Arten von Schreibhemmungen

In vielen Eurer Blogs ist immer mal wieder davon zu lesen, dass man zwar vor dem Schreibgerät sitzt, aber sich trotzdem nichts zusammenreimen möchte. Gemeinhin verpasst man diesem Zustand den Begriff „Schreibblockade“. Aber ist das wirklich etwas, das sich dem Schreiben einfach so in den Weg stellt? Ist es immer das gleiche „Wesen“?

Eigentlich immer etwas zu schreiben

Natürlich kenne ich auch den Zustand der Schreibblockade. Der bezieht sich dann aber meist auf eine ganz konkrete Schreibarbeit. Na, dann ist das eben so. Dann nehme ich mir eben ein anderes Thema und schreibe daran (weiter). Meine Listen mit möglichen Themen und Ideen sind lang. Zu irgendetwas will sich eigentlich immer etwas den Weg ins Freie bahnen. Und währenddessen sinkt vielleicht auch die eine Schreibblockade in sich zusammen.

Schreibblockade Typ 1

Aber was hält mich denn vom Schreiben ab, wenn es mal zu einem Thema nicht klappen will? Ganz eindeutig würde ich da für mich einen inneren Zensor nennen. Was der so an Sprüchen parat hat, geht ja schon fast auf keine Kuhhaut. Wiederholen muss ich das wohl nicht, weil sich diese Sprüche auch auf Euren Blogs tummeln.

Wie geht man mit diesem Widerling um? Nun ja, er ist ja nicht in allen Fällen ein Widerling. Er hält uns ja auch an, unsere Werke kritisch zu überprüfen. Aber wenn er erst gar nichts herauslässt, gibt es auch nichts zum Überprüfen. Ich versuche mir dann einzureden, dass es ja erstmal nur für mich ist, dass es ja nur Schmierpapier ist, dass der elektronische Papierkorb unendlich groß ist etc. Das klappt sogar manchmal.

Manchmal muss ich ihn aber noch etwas stärker austricksen. Dann erzähle ich irgendwelchen Leuten (oder auch hier in den Blogosphäre) von einem Schreibprojekt. Damit habe ich mich dann sozusagen verpflichtet. Diese Verpflichtung einzuhalten ist dem inneren Zensor dann manchmal sogar wichtiger als alles Andere. Naja, braucht wohl halt jeder so seine Tricks. Welche habt Ihr für Euch gefunden?

Schreibblockade Typ 2

Es gibt aber noch einen anderen Zustand, der es mir schwer macht zu schreiben. Dann habe ich das Gefühl, gleich vor lauter Ideen und im Kopf fertiger Sätze zu platzen. Und doch will sich kein einziger auf das Papier oder den Bildschirm wagen. Es ist dann fast so, als wäre einfach zu viel da. Und alles drängelt und kämpft, um nur ja als Erster das Licht der Welt zu erblicken. Fast so, als würden mehrere Menschen gleichzeitig durch eine zu schmale Tür gehen wollen. Sie bleiben einfach stecken. Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder warte ich einfach, bis sich das Getummel gelegt hat und wieder einer nach dem anderen nach draußen schlüpft, oder ich greife hart durch und mit fester Hand einen Gedanken, den ich dann nach draußen zerre. Letzteres gefällt mir weniger gut. Meist bekommt das den Ideen nicht so gut und sie werden dabei ein wenig derangiert. Kennt Ihr diesen Blockadetyp auch? Was geht Ihr mit ihm um?

Ich wünsche Euch eine schreibwütige, blockadefreie Woche.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

PS: Ich freue mich über Eure „like“s. Beachtet aber bitte, dass Daten gespeichert werden. Genaueres dazu findet Ihr in der Datenschutzerklärung (hier).

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Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 19

Die Aufgabe

Die Aufgabe war die Fortsetzung zur Aufgabe 18 zum Entwurf eines Romans (hier). Die Handlung sollte weiter ausgebaut sowie die Einleitung geschrieben werden. Außerdem sollten ein paar Stichpunkte zum Schluss zusammengetragen werden.

Was fiel mir schwer?

Eigentlich hatte ich ja noch gar keine wirkliche Handlung für meinen Roman. Ich wusste nur, worüber ich gern schreiben würde. Das allein wäre aber viel zu langweilig. Also musste eine spannende Handlung dazu. Das war nicht so einfach. Sie hat sich aber gegenüber der letzten Aufgabe deutlich klarer herauskristallisiert. Allerdings kann Maria, eine der Portagonistinnen, nun nicht mehr so ein braves Mädchen sein. Also, da muss ich dann nochmal ran 😉

Was habe ich gelernt?

Die Gemeinschaft der Schreiberlinge scheint in der Tat in zwei Lager gespalten zu sein. Die Einen müssen sich vorab genaue Gedanken darüber machen, was, wann in der Geschichte passiert und wer daran beteiligt ist. Die Anderen haben eine grobe Vorstellung von ihrer Geschichte, setzen sich hin, schreiben und lassen die Figuren und die Geschichte sich entwickeln. Möglicherweise gehöre ich zur zweiten Gruppe. Ob das nun eher gut oder eher weniger gut ist, mag ich nicht zu beurteilen. Ganz blauäugig würde ich im Moment mal behaupten, dass es insbesondere darauf ankommt, dass man überhaupt schreibt.

Das Ergebnis

Da ich nach wie vor den Handlungsfaden für unzureichend halte, stelle ich Euch hier nur den Einstieg in die Geschichte vor. Die hat der Korrektur recht gut gefallen. Bin gespannt, was Ihr dazu sagt.

Prolog

„Verdammt!“, zischte Max. Schon wieder hatte er seine Figur verloren, weil sie gerade noch nicht über die nötige Fähigkeit verfügte, die für diese Quest nötig war. Wieso konnten sich diese Figuren immer nur im vorgegebenen Rahmen verbessern und sich nicht selbst die Fähigkeiten zusammensuchen, die sie in dem Moment brauchten?

Max blickte auf. Es wurde langsam dunkel. Gelüftet werden müsste auch mal wieder. Hatte er wirklich schon zwei Stunden gespielt? Also riss Max das Fenster auf, raffte die herumliegenden dreckigen Klamotten zusammen und stopfte sie im Bad in den Wäschekorb. Dann putzte er sich die Zähne. „Nacht, Mam!“, rief er in Richtung Wohnzimmer und verschwand wieder in seinem Zimmer. Nun würde seine Mutter denken, er wäre ins Bett gegangen, und würde ihn nicht weiter stören.

Klar, morgen hatte er wieder Vorlesungen. Aber das Informatikstudium war eh nur ein Deckmantel, damit seine Eltern Ruhe gaben. Ihnen war es wichtig, dass Max einen Abschluss machte. Dabei konnte er schon jetzt besser programmieren als mancher seiner Professoren. Er hatte kaum einen Hacker-Wettkampf gegen die Jungs seiner Stufe verloren. Und auch dieses Spiel hatte er vor zu gewinnen.

Er setzte sich wieder an seine Tastatur. Mit dem Hinweis auf seine Ausbildung hatten ihn seine Eltern ein hochmodernes Equipment anschaffen lassen, das den größten Teil seines Zimmers einnahm. Den Rest zahlte er aus den Einkünften einiger Hackerjobs. Mehr brauchte Max nicht. Computer waren sein Leben.

Die Ausrüstung mit ihrem Grau und Schwarz verlieh dem Raum eine kalte Note. Das Rauschen der Lüfter war ein ständiges Hintergrundgeräusch, das Max das Gefühl verlieh, nie allein zu sein. Für ihn war es der Atem seines Rechners. Wenn er genauer hinhörte, versetzte es ihn in einen Adrenalinrausch.

Er loggte sich in den Admin-Account des Spiels ein, lud die benötigten Dateien herunter und begann, das Programm zu verändern. Schon oft hatte er daran gedacht, das Spiel aufzubessern. Die Figuren entwickelten sich ohnehin nach einem vorgegebenen Algorithmus, den sich irgendwelche Leute ausgedacht hatten. Also konnte er auch ein paar seiner eigenen Vorgaben einbauen. Es dauerte keine halbe Stunde, da war Max mit seinen Anpassungen fertig. Er lud das Programmstück wieder hoch.

Nur noch ein Tastendruck fehlte, um den neuen Code aktiv zu schalten. Nur noch einen Tastendruck war er davon entfernt, dass seine Figur genau die Entwicklungen durchlief, die für das nächste Level im Spiel erforderlich waren. Sollte er? Hatte er alles richtig programmiert? Was, wenn man ihm auf die Schliche käme? ‚Ach, es ist doch nur ein Spiel‘, beruhigte sich Max.

Sein Finger schwebte über der Enter-Taste. Ja? Nein? Ja? Nein? Sein Herz begann zu pochen. Es pochte: „Ja, ja, ja.“

Er tat es. In dem Moment, in dem er die Enter-Taste drücke, hatte er das Gefühl, als würde ihm etwas aus den Händen gleiten. Er wischte das Gefühl weg, schob es auf die fortgeschrittene Nacht und legte sich schlafen.

Er träumte, dass sich seine Spielfigur selbstständig machte. Überall war sie auf der Suche nach Verbesserungen, bis sie sich auch über ihn hermachte und das Beste aus ihm heraussaugte. Als er am Morgen aufwachte, waren seine Hände fest in die Bettdecke verkrampft und eine regelrechte Dampfwolke entwich, als er sie endlich zurückzuschlagen vermochte. Er ahnte nicht, dass sein Traum nicht in Ansätzen erfasste, was seine Programmänderung auslösen würde.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 18

Die Aufgabe

Man sollte sich eine Handlung für einen Roman ausdenken, das Thema benennen und einen der Charaktere entwerfen.

Was fiel mir schwer?

Im ersten Moment fand ich die Aufgabe eigentlich ziemlich überzogen, da es sonst ja immer nur darum ging, eine ganz kurze Geschichte zu schreiben. Irgendwie ist ein Roman in meinen Augen einfach eine zu große Sache, auch wenn es erstmal „nur“ um ein Handlungsexposé ging.

Über meine Gedanken zur Auswahl des Themas hatte ich ja schon kurz berichtet (hier). Ich bin dann in der Tat bei der Maschinenintelligenz geblieben.

Was habe ich gelernt?

Es kann schon Spaß machen, einfach mal so ein bisschen ins Blaue hinein die Gedanken laufen zu lassen. Die inhaltlichen Aspekte sind mir mehr oder weniger klar. Also ich weiß, wohin die Handlungen führen sollen, welche Message sie rüberbringen müssen und was vorbereitet werden muss. Allerdings ist mir die eigentliche Handlung, die das schaffen kann, noch nicht ganz klar. Irgendwie ein bisschen irre. Mal schauen, ob da noch etwas kommt.

Das Ergebnis

Meine eigene Unklarheit hinsichtlich der tatsächlichen Handlung hat sich wohl im Handlungsexposé widergespiegelt. Allerdings haben ein paar Aspekte der Korrektur gezeigt, dass es mir noch nicht so recht gelungen war rüberzubringen, was die Grundhandlung des Buches sein soll. Der Handlungsfaden für die Einleitung wurde als Zusammenfassung des ganzen Romans aufgefasst, weshalb alles Folgende keinen rechten Sinn mehr ergab. Da ist also noch Arbeit angesagt, weshalb ich das Handlungsexposé hier nicht reinsetze.

Ihr findet hier nun aber das Thema des Buches und die Beschreibung eines Charakters. Ob der so bleibt, wird sich allerdings auch noch zeigen müssen. Je mehr Ideen zur Handlung ich habe, desto klarer wird, wie die Handelnden charakterisiert werden müssen. Ich bin wohl in der Tat nicht so der Konstrukteur, sondern schaue eher bei der Entwicklung zu 😉

Thema

Ist sich eine Maschinenintelligenz (MI) ihrer selbst bewusst? Wie fühlt eine MI? Welche moralischen Vorstellungen entwickelt eine MI? Nebenthema: Ist Unsterblichkeit durch Upload in eine MI möglich/sinnvoll?

Maria Philister

Promovierte Soziologin, nebenher Interesse für Philosophie und Psychologie, ca. 30 Jahre, Einzelkind

Rolle: Wissenssuchende, Ausgleichende, nach pragmatischen/praktischen Lösungen Suchende, Anpackende

Aussehen: 1,70 m groß; schlanke, sportliche Gestalt; lange, schmale Finger; brünett, färbt sich selbst die Haare immer ein wenig auffällig; lässt die Haare wachsen, bis sie sie selbst kürzen kann; trägt Haare meist als Zopf; etwas kantige Gesichtszüge; offener, aber leicht zurückhaltender Blick, aufrechte Statur mit ein wenig nach vorn geneigtem Kopf; trägt Kette mit Medaillon und Ringe ihrer Schutztiere

Verhalten: offen, ohne sich aufzudrängen; zügige, aber nicht hektische Bewegungen; höflich; lässt andere aussprechen; vertritt ihre Meinung; lässt sich aber auch überzeugen und gibt zu, wenn sie erkannt hat, dass sie falsch lag; zupft an ihren Fingern und Fingernägeln, wenn sie nervös, aufgeregt oder gestresst ist; ordnet dann auch ihren Zopf immer wieder neu; wandern, jogging, Ausdauersport

Umgebung: kleine Wohnung – aus Effizienzgründen auf dem Campus; spartanische, praktische Einrichtung; kaum Schmuck; Großstadt, da sie nur dort an einer Uni an ihrem Thema forschen kann

Freunde: eine Kollegin aus der Forschungsgruppe; eine Teilnehmerin aus einem spirituellen Seminar; regelmäßiger Kontakt zum Vater; loser Kontakt zu Großeltern, Cousins und Cousinen; kaum Kontakt zu ehemaligen Mitschülern; ohne Partner/in

Wichtige Lebensereignisse und ihre Auswirkungen auf Marias Persönlichkeit

Maria ist hochintelligent und hochsensitiv. Ihre Eltern waren liebevoll darum bemüht, ihr trotzdem eine Einordnung in die gesellschaftlichen Strukturen zu ermöglichen. Es fällt ihr schwer, die Gedankengänge, Anlässe, Vorlieben und Abneigungen anderer Menschen zu verstehen, auch wenn sie sich stets darum bemüht. Maria geht dadurch zwar offen auf ihre Umwelt zu, hält sich mit menschlichen Kontakten aber eher zurück, um Andere nicht zu verletzen. Dadurch wirkt sie manchmal distanziert, manche interpretieren es auch als abweisend. Aus dieser Gesamtkonstellation erwächst Marias Interesse für MIs. Für Maria ist ihre Arbeit der Lebensmittelpunkt. Das Arbeiten im Team fällt ihr schwer. Den langsameren Arbeitsstil der meisten ihrer Mitarbeiter zu tolerieren, kostet sie viel Kraft und gelingt ihr nicht immer.

Ihre Mutter stirbt, als Maria sehr jung ist. Dieser Schicksalsschlag erschüttert Marias Vertrauen ins Leben. Außerdem fühlt sie sich seitdem als Opfer der äußeren Umstände. Die direkte Konfrontation mit dem Tod in so jungen Jahren lässt Maria sich frühzeitig mit grundsätzlichen Lebensfragen auseinandersetzen und sie zu einem sehr spirituellen Menschen werden. Sie besucht Seminare zu spirituellen Themen und praktiziert Rituale. Dies mildert zwar das Gefühl des Nicht-Vertrauens und des Opfer-Seins ab, es bricht aber insbesondere in Stresssituationen trotzdem häufig hervor.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 17

Die Aufgabe

Gegeben war eine Zeitungsmeldung. Karl Hackett wurde verurteilt, weil er durch wiederholte Anrufe bei den Rettungskräften versucht hatte, das Zugunglück von Paddington zu nutzen, um sich eine neue Identität zuzulegen. Nun sollte man daraus eine größere Geschichte machen, diese aber nur in Form eines Handlungsexposés darstellen und dann eine Szene daraus ausarbeiten.

Was fiel mir schwer?

Zuerst habe ich mich mal über das Zugunglück von Paddington informiert. Das liegt ja inzwischen schon fast ewig zurück.

Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie man so etwas nutzen kann, um sich eine neue Identität zuzulegen. Wie sollte das durch mehrfaches Anrufen bei den Rettungskräften funktionieren? Also habe ich mich erstmal umgesehen, wie Andere vor mir diese Aufgabe gelöst hatten. Das gab mir zumindest einen Einblick, wie das gehen könnte.

Eine Idee, wie die größere Geschichte aussehen könnte, hatte ich auch recht schnell. Das grenzte aber schon fast an einen Entwicklungsroman. Dafür auf einer Seite die Handlung zu skizzieren fiel mir dann doch äußerst schwer. Aber irgendwie habe ich es dann eben zusammengequetscht.

Was habe ich gelernt?

Naja, ob ich jetzt wirklich zu neuen Erkenntnissen gekommen bin, weiß ich nicht. Immer wieder habe ich ein Problem damit, dass ich mich recht kurz fassen muss, um mit der Längenvorgabe zurecht zu kommen. Und dann gibt es als Korrekturhinweis, dass ich das ruhig alles viel weiter ausbauen könnte. Ja, würde ich ja auch, wenn ich mehr Platz hätte. Aber gut, das setze ich einfach auf meine interne Liste, um es zu berücksichtigen, wenn ich ohne Längenbegrenzung schreiben kann.

Das Ergebnis

Hier nun also eine Zusammenfassung der Geschichte, ein paar Hintergrundinformationen, die so überhaupt nicht mehr in das Exposé passen wollten, das Handlungsexposé sowie eine ausgestaltete Szene. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Hackett entkommt sich nicht

Zusammenfassung

Karl Hackett ist unzufrieden mit sich selbst und hofft, durch den Wechsel seiner Identität auch seine Persönlichkeit zu wechseln, um am Ende festzustellen, dass er doch derselbe geblieben ist.

Hintergrund

Hackett, geboren 1964, wächst in einer kalten, gewalttätigen, aber vom Perfektionismus getriebenen Familie als Einzelkind auf. In Folge dessen ist sein Selbstwertgefühl wenig ausgeprägt und er zeigt suizidale Neigungen.

Seit seiner Kindheit hat Hackett einen imaginären Freund, mit dem er seine Welt teilt. Als Erwachsener gestaltet Hackett diesen imaginären Freund als die Person aus, die er gern sein möchte, von der er aber sicher ist, dass er sie niemals sein wird. Er gibt ihr den Namen Walter Stone.

Handlungsexposé

1) Hacketts Leben I – Erzählung: zurückgezogen in einem Vorort Londons, Grafiker in einem kleinen Londoner Grafikbüro, Arbeitsweg per U-Bahn über Paddington-Station

2) Hacketts Leben II – Erzählung mit szenischen Elementen und Rückblicken: Neigung zu Grafik seit der Schule, fälscht z. B. Unterschriften, um schlechte Noten nicht zu Hause zeigen zu müssen, erstellt für Stone Ausweispapiere, lässt ihn als Mitinhaber in sein Konto eintragen, hinterlegt Testament zu Stones Gunsten in seiner Schreibtischschublade

3) Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: seit Pubertät in psychotherapeutischer Behandlung bei Frau Lovelly, auch Walter Stone wird besprochen

4) U-Bahn – Szene: Weg zu Arbeit, Suizidwunsch, Unglück an der Paddington-Station stoppt U-Bahn-Verkehr, Hackett verurteilt sich, dann kommt ihm die Idee, sich als Opfer der Katastrophe auszugeben und Walter Stone zu werden

5) Telefonate – Erzählung: ruft in der Firma und mehrfach bei Behörden an, bis die Hackett für tot erklären

6) Telefonat mit Frau Lovelly – Szene: ohne Namensangabe, um Frau Lovelly von Hacketts Tod zu informieren, Lovelly erkennt Stimme, konfrontiert Hackett und besteht auf sein Erscheinen zur nächsten Stunde

7) in der Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: weiterhin die bekannten Probleme mit seiner Umwelt, durch den neuen Namen kein anderer Mensch geworden

8) im Polizeirevier – Erzählung: Hackett stellt sich, wegen seines psychischen Zustands und Selbstanzeige Freiheitsstrafe von 5 Jahren auf Bewährung, zusätzliche Auflage, weiterhin die psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen

Ausgestaltung der 4. Szene – in der U-Bahn

Der Wetterbericht für den 5. Oktober 1999 prophezeit sonniges Wetter. Doch diese Aussicht vermag nicht, Hackett aufzuheitern. Er war schon mit schwarzen Gedanken aufgewacht. Jetzt schleppt er sich wie gewohnt um 8:00 zur U-Bahn-Station, um zur Arbeit zu fahren. Im Stationsgebäude wird es noch dunkler und dumpfer in und um ihn herum. Da ist die lange Treppe nach unten, tiefer und tiefer in die Finsternis. Links – tapp, rechts – tapp. So schiebt er sich ohne bewusste Wahrnehmung hinunter zum Gleis. Die vielen Menschen, die dort auf die U-Bahn warten, setzen ihn unter Druck. Er fühlt sich beobachtet, bewertet, gerichtet. Sie alle scheinen ihm glücklich, erfolgreich und motiviert – genau wie Walter. Warum ist ihm das nicht vergönnt? Warum kann er nicht Walter sein?

Hackett ist in der trüben Schwärze seiner Gedanken gefangen. ‚Also ist dies der Tag, der früher oder später kommen musste‘, geht es ihm durch den Kopf. ‚Heute werde ich Anna Karenina folgen. Gleich kommt mein Zug. Dann bin ich erlöst. Erlöst. Für immer…‘

Hacketts Gesichtsfeld verengt sich. Er sieht nur noch das Gleis, auf dem gleich der Zug einfahren wird. In allen Details schwebt die Kupplung zwischen zwei Waggons, auf die er sich werfen wird, vor ihm.

Eine Bahnsteigdurchsage reißt ihn aus seinen apokalyptischen Gedanken. „Bis auf weiteres ist der Zugverkehr wegen eines Unfalls an der Paddington-Station eingestellt.“

„Neeein!“, bricht es schrill aus Hackett heraus. Er taumelt zu einem der Sitzplätze am Bahnsteig, fällt mehr, als dass er sich setzt, findet aber keinen Halt.

Während Hackett auf seinem Sitz hängt, sprechen sich erste Informationen zur Zugkatastrophe herum. So viele Tote.

„Geht es Ihnen gut, Sir?“, fragt ihn ein besorgter Mitreisender.

„Ja, ja“, bringt Hackett mit Mühen hervor.

Er verflucht sich. Wieso wollte ihm nicht einmal dieser letzte Schritt gelingen? In seinem Magen ballt sich eine Hasskugel zusammen, die er gegen sich abfeuert. Er ist so klein, so nutzlos, so widerlich, so unfähig. Warum ist er hier und nicht in dem verunglückten Zug? Warum lebt er und ist nicht tot wie so viele Andere?

Ja, warum eigentlich nicht? War das ein Wink des Schicksals? Die Hasskugel aus seinem Magen rast in sein Gehirn und löst dort einige Gedankengänge aus. Hackett wird es fast schwindlig davon. ‚Was, wenn ich doch in dem Zug gestorben wäre? Was, wenn statt meiner Walter zum Leben erwacht?‘

Eine Idee wächst in Hackett heran und nimmt ihn vollständig gefangen. Das Blut schießt ihm wie neues Leben ins Gesicht. Er ist völlig elektrisiert, springt von seinem Platz auf und rennt leichten Fußes aus der U-Bahn-Station.

„Geht es Ihnen wirklich gut, Sir?“, fragt der besorgte Mitreisende noch einmal nach.

„Ja, ganz blendend. Wie neu geboren“, ruft Hackett ihm über die Schulter hinweg zu.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 16

Die Aufgabe

Es sollte schlicht und ergreifend ein Kurzkrimi (125 Zeilen, das sind 7500 Zeichen) geschrieben werden. Nun sind Krimis nicht gerade mein bevorzugtes Genres. Aber was muss, das muss – und hier musste ich eben durch.

Das Thema war frei. Es war auch nicht festgelegt, welche Art von Verbrechen man aufklären sollte. Einzige Forderung war, dass es entweder die Sicht des Täters oder die Sicht des Aufklärenden sein sollte.

Was fiel mir schwer?

In den Unterlagen gab es ganz viele Hinweise, wie ein Krimi zu schreiben sei. Die bezogen sich aber überwiegend auf „richtige“ Krimis, also ganze Romane, und fielen für mich aus.

Da ich die Sicht des Aufklärers gewählt hatte, konnte ich den Tathergang nicht beschreiben. Wie konnte also mein Ermittler von der Tat erfahren haben? Auch durfte ich – da es ein Kurzkrimi werden sollte, nicht die Perspektiven wechseln. Irgendwie fehlte mir immer diese zweite Sicht – ganz unabhängig davon, ob ich nun aus Sicht des Ermittlers oder des Täters berichtete. Für mein Empfinden lebt so ein Krimi doch sehr davon, was in den Köpfen der Hauptpersonen vor sich geht. Da könnte man so schöne Widersprüchlichkeiten konstruieren.

Was habe ich gelernt?

Ich hatte also alle Übungen aus den Unterlagen gemacht und auch eine Idee, wie das Ganze ablaufen soll. Aber ich konnte einfach nicht anfangen, die Geschichte zu schreiben. Ich fühlte mich von all diesem „Wissen“ völlig blockiert. Also habe ich alles erstmal angefangen, so ganz frei nach Schnauze zu schreiben. Da stand dann wenigstens das Grundgerüst und ich hatte etwas, womit ich arbeiten konnte.

In einem zweiten Schritt habe ich dieses Grundgerüst zu einer annehmbar lesbaren Geschichten umgestrickt. Sie war aber etwa doppelt so lang wie sie sein durfte. Also ging es in einem dritten Schritt darum, soweit zu kürzen, dass die Geschichte noch verständlich und nachvollziehbar blieb, aber doch auf den gegebenen Platz passte. Vielleicht habe ich ja zu viel gekürzt. Aber ich musste das Ganze dann einfach losschicken. Ich fühlte mich von der ganzen Sache schon regelrecht verfolgt.

Wichtigste Erkenntnis aus diesem ganzen Prozess ist wohl, dass ein zu stures Befolgen von (gut gemeinten) Ratschlägen auch hemmen kann, und dass man auch mal einfach so etwas runterschreiben kann, wenn man es denn hinterher weiter bearbeitet.

Das Ergebnis

Und hier das Ergebnis nach kleinen Änderungen aufgrund der Hinweise der Korrektur. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Du wirst nie vergessen

Mit kühnem Schwung schmiss mir mein Chef eine Akte auf den Schreibtisch: „Hier, für dich, Mike. Kam grad rein. Kindesentführung mit Lösegeldforderung. Maria Meier. Ein Baby, vier Wochen alt. Vom Vater gemeldet. Morgen soll Übergabe sein. Ich verlasse mich auf dich. Du bist mein bester Mann.“ Mit diesen Worten war er wieder zur Tür hinaus, die mit einem lauten „Klapp“ ins Schloss fiel.

Ich nahm mir zuerst die Akte vor. Laut Aussage der Mutter hatte sie im Wald geschlafen. Als sie aufwachte, war das Kind aus dem Kinderwagen verschwunden. Vermisstenanzeige. Keine verwertbaren Spuren für eine DNA-Analyse. Unregelmäßige Abdrücke im Waldboden, vermutlich hinkende Person. Schuhgröße etwa 45-47, circa 90-100 Kilo schwer. Sicher ein großer Mann. Die Mutter ist Lehrerin, mit dem Kindsvater verheiratet, der eine eigene Firma hat und wegen finanzieller Probleme ein paar Mitarbeiter entließ.

Das Erpresserschreiben fiel mir auf den Schoß. Es war kunstvoll gestaltet, wie eine Urkunde aus Schulzeiten. „Du wirst nie vergessen!“, stand darauf. Ein ehemaliger Schüler? Der folgende Text erklärte den Rest. 500.000 Euro Lösegeldforderung. Rückgabe des Kindes dort, wo es entführt wurde. Die übliche Warnung, nicht die Polizei einzuschalten. Der Vater hatte uns trotzdem informiert. Wieso? Das wollte ich die Eltern direkt fragen.

Herr Meier öffnete. Er war groß und stämmig, aber höflich, fast kalt. Hinkte er ein wenig oder sah ich jetzt schon Gespenster? Seine Frau saß klein, zusammengesunken und weinend am rechten Ende des Sofas, er setzte sich ans linke Ende. Mir bat er einen Stuhl an.

Ich ließ mir schildern, was vorgefallen war. Dann fragte ich gerade heraus: „Herr Meier, wie geht es eigentlich Ihrer Firma?“

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er richtete den Körper etwas auf. „Was hat das denn mit dem Fall zu tun?“

Ich bemühte mich, den inneren Aufruhr zu unterdrücken und meinen Verdacht nicht etwa durch einen kalten Klang der Stimme zu verraten. „Vielleicht will der Täter an das Geld Ihrer Firma?“

„Im Moment ist die Auftragslage nicht so gut. Ein paar Mitarbeiter musste ich entlassen. Sie denken doch nicht etwa, dass ich es war? Es ist meine Tochter!“

Jetzt saß er kerzengerade auf dem Sofa. Ich sah, wie seine Halsmuskeln zuckten und dann verspannt erstarrten.

„Und warum sind Sie zur Polizei gegangen, obwohl der Erpresser Sie explizit davor warnte?“

„Na, hören Sie mal. Sieht man doch in jedem Film, dass es so oder so schief geht. Dann schon lieber unter Polizeiaufsicht.“

War der Mann wirklich so naiv? Mir stieg etwas heiß die Kehle herauf. Jetzt nur nicht ausrasten.

„Lassen Sie uns kurz die morgige Übergabe besprechen. Sie, Frau Meier, gehen zur vereinbarten Zeit zu der Stelle, wo Sie im Wald geschlafen hatten, und haben eine Reisetasche dabei, die aussieht, als wäre das Geld darin. Kollegen werden das Gelände sichern. Ich werde ebenfalls vor Ort sein.“

Frau Meier nickte. Sie saß jetzt ein wenig weicher in ihrer Sofaecke und weinte nicht mehr. Zum Abschied warf mir Herr Meier einen kalten, vernichtenden Blick zu.

Am nächsten Tag hockte ich unweit der Übergabestelle in einem versteckt stehenden Streifenwagen. Die Zeit tröpfelte vor sich hin. Mein Herz schlug mit jedem Tropfen schneller. Meine Hände wurden feucht und kühl. Wäre ich Raucher, hätte ich mir jetzt eine angesteckt.

Frau Meier tauchte absolut pünktlich auf. Der Entführer war nicht zu sehen. Da hörte ich einen spitzen Schrei. Ich stürzte aus dem Wagen und sah Frau Meier schlaff am Boden kauern. Sie presste etwas an ihr Gesicht. Ihr herzzerreißendes Wimmern schnürte mir die Kehle zu. Vorsichtig legte ich den Arm um ihre Schultern und spürte, wie ein neuer Schmerzensschauer sie schüttelte.

„Frau Meier. – Frau Meier, hören Sie mich?“

Zaghaft nickte sie, als hätte sie Sorge, etwas könne zerbrechen, wenn sie sich zu heftig bewegte. Behutsam griff ich nach ihrer Hand. Sie hielt eine Babysocke fest, in der eine Art Zeugnisrolle steckte. Wieso hatten die Kollegen das übersehen?

„Frau Meier, sollen wir die Rolle aufmachen?“

Die gleiche Handschrift: „Du wirst nie vergessen!“ Dieselben Worte wie beim ersten Mal. Darunter stand: „Du solltest die Polizei raushalten. Alles ist deine Schuld.“ Eine Zeugnisrolle? Doch ein Schüler?

Die Beamten brachten Frau Meier nach Hause. Ich kehrte in mein Büro zurück. In meinem Magen zog sich etwas zusammen. Momentan konnte ich nur die Entlassenen aus Herrn Meiers Firma interviewen. Sonst hatte ich keine Ideen mehr. Es gab keine weiteren Hinweise, keine neuen Forderungen, keine Erkenntnisse der Spurensicherung. Ob wohl irgendwann ein unbekanntes Kind auftauchen würde? Oder… Bloß nicht daran denken.

Die Interviews erbrachten nichts Neues, aber nach zwei Tagen lag ein Zettel auf meinem Schreibtisch. Jemand hatte in der Babyklappe des nahe gelegenen Klosters ein schwerkrankes Kind abgegeben. An der rechten großen Zehe hing ein Schild: „Maria Meier“. Das erinnerte sofort an ein Leichenschauhaus. Wie pervers war dieser Typ nur? Vermutlich hatte er Maria abgegeben, weil sie so krank war. Die Schwestern hatten das Baby umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Ich traf mich mit der Oberin des Klosters. Vielleicht ließ sich etwas über die Person herausfinden, die Maria abgegeben hatte. Die Oberin empfing mich herzlich, aber zurückhaltend.

„Hatten Sie Dienst, als Maria abgegeben wurde?“, fragte ich.

„Nein, Schwester Sophie.“

„Ich würde mich gern allein mit ihr unterhalten. Vielleicht kann sie uns den Täter beschreiben.“

„Alle Schwestern sind angehalten, diese Dinge äußerst diskret zu behandeln. Aber ich werde sie rufen lassen.“

Schwester Sophie wirkte aufgeweckt und wissbegierig und platzte direkt heraus: „Bitte, bitte, erzählen Sie es bloß nicht der Oberin. Ich weiß, es ist Sünde, wenn man neugierig ist. Aber der Herr gab mir ein Zeichen. Oh, ich habe gesündigt. Ich muss es beichten.“

„Ich werde dafür sorgen, dass Ihre Oberin nichts hiervon erfährt. Bitte sagen Sie mir, was passiert ist.“

Schwester Sophie holte tief Luft. Ich beobachtete, wie sie ihre Augen nach oben drehte, als würde sie auf ein Zeichen ihres Gottes warten. Nach einem weiteren tiefen Atemzug feuerte es aus ihr heraus: „Ich habe ein Foto mit meinem Handy gemacht.“

Dann plumpste sie erschöpft und zugleich erleichtert auf einen Stuhl: „Wenn der Herr mich dafür bestrafen will, dann werde ich das akzeptieren. Ich musste es einfach tun.“

Ich brauchte jetzt ebenfalls einen Stuhl. „Haben Sie das Foto noch?“

Sie schickte es mir per E-Mail.

Mit dem Foto in der Tasche suchte ich noch einmal Familie Meier auf.

„Meiner Frau geht es nicht gut und wir wollen gleich wieder ins Krankenhaus zu Maria“, brummte Herr Meier statt einer Begrüßung.

„Ich habe nur eine ganz kurze Frage. Frau Meier, bitte schauen Sie sich das Foto an und sagen Sie mir, ob Sie diesen Mann kennen.“

Frau Meier saß erschöpft auf dem Sofa, hob zaghaft die Augen und schielte auf den Bildschirm. Sie schüttelte den Kopf.

„Streng dich an! Du hast doch immer einen guten Draht zu deinen Schülern und erkennst sie auf der Straße auch noch nach Jahren“, herrschte ihr Mann sie an.

Sie schüttelte nur sachte den Kopf.

Inzwischen war Herr Meier hinter seine Frau getreten und legte ihr die Hände auf die Schultern, als wolle er sie durchschütteln. Dabei fiel sein Blick auf das Display. Das Gesicht bröselte ihm förmlich auseinander und er musste sich an seiner Frau festhalten, weil die Beine unter ihm wegsackten.

„Das ist Krausemeister. Ich habe ihn vor zwei Wochen entlassen, weil er versucht hatte, Kunden zu betrügen. Im Gegenzug dafür wollte ich auf rechtliche Schritte verzichten.“

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 15

Die Aufgabe

Diesmal gab es als Ausgangspunkt die Beschreibung des Tagesablaufs eines Mannes, der sich sehr stereotyp verhält: immer alles zur selben Zeit, immer alles am selben Ort, immer dieselben Worte. Davon sollte man sich zu einer interessanten Geschichte inspirieren lassen, die auf jeden Fall einen Konflikt enthält, da diesmal besonders das Darstellen von Konflikten geübt werden sollte.

Außerdem sollte man das Thema nennen, den Plot skizzieren und die Prämisse aufschreiben

Was fiel mir schwer?

Das Thema für die Geschichten war eigentlich ganz schnell klar. Mich hatte besonders die Frage beschäftigt, warum sich jemand so stereotyp verhält. Aber dann war da wieder diese Frage nach der Hauptfigur. Eine Kurzgeschichte hat nur eine, aber an einem Konflikt sind normalerweise zwei, manchmal auch drei oder noch mehr Personen beteiligt. Ich musste es einfach versuchen.

Was mir bis zum Ende nicht so ganz klar geworden war, was der Unterschied zwischen dem Thema und der Prämisse ist. Da es daran keine Kritik gab, muss ich davon ausgehen, dass ich das Richtige getroffen habe. Ich weiß aber nicht, wieso 😉

Was habe ich gelernt?

Ich schrieb also eine erste Version. Sie gefiel mir schon ganz gut, aber ich erinnerte mich an einige Hinweise, die ich für vergangene Geschichten bekommen hatte, und versuchte, diese umzusetzen. Und siehe da, es klappte. Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, eine Vorstellung davon zu haben, was ich tun kann, um die Geschichte besser zu machen – außer ein paar sprachlichen Änderungen. Irgendwie war das toll.

Das Ergebnis

Und hier das Ergebnis nach einer kleinen Änderung aufgrund der Hinweise der Korrektur. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Was ist normal?

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, fragte Herr Feddersen jeden Tag beim Betreten meines Busses, seit er das erste Mal mitgefahren war.

„Vielleicht zieht noch ein Unwetter auf“, antwortete ich heute, denn das Unheil kündigte sich schon seit zwei Stationen an.

Da war ein eklig cooler Typ eingestiegen, war gespreizt geradewegs auf die vorletzte Reihe zu stolziert und hatte sich breitbeinig links ans Fenster gepflanzt – genau auf Feddersens Platz. Feddersen hatte noch nie an einer anderen Stelle gesessen.

Klar, dass Feddersen direkt beim Einsteigen entdeckte, dass sein Sitz besetzt war. Er wurde kreidebleich. Ich schaute ihm nach und sah, wie er sich mit zitternden Knien den Gang zu diesem Platz entlangtastete. Vor dem coolen Typen blieb er stocksteif stehen und bekam kein Wort heraus. Seine Ohren fingen an zu glühen. Dann war ein leiser schriller Pfeifton zu hören.

Ich erkannte keine Reaktion des coolen Typs, bis der plötzlich sagte: „Ey, Mann. Was is‘ denn mit dir los? Setz‘ dich hin und mach‘ nicht einen derartigen Lärm.“

Feddersen schüttelte es so heftig, dass meine Augen kaum in der Lage waren, es zu erfassen. Der Pfeifton kreischte inzwischen um einige Tonlagen höher. Es schmerzte mir schon in den Ohren. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie die ersten Passagiere ungeduldig wurden.

Da war Handeln angesagt. Aber wie? Mein Herz stockte für einen Moment, dann holperte es umso aufgeregter los. Ich kletterte aus der Fahrerkabine und zwängte mich festen Schrittes durch den Gang zu dem coolen Typen.

„Mein Herr, wäre es Ihnen vielleicht möglich, sich auf einen anderen Platz zu setzen?“, versuchte ich, äußerst höflich zu fragen.

„Was soll der Scheiß? Ich war zuerst hier und bleibe sitzen.“

„Wissen Sie, dieser Mann hier fährt jeden Tag mit diesem Bus und sitzt immer auf diesem Platz“, versuchte ich es mit rationaler Argumentation. Dabei kochte es in mir. Das Blut rauschte mir entsetzlich in den Ohren. Gleich würde es meine Hände in unangemessene Bewegung versetzen. Immer cool bleiben. Aber nicht so wie dieser widerliche Typ. Warum rückte der nicht einfach einen Platz weiter?

Jetzt musste ich mit ansehen, wie er sich genüsslich zurücklehnte, einen Arm auf die Rückenlehne des Nachbarsitzes legte, die Beine lässig überkreuzte und seine Tasche neben sich stellte, wie um einen Besitzanspruch zu unterstreichen.

Feddersens schrilles Pfeifen war inzwischen weiter nach oben geklettert und hatte etliche Dezibel zugelegt. Es war fast nicht zum Aushalten. Er schwankte immerzu vor und zurück, vor und zurück. Ich hatte Sorge, dass er gleich umfallen würde. Außerdem sah ich seinen Mund zucken, wie um etwas herauszuschreien. Die Nasenflügel blähten sich auf und drohten, jeden Moment zu platzen.

Ich durfte nicht zulassen, dass sich die Lage weiter zuspitzte. Viele Fahrgäste fingen an zu murren. Ich spürte, wie sich ihre Blicke förmlich in meinen Rücken bohrten. Vermutlich waren sie erschrocken oder einfach nur neugierig. Keiner schritt ein.

Mir blieb nichts Anderes übrig, als die Zentrale anzurufen. Sie schickten sofort einen Notarzt los. Bis der ankam, war es an mir, die Fahrgäste zu beruhigen.

„Meine Damen und Herren, bitte gedulden Sie sich noch einen Moment. Es wird gleich ein Notarzt eintreffen. Dann werden wir unverzüglich weiterfahren“, rief ich durch den Bus.

Es dauerte nicht lange, bis Hilfe eintraf. Sie nahmen Herrn Feddersen mit. Der Arme begriff nicht, wie ihm geschah. Aber glücklicherweise hörte das schrille Pfeifen auf.

Im letzten Moment steckte ich dem Rettungssanitäter einen Zettel zu, den mir eine junge Frau gegeben hatte, die Feddersen bei seiner allerersten Fahrt mit meinem Bus zur Haltestelle begleitete. Darauf stand: „Im Notfall kontaktieren“ und eine Telefonnummer. Damals wusste ich nicht, was das zu bedeuten hatte. Die junge Frau hatte nur bestätigend genickt und war augenblicklich verschwunden. Der Rettungssanitäter verstand sofort. Plötzlich war auch mir alles klar.

„Der ist doch nicht normal, dieser Kerl“, ließ sich der coole Typ herab, den Vorfall zu kommentieren.

„Mag sein, aber deutlich normaler als Sie“, quetschte ich zwischen den Zähnen hervor und stampfte unzufrieden und wie ein geschlagener Krieger zu meinem Lenkrad zurück, um endlich die Fahrt fortzusetzen.

Am nächsten Tag begrüßte mich Feddersen: „Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, und strebte seinem Platz zu, als wäre nie etwas geschehen.

Thema

Was ist normal, was ist anormal?

Plot

Feddersens Abläufe sind stereotyp: immer derselbe Sitzplatz im Bus, immer dieselben Worte an den Busfahrer.

Als sein Platz im Bus besetzt ist, überfordert ihn diese Situation. Der Busfahrer bemüht sich um eine Lösung. Vergebens. Das stresst Feddersen dermaßen, dass er einen psychotischen Anfall bekommt und von einem Notarzt abgeholt werden muss. Eine Kontaktnummer gibt dem Rettungssanitäter einen Hinweis auf Feddersens Krankheit.

Am nächsten Tag ist Feddersen wieder ganz der Alte.

Prämisse

Auch Kranke können normal sein, wenn ihre Umgebung sie lässt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Vorgriff auf Aufgabe 18

Gefordert ist ein Thema und ein Handlungsexposé für einen Roman. Wow, da soll ich also gleich einen Roman entwerfen. Ist das nicht ein wenig verfrüht?

Aber okay. Ich gebe ja zu, dass ich hin und wieder mit dem Gedanken daran spiele. Und da gibt es auch etwas, das ich mir – sagen wir mal ganz großkotzig – zutrauen würde: ein autobiografisch orientierter, spirituell angehauchter Entwicklungsroman. Aber will sowas jemand lesen? Hätte ich genügend Puste, um so etwas bis zum Ende durchzustehen?Und dann: Würde ich so etwas lesen wollen? Ähm, naja, vielleicht schon.

Aber bei meinem ganzen Lesen über Digitalisierung und Maschinenintelligenz etc. war eine Idee aufgetaucht, über die ich gern schreiben würde, von der ich mich aber – ehrlich gesagt – überfordert fühle. Nichtsdestowenigertrotz (hihi) ist mir das Ganze in einer mal wieder schlaflosen Nacht durch den Kopf gegangen. Da purzelten eine Idee nach der anderen und nun kunterbunt durcheinander. Und jetzt stehe ich da mit einem wirren Haufen anregend summender, spritzelnder Funken, die ich schonmal sicherheitshalber in Bits und Bytes, schwarz auf weiß verwandelt habe.

Also habe ich mir gedacht, dass es ja nicht schaden kann, einfach mal mit diesem Thema die Aufgabe zu versuchen. Und siehe da, es britzeln noch deutlich mehr Gedanken herauf, wenn man erst einmal anfängt. Der innere Zensor ist erstmal recht verhalten, weil er noch davon ausgeht, dass es nur ein Probeschuss ist. Allerdings kommt ein wenig der organisatorische Zensor und mahnt an, der Arbeits-/Jobmoral den Vorrang vor dem Schreibspaß zu geben. Oh, oh. Spielverderber 😦

Tja, und was mache ich nun? Arbeite ich weiter mit einer Idee, die ich ganz gut finde und die ich mir vielleicht zutrauen würde, oder werfe ich mich der kreativen Muse an den Hals, auch wenn ich keinen Schimmer habe, ob ich das jemals gestemmt kriege? Na, wie dem auch sei. Ich haue mal noch ein bisschen in die Tasten und schaue, was sich noch so Funkelndes zeigen will.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine