, ob Sie diesen Mann kennen.“

Frau Meier saß erschöpft auf dem Sofa, hob zaghaft die Augen und schielte auf den Bildschirm. Sie schüttelte den Kopf.

„Streng dich an! Du hast doch immer einen guten Draht zu deinen Schülern und erkennst sie auf der Straße auch noch nach Jahren“, herrschte ihr Mann sie an.

Sie schüttelte nur sachte den Kopf.

Inzwischen war Herr Meier hinter seine Frau getreten und legte ihr die Hände auf die Schultern, als wolle er sie durchschütteln. Dabei fiel sein Blick auf das Display. Das Gesicht bröselte ihm förmlich auseinander und er musste sich an seiner Frau festhalten, weil die Beine unter ihm wegsackten.

„Das ist Krausemeister. Ich habe ihn vor zwei Wochen entlassen, weil er versucht hatte, Kunden zu betrügen. Im Gegenzug dafür wollte ich auf rechtliche Schritte verzichten.“

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 15

Die Aufgabe

Diesmal gab es als Ausgangspunkt die Beschreibung des Tagesablaufs eines Mannes, der sich sehr stereotyp verhält: immer alles zur selben Zeit, immer alles am selben Ort, immer dieselben Worte. Davon sollte man sich zu einer interessanten Geschichte inspirieren lassen, die auf jeden Fall einen Konflikt enthält, da diesmal besonders das Darstellen von Konflikten geübt werden sollte.

Außerdem sollte man das Thema nennen, den Plot skizzieren und die Prämisse aufschreiben

Was fiel mir schwer?

Das Thema für die Geschichten war eigentlich ganz schnell klar. Mich hatte besonders die Frage beschäftigt, warum sich jemand so stereotyp verhält. Aber dann war da wieder diese Frage nach der Hauptfigur. Eine Kurzgeschichte hat nur eine, aber an einem Konflikt sind normalerweise zwei, manchmal auch drei oder noch mehr Personen beteiligt. Ich musste es einfach versuchen.

Was mir bis zum Ende nicht so ganz klar geworden war, was der Unterschied zwischen dem Thema und der Prämisse ist. Da es daran keine Kritik gab, muss ich davon ausgehen, dass ich das Richtige getroffen habe. Ich weiß aber nicht, wieso 😉

Was habe ich gelernt?

Ich schrieb also eine erste Version. Sie gefiel mir schon ganz gut, aber ich erinnerte mich an einige Hinweise, die ich für vergangene Geschichten bekommen hatte, und versuchte, diese umzusetzen. Und siehe da, es klappte. Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, eine Vorstellung davon zu haben, was ich tun kann, um die Geschichte besser zu machen – außer ein paar sprachlichen Änderungen. Irgendwie war das toll.

Das Ergebnis

Und hier das Ergebnis nach einer kleinen Änderung aufgrund der Hinweise der Korrektur. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Was ist normal?

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, fragte Herr Feddersen jeden Tag beim Betreten meines Busses, seit er das erste Mal mitgefahren war.

„Vielleicht zieht noch ein Unwetter auf“, antwortete ich heute, denn das Unheil kündigte sich schon seit zwei Stationen an.

Da war ein eklig cooler Typ eingestiegen, war gespreizt geradewegs auf die vorletzte Reihe zu stolziert und hatte sich breitbeinig links ans Fenster gepflanzt – genau auf Feddersens Platz. Feddersen hatte noch nie an einer anderen Stelle gesessen.

Klar, dass Feddersen direkt beim Einsteigen entdeckte, dass sein Sitz besetzt war. Er wurde kreidebleich. Ich schaute ihm nach und sah, wie er sich mit zitternden Knien den Gang zu diesem Platz entlangtastete. Vor dem coolen Typen blieb er stocksteif stehen und bekam kein Wort heraus. Seine Ohren fingen an zu glühen. Dann war ein leiser schriller Pfeifton zu hören.

Ich erkannte keine Reaktion des coolen Typs, bis der plötzlich sagte: „Ey, Mann. Was is‘ denn mit dir los? Setz‘ dich hin und mach‘ nicht einen derartigen Lärm.“

Feddersen schüttelte es so heftig, dass meine Augen kaum in der Lage waren, es zu erfassen. Der Pfeifton kreischte inzwischen um einige Tonlagen höher. Es schmerzte mir schon in den Ohren. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie die ersten Passagiere ungeduldig wurden.

Da war Handeln angesagt. Aber wie? Mein Herz stockte für einen Moment, dann holperte es umso aufgeregter los. Ich kletterte aus der Fahrerkabine und zwängte mich festen Schrittes durch den Gang zu dem coolen Typen.

„Mein Herr, wäre es Ihnen vielleicht möglich, sich auf einen anderen Platz zu setzen?“, versuchte ich, äußerst höflich zu fragen.

„Was soll der Scheiß? Ich war zuerst hier und bleibe sitzen.“

„Wissen Sie, dieser Mann hier fährt jeden Tag mit diesem Bus und sitzt immer auf diesem Platz“, versuchte ich es mit rationaler Argumentation. Dabei kochte es in mir. Das Blut rauschte mir entsetzlich in den Ohren. Gleich würde es meine Hände in unangemessene Bewegung versetzen. Immer cool bleiben. Aber nicht so wie dieser widerliche Typ. Warum rückte der nicht einfach einen Platz weiter?

Jetzt musste ich mit ansehen, wie er sich genüsslich zurücklehnte, einen Arm auf die Rückenlehne des Nachbarsitzes legte, die Beine lässig überkreuzte und seine Tasche neben sich stellte, wie um einen Besitzanspruch zu unterstreichen.

Feddersens schrilles Pfeifen war inzwischen weiter nach oben geklettert und hatte etliche Dezibel zugelegt. Es war fast nicht zum Aushalten. Er schwankte immerzu vor und zurück, vor und zurück. Ich hatte Sorge, dass er gleich umfallen würde. Außerdem sah ich seinen Mund zucken, wie um etwas herauszuschreien. Die Nasenflügel blähten sich auf und drohten, jeden Moment zu platzen.

Ich durfte nicht zulassen, dass sich die Lage weiter zuspitzte. Viele Fahrgäste fingen an zu murren. Ich spürte, wie sich ihre Blicke förmlich in meinen Rücken bohrten. Vermutlich waren sie erschrocken oder einfach nur neugierig. Keiner schritt ein.

Mir blieb nichts Anderes übrig, als die Zentrale anzurufen. Sie schickten sofort einen Notarzt los. Bis der ankam, war es an mir, die Fahrgäste zu beruhigen.

„Meine Damen und Herren, bitte gedulden Sie sich noch einen Moment. Es wird gleich ein Notarzt eintreffen. Dann werden wir unverzüglich weiterfahren“, rief ich durch den Bus.

Es dauerte nicht lange, bis Hilfe eintraf. Sie nahmen Herrn Feddersen mit. Der Arme begriff nicht, wie ihm geschah. Aber glücklicherweise hörte das schrille Pfeifen auf.

Im letzten Moment steckte ich dem Rettungssanitäter einen Zettel zu, den mir eine junge Frau gegeben hatte, die Feddersen bei seiner allerersten Fahrt mit meinem Bus zur Haltestelle begleitete. Darauf stand: „Im Notfall kontaktieren“ und eine Telefonnummer. Damals wusste ich nicht, was das zu bedeuten hatte. Die junge Frau hatte nur bestätigend genickt und war augenblicklich verschwunden. Der Rettungssanitäter verstand sofort. Plötzlich war auch mir alles klar.

„Der ist doch nicht normal, dieser Kerl“, ließ sich der coole Typ herab, den Vorfall zu kommentieren.

„Mag sein, aber deutlich normaler als Sie“, quetschte ich zwischen den Zähnen hervor und stampfte unzufrieden und wie ein geschlagener Krieger zu meinem Lenkrad zurück, um endlich die Fahrt fortzusetzen.

Am nächsten Tag begrüßte mich Feddersen: „Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, und strebte seinem Platz zu, als wäre nie etwas geschehen.

Thema

Was ist normal, was ist anormal?

Plot

Feddersens Abläufe sind stereotyp: immer derselbe Sitzplatz im Bus, immer dieselben Worte an den Busfahrer.

Als sein Platz im Bus besetzt ist, überfordert ihn diese Situation. Der Busfahrer bemüht sich um eine Lösung. Vergebens. Das stresst Feddersen dermaßen, dass er einen psychotischen Anfall bekommt und von einem Notarzt abgeholt werden muss. Eine Kontaktnummer gibt dem Rettungssanitäter einen Hinweis auf Feddersens Krankheit.

Am nächsten Tag ist Feddersen wieder ganz der Alte.

Prämisse

Auch Kranke können normal sein, wenn ihre Umgebung sie lässt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Vorgriff auf Aufgabe 18

Gefordert ist ein Thema und ein Handlungsexposé für einen Roman. Wow, da soll ich also gleich einen Roman entwerfen. Ist das nicht ein wenig verfrüht?

Aber okay. Ich gebe ja zu, dass ich hin und wieder mit dem Gedanken daran spiele. Und da gibt es auch etwas, das ich mir – sagen wir mal ganz großkotzig – zutrauen würde: ein autobiografisch orientierter, spirituell angehauchter Entwicklungsroman. Aber will sowas jemand lesen? Hätte ich genügend Puste, um so etwas bis zum Ende durchzustehen?Und dann: Würde ich so etwas lesen wollen? Ähm, naja, vielleicht schon.

Aber bei meinem ganzen Lesen über Digitalisierung und Maschinenintelligenz etc. war eine Idee aufgetaucht, über die ich gern schreiben würde, von der ich mich aber – ehrlich gesagt – überfordert fühle. Nichtsdestowenigertrotz (hihi) ist mir das Ganze in einer mal wieder schlaflosen Nacht durch den Kopf gegangen. Da purzelten eine Idee nach der anderen und nun kunterbunt durcheinander. Und jetzt stehe ich da mit einem wirren Haufen anregend summender, spritzelnder Funken, die ich schonmal sicherheitshalber in Bits und Bytes, schwarz auf weiß verwandelt habe.

Also habe ich mir gedacht, dass es ja nicht schaden kann, einfach mal mit diesem Thema die Aufgabe zu versuchen. Und siehe da, es britzeln noch deutlich mehr Gedanken herauf, wenn man erst einmal anfängt. Der innere Zensor ist erstmal recht verhalten, weil er noch davon ausgeht, dass es nur ein Probeschuss ist. Allerdings kommt ein wenig der organisatorische Zensor und mahnt an, der Arbeits-/Jobmoral den Vorrang vor dem Schreibspaß zu geben. Oh, oh. Spielverderber 😦

Tja, und was mache ich nun? Arbeite ich weiter mit einer Idee, die ich ganz gut finde und die ich mir vielleicht zutrauen würde, oder werfe ich mich der kreativen Muse an den Hals, auch wenn ich keinen Schimmer habe, ob ich das jemals gestemmt kriege? Na, wie dem auch sei. Ich haue mal noch ein bisschen in die Tasten und schaue, was sich noch so Funkelndes zeigen will.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 14

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte, in der die Hauptfigur mit einer plötzlichen unangenehmen Situation konfrontiert wurde. Wie würde sie damit umgehen? Man konnte aus drei geschilderten Situationen eine auswählen. Ich habe mit für „Ausgerechnet Du!“ entschieden, in der die Hauptfigur auf ihren größten Feind trifft – oder (in meiner Interpretation) zumindest auf einen ziemlich großen.

Was fiel mir schwer?

Diesmal fiel es mir schwer, mich in eine entsprechende Situation hineinzuversetzen. Habe ich wirklich so große Feinde, dass ich nicht mit ihnen zusammentreffen will? Klar gibt es ein paar Leute, mit denen ich nicht unbedingt zusammentreffen muss, aber Feinde? Wie wird man zu einem so großen Feind?

Natürlich hätte ich ein der beiden anderen Situationen wählen können: dass man beim Schwarzfahren erwischt wird (gähn) oder ein Tag, der alles veränderte (da fiel mir nur zu Persönliches ein). Also musste ich wohl meine Fantasie etwas mehr strapazieren, um mir einen Feind vorzustellen.

Was habe ich gelernt?

Naja, nicht wirklich etwas Greifbares. Einige Stellen waren wohl zu lang geraten. Es sind eben Kurzgeschichten und deshalb darf nur rein, was unmittelbar mit der Geschichte zu tun hat. Schade, ich schwafle ja schon ganz gern 😉

Und mein „Standardproblem“ der wechselnden Hauptfiguren schlug wohl auch wieder zu. Tja, das sollte ich wohl besser schnell in den Griff kriegen.

Das Ergebnis

Hier könnt Ihr mal schauen, ob Euch diese Punkte auch auffallen. Über Euer Feedback freue ich mich wie immer.

Der Spanisch-Kurs

Marianna will im nächsten Sommer den Jakobsweg in Spanien gehen. Sie ist Mitte 20 und hat ihr Studium abgeschlossen. Nun will sie in Ruhe schauen, in welche Bahnen sie ihre berufliche Entwicklung lenken will, was sie vom Leben erwartet und wie sie das realisieren kann. Gereist ist sie schon immer viel. Diesmal wird sie also zu Fuß nach Santiago pilgern.

Weil sie wenigstens ein paar nette Worte sagen und sich vielleicht ein Bett und ein Essen bestellen können möchte, besucht sie einen Spanisch-Kurs an der Volkshochschule. Für Marianna ist das fast schon Tradition vor einer Reise in ein neues Land und sie weiß, dass ein Sprachkurs ihr Reisefieber und die Vorfreude anheizt.

Heute ist der erste Termin des Kurses und Marianna ist ganz gespannt auf die Dozentin und die anderen Teilnehmer. Mit erwartungsvollem Herzklopfen öffnet sie die Tür. Sie ist etwas spät dran, sodass schon viele Teilnehmer an den Tischen sitzen. Noch in der Tür stehend gleitet ihr Blick über die Runde. Da sitzt eine Frau mittleren Alters mit einer dicken Brille. Sie sieht sehr gescheit aus. Neben ihr hockt ein älterer Herr. Ob er wohl seinen Lebensabend vorbereitet? Die Dame an seiner Seite legt ihm gerade einen Stift auf den Tisch. Das ist bestimmt seine Frau.

Mariannas Augen rücken zur nächsten Teilnehmerin. Da lümmelt eine Frau in ihrem Alter. Marianna stockt der Atem. Ihr Magen krampft sich zusammen. Mit Mühe unterdrückt sie einen spitzen Schrei. Die Frau hat Marianna noch nicht entdeckt. Dazu ist sie viel zu beschäftigt. Sie bändelt gerade mit ihrem Sitznachbarn, einem gut aussehenden Mittdreißiger an. Marianna geht einen Schritt zurück und schlägt die Tür von außen zu.

Sie braucht ein paar Sekunden, um sich zu sammeln. Ina war die Letzte, die sie hier erwartet hätte. Nein, sie wollte sie nie, nie, nie wieder sehen. Nicht nachdem, was sie ihr vor 5 Jahren angetan hat.

Ina und Marianna waren auf dem Gymnasium beste Freundinnen, bis Marianna sich in Kevin verliebte. Ina war immer neidisch auf sie gewesen und versuchte, ihr Kevin auszuspannen. Kurz nach den Abiturprüfungen und bevor Marianna mit Kevin in den Sommerurlaub fahren wollte, erwischte Marianna die beiden, wie sie im Verliebteneck des Stadtwaldes herummachten. Marianna schwor sich, Ina das nie zu verzeihen. Hin und wieder begegneten sich die beiden Frauen noch. Jedes Mal schrien sie sich an und machten sich gegenseitig Vorwürfe.

Und nun saß Ina hier – in dem Spanischkurs, den auch Marianna besuchen wollte. Wie sollte das werden? Würden sie sich jedes Mal neu angiften wie verfeindete Hexen? Sollte sie sich den Kurs von Ina kaputt machen lassen? Nein, Marianna würde ihr Vorhaben, mit ein wenig Sprachkenntnissen auf Reisen zu gehen, nicht dem Hass zwischen ihnen beiden opfern. Sie musste damals schon Kevin ziehen lassen.

Die Gedanken kreisen in Mariannas Kopf. Hatte es nicht auch etwas Gutes, dass sie nicht mehr mit Kevin zusammen war? In den letzten 5 Jahren ist er zu einem öden Langweiler geworden, sitzt nur vor der Glotze, setzt keinen Schritt mehr vor die Tür. Nein, das wäre nichts für Marianna. Vielleicht war dieser Zwischenfall mit Ina nur der vorgezogene, sowieso anstehende Abschied? Und Ina hatte Marianna von der Pflicht befreit, Kevin selbst abzuservieren? Hätte sie es gekonnt? Wohl nicht. Sie war zu sehr in Kevin verliebt.

War es am Ende sogar gut, dass sie Ina und Kevin zusammen erwischt hatte? Hatte Ina ihr gar einen Gefallen getan? Nun, soweit würde sie nicht gerade gehen. Aber es ist eindeutig gut so, wie es ist. Also kein Grund, auf Ina sauer zu sein. Ob Ina das wohl selbst begreifen würde?

Auf jeden Fall ist Marianna entschlossen, Spanisch zu lernen – mit oder ohne Ina. Mit neuem Mut und voller Zuversicht öffnet sie noch einmal die Tür zum Kursraum und tritt auf Ina zu.

„Hallo Ina“, sagt Marianna und hält ihr die Hand hin.

Ina reißt die Augen auf. Für einen Moment verschlägt es ihr die Sprache. Eine Hasswelle lässt ihren Körper erzittern. Dann geifert sie los: „Willst du mir wieder vorwerfen, dass ich dir Kevin ausgespannt habe? Was kann ich dafür, dass du ihm mit deinem Rumgereise und deiner allwissenden Neugier auf den Keks gegangen bist?“

„Nein, nein. Alles gut. Ich wollte dir dafür danken. Es war wohl einer der besten Schicksalsschläge, die du mir verpassen konntest. Da bin ich mir jetzt ganz sicher.“

Marianna atmet erleichtert auf, dass sie das in aller Ruhe sagen konnte. Sie fühlt sich nun gewappnet, am Kurs unbehelligt von Ina teilnehmen zu können. Aber sie sucht sich doch lieber einen Platz in einiger Entfernung von ihr.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 13

Die Aufgabe

Gegeben waren vier verschiedene äußerst alltägliche Situationen. Zu einer davon sollte man sich eine nette Geschichte ausdenken. Ziel war zu zeigen, dass Geschichten sprichwörtlich auf der Straße liegen.

Was fiel mir schwer?

Eigentlich hatte ich keine Schwierigkeiten damit, mir zu den Situationen Geschichten einfallen zu lassen. Aber welcher Einfall würde sich am besten eignen? Hier hatte ich also eher die Qual der Wahl, weshalb für mich die Aufgabenstellung an sich nicht so sehr sinnvoll war. Aber es war wieder eine Möglichkeit, ein bisschen zu schreiben und das Geschriebene bewertet zu bekommen.

Was habe ich gelernt?

Zwei Kritikpunkte gab es. Einerseits bin ich mal wieder nicht klar bei einer Person als der Hauptperson geblieben. Bei einer Kurzgeschichte darf es wohl keinen Wechsel der Hauptperson geben. Außerdem habe ich mich an einer Stelle zu sehr ausgebreitet, sodass es dann an einer anderen Stelle, an der es hilfreicher gewesen wäre, nicht ausführlich genug wurde.

Das Ergebnis

Bin gespannt, ob Ihr diese Punkte auch entdecken könnt und was Ihr grundsätzlich so zu dieser Geschichte sagt.

Der Silvesterknaller

Grit sinkt in Michaels Arme. In einem langen innigen Kuss sind sie endlich wieder vereint.

Im Sommer hatten Grit und Michael gemeinsam ihr Abitur gemacht. Michael hatte danach angefangen, auf dem Hof seines Vaters zu arbeiten. Grit zog in eine entfernte Stadt, um dort zu studieren. Schon immer war sie mit ihrer Lernfreude und ihrer nachfragenden Neugier ein Dorn im Auge von Michaels Eltern gewesen. Sie wollten sie nicht auf dem Hof sehen, schon gar nicht als seine Freundin, geschweige denn als seine Frau.

Michael kannte nichts Anderes als den Hof seiner Eltern. Hier war er aufgewachsen, hier würde er arbeiten und hier würde er sterben. Ein nettes Mädel zu lieben, war schon okay, aber sie musste zum Hof passen. Das war er seinen Eltern schuldig. Und nun hatte er sich unsterblich in Grit verliebt. Sie wollte Agraringenieurin werden. Also würde sie sich in den Ställen nützlichen machen können. Michael wollte sie heiraten und mit ihr den Hof übernehmen.

„Die kann doch ‘ne Kuh nicht von ‘nem Schwein unterscheiden“, wetterte sein Vater.

„Die kann doch nur ‘nen Bleistift halten und zerbricht schon, wenn sie nur ‘ne Mistgabel ansieht. Nee, nee, anfassen muss sie schon können“, wehrte seine Mutter ab.

„Ich liebe sie. Sie wird sich anders für den Hof nützlich machen. Vielleicht besser verkaufen können? Abrechnungen?“, versuchte Michael seine Eltern umzustimmen.

„Ach, machen wir es dir jetzt nicht Recht? Muss Fräulein Ich-weiß-alles-besser kommen und uns sagen, wie wir den Hof zu führen haben? Pass auf, dass du mit Madame Ich-rühr‘-keinen-Dreck-an nicht irgendwann auf ‘nem Misthaufen landest.“ Sein Vater hatte sich in Rage geredet und lachte gehässig.

„Wenn die ‘nen saubereren Kerl findet, lässt sie dich doch sowieso fallen wie ‘ne madige Pflaume. Sowas darf dir keine Frau antun“, kam Michaels Mutter mit der Beschützerrolle.

„Auf unseren Hof kommt sie jedenfalls nicht“, setzte sein Vater energisch den Schlusspunkt unter die Diskussion.

Solange sie gemeinsam zur Schule gingen, konnten Grit und Michael ihre Liebe unentdeckt ausleben. Sie sahen sich täglich, machten gemeinsam Hausaufgaben, verbrachten zusammen die Nachmittage und so manches heimliche Schäferstündchen.

Seit Grit in der Stadt war, konnten sie sich nicht mehr treffen. Sie konnten sich nicht schreiben, weder klassisch noch elektronisch. Michaels Eltern überwachten alles, auch das Handy ihres Sohnes.

Heute hat er sie endlich wieder. Für diesen einen Silvesterabend ist sie sein. Was danach käme, würde sich schon zeigen. Aber da ist etwas in Grits auftreten, das Michael beunruhigt.

„Michael“, beginnt Grit, „ich muss dir unbedingt etwas erzählen.“

„Hat doch Zeit bis morgen. Gib mir noch ‘nen Kuss, Süße.“

„Nein, lass das. Bitte. Erst muss ich es dir erzählen.“

Michael grummelt unzufrieden.

„Ich habe dich so sehr vermisst – die ganze Zeit über.“

„Ich dich doch auch, meine Hübsche.“

„Und ich war so einsam. Die neue Stadt. Die Uni. Es war alles so einschüchternd. Ich brauchte unbedingt jemanden zum Reden.“

Michael rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er ahnt Unheil.

„Naja, und dann war da dieser Typ. So ganz wie du. Und ich musste immer nur an dich denken. Immerzu.“ Grit wird ganz leise und findet nur noch schwer die richtigen Worte. „Und dann waren wir an Thanksgiving aus. Da gab es auch eine Weinprobe. Naja, es war eben Thanksgiving. Aber ich liebe nur dich.“

Wut beginnt, in Michael zu brodeln. Sie schießt ihm aus allen Poren.

Grit stehen Tränen in den Augen. „Und dann ist es einfach passiert. Bitte, bitte vergib mir.“

Michaels Wut flammt auf und greift nach Grit. Er springt auf und schlägt ihr hart ins Gesicht.

„Also hatten meine Eltern doch Recht. Bloß gut, dass ich das noch rechtzeitig herausgefunden habe. Und dich wollte ich auf unseren Hof holen? Niemals. Billige Hure.“

Der Schall der Ohrfeige und das Poltern des umstürzenden Stuhls gehen im Böllern der Mitternachtsraketen unter. Völlig außer sich vor Empörung über diese Erniedrigung stampft Michael davon, walzt sich einen Weg durch die feiernden Menschen und verschwindet in der Dunkelheit. Inmitten dieser fröhlich feiernden und voller Hoffnung auf das neue Jahr schauenden Menge bricht für Grit die Welt zusammen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 12

Diesen Beitrag widme ich dem Projekt „Kinder im Aufwind“ von PPawlo. Hier geht es zu ihrer Fungrube.

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte von 150 Standardzeilen und ein Exposé dazu. Alles Andere konnte man frei wählen.

Was fiel mir schwer?

Tja, auch wenn ich sonst immer über eine inhaltliche Vorgabe stöhne, so maule ich heute mal, weil mir natürlich einfach so aus der Lamäng auch nichts einfällt. Irgendwann hatte ich eine Idee. Die hätte aber noch etliches an geschichtlicher/historischer Recherche erfordert bzw. war mir nicht so ganz klar, wie ich die geschichtlichen Details gut kombiniert bekommen hätte. Also musste ich auf eine zweite Idee warten. Aber als die dann da war, ging es wieder eher einfach.

Was habe ich gelernt?

Interessant fand ich, wie das Schreiben vonstatten ging. Zuerst habe ich den Anfang geschrieben. Das ging ganz einfach. Der Schluss war mir besonders wichtig, also habe ich ihn gleich nach dem Anfang geschrieben. Dann habe ich den Anfang fortgesetzt, dann wieder mehr auf das Ende hin gearbeitet. Als so etwa ein Drittel bis die Hälfte des Textes fertig war, habe ich den Mittelteil an einem Stück geschrieben. Schon witzig, oder?

Was ich nicht geschafft habe, war, vor dem Schreiben der Geschichte das Exposé oder eine Art Gliederung zu schreiben. Ich bin schon sicher, dass man für längere Sachen (z. B. einen Roman) eine Art groben Fahrplan braucht. Aber bei 150 Zeilen? Außerdem weiß ich doch vorher gar nicht, wie sich die Personen so entwickeln. Das spüre ich doch erst, wenn ich schreibe. Aber mal schauen, was die Zukunft noch so bringt.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Ganz unten steht das Exposé dazu. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Zum Schutz unserer Kinder

Wie konnte sie sich nur von diesem Typen ein Kind andrehen lassen? Entsetzt starrt Magdalena auf den Schwangerschaftstest. Er kann nicht lügen. Es ist bereits der dritte. Und jeder speit ihr das gleiche erschütternde Ergebnis entgegen.

Alles lief so gut. Mark war ihr bester Freund aus der Berufsschulklasse. Auch wenn sie mit ihrem Aussehen ganz andere hätte haben können, fühlte sich Magdalena zu dem langen, schlaksigen Kerl hingezogen. Er war so ganz anders als ihr Onkel. Und jetzt saß sie da. Schwanger. Allein. Mark hatte sich direkt nach ihrer Abschlussfeier aus dem Staub gemacht. Er wollte die Welt erleben.

Magdalena liebte Mark. Okay, das Ding mit dem Sex war nicht so ihres. Mark wollte andauernd und die komischsten Sachen. Er nannte sie „meine Magd“. In solchen Situationen blitzte vor Magdalenas Augen das Gesicht ihres Onkels auf. Dann stieg sie aus ihrem Körper aus und war nur noch Beobachterin des Geschehens.

Und nun sollte sie von Mark ein Kind bekommen? War sie schon bereit dafür? Je länger sie sich mit dem Gedanken befasste, desto besser konnte sie sich vorstellen, Mutter zu sein. Ja, sie wollte für das Kleine da sein, sich um es kümmern und es liebhaben – immer und immer und immer.

Ein Jahr später ist Magdalena mit ihrer Tochter Isabell zu Hause. Es ist anstrengend für sie, ununterbrochen für die Kleine da zu sein. Manchmal wünscht sie sich mehr Zeit für sich. Aber sie will alles für ihr Töchterchen tun. Sie hat Angst Isabell nicht angemessen gerecht zu werden und strengt sich noch mehr an. Jedes Weinen von Isabell ist eine Unfähigkeitserklärung für Magdalena. Sie will, dass es Isabell gut geht.

Gerade in solchen Momenten taucht immer häufiger das Gesicht ihres Onkels vor ihr auf. Das kann sie nun gar nicht gebrauchen. Ein Glas Wein hilft. Manchmal auch zwei. Hin und wieder ein Whisky. Ja, so kann sie sich ihren Onkel vom Hals halten.

Besonders schwer fällt es Magdalena, wenn Isabell unruhig und unausgeglichen ist. Dann wird sie selbst ungeduldig, manchmal fahrig und unkonzentriert.

Eines Tages, als Isabell ungestüm auf dem Wickeltisch herumkullert, kann Magdalena sie kaum noch bändigen. Sie bemüht sich sehr, aber es will einfach nicht klappen. Durch ihr schlechtes Gewissen hindurch hört sie die Stimme ihres Onkels, der sie als lüsternes, dreckiges, unnützes Ding beschimpft. Aber sie kann nicht noch mehr trinken. Plötzlich spürt sie die warme klebrige Masse ihres Onkels in ihrem Mund. Ihr wird ganz schlecht. Sie muss sich in die Toilette übergeben. Da stürzt Isabell vom Wickeltisch und schlägt mit dem Kopf hart auf den Fliesen auf.

Für einen Moment ist es mucksmäuschenstill. ‚Isabell ist tot!‘, schießt es Magdalena durch den Kopf. Doch dann ertönt der erlösende Schrei, der in ein lang anhaltendes, ohrenbetäubendes Kreischen übergeht. Magdalena wickelt Isabell sorgfältig in ein Tuch und stürmt mit ihr ins Krankenhaus.

„Isabell Müller“, will Magdalena ihre Tochter am Empfang anmelden. Weiter kommt sie nicht.

„Was haben Sie mit Ihrem Kind gemacht?“, fährt die Empfangsschwester sie an.

„Sie ist vom Wickeltisch gefallen.“

„Ach ja? Und im Himmel ist Jahrmarkt. Glauben Sie sich das selbst – so, wie Sie aussehen?“ Die Schwester reißt Magdalena ihre Tochter aus dem Arm und hastet mit ihr in den langen Krankenhausflur.

„Wo bringen Sie Isabell hin?“, will Magdalena wissen.

„Bleiben Sie, wo Sie sind, und setzen Sie sich hin“, faucht die Schwester.

„Ich will bei meiner Tochter sein“, ruft sie ihr hinterher.

„Hinsetzen!“

Das sind die letzten Worte, die Magdalena hört. Sie setzt sich in den Warteraum. Ungeduldig wippt sie mit den Füßen, steht auf, setzt sich wieder, fährt sich mit den Händen durch die Haare.

„Frau Müller?“, hört Magdalena nach einer Ewigkeit.

Zwei Polizisten stehen neben ihr und schauen sie erwartungsvoll an. „Bitte kommen Sie mit uns mit.“

„Warum? Meine Tochter ist hier. Ich kann nicht weggehen.“

„Machen Sie jetzt keine Scherereien. Dann können wir das Ganze unauffällig über die Bühne bringen.“

Magdalena bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Sie wird zu einem Polizeiauto geführt und zur Wache gefahren. Dort schieben die Polizisten sie in eine Zelle.

„Hier können Sie nüchtern werden. Dann sehen wir weiter.“

Plautz. Die Tür fällt ins Schloss. Magdalena ist gefangen – in diesem Raum, in ihren Gedanken. Ihr Onkel taucht auf und höhnt: „Habe ich schon immer gewusst, du lüsternes, dreckiges, unnützes Ding. Jetzt hast du auch noch deine Tochter auf dem Gewissen.“

Am Morgen nähern sich Schritte zweier Leute der Zelle. Ein Beamter öffnet die Tür, lässt eine Frau hineinblicken und fragt sie: „Frau Ines Müller, ist das Ihre Schwägerin Magdalena Müller?“

„Ja“, antwortet die Frau.

„Wieso haben Sie den gleichen Nachnamen?“, will der Polizist wissen.

„Auch wenn es Sie nichts angeht, aber Frau Müller ist nicht verheiratet“, kontert sie.

„Na, das hätte ich mir ja gleich denken können. Bei so einer …“

Ines betritt die Zelle.

„Wenn Sie Hilfe brauchen, rufen Sie. Ich warte vor der Tür“, informiert sie der Polizist.

„Das wird nicht nötig sein.“

„Na, Sie müssen es ja wissen.“ Damit schließt der Polizist die Tür mit einer gelangweilten Geste.

Ines nimmt Magdalena in den Arm. Die schluckt, will stark sein, kann aber ihre Tränen nicht zurückhalten. Dann bricht es hemmungslos aus Magdalena heraus. Es dauert lange, ehe sie sich wieder beruhigen kann.

„Magdalena, sie wollen, dass Isabell für eine Weile bei uns wohnt“, beginnt Ines das Gespräch.

„Was? Sie wollen mir Isabell wegnehmen? Warum?“ Magdalena ist verzweifelt und versteht die Welt nicht.

„Sie meinen, dass du sie misshandelst. Sie glauben dir nicht, dass sie vom Wickeltisch gefallen ist.“

„Und du? Glaubst du mir?“ In ihrem Entsetzen findet Magdalena kaum Worte.

„Es ist unerheblich, was ich glaube. Es ist deine einzige Chance. Wenn du sie nicht bei uns wohnen lässt, wollen sie Anklage gegen dich erheben. Dann kommt Isabell zuerst in ein Heim und dann, wenn sie Glück hat, zu Pflegeeltern.“

„Das, das … Nein! Das können sie doch nicht machen.“ Magdalena rinnen schon wieder die Tränen übers Gesicht.

„Doch, sie können und sie werden. Es ist deine Entscheidung.“

Schon wieder muss sich Magdalena fügen. Aber sie darf die Ausnüchterungszelle verlassen. Zerschlagen, entsetzt und traurig schleppt sie sich nach Hause. In der Nähe ihres Hauses kommt sie am Spielplatz vorbei. Offensichtlich hatte sich die Nachricht rasend schnell im Viertel verbreitet, denn Rufe schallen hinter ihr her. „Kinderschänderin.“ „Die gehört hinter Gitter.“ „Lass dich ja nicht wieder hier blicken.“

Nach ein paar Tagen entdeckt Magdalena Hasssprüche gegen sich an der Bushaltestelle, am Müllplatz, an einer Parkbank. In einem Brief droht ihr ein Unbekannter Prügel an, wenn sie nicht bald aus dieser Gegend verschwinden würde. Aber sie kann nicht wegziehen. Nur hier ist sie in Isabells Nähe. Und da will sie bleiben, um sie so oft wie möglich zu besuchen.

Wenn Magdalena zu Isabell geht, muss sie an dem Spielplatz vorbei, wo all die anderen Mütter sie nicht sehen wollen. Als sie wieder einmal auf dem Weg zu Isabell ist, entdeckt Viktoria Magdalena und fährt sie an: „Was willst du hier? Verschwinde. Wir haben dich oft genug gewarnt. Jetzt machen wir dir Beine!“ Und den anderen Frauen ruft sie zu: „Hey, lasst die uns vertreiben – zum Schutz unserer Kinder.“

Alle stürmen auf Magdalena los. Sie flieht kopflos. Da ist die große Straße. Blick nach rechts. Frei. Ein erbarmungsloser Schlag von links schleudert ihren Körper in die Luft und lässt ihn etliche Meter entfernt dumpf auf den Asphalt knallen. Er rutscht weiter, bis der Kopf an eine Laterne prallt und rechtwinklig zum Körper zerquetscht wird. Ein letztes Mal steigt Magdalena aus und ist Beobachterin der Szenerie.

Die Meute stockt für ein Sekunde, bis Viktoria den rechten Arm in die Luft streckt, das Siegeszeichen macht und schreit: „Yee, endlich sind unsere Kinder wieder sicher.“

Exposé

Magdalena, eine junge, gut aussehende, in der Kindheit sexuell missbrauchte Frau nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung, erwartet von Mark, ihrem weniger gut aussehenden, sexbesessenen Berufsschulklassenkameraden, ein Kind.

Unter dem Druck der Kinderbetreuung und den Flashbacks des Missbrauchs wird Magdalena alkoholabhängig.

In einem unaufmerksamen Augenblick fällt ihre Tochter Isabell vom Wickeltisch und wird schwer verletzt.

Im Krankenhaus und auf der Polizeistation geht man von Kindesmisshandlung aus, weil Magdalena alkoholabhängig ist. Magdalena muss Isabell bei ihrer Schwägerin Ines in Pflege geben.

Auch das Umfeld geht von Kindesmisshandlung aus und ächtet Magdalena. Als diese wieder einmal an einem Spielplatz vorbeikommt, jagen die anwesenden Mütter Magdalena. Diese rennt in ihrer Not auf die Straße, wo sie von einem Auto überfahren wird und auf der Stelle tot ist.

Die Mütter bejubeln die wiedergefundene Sicherheit für ihre Kinder.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine