Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 13

Die Aufgabe

Gegeben waren vier verschiedene äußerst alltägliche Situationen. Zu einer davon sollte man sich eine nette Geschichte ausdenken. Ziel war zu zeigen, dass Geschichten sprichwörtlich auf der Straße liegen.

Was fiel mir schwer?

Eigentlich hatte ich keine Schwierigkeiten damit, mir zu den Situationen Geschichten einfallen zu lassen. Aber welcher Einfall würde sich am besten eignen? Hier hatte ich also eher die Qual der Wahl, weshalb für mich die Aufgabenstellung an sich nicht so sehr sinnvoll war. Aber es war wieder eine Möglichkeit, ein bisschen zu schreiben und das Geschriebene bewertet zu bekommen.

Was habe ich gelernt?

Zwei Kritikpunkte gab es. Einerseits bin ich mal wieder nicht klar bei einer Person als der Hauptperson geblieben. Bei einer Kurzgeschichte darf es wohl keinen Wechsel der Hauptperson geben. Außerdem habe ich mich an einer Stelle zu sehr ausgebreitet, sodass es dann an einer anderen Stelle, an der es hilfreicher gewesen wäre, nicht ausführlich genug wurde.

Das Ergebnis

Bin gespannt, ob Ihr diese Punkte auch entdecken könnt und was Ihr grundsätzlich so zu dieser Geschichte sagt.

Der Silvesterknaller

Grit sinkt in Michaels Arme. In einem langen innigen Kuss sind sie endlich wieder vereint.

Im Sommer hatten Grit und Michael gemeinsam ihr Abitur gemacht. Michael hatte danach angefangen, auf dem Hof seines Vaters zu arbeiten. Grit zog in eine entfernte Stadt, um dort zu studieren. Schon immer war sie mit ihrer Lernfreude und ihrer nachfragenden Neugier ein Dorn im Auge von Michaels Eltern gewesen. Sie wollten sie nicht auf dem Hof sehen, schon gar nicht als seine Freundin, geschweige denn als seine Frau.

Michael kannte nichts Anderes als den Hof seiner Eltern. Hier war er aufgewachsen, hier würde er arbeiten und hier würde er sterben. Ein nettes Mädel zu lieben, war schon okay, aber sie musste zum Hof passen. Das war er seinen Eltern schuldig. Und nun hatte er sich unsterblich in Grit verliebt. Sie wollte Agraringenieurin werden. Also würde sie sich in den Ställen nützlichen machen können. Michael wollte sie heiraten und mit ihr den Hof übernehmen.

„Die kann doch ‘ne Kuh nicht von ‘nem Schwein unterscheiden“, wetterte sein Vater.

„Die kann doch nur ‘nen Bleistift halten und zerbricht schon, wenn sie nur ‘ne Mistgabel ansieht. Nee, nee, anfassen muss sie schon können“, wehrte seine Mutter ab.

„Ich liebe sie. Sie wird sich anders für den Hof nützlich machen. Vielleicht besser verkaufen können? Abrechnungen?“, versuchte Michael seine Eltern umzustimmen.

„Ach, machen wir es dir jetzt nicht Recht? Muss Fräulein Ich-weiß-alles-besser kommen und uns sagen, wie wir den Hof zu führen haben? Pass auf, dass du mit Madame Ich-rühr‘-keinen-Dreck-an nicht irgendwann auf ‘nem Misthaufen landest.“ Sein Vater hatte sich in Rage geredet und lachte gehässig.

„Wenn die ‘nen saubereren Kerl findet, lässt sie dich doch sowieso fallen wie ‘ne madige Pflaume. Sowas darf dir keine Frau antun“, kam Michaels Mutter mit der Beschützerrolle.

„Auf unseren Hof kommt sie jedenfalls nicht“, setzte sein Vater energisch den Schlusspunkt unter die Diskussion.

Solange sie gemeinsam zur Schule gingen, konnten Grit und Michael ihre Liebe unentdeckt ausleben. Sie sahen sich täglich, machten gemeinsam Hausaufgaben, verbrachten zusammen die Nachmittage und so manches heimliche Schäferstündchen.

Seit Grit in der Stadt war, konnten sie sich nicht mehr treffen. Sie konnten sich nicht schreiben, weder klassisch noch elektronisch. Michaels Eltern überwachten alles, auch das Handy ihres Sohnes.

Heute hat er sie endlich wieder. Für diesen einen Silvesterabend ist sie sein. Was danach käme, würde sich schon zeigen. Aber da ist etwas in Grits auftreten, das Michael beunruhigt.

„Michael“, beginnt Grit, „ich muss dir unbedingt etwas erzählen.“

„Hat doch Zeit bis morgen. Gib mir noch ‘nen Kuss, Süße.“

„Nein, lass das. Bitte. Erst muss ich es dir erzählen.“

Michael grummelt unzufrieden.

„Ich habe dich so sehr vermisst – die ganze Zeit über.“

„Ich dich doch auch, meine Hübsche.“

„Und ich war so einsam. Die neue Stadt. Die Uni. Es war alles so einschüchternd. Ich brauchte unbedingt jemanden zum Reden.“

Michael rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er ahnt Unheil.

„Naja, und dann war da dieser Typ. So ganz wie du. Und ich musste immer nur an dich denken. Immerzu.“ Grit wird ganz leise und findet nur noch schwer die richtigen Worte. „Und dann waren wir an Thanksgiving aus. Da gab es auch eine Weinprobe. Naja, es war eben Thanksgiving. Aber ich liebe nur dich.“

Wut beginnt, in Michael zu brodeln. Sie schießt ihm aus allen Poren.

Grit stehen Tränen in den Augen. „Und dann ist es einfach passiert. Bitte, bitte vergib mir.“

Michaels Wut flammt auf und greift nach Grit. Er springt auf und schlägt ihr hart ins Gesicht.

„Also hatten meine Eltern doch Recht. Bloß gut, dass ich das noch rechtzeitig herausgefunden habe. Und dich wollte ich auf unseren Hof holen? Niemals. Billige Hure.“

Der Schall der Ohrfeige und das Poltern des umstürzenden Stuhls gehen im Böllern der Mitternachtsraketen unter. Völlig außer sich vor Empörung über diese Erniedrigung stampft Michael davon, walzt sich einen Weg durch die feiernden Menschen und verschwindet in der Dunkelheit. Inmitten dieser fröhlich feiernden und voller Hoffnung auf das neue Jahr schauenden Menge bricht für Grit die Welt zusammen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 12

Diesen Beitrag widme ich dem Projekt „Kinder im Aufwind“ von PPawlo. Hier geht es zu ihrer Fungrube.

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte von 150 Standardzeilen und ein Exposé dazu. Alles Andere konnte man frei wählen.

Was fiel mir schwer?

Tja, auch wenn ich sonst immer über eine inhaltliche Vorgabe stöhne, so maule ich heute mal, weil mir natürlich einfach so aus der Lamäng auch nichts einfällt. Irgendwann hatte ich eine Idee. Die hätte aber noch etliches an geschichtlicher/historischer Recherche erfordert bzw. war mir nicht so ganz klar, wie ich die geschichtlichen Details gut kombiniert bekommen hätte. Also musste ich auf eine zweite Idee warten. Aber als die dann da war, ging es wieder eher einfach.

Was habe ich gelernt?

Interessant fand ich, wie das Schreiben vonstatten ging. Zuerst habe ich den Anfang geschrieben. Das ging ganz einfach. Der Schluss war mir besonders wichtig, also habe ich ihn gleich nach dem Anfang geschrieben. Dann habe ich den Anfang fortgesetzt, dann wieder mehr auf das Ende hin gearbeitet. Als so etwa ein Drittel bis die Hälfte des Textes fertig war, habe ich den Mittelteil an einem Stück geschrieben. Schon witzig, oder?

Was ich nicht geschafft habe, war, vor dem Schreiben der Geschichte das Exposé oder eine Art Gliederung zu schreiben. Ich bin schon sicher, dass man für längere Sachen (z. B. einen Roman) eine Art groben Fahrplan braucht. Aber bei 150 Zeilen? Außerdem weiß ich doch vorher gar nicht, wie sich die Personen so entwickeln. Das spüre ich doch erst, wenn ich schreibe. Aber mal schauen, was die Zukunft noch so bringt.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Ganz unten steht das Exposé dazu. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Zum Schutz unserer Kinder

Wie konnte sie sich nur von diesem Typen ein Kind andrehen lassen? Entsetzt starrt Magdalena auf den Schwangerschaftstest. Er kann nicht lügen. Es ist bereits der dritte. Und jeder speit ihr das gleiche erschütternde Ergebnis entgegen.

Alles lief so gut. Mark war ihr bester Freund aus der Berufsschulklasse. Auch wenn sie mit ihrem Aussehen ganz andere hätte haben können, fühlte sich Magdalena zu dem langen, schlaksigen Kerl hingezogen. Er war so ganz anders als ihr Onkel. Und jetzt saß sie da. Schwanger. Allein. Mark hatte sich direkt nach ihrer Abschlussfeier aus dem Staub gemacht. Er wollte die Welt erleben.

Magdalena liebte Mark. Okay, das Ding mit dem Sex war nicht so ihres. Mark wollte andauernd und die komischsten Sachen. Er nannte sie „meine Magd“. In solchen Situationen blitzte vor Magdalenas Augen das Gesicht ihres Onkels auf. Dann stieg sie aus ihrem Körper aus und war nur noch Beobachterin des Geschehens.

Und nun sollte sie von Mark ein Kind bekommen? War sie schon bereit dafür? Je länger sie sich mit dem Gedanken befasste, desto besser konnte sie sich vorstellen, Mutter zu sein. Ja, sie wollte für das Kleine da sein, sich um es kümmern und es liebhaben – immer und immer und immer.

Ein Jahr später ist Magdalena mit ihrer Tochter Isabell zu Hause. Es ist anstrengend für sie, ununterbrochen für die Kleine da zu sein. Manchmal wünscht sie sich mehr Zeit für sich. Aber sie will alles für ihr Töchterchen tun. Sie hat Angst Isabell nicht angemessen gerecht zu werden und strengt sich noch mehr an. Jedes Weinen von Isabell ist eine Unfähigkeitserklärung für Magdalena. Sie will, dass es Isabell gut geht.

Gerade in solchen Momenten taucht immer häufiger das Gesicht ihres Onkels vor ihr auf. Das kann sie nun gar nicht gebrauchen. Ein Glas Wein hilft. Manchmal auch zwei. Hin und wieder ein Whisky. Ja, so kann sie sich ihren Onkel vom Hals halten.

Besonders schwer fällt es Magdalena, wenn Isabell unruhig und unausgeglichen ist. Dann wird sie selbst ungeduldig, manchmal fahrig und unkonzentriert.

Eines Tages, als Isabell ungestüm auf dem Wickeltisch herumkullert, kann Magdalena sie kaum noch bändigen. Sie bemüht sich sehr, aber es will einfach nicht klappen. Durch ihr schlechtes Gewissen hindurch hört sie die Stimme ihres Onkels, der sie als lüsternes, dreckiges, unnützes Ding beschimpft. Aber sie kann nicht noch mehr trinken. Plötzlich spürt sie die warme klebrige Masse ihres Onkels in ihrem Mund. Ihr wird ganz schlecht. Sie muss sich in die Toilette übergeben. Da stürzt Isabell vom Wickeltisch und schlägt mit dem Kopf hart auf den Fliesen auf.

Für einen Moment ist es mucksmäuschenstill. ‚Isabell ist tot!‘, schießt es Magdalena durch den Kopf. Doch dann ertönt der erlösende Schrei, der in ein lang anhaltendes, ohrenbetäubendes Kreischen übergeht. Magdalena wickelt Isabell sorgfältig in ein Tuch und stürmt mit ihr ins Krankenhaus.

„Isabell Müller“, will Magdalena ihre Tochter am Empfang anmelden. Weiter kommt sie nicht.

„Was haben Sie mit Ihrem Kind gemacht?“, fährt die Empfangsschwester sie an.

„Sie ist vom Wickeltisch gefallen.“

„Ach ja? Und im Himmel ist Jahrmarkt. Glauben Sie sich das selbst – so, wie Sie aussehen?“ Die Schwester reißt Magdalena ihre Tochter aus dem Arm und hastet mit ihr in den langen Krankenhausflur.

„Wo bringen Sie Isabell hin?“, will Magdalena wissen.

„Bleiben Sie, wo Sie sind, und setzen Sie sich hin“, faucht die Schwester.

„Ich will bei meiner Tochter sein“, ruft sie ihr hinterher.

„Hinsetzen!“

Das sind die letzten Worte, die Magdalena hört. Sie setzt sich in den Warteraum. Ungeduldig wippt sie mit den Füßen, steht auf, setzt sich wieder, fährt sich mit den Händen durch die Haare.

„Frau Müller?“, hört Magdalena nach einer Ewigkeit.

Zwei Polizisten stehen neben ihr und schauen sie erwartungsvoll an. „Bitte kommen Sie mit uns mit.“

„Warum? Meine Tochter ist hier. Ich kann nicht weggehen.“

„Machen Sie jetzt keine Scherereien. Dann können wir das Ganze unauffällig über die Bühne bringen.“

Magdalena bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Sie wird zu einem Polizeiauto geführt und zur Wache gefahren. Dort schieben die Polizisten sie in eine Zelle.

„Hier können Sie nüchtern werden. Dann sehen wir weiter.“

Plautz. Die Tür fällt ins Schloss. Magdalena ist gefangen – in diesem Raum, in ihren Gedanken. Ihr Onkel taucht auf und höhnt: „Habe ich schon immer gewusst, du lüsternes, dreckiges, unnützes Ding. Jetzt hast du auch noch deine Tochter auf dem Gewissen.“

Am Morgen nähern sich Schritte zweier Leute der Zelle. Ein Beamter öffnet die Tür, lässt eine Frau hineinblicken und fragt sie: „Frau Ines Müller, ist das Ihre Schwägerin Magdalena Müller?“

„Ja“, antwortet die Frau.

„Wieso haben Sie den gleichen Nachnamen?“, will der Polizist wissen.

„Auch wenn es Sie nichts angeht, aber Frau Müller ist nicht verheiratet“, kontert sie.

„Na, das hätte ich mir ja gleich denken können. Bei so einer …“

Ines betritt die Zelle.

„Wenn Sie Hilfe brauchen, rufen Sie. Ich warte vor der Tür“, informiert sie der Polizist.

„Das wird nicht nötig sein.“

„Na, Sie müssen es ja wissen.“ Damit schließt der Polizist die Tür mit einer gelangweilten Geste.

Ines nimmt Magdalena in den Arm. Die schluckt, will stark sein, kann aber ihre Tränen nicht zurückhalten. Dann bricht es hemmungslos aus Magdalena heraus. Es dauert lange, ehe sie sich wieder beruhigen kann.

„Magdalena, sie wollen, dass Isabell für eine Weile bei uns wohnt“, beginnt Ines das Gespräch.

„Was? Sie wollen mir Isabell wegnehmen? Warum?“ Magdalena ist verzweifelt und versteht die Welt nicht.

„Sie meinen, dass du sie misshandelst. Sie glauben dir nicht, dass sie vom Wickeltisch gefallen ist.“

„Und du? Glaubst du mir?“ In ihrem Entsetzen findet Magdalena kaum Worte.

„Es ist unerheblich, was ich glaube. Es ist deine einzige Chance. Wenn du sie nicht bei uns wohnen lässt, wollen sie Anklage gegen dich erheben. Dann kommt Isabell zuerst in ein Heim und dann, wenn sie Glück hat, zu Pflegeeltern.“

„Das, das … Nein! Das können sie doch nicht machen.“ Magdalena rinnen schon wieder die Tränen übers Gesicht.

„Doch, sie können und sie werden. Es ist deine Entscheidung.“

Schon wieder muss sich Magdalena fügen. Aber sie darf die Ausnüchterungszelle verlassen. Zerschlagen, entsetzt und traurig schleppt sie sich nach Hause. In der Nähe ihres Hauses kommt sie am Spielplatz vorbei. Offensichtlich hatte sich die Nachricht rasend schnell im Viertel verbreitet, denn Rufe schallen hinter ihr her. „Kinderschänderin.“ „Die gehört hinter Gitter.“ „Lass dich ja nicht wieder hier blicken.“

Nach ein paar Tagen entdeckt Magdalena Hasssprüche gegen sich an der Bushaltestelle, am Müllplatz, an einer Parkbank. In einem Brief droht ihr ein Unbekannter Prügel an, wenn sie nicht bald aus dieser Gegend verschwinden würde. Aber sie kann nicht wegziehen. Nur hier ist sie in Isabells Nähe. Und da will sie bleiben, um sie so oft wie möglich zu besuchen.

Wenn Magdalena zu Isabell geht, muss sie an dem Spielplatz vorbei, wo all die anderen Mütter sie nicht sehen wollen. Als sie wieder einmal auf dem Weg zu Isabell ist, entdeckt Viktoria Magdalena und fährt sie an: „Was willst du hier? Verschwinde. Wir haben dich oft genug gewarnt. Jetzt machen wir dir Beine!“ Und den anderen Frauen ruft sie zu: „Hey, lasst die uns vertreiben – zum Schutz unserer Kinder.“

Alle stürmen auf Magdalena los. Sie flieht kopflos. Da ist die große Straße. Blick nach rechts. Frei. Ein erbarmungsloser Schlag von links schleudert ihren Körper in die Luft und lässt ihn etliche Meter entfernt dumpf auf den Asphalt knallen. Er rutscht weiter, bis der Kopf an eine Laterne prallt und rechtwinklig zum Körper zerquetscht wird. Ein letztes Mal steigt Magdalena aus und ist Beobachterin der Szenerie.

Die Meute stockt für ein Sekunde, bis Viktoria den rechten Arm in die Luft streckt, das Siegeszeichen macht und schreit: „Yee, endlich sind unsere Kinder wieder sicher.“

Exposé

Magdalena, eine junge, gut aussehende, in der Kindheit sexuell missbrauchte Frau nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung, erwartet von Mark, ihrem weniger gut aussehenden, sexbesessenen Berufsschulklassenkameraden, ein Kind.

Unter dem Druck der Kinderbetreuung und den Flashbacks des Missbrauchs wird Magdalena alkoholabhängig.

In einem unaufmerksamen Augenblick fällt ihre Tochter Isabell vom Wickeltisch und wird schwer verletzt.

Im Krankenhaus und auf der Polizeistation geht man von Kindesmisshandlung aus, weil Magdalena alkoholabhängig ist. Magdalena muss Isabell bei ihrer Schwägerin Ines in Pflege geben.

Auch das Umfeld geht von Kindesmisshandlung aus und ächtet Magdalena. Als diese wieder einmal an einem Spielplatz vorbeikommt, jagen die anwesenden Mütter Magdalena. Diese rennt in ihrer Not auf die Straße, wo sie von einem Auto überfahren wird und auf der Stelle tot ist.

Die Mütter bejubeln die wiedergefundene Sicherheit für ihre Kinder.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – die Abrechnung 2017

Im März 2017 überlegte OffenSchreiben, im April an einem Schreib-Camp teilzunehmen. Das hörte sich interessant an. Man würde ca. 2.000 Worte am Tag schreiben müssen. Also wollte ich erstmal sehen, wie viel ich eigentlich so an einem Tag schreibe, und setzte mir 1.000 Worte zum Ziel. Das sind ca. 3,5 Standardseiten.

Ich fing an, die Texte, die ich schrieb, auszählen zu lassen, und führte eine entsprechende Statistik – Wörter, Zeichen, Seiten und die entsprechenden Durchschnitte.

Interessant, was ich den lieben, langen Tag so alles am Schreiben bin: Projektberichte, Projektanträge, E-Mail-Kommunikation mit unseren Lehrgangsteilnehmern, E-Mails an Freunde und Bekannte, Blog-Beiträge, Kommentare und Antworten auf Kommentare in Blogs, Geschichten für die Schreibgruppe… An normalen Tagen war es ziemlich leicht, auf 1.000 Wörter zu kommen.

Das Schreibjahr 2017 in Zahlen

Da ich ja eigentlich nur sehen wollte, ob ich wohl 1.000 Wörter am Tag schaffe, habe ich solche Tage, an denen ich wegen zu viel Arbeit oder wegen ganztägiger Reisen oder wegen Krankheit nur wenig oder nichts geschrieben habe, gelöscht. Außerdem fing die Aufzeichnung erst Mitte März an. Das wird für 2018 anders. Trotzdem hier die Zahlen für die 275 Tage, die in die Statistik gekommen sind (etwa ein 3/4 Jahr).

An 22 Tagen habe ich die 1.000 Wörter nicht geschafft. Dafür waren es an 96 Tagen sogar mehr als 2.000 Wörter.

Insgesamt habe ich 1.780 Standardseiten geschrieben – das sind durchschnittlich 6,5 Seiten am Tag. Wenn man die ganze Schreiberei jetzt in die richtigen Bahnen lenken würde, so wäre ein durchschnittlicher Roman (um die 300-400 Seiten meiner Meinung nach) in einem Jahr durchaus möglich. Also, worauf noch warten?

Interessant für mich war auch festzustellen, wie lang die verwendeten Wörter im Durchschnitt sind: reichlich 6 Zeichen.

Das Schreibjahr 2018

Ich werde einfach weiter schreiben. Mal schauen, was sich daraus ergibt. Wenn es mal ein Buch wird, okay. Wenn nicht, auch okay, denn das Schreiben macht mir einfach Spaß. Mehr muss man doch gar nicht haben.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 11

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte von 80 Standardzeilen Länge. Als Ausgangssituation sollte man sich vorstellen, dass man aufwacht, eine Beule am Kopf hat und alle Papier und alles Geld weg sind. Da sollte die Geschichte ansetzen und erzählen, wie es weitergeht.

Was fiel mir schwer?

Nach wie vor brauche ich lange, um mir zu einer inhaltlichen Vorgabe etwas einfallen zu lassen. Naja, wie sollte ich auch einen nackten Menschen irgendwo/-wie sich Hilfe holen/suchen lassen? Inzwischen habe ich aber gelernt, dass ich das Thema zwar immer wieder im Kopf haben sollte, ansonsten aber ganz ruhig abwarten kann, bis sich eine Idee entwickelt. Zuerst kommt sie ganz sacht. Dann fasse ich das Zipfelchen vorsichtig an, damit es nicht wieder entwischt. Aber dann kommt der ganze Rest (meist) mit einem Schwung hinterher. So war es auch diesmal. Schwer fiel in diesem Sinne eigentlich nur das Abwarten, bis ich die ersten Anzeichen einer Idee sehen konnte.

Was habe ich gelernt?

Ich habe tatsächlich die Geschichte mehr oder weniger komplett im Kopf, ehe ich anfange zu schreiben. Wenn ich dann aber einmal angefangen habe, dann schreibt sich die Geschichte mehr oder weniger in einem Zug herunter. Das ist sicher bei kurzen Geschichten von 80 Zeilen kein weiteres Problem. Ob das aber auch noch funktionieren wird, wenn es längere Geschichten sein sollen oder gar mal ein Roman/Buch? Abwarten – wie immer 😉

Kurzes Statement, das ich gelernt habe: Nicht zu viele Ausrufungszeichen verwenden, um die LeserInnen nicht anzubrüllen!!! – sorry, diese Ausrufungszeichen mussten jetzt einfach sein, die sind aber eher für mich gedacht 😉

Gelernt habe ich aber auch, dass ich, wenn es schon eine Themenvorgabe gibt, sie genau lesen sollte. Irgendwie hatte ich nämlich in meinem Kopf abgespeichert, dass man auch alle Klamotten geklaut bekommen hatte ***oh, oh, oh***. Erst jetzt, als ich für diesen Beitrag das Thema noch einmal anschaute, merkte ich, dass da gar nichts von fehlenden Klamotten stand.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Fantastische Räuberei

Den ganzen Rücken entlang piekst und krabbelt es. Als ich daran kratzen will, merke ich, dass ich auf dem Rücken liege. Mein Schädel dröhnt. Aaaauaaa. Was ist das denn? Eine riesige Beule zieht sich die Stirn entlang. Ist das Blut, das ich da so feucht-schmierig fühle? Ich schlage die Augen auf. Ja, das ist Blut. Schnell klappen die Lider wieder zu.

Was ist nur passiert? Der Rest meines Gesichts scheint in Ordnung. Ich streiche meinen Körper hinunter. Was ist das? Ich bin ganz nackt. Die Brüste hängen, frei von allen Zwängen und der Schwerkraft ergeben, leicht zu Seite. Der Bauch wölbt sich ein wenig nach innen. Arme und Beine scheinen okay zu sein. Ich drehe Hände und Füße sicherheitshalber ein bisschen. Unter Hammergetrommel hebe ich den Kopf. Ich muss wissen, wo ich bin, was passiert ist. Keine Klamotten in Sicht. Auch mein Rucksack ist verschwunden.

Alles klar: Ich bin überfallen und ausgeraubt worden.

Das ist mir in den ganzen 50 Jahren meines Lebens noch nicht passiert, schon gar nicht auf einem Waldspaziergang. Hätte ich doch lieber auf unseren Sohn hören und in meinem Alter nicht mehr allein in den Wald gehen sollen? Zu spät. Und jetzt?

Mit einem Schwung setze ich mich auf. Da gibt es erneut einen Schlag auf den Kopf, der mich unmittelbar wieder in die Waagerechte befördert. Nur nicht noch einmal einschlafen. Ich blicke vorsichtig um mich herum. Sind die Diebe etwa noch da? Ich habe nichts gehört. Sie scheinen sehr clever und geschickt zu sein. Ich rolle mich zur Seite, will auf allen Vieren davonkrabbeln. Als ich mich in den Vierfüßerstand erhebe, spüre ich einen leichten Schlag ins Genick. Aber nein, das ist kein Schlag. Es ist etwas, das mich festhält und mich nicht weiter aufstehen lässt. Es ist ein starker, sehr tief sitzender Ast des Baumes, unter dem ich gelegen habe. Nun ein wenig erleichtert, ziehe ich mich unter dem Ast hervor und richte mich auf. Der Kopf dröhnt wie ein unsynchronisiertes Paukenorchester. Aber es setzt keine neuen Schläge mehr.

Ich nehme meine Umgebung ins Visier. Wo bin ich hier eigentlich? Ach, klar. Da ist der See. Jetzt erinnere ich mich wieder. Ich wollte schwimmen gehen.

Vorsichtig schleiche ich mich an den See und tupfe mir dort sachte das Blut aus dem Gesicht. Mann, tut das weh. Ich muss mich ausruhen und schiebe mich auf einen Stein. Für ein paar Minuten dämmere ich vor mich hin und genieße die zarten Sonnenstrahlen auf der Haut. Kann ich hier nicht einfach sitzen bleiben und zu Hause in meinem Bett aufwachen?

Blinzelnd hebe ich die Lider ein winziges Schlitzchen. Nein, ich bin noch hier. Hier am See. Nackt. Mit Trommelwirbeln im Kopf. Nun, dann muss ich mich wohl der Realität stellen. Wenn nur der Schädel nicht so ein Getöse machen würde. Jede Bewegung schmerzt, lässt mich leicht schwanken und legt dünne Nebenschleier vor meine Sicht.

Da entdecke ich neben einem Strauch einen Haufen Buntes – schwarz wie meine Hose, rot wie mein T-Shirt, blau wie mein Rucksack. Sollten das meine Sachen sein? Schritt für Schritt taste ich mich zu diesem Stapel. Je klarer ich die Dinge erkenne, desto überzeugter werde ich, dass sie zu mir gehören.

Als ich an dem farbigen Haufen ankomme, höre ich ein feines Kichern. Offensichtlich habe ich eine ziemliche Gehirnerschütterung und beginne zu halluzinieren. Gern würde ich diese Wahnvorstellung abschütteln, aber dazu tut mir der Kopf zu weh.

Beherzt greife ich nach meinem T-Shirt. Da zwickt mich etwas kräftig in den Finger. Autsch! Das kichernde Stimmchen hat einen Körper bekommen, der in einem seidigen Kleid steckt. Fast wie Däumelinchen aus meinen Kinderbüchern. Ich wische mir über das Gesicht, um das Spukbild zu vertreiben. Es hilft nicht. Däumelinchen klammert sich mit beiden Armen fest an meinen kleinen Finger und bedeutet mir, sie hochzuheben.

„Schön, dass du endlich ausgeschlafen hast“, zirpt sie mir ins Ohr.

„Aufgewacht ist vielleicht das treffendere Wort“, knurre ich. „Was ist hier los?“, will ich wissen. Fange ich jetzt schon an, an diesen Zauber zu glauben?

„Nach dem Baden hast du dich wie immer ins Gras gelegt und ein bisschen geträumt. Dann bist du, wie von einem wilden Tier gebissen, aufgesprungen. Dabei hast du dir den Kopf an dem dicken Ast gestoßen und bist direkt wieder in den Schlaf gestürzt. Wenn du mich fragst, dann hat dich eine Erdhummel in den Allerwertesten getroffen.“ Ihr Kichern schüttet sich nun wellenartig in mein Ohr aus.

Erschrocken blicke ich an mir herunter. In der Tat, da leuchtet eine knallrote Beule an meinem Poppes.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 10

Die Aufgabe

Gegeben waren vier kurze, eher nichts-sagende Sätze. Sie sollten so aufgebauscht werden, dass daraus kleine Abschnitte von ca. 3 Zeilen Länge wurden. Zwei davon sollte man soweit aufpäppeln, dass sie zu Abschnitten von 10 Zeilen Länge wurden.

Was fiel mir schwer?

Nun ja, mir zu vorgegebenen Sachverhalten etwas auszudenken, fällt mir schon schwer. Irgendwie fehlt es mir dazu wohl an Phantasie und Kreativität. Außerdem fand ich es ungewöhnlich, dass man üben soll, Texte zu verlängern, wo es doch immer heißt, dass man kürzen, kürzen, kürzen soll.

Was habe ich gelernt?

Vielleicht sollte ich nicht solche Sorge davor haben, dass mir nichts einfällt. Wenn ich mich darauf einlasse, kommen dann doch irgendwelche Ideen. Man kann sich immer so schön selbst blockieren 😉

Und natürlich konnte ich auch sehen, dass aus den einfachen Sätzen kleine Szenen geworden waren, die deutlich mehr aussagten, also die kurzen Sätze. Wie realitätsnah diese Übung allerdings ist, weiß ich noch nicht wirklich einzuschätzen.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Die 4 dreizeiligen Erweiterungen

In glitzernder Kälte stehe ich oben am Rodelberg und sehe dem Treiben zu. Dort tobt eine quirlige, bunte Menge, bis einer der Schlitten krachend an einer strammen Tanne zerschellt.

Wie so häufig sitzt Peter am Rand des Bergsees, genießt die klare Luft und die wärmende Sonne. Ein bunter Vogel hopst ans Ufer, wackelt neugierig mit dem Kopf und fliegt davon.

Noch gefangen von dem beeindruckenden Film quillt die Zuschauermenge schweigend aus dem Kino. Marios Freundin bleibt stehen und verabschiedet sich von ihm mit einem flüchtigen Kuss.

Nach einer langen Nachtschicht erreicht Katarina erschöpft ihre Wohnung und geht zu Bett. Sofort sinkt sie in einen traumlosen Schlaf, während die Stadt aus ihren Träumen erwacht.

Die 2 zehnzeiligen Erweiterungen

Weihnachten 1964 war schon etliche Tage vorbei. Max und Monika hatten sich sehnlichst einen Schlitten gewünscht. Als sie ihn unter dem Christbaum fanden, wirbelten sie wie toll durch die Stube. Nun warteten sie auf Schnee. Als Max heute Morgen die Augen aufschlug, sah er durch das kleine Fenster das lang ersehnte Schneetreiben. Er sprang aus dem Bett, krallte sich den Schlitten und spurtete davon. Monika hechtete ihm hinterher. Am Rodelberg stritten sie sich um den Schlitten, zogen und zerrten an ihm, bis er ihnen aus den Händen glitt, den Berg hinuntersauste und an einer knorrigen Eiche zerschellte.

Jeden Sonntag gönnt sich Konrad das Vergnügen, durch den dichten Wald zu stapfen, der sich vor seinem bescheidenen Haus den Hang hinunterzieht, bis er auf eine kleine Lichtung stößt. Behutsam setzt er sich auf einen runden, marmorierten Stein und beobachtet die Vögel. Sie scheinen ihn schon zu kennen, denn sie lassen sich nicht von ihm stören. Einer scheint sogar mit ihm zu kommunizieren. Doch heute ist alles anders. Nur dieser eine Vogel ist da. Sobald er Konrad bemerkt, fliegt er auf und davon. Bedrückt kehrt Konrad nach Hause zurück. Da wartet sein kleiner Freund schon auf ihn.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 9

Nachdem ich durch die Sommerwanderung und die Zeit, die ich danach zum Wiederankommen brauchte, mich nur wenig bis gar nicht um das Schreiben gekümmert habe, soll es nun aber wieder intensiver losgehen.

Die Aufgabe

Gegeben war ein Sachverhalt, der auf drei verschiedene Arten und Weise erzählt werden sollte. Dabei sollte man einmal den Nominalstil verwenden, ihn einmal einem Freund/einer Freundin erzählen und einmal ein Märchen daraus machen.

Was fiel mir schwer?

Irgendwie wusste ich nicht, was Nominalstil sein sollte. Dazu gab es zwei Sätze in den Unterlagen, aber das war es auch. Allerdings war ich auch im Internet (zugegeben nach oberflächlicher Recherche) nicht wirklich fündig geworden. Mit der Erzählung und dem Märchen fühlte ich mich eigentlich ganz wohl.

Was habe ich gelernt?

Allerdings hatte ich nicht mit der Rückmeldung gerechnet, die ich bekam.

Der Nominalstil ging völlig daneben. Nun, das war wohl auch nicht wirklich anders zu erwarten gewesen. Die Erzählung war eher als Gespräch mit dem Freund/der Freundin erwartet, was aus der Aufgabenstellung aber in keiner Weise hervorging. Und bei dem Märchen hatte ich wohl keine Metaphern verwendet (sind Gold, Marktplatz, Narr etc. keine?) und den Abschlusssatz vergessen. Ja, den Abschlusssatz hatte ich in der Tat vergessen.

Tja, und weil sich das Feedback also ausschließlich auf die geforderte Textart bezog, gab es kein Feedback zum eigentlich Text. Das finde ich sehr schade. Wenn man vorher gesagt hätte, was man unter den entsprechenden Textarten zu verstehen hat, dann hätte ich diese Erklärung nicht als Feedback gebraucht und hätte eine Rückmeldung zu meinem Schreiben bekommen. Das lässt mich doch etwas enttäuscht zurück. Nun, dann wird es hoffentlich beim nächsten Mal wieder besser.

Das Ergebnis

Hier also die Texte. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Der Nominalstil

Saloniki (Griechenland), Freitag, 2. Juni, 2017, Main Placa, morgens 9:30. Irrsinniger Mann verteilt an Straßenecke 25.000 Euro – offensichtlich gesamte Ersparnisse seines kurz zuvor aufgelösten Bankkontos. Genauere Herkunft des Geldes konnte nicht ermittelt werden. Aktion löst Chaos aus. Menschenmassen schlagen in Geldgier aufeinander ein. Polizeieinsatz zur Auflösung der Schlägerei nötig. Zwei Hundertschaften rücken in voller Ausrüstung an. Mehrere Verletzte in umliegende Krankenhäuser zur Behandlung gebracht. Keine Toten, niemand schwebt in Lebensgefahr. Großer Sachschaden durch eingetretene Schaufensterscheiben und zerstörtes Mobiliar. Aufräumaktion dauerte zwei Stunden und behinderte den Berufsverkehr. Mann unter psychiatrische Aufsicht gestellt. Polizei vermutet allerdings Versuch der Vertuschung von Geldwäsche. Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer derartiger Vorfälle wurden angekündigt.

Der Bericht an die Freundin

Hey, Meli, hör‘ mal, was ich gerade hier in Saliniki erlebt habe. Da schlendere ich so nichts ahnend und als Ruhe suchender Urlauber durch die Straßen, als ich in einen riesigen Tumult verwickelt werde. Ich weiß gar nicht, was los ist. Überall fliegen Geldscheine durch die Gegend. Die Menschen sind wie irre und reißen sich darum. Einige schlagen aufeinander ein. Es ist wie in einem Kriegsfilm. Einige Verletzte liegen schon am Boden. Da kommt endlich die Polizei. Die greifen echt hart durch bei sowas. Wahnsinn! Na, jedenfalls werden die Verletzen ins Krankenhaus geschafft. Und was war die Ursache? Irgend so ein Verrückter hatte wohl sein ganzes Geld vom Konto abgehoben. Es sollen so an die 25.000 Euro gewesen sein. Und das hat er dann einfach an einer Straßenecke unter die Leute geschmissen. Krass! Die Massen haben sich natürlich sofort draufgestürzt. Der Arme sitzt jetzt beim Psychiater.

Das Märchen

Es war einmal ein König. Der besaß Ländereien und viel, viel Geld. Mit den Jahren wurde es immer ruhiger um ihn. Die Kinder waren aus dem Schloss ausgezogen, die Königin lebte schon lange nicht mehr und der Hofnarr hatte deutlich an Humor verloren. Das war dem König zu langweilig und so kam er auf eine Idee. Er ließ sich vom Schatzmeister alles Gold aus einer riesigen Schatztruhe geben und stellte sich damit mitten auf den Marktplatz der Stadt. Ein Goldstück nach dem anderen warf er in das Gewimmel. Seine Untertanen stürzten sich rasend auf das Gold. Sie prügelten sich und trampelten einander nieder, so gierig waren sie nach den Goldstücken ihres Königs. Die Palastwache schaute sich das Handgemenge eine Weile an, dann beschloss sie einzugreifen. Sie trieben die Menschen auseinander und ließen die Verletzten durch den Hofarzt versorgen. Dieser ließ dem König eine spezielle Behandlung zukommen. Sie war so teuer, dass sie über die Jahre das gesamte restliche Vermögen des Königs auffraß. In dem Moment, als der Hofarzt die letzte Dukate aus der Schatzkammer bekam, atmete der König auf. Alle Last fiel von ihm. Befreit und sorglos sprang er auf und lebte fortan glücklich und zufrieden bis an sein Ende.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 8

Die Aufgabe

Gegeben waren ein paar wenige Sätze als Anfang für eine Geschichte. Es war ein sehr ungewöhnliches Paket angekommen. Nun sollte man diesen Anfang weiterschreiben und insgesamt eine Geschichte daraus machen.

Was fiel mir schwer?

Ich hatte wieder einige Schwierigkeiten, zu dieser Vorgabe eine Geschichte zu zaubern. Es konnte in alle Richtungen gehen. Aber wieso musste es sich unbedingt um ein Paket handeln? Was macht man mit einem Paket? Man packt es aus? Und dann? Da fiel mir ein, dass es früher hin und wieder den Gag gab, dass man ein Geschenk mehrfach einpackte, um Spannung beim Auspacken zu erzeugen. Ob sich daraus etwas machen ließ? Nach und nach entwickelte sich ein kleiner Faden.

Irgendwann setzte ich mich hin und versuchte, den Faden zu einer Geschichte zu verspinnen. Das ging auch ganz gut. Als ich fertig war, merkte ich, dass die Geschichte erst halb so lang war, wie gefordert. Puuh, also diesmal nicht streichen, sondern etwas Zusätzliches erfinden? Dann sollte es wohl so sein. Die Figur bekam ein bisschen mehr Charakter und ich versuchte, das Auspacken genauer zu beschreiben. Voilà, die geforderten 80 Zeilen waren fertig.

Was habe ich gelernt?

Da mir die Geschichte bei einer meiner Wanderungen einfiel und ich nichts vergessen wollte, machte ich mir ein paar Notizen in meinem Handy – die grundlegende Abfolge und ein paar Ideen zu Details. Keine Ahnung, ob das jetzt die Art von Gliederung ist, die beim letzten Mal verlangt war. Wahrscheinlich eher nicht, weil ich z. B. keine Personenbeschreibungen notiert hatte.

Interessant war auch, mal eine Geschichte verlängern zu müssen, wo es doch sonst immer um Kürzen, Kürzen, Kürzen geht. Ich glaube aber, dass es der Geschichte nicht geschadet hat, sie etwas ausführlicher darzustellen.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Die Betreuerin war insgesamt wohl sehr zufrieden. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Mach auf!

… Mit diesem Paket hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere …

Es fing schon damit an, dass das Paket erst am Abend kam. Katharina hatte sich gerade bettfertig gemacht, als es an der Tür klingelte und jemand „Mach auf!“ rief. Sollte sie in ihrem Nachthemd die Tür öffnen? Was, wenn da draußen ein Mann stand, der an ihr ein gewisses Bedürfnis befriedigen wollte? Mit ihren 18 Jahren war sie dafür sicher ein geeignetes Objekt. Schlecht sah sie nicht aus, das wusste sie längst aufgrund der vielen Avancen der Typen ihrer Stufe. Und ihre Eltern waren gerade ausgegangen. Da rief es schon wieder „Mach auf!“ und auch die Klingel schellte erneut.

Katharina blieb nichts Anderes übrig. Aber sie zog die Tür gerade so weit auf, dass das Paket durch den Schlitz passte. Dann schlug sie sie hastig wieder zu. Was sie da in der Hand hielt, gab ihr einige Fragen auf. Es fühlte sich an wie eine leere Pappschachtel. Wenn sie sie schüttelte, klapperte nichts. Aber verpackt war sie wie ein kleiner Schatz. Es gab weder vom Absender noch vom Empfänger eine Anschrift. War es also gar nicht der Postbote? Da rief die Stimme schon wieder: „Mach auf!“ Das Rasseln der Klingel begleitete sie.

Katharina musste herausfinden, was es mit diesem Paket auf sich hatte. Mit einem Ratsch schnitt sie die Schnur durch. Prompt verhedderte sie sich in dem Gestrüpp aus Fäden. Weg, nur weg damit. Sie musste an den Inhalt kommen. Das Papier flog in Fetzen auf den Fußboden. Mit einem Fußtritt kickte sie es zur Seite.

Ein eingewickeltes Paket kam zum Vorschein, das die Aufschrift trug: „Wer bist du?“ ‚Was für eine blöde Frage‘, schoss es Katharina durch den Kopf. ‚Ich bin eine angehende Abiturientin wie es tausende in Deutschland gibt und Millionen auf der Welt. Was soll das denn?‘ Sie hatte Vater und Mutter, keine Geschwister. Sie ging zur Schule und war dort nicht ganz erfolglos. Reiten, Klavier, lesen, mit Freunden abhängen. Alles einfach ganz normal. Wie jeder andere eben auch. Wer sollte sie schon sein? Besonders konnten die Anderen sein. Sie hielt sich lieber bedeckt in der Menge.

Das Gekreisch der Klingel, verbunden mit dem Ruf „Mach auf!“, riss sie aus ihren Gedanken. Bisher war sie nicht schlauer geworden, was es mit diesem Paket auf sich haben mochte. Also riss sie die nächste Lage Papier ab, nur, um erneut einen verpackten Karton vor sich liegen zu haben. Diesmal fragte die Aufschrift: „Wohin willst du?“ ‚Das wird ja immer mysteriöser‘, dachte Katharina. ‚Keine Ahnung. Studieren, Kinder, einen Job, ein Plätzchen zum Wohnen, Urlaub mal hier, mal dort. Irgendwann in die Kiste steigen. Schluss, Ende aus. Was eben alle so machen.‘

Wieder schrie die Klingel und die Stimme forderte: „Mach auf!“ Also befreite Katharina auch diesmal wieder das Paket von seinem Papier und legte eine schwarze Schachtel frei, die mit Sternen verziert war. Auch ohne dass die Stimme sie dazu aufforderte, klappte sie die Schachtel auf. Sie musste unbedingt hinter das Geheimnis dieser Sendung kommen. In der Schachtel, die durch die schwarze Farbe und die glitzernden Sterne schon fast an eine wertvolle Schatulle erinnerte, fand sie einen Zettel. Jemand hatte in feiner, akkurater Schrift drei Zeilen darauf gesetzt: „Mach auf! Mach dich auf! Mach dich auf den Weg!“ Das war ihr völlig unerklärlich. Welcher Weg wohl gemeint sein mochte? Sie wollte doch gerade ins Bett gehen. Dieser Weg sollte es wohl nicht sein. Welcher Weg dann? In die Schule? Ja, ja, das machte Katharina jeden Tag. Tatsächlich war sie stolz darauf, nie eine einzige Stunde in der Schule geschwänzt zu haben. Aber war der Schulweg wirklich so wichtig?

Katharina drehte den Zettel um. Sie hoffte, dort einen weiteren Hinweis zur Lösung dieses Rätsels zu finden. Neongelb blinkend stach ihr ein Wort in die Augen: „Leben“. Es begann bereits, sich in ihren Augenhintergrund einzubrennen.

Da durchzuckte das Schrillen der Klingel Katharina abermals. „Mach auf!“, rief die Stimme wieder. Immer und immer wieder. Drängender jetzt, in kürzeren Abständen. Oder war es eher ein „Wach auf!“? Katharina spürte, wie sie jemand am Arm packte. Sie wollte schreien, bekam aber keinen Ton heraus. In ihrer Not riss sie die Augen auf. Ihr Vater stand neben ihr.

„Hey, Süße. Wach auf! Mach dich auf! Du verschläfst ja dein Leben.“ Er drückte ihr sanft einen Kuss auf die Stirn und eilte zur Tür hinaus zur Arbeit. Mehr Zeit hatte er noch nie für sie erübrigen können. Aber jeder seiner liebevollen Vaterküsse taten ihr gut.

„Mach auf! Wach auf! Du verschläfst dein Leben!“ Die Worte ihres Vaters hallten noch lange durch Katharinas Kopf. Sie waren wie ein Echo ihres Traums.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine